Philipp Amthor (CDU) warnt vor zugewandertem Antisemitismus

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz mahnt CDU-Politiker und Bundestagsabgeordneter Philipp Amthor im Interview mit ntv insbesondere auch vor einem neuen muslimisch geprägten Antisemitismus in Deutschland.

imago Images/photothek
Der Jurist Philipp Amthor sitzt seit 2017 für die CDU im Deutschen Bundestag. Der mit 28 Jahren zweitjüngste Abgeordnete des Hauses ist einer der Innen- und Europaexperten der Union. Er gilt als konservativ, trat 2019 mit Taufe der katholischen Kirche bei und scheut sich auf der politische Ebene nicht, sich gegen Gender-Mainstreaming auszusprechen oder die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe abzulehnen.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die vorrückende Rote Armee, wurde der Politiker heute Vormittag von „ntv-Frühstart“ interviewt und gab dort ein bemerkenswertes Statement ab, wenn Philipp Amthor diesen besonderen Tag für Deutschland auch dazu nutze, insbesondere auf Antisemitismus in „muslimischen Kreisen“ im Land hinzuweisen. Anzumahnen, dass auch dieser zugewanderte Hass gegen Juden nicht zu tolerieren sei.

„Es ist natürlich ein besonderer Tag der Verantwortung, wie es insgesamt jetzt Tage der Verantwortung sind.“, beschreibt Amthor auch seine persönliche Gemütslage. Jetzt könnte man darüber streiten, was eigentlich eine Woche oder einen Monat später mit dieser Verantwortung passiert, wenn man die Haltung vertritt, dass Auschwitz 365 Tage im Jahr Mahnung zu sein hat und eben die deutsche Verantwortung Teil der Staatsräson ist, wie es auch die Bundeskanzlerin bei einem viel beachteten Israelbesuch klargestellt hatte. Aber solche verbalen Holprigkeiten als Anlass für Kritik auch an der Erinnerungskultur unserer Politiker sind leider so alt, wie die Geschichte der Bundesrepublik selbst.

So präzisiert Amthor auch gleich, dass diese „Tage der Verantwortung“ eben jenes Nadelöhr sein müssten, durch das unsere bundesdeutsche Gegenwartsbetrachtung gehen müsse.

In der schulischen Bildungsarbeit in Deutschland würde eine auf den Holocaust bezogene „Erinnerungskultur“ schon „eine besondere Rolle spielen“, das sei auch seine eigene Erfahrung, sagt der CDU-Politiker. Die Zahlen allerdings würden schon Sorge bereiten, erinnert Amthor an aufschreckende Studien, die herausgefunden haben wollen, dass bis zu vierzig Prozent der Bevölkerung „wenig oder gar nichts“ über den Holocaust wissen. Hier möchte er eine noch stärkere Beschäftigung mit diesem Themen in der Bildungspolitik. Hier soll bei der jüngeren Generation eine Erinnerungskultur stärker verinnerlicht werden.

Auf die Frage nach der Sicherheit von Juden und jüdischem Leben in Deutschland erinnert Amthor an die Ereignisse des Jahres 2019, „die schon einen Schatten auf diese Betrachtung werfen“ würden. Der Amoklauf von Halle und vereinzelte Übergriffe gegen Juden und jüdische Einrichtungen besorgen Amthor hier im besonderen Maße, wie er sich ausdrückt.

Für ihn ist es gerade in diesen Tagen wichtig, besonders gesellschaftlich „eine klare Linie zu ziehen“. Die Erinnerungskultur dürfe nicht „formelhaft“ sein, sondern müsse auch „inhaltlich etwas bedeuten“. Amthor verweist hier auf die Segnungen des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes, welche den Kampf insbesondere gegen Antisemitismus im Internet erleichtern würde.

Eine Lehre aus dem Holocaust müsse es aber auch sein, sagt er weiter, von Deutschland aus den Blick hinüber in den Nahen Osten zu richten und zu schauen, was dort passiert in Sachen Antisemitismus.

Also auch die Außenpolitik Deutschlands entsprechend auszurichten? Zwar betont Amthor ausdrücklich zu Beginn seines Gesprächs die Aufgabe des sozialdemokratischen Bundespräsidenten bezogen auf diese Erinnerungskultur; über dessen viel kritisierte Rolle auch schon als Außenminister bei Gesprächen mit dem Iran erinnert Amthor allerdings nicht.

Auf die Frage, was sich denn nun in den letzten Jahren verändert hätte, sieht Amthor eine Verantwortung der Gesellschaft, den Kampf gegen Antisemitismus noch einmal besonders zu adressieren. Er hätte vielleicht, um auf die Sätze überzuleiten, die dann folgen, aber auch diese europäische Studie von 2018 erwähnen können, über die das ZDF zusammenfassend schrieb: „Auffällig ist – wie schon andere Studien gezeigt haben – dass Antisemitismus keine Einstellung allein des rechten Rands ist. Zu den häufigen Täter-Gruppen zählten Menschen mit extremen muslimischen Einstellungen (30 Prozent), gefolgt von Menschen aus der eher linken Szene (21 Prozent), Arbeits- oder Schulkollegen (16 Prozent), Menschen aus dem Bekanntenkreis (15 Prozent) und Personen mit eher rechtsextremen Ansichten (13 Prozent).“

Danach wird dann tatsächlich klar, wie Amthor sagte, und wofür er gleich bei Politikern der Linke und der Grünen in scharfe Kritik geriet, „dass Antisemitismus natürlich vor allem in muslimisch geprägten Kulturkreisen besonders stark vertreten ist. Und natürlich ist nicht zu vernachlässigen, dass auch auf dem Hintergrund der Migration der letzten Jahre auch an dieser Stelle viele Sorgen für die jüdische Bevölkerung da sind. Und das kann ich auch verstehen, da muss für uns klar sein: Wenn man von Migranten zu Recht erwartet, dass man sich hier an unsere Kultur hält, dann gehört es dazu auch, dass Antisemitismus bei uns keinen Platz hat.“


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Kommentare ( 87 )

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87 Kommentare auf "Philipp Amthor (CDU) warnt vor zugewandertem Antisemitismus"

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Für Frankreich scheint der Deutschlandfunk das Problem erkannt zu haben – an die durch Merkel geschaffene und für uns alle immer lebensbedrohlicher werdende Situation traut sich der von uns ausgehaltene Sender anscheinend noch nicht ran: https://www.deutschlandfunk.de/kulturkampf-in-frankreich-radikale-islamisten-erobern.886.de.html?dram:article_id=468466&utm_source=pocket-newtab

Amthor hat teilweise zurückgerudert, nachdem er anscheinend verbal hart attackiert wurde. Dabei scheint er sein Bild in der Öffentlichkeit lädiert zu haben. Die Medaille hat aber zwei Seiten. Ihm war bestimmt klar, dass er massiv Gegenwind bekommt. Wollte er ihn hervorrufen? Sollte der Öffentlichkeit vorgeführt werden, wer den Vorbeter für PolC gibt? Und was man gefälligst zu sagen hat? Sollte der Zweck der Aktion sein: „Das ist die Wahrheit, aber sie als Politiker zu sagen, wird von den Linken sprachpolizeilich verboten.“? Das kommt mir vor wie in der SBZ um 1947: Wer was gegen die SED oder die Sowjets sagt,… Mehr

Ich gebe es zu, ich bin keine besondere Geschichtskennerin, dass übliche halt. Was sich in meinem Gedächtnis jedoch festgefressen hat: Seit 2000 Jahren werden Juden beleidigt, verfolgt und gemordet. Selbst zu Zeiten gemäßigter Toleranz waren sie als (Volks-?) Religionsgruppe nicht sehr beliebt.
Warum ist das eigentlich so?
Warum müssen jüdische Menschen und Einrichtungen selbst im 21. Jahrhundert immer noch um ihr Leben und ihre Reputation fürchten?

Seit ca. 2000 Jahren gibt es das Christentum.
Könnte damit zusammenhängen.

Das ist eine gute Frage, die mich auch schon länger beschäftigt. Dies insbes., weil ich berufsbedingt schon viel im Nahen Osten unterwegs war. Mit Menschen jüdischen Glaubens bin ich jedoch nicht nur in Israel zusammen gekommen, sondern habe mit vielen in anderen Ländern zusammen gearbeitet (Israel spielt schon seit geraumer Zeit eine recht wichtige Rolle in der IT). Anhand meiner Erfahrungen und Beobachtungen stelle ich fest, dass es den typischen Juden nicht gibt. Also genauso wenig wie den typischen Christen, Muslim, Hinduisten oder Buddhisten. Somit ist die Frage, warum ausgerechnet Angehörige dieser Abrahamitischen Religion schon immer irgendwie verfolgt wurden und… Mehr
Vielen Dank Herr Gerle für Ihren ausführlichen Kommentar. Bezugnehmend darauf ist mir natürlich auch klar, dass es nicht d e n Juden oder d e n Russen etc. gibt. Umso erstaunlicher, dass der Jude an sich so unbeliebt war und ist. Wobei ich ziemlich überzeugt davon bin, dass nach jahrelanger Schulbeschallung i.S. 2. Weltkrieg die Antipathie gegen Juden durche Deutsche auf ein verschwindend geringes Maß zurückgegangen ist. Warum die Antisemitismusraten in Deutschland seit 2015 derart in die Höhe geschnellt sind, weiß doch nun wirklich jeder hier. Dafür braucht es auch keinen Amtor, höchstens vielleicht, weil er ein (junger) Politiker ist,… Mehr

Da könnte er ja gleich mal bei der von ihm mit gewählten Regierungschefin anfangen. Die hat glaube ich irgendetwas mit dem Problem zu tun. Habe ich gehört…

„Philipp Amthor (CDU) warnt vor zugewandertem Antisemitismus“

Auweia, wenn das das Merkel hört. Dieser Philipp Amthor scheint ja ein ganz schlimmer Nazi Rassist in der CDU zu sein.

Armer Kerl. Von der CDU zu früh unter ihn erstickende Fittiche genommen…

Ja, ein armer Islamophobe. Hätte ich von Team Merkel nicht gedacht, nun haben die fast ihren eigenen Sarrazin.

Ich habe kein Vertrauen in europäische Institutionen und glaube nur Umfragen, die ich selbst gefälscht habe. Und ich bin es leid, mit jedem dahergelaufenen Passdeutschen in einen Topf geworfen zu werden, mit dem ich kulturell nicht die geringste Übereinstimmung besitze. Im Übrigen werden die türkischen „Grauen Wölfe“ als größte rechtsextreme Organisation in Deutschland genannt und mit 18.000 Mitgliedern etwa drei mal so groß, wie die NPD (https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/260333/graue-woelfe-die-groesste-rechtsextreme-organisation-in-deutschland) … und Hakenkreuze malen, kann schließlich noch der letzte linke Depp … Zu Herrn Amthor fällt mir bestenfalls das Karl Valentin-Zitat ein: „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht… Mehr

I wo, Herr Wallasch, das haben Sie ganz falsch verstanden.
Natürlich ist der Rechtsextremismus DIE größte Gefahr in Bezug auf Antisemitismus in Deutschland – so die Präzisierung dieses „Innenexperten“ oder wie man Umfallen/Zurückrudern heute so nennt.
Die CDU hat schon extreme Querdenker und Querulanten an Bord – daraus könnte noch ein Hintze, Tauber oder gar ein Altmaier werden … .
Aber sprachlich schon der großen Vorsitzenden nacheifernd.
Rechtsextremismus die größte Gefahr in Bezug auf Antisemitismus in Deutschland … .
Welch sprachgewaltiger, doppeldeutiger Feinsinn.
Welch an den Rändern mäandernder Mainstream.
Herr Broder würde wahrscheinlich sagen: War für ein Schmock !

Wenn mich nicht alles täuscht, dann ist seine Chefin doch Frau Angela Merkel, oder? und Amthors Migranten-Partei möchte unbedingt an der Macht bleiben, oder? Falls Ihnen, werter Autor, das noch nicht aufgefallen ist, die Mitglieder der Migranten- Partei, sowie die Schwester- oder Bruder-Partei CSU, insbesondere der Innenminister Seehofer, reden auch von morgens bis abends, tagein tagaus, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr davon, dass sie alles im Griff haben und keiner mehr reinkommt und alles sicher ist und die Kriminalitätsrate permanent sinkt und das neue Volk eine Bereicherung ist und wir all diese Helden aus nah und… Mehr

Nix haben sie im Griff. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs – solche, die so dumm waren, der Polizei in die Arme zu laufen: https://www.presseportal.de/blaulicht/suche/bundespolizei%20einreise
Besonders aus Dänemark scheint sich die Einreise von Afrikanern zu erhöhen…

„Anzumahnen, dass auch dieser zugewanderte Hass gegen Juden nicht zu tolerieren sei.“ Der hoffnungsvolle Nachwuchspolitiker scheint die Doktrin seiner eigenen Partei nicht zu kennen: Die konzernfreundliche Politik der Masseneinwanderung Zwecks Plünderung des Sozialstaates mittels H4-alimentierter Neu-Konsumenten ist ohne Abstriche umzusetzen. Je mehr Einwanderer, um so besser – weil lukrativer. Importierter Antisemitismus und weitere Verwerfungen infolge dieses historisch einzigartigen Experimentes sind gefälligst klaglos hinzunehmen. Kritik ist nicht erwünscht. Sie kann zum Karriereknick führen. Das sollte sich der Jungpolitiker tunlichst hinter die Ohren schreiben, wenn er noch was werden will.

Nach der Standpauke durch Sawsan und die anderen aus der Gang hat Alfred E. Amthor zu seiner eigentlichen Bestimmung zurückgefunden – als Lachnummer der CDU.