Die Reaktionen auf seine Rede gegen ein AfD-Verbot veranlassten Harald Martenstein, ein Plädoyer für die Freiheit zu schreiben. Das Buch „Gelenkte Demokratie“ rechnet mit der woken Linken ab – und warnt zugleich vor autoritären Bestrebungen von allen Seiten.
Im Februar 2026 trat Harald Martenstein im Thalia-Theater beim „Prozess gegen Deutschland“ als Verteidiger auf. Im ersten Kapitel des Buchs ist sein Plädoyer gegen ein Verbot der AfD dokumentiert. Das ist gut so. Denn Martenstein verteidigt in dieser beeindruckenden Rede die Demokratie – gegen ihre vermeintlichen Retter.
Sein Auftritt an diesem Abend missfiel offenkundig so manchem Befürworter eines Parteiverbots. „Ich sah also, dass ich schnell wegkam“, schreibt Martenstein im Buch und meint: weg von Matthias Lilienthal, einem der Verantwortlichen der Theater-Veranstaltung, ein „Antifaschist, wie er im Buche steht“. Denn er wirkte bedrohlich auf ihn, als er ihn nach seiner Rede ansprach. Den restlichen Abend verbrachte Martenstein lieber mit Freunden in einer Gaststätte als im „Theaterfoyer empörter Antifaschisten“.
„Dieser Abend hat mein Leben ein wenig verändert“
Die Rede, die danach „viral ging“, löste auch anderweitig heftige Reaktionen aus. Leute bedankten sich bei Martenstein und sagten, er sei mutig. Dies gab den Anstoß zu dem nun vorliegenden Buch: „Wenn man nach 1989 in Deutschland wirklich wieder Mut dazu braucht, einem politischen Projekt der Linken zu widersprechen, stimmt etwas nicht. Ich hoffe, die Leute irren sich“, so Martenstein.
In acht Kapiteln mit jeweils prägnanten Titeln befasst sich der Autor damit, was Demokratie ausmacht und woran es derzeit hapert: Gleichheit vor dem Gesetz, Meinungsfreiheit für einen offenen Diskurs sowie freie Wahlen, die einen Politikwechsel ermöglichen. Den aktuellen Zustand beschreibt er als „gelenkte Demokratie“ – so auch der Buchtitel: „Eine Demokratie, in der es nur noch eine einzige zulässige Richtung gibt. Und alles sieht dabei demokratisch aus.“ Walter Ulbricht lässt grüßen.
Martenstein beschreibt zunächst, wie es dazu kam, dass er zum „Schauprozess gegen die AfD“, wie er die Inszenierung bezeichnet, als Darsteller eingeladen wurde. Doch er spielt keine Rolle. Martenstein ist er selbst und steht hinter jedem auf der Bühne gesprochenen und im Buch niedergeschriebenen Wort.
Martenstein über seine Mutter: „Ihre Welt ging unter“
Eine persönliche Dimension erhält das Buch durch die Geschichte seiner Mutter – möglicherweise eine Erklärung dafür, weshalb er vor einem Parteiverbot und der Brandmauer warnt: 1933 geboren, heiratete sie mit 18, wurde mit 20 Mutter, war bald alleinerziehend und arbeitete ihr Leben lang hart. Wegen Willy Brandt trat sie in die SPD ein und blieb lange Mitglied.
Martenstein erläutert, warum die Brandmauer der SPD nützt, die CDU zerstört und die AfD immer erfolgreicher macht. Alle Parteien hätten ihre Anhängerschaft enttäuscht, alle bis auf eine. „Sie hatte, wegen der Brandmauer, nämlich nie Gelegenheit dazu, etwas falsch zu machen.“
„Die Straße gehört ja den Linken“
Das Geheimnis der Brandmauer sei ihre Begründung, die auf der These beruhe, dass „rechts“ sich kaum von „rechtsextrem“ unterscheide und „rechtsextrem“ das Gleiche sei wie „Nazi“. „Alle politisch rechten Wege führen nach Auschwitz (…) genau dieser Gedanke ist Basis der Brandmauer, denn ohne ihn wäre sie ja eine antidemokratische Ungeheuerlichkeit.“
Bei einem Fall der Brandmauer rechnet er mit einer beispiellosen Mobilisierung der Straße: „Die Straße gehört ja den Linken.“ AfD- und CDU-Büros würden gestürmt und Parteimitglieder verprügelt, Tote seien nicht ausgeschlossen.
Martenstein geht hart mit der woken Linken und ihren Unterstützern in Medien, NGOs und Parteien ins Gericht. Er nennt ihre Behauptungen „Lügen“, etwa die, dass es mehr als zwei Geschlechter gebe oder keine Einwanderung in die Sozialsysteme. Er spricht von Kontaktschuld und von „Meinungswächtern“, macht die Jusos für den Niedergang der SPD mitverantwortlich und bezeichnet die Antifa als „Maulhelden“. Seine Zuspitzungen im Buch könnten den einen oder anderen „Meinungswächter“ und „Maulhelden“ in Alarmbereitschaft versetzen.
Seine Kritik veranschaulicht er an Beispielen: dem Umgang mit Alice Schwarzer, Thilo Sarrazin und Julia Ruhs wegen ihrer Ansichten. Den Schluss widmet er Michael Kyrath, dessen Tochter von einem mehrfach straffällig gewordenen, ausreisepflichtigen Palästinenser ermordet wurde, sowie den Eltern, die nicht das gleiche Schicksal erleben wollen und aus Angst um ihre Kinder die AfD wählen. „In keinem Land der Welt werden Menschen sich jemals damit abfinden, dass ihre Kinder vor ihnen sterben. Lieber würden sie selbst sterben.“
„Links ist gut, Rechts ist böse: So einfach ist es nicht“
Gelegentlich wählt er die direkte Ansprache: „Ihr wollt in den Anderen keine Mitmenschen sehen. Ihr wollt sie zu Monstern erklären.“ Sein Urteil über die zugrunde liegende Ideologie fällt unmissverständlich aus: Wokeness ist ein „Frontalangriff auf die Demokratie“, weil diese Ideologie das Prinzip „gleiches Recht für alle“ ebenso ablehnt wie die Meinungsfreiheit.
Der Autor beschränkt sich nicht auf die Polarisierung von Links und Rechts: „Links ist gut, Rechts ist böse: So einfach ist es nicht.“ Er betont die Gefährdung der Freiheit durch jeglichen Autoritarismus. Die Demokratie werde nicht nur von rechten wie linken Autoritären bedroht, im Islamismus sieht Martenstein eine der größten Bedrohungen.
Die entscheidende Trennlinie verlaufe zwischen autoritären Regimen und solchen, in denen alle die gleichen Bürgerrechte besitzen. Der AfD und ihren Vertretern würden diese Rechte entzogen, indem man ihre Kandidaten von Wahlen ausschließt oder gewählten Abgeordneten parlamentarische Ämter verweigert.
Wie aktuell Martensteins Warnungen sind, zeigt etwa die CDU im Landtag von Sachsen-Anhalt, die mit dem Gedanken spielte, bei der anstehenden Wahl des Ministerpräsidenten im Dezember den Saal zu verlassen und sich so der Stimme zu enthalten – mit dem Ziel, Abgeordnete als Abweichler oder Verräter zu kennzeichnen und zu stigmatisieren. So etwas gehört zum Instrumentarium autoritärer Herrschaft.
„Kampf gegen Rechts ist der Kampf für ein linkes Machtmonopol“
Ein paar Tage nach seinem Auftritt im Thalia-Theater erfuhr Martenstein, dass Teile des Publikums und vor allem die Belegschaft sich immer noch traumatisiert fühlten, sie hätten geweint und wären therapiebedürftig. Mit diesem Buch liefert er für diese Betroffenen möglicherweise die geeignete Therapie: durch Konfrontation mit dem Auslöser ihres Traumas.
Zugleich ist es ein empfehlenswertes Lehrbuch – nicht nur für die vermeintlichen Beschützer „Unserer Demokratie“. Manchem Leser mag es Genugtuung bereiten, zu lesen, wie der Autor mit der woken und autoritären Linken schonungslos abrechnet. Zugleich ist das Buch allen eine Mahnung, die stets gefährdete Demokratie vor autoritären Bestrebungen zu schützen.
Zugespitzt und scharf, manchmal witzig, häufiger sarkastisch, selbstkritisch, gelegentlich erbost, aber immer sachlich und vor allem klar und deutlich liefert Harald Martenstein mit diesem Buch ein Plädoyer für die Freiheit – in einer Zeit, in der ihre Verteidigung den einen schon als Provokation gilt und den anderen als Zeichen für Mut.
Harald Martenstein. Gelenkte Demokratie. Ein Plädoyer für die Freiheit. LMV, Hardcover, 128 Seiten, 16,00 €




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Eine gelenkte Demokratie ist eine DDR oder besser noch veganes Fleisch!
Wir können die Demokratie auch nicht retten, weil sie nie existierte!
Wir können sie nur erkämpfen.
Wenn wir als Volk austerben, so kann uns das auch Egal sein, so wie die Schulden auch!
Es gibt auch keine Brandmauer, weil eine Brandmauer beide seiten schützt und nicht nur eine Seite. Schütze die Berliner Mauer beide Seiten von Berlin?
Die Wahrheit ist einfacher, es ist schon lange Krieg und so wird er geführt!
Kommt mir vor wie der SS Offizier der 1944 noch eine jüdische Familie versteckt und sich das schriftlich geben lässt.
Martenstein war immer ein übler Erzlinker der für radikal linke Blätter geschrieben hat. Definitiv ein Mittäter für die Zustände heute. Und dann scheint das Schiff zu sinken, und …