Pentagon: Autobauer und Industrie auch für Waffenproduktion

Geleakte Wünsche des US-Kriegsministeriums erinnern an die Weltgeschichte: Das Pentagon besprach mit den Chefs der Autohersteller General Motors und Ford sowie weiterer Industrieunternehmen, Teile der zivilen Fabrikation künftig für die Herstellung von Waffensystemen zu nutzen.

picture alliance / newscom | BONNIE CASH

Die Initiative, die an die industrielle Mobilmachung im Zweiten Weltkrieg erinnert, soll die stark dezimierten Waffenbestände der USA nach dem Iran-Krieg rasch auffüllen und die Verteidigungsindustrie auf einen „Kriegspfad“ bringen, berichtet aktuell das Wall Street Journal.

Hochrangige Beamte des Pentagon haben in den vergangenen Wochen über die von ihnen gewünschte Umstrukturierung mit GM-Chefin Mary Barra und Ford-CEO Jim Farley gesprochen. Auch GE Aerospace und der Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer Oshkosh sind in die vorläufigen, aber weit gefassten Verhandlungen einbezogen. Die Pentagon-Vertreter fragten explizit, ob die Konzerne ihre Montagebänder, Fachkräfte und Logistiksysteme für die Produktion von Lenkwaffen, Komponenten und militärischem Gerät umrüsten könnten. Die Gespräche begannen teilweise bereits vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts, der hohe Munitionsverbrauch der vergangenen Wochen unterstrich aber die Dringlichkeit des Starts des Programms.

850 Cruise Missiles in einem Monat

Die Nahost-Krise ist eine gewaltige Belastung der US-Streitkräfte: Der kurze, aber intensive Krieg gegen den Iran (Operation Epic Fury, begonnen am 28. Februar 2026) hat die US-Munitionsvorräte in wenigen Wochen deutlich reduziert. Allein in den ersten Wochen wurden Hunderte von Tomahawk-Marschflugkörpern abgefeuert, angeblich 850 Stück – was dem Neunfachen der jährlichen Beschaffungsrate entspricht.

Dazu wurde die gesamte anfängliche Bestandsmenge an Precision Strike Missiles (PrSM) in den ersten Kampftagen verbraucht. Die Bestände an Patriot-Abwehrraketen wurden in der Nahost-Region ebenfalls stark dezimiert. Die auf Friedenszeiten und Abschreckung ausgelegte US-Rüstungsindustrie war auf einen sechswöchigen Hochintensivkonflikt offenbar nicht ausreichend vorbereitet.

Militärbudget wird um 44 Prozent erhöht

Präsident Donald Trump hat den Konflikt wiederholt als „sehr nah am Ende“ bezeichnet, aber gleichzeitig drängt das Pentagon auf Vorbereitungen für mögliche zukünftige Auseinandersetzungen. Der jüngste Haushaltsentwurf der Trump-Administration sieht für das Fiskaljahr 2027 mehr als 1,5 Billionen Dollar für die Verteidigung vor – der höchste Betrag in der modernen US-Geschichte und ein Anstieg um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein Großteil der Mittel soll in die Produktion von Munition, Drohnen und Präzisionswaffen fließen. Doch traditionelle Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin oder RTX können die benötigten Mengen nicht schnell genug skalieren. Deshalb sucht das Pentagon nun nach kommerziellen Partnern, die wissen, wie man in hohen Stückzahlen produziert.

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Die Parallele zum Zweiten Weltkrieg: Damals verwandelte sich Detroit – das Herz der amerikanischen Autoindustrie – in das „Arsenal of Democracy“. Ford, GM und Chrysler stellten die zivile Pkw-Produktion weitgehend ein und bauten stattdessen Panzer, Bomber (wie den legendären B-24 Liberator in Fords Willow-Run-Werk), Lastwagen, Motoren und stellten Munition her. Diese industrielle Mobilmachung war entscheidend für den Sieg der Alliierten.

Auch während der Corona-Pandemie 2020 hatten GM und Ford zivile Fertigungskapazitäten umgestellt und Beatmungsgeräte produziert – ein Beweis, dass die Branche flexibel reagieren kann.

Die aktuelle Initiative zielt darauf ab, die Verteidigungsindustrie über die klassischen Zulieferer hinaus zu verbreitern. „Wir brauchen Partner, die Montagelinien im Volumenbetrieb beherrschen“, zitiert das Wall Street Journal Informanten aus dem Pentagon. Die Autoindustrie bringt genau diese Fähigkeiten mit: hochautomatisierte Werke, Lieferkettenoptimierung und eine Millionenbelegschaft. Gleichzeitig könnte die Umstellung Arbeitsplätze sichern.

Die Umrüstung von Autofabriken auf Rüstungsproduktion erfordert aber Zeit, Investitionen und regulatorische Anpassungen. Zudem könnten Lieferkettenprobleme bei kritischen Rohstoffen (etwa Halbleiter und Seltene Erden) die Pläne verzögern.

Und während Donald Trump den Fokus auf eine starke militärische Abschreckung legt und den Haushaltsentwurf als „notwendig für die Sicherheit“ verteidigt, sehen Democrats und auch Teile der Republicans die 1,5-Billionen-Dollar-Forderung kritisch.

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