Die verzerrte Antisemitismus-Statistik

Angeblich sind 90 Prozent der Täter politisch rechts motiviert, behauptet der Innenminister. Doch Juden schätzen die Gefahren völlig anders ein – sie sehen in der Mehrzahl Muslime als Täter.

imago images / photothek

Die Zahl der antisemitischen Taten in Deutschland hat in einem besorgniserregenden Maße zugenommen. Soeben haben Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch die Statistik der politisch motivierten Kriminalität vorgelegt. Demnach gab es im vergangenen Jahr 1.799 judenfeindliche Straftaten – ein Plus von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1.504).

Klarer Befund
Deutscher Verfassungsschutz warnt vor Antisemitismus im Islamismus
Darunter fallen antisemitische Schmierereien oder Beschädigungen, Drohungen gegen Juden oder tätliche, gewaltsame Übergriffe. Der Antisemitismus ist beschämend für das ganze Land. In der Statistik werden 90 Prozent der Taten politisch „rechten“ oder rechtsextremen Tätern zugeordnet. Seehofer nannte dies am Dienstag „eine wichtige Feststellung“.

Doch hier bewegt er sich auf schwankendem Grund. Denn die meisten Täter sind anonym und werden nie gefasst. Woher weiß man, ob eine Hakenkreuz-Schmiererei oder eine Beleidigung gegen Juden von rechten, deutschen Tätern stammt? Die Polizei „vermutet“ dies einfach.

Seehofer stotterte auf der Pressekonferenz herum, man könne ja nicht den Großteil der Taten einfach „Unbekannten“ zuschieben: Sonst gäbe es den Vorwurf, man sei „rechts blind“.

 

PMK -links- (Stand 27.03.19)
o Gefährder: 2

PMK -rechts- (Stand 27.03.19)
o Gefährder: 34

islamistisch- terroristisches Personenpotenzials (Stand 01.05.19)
o Gefährder: 735″

Also werden sämtliche Zweifels- und Verdachtsfälle einfach „rechts“ zugeschoben, obwohl auch antisemitische Islamisten die Urheber sein können.

Zuwanderungsfolgen
Antisemitismus: EU-Studie widerspricht Kriminalstatistik
Erst jüngst ergab eine parlamentarische FDP-Anfrage in Berlin, dass ein Großteil der dortigen antisemitischen Straftaten – 120 von 253 Fälle – in der Statistik „rechts“ zugeordnet wurden, obwohl die Motive der Täter im Dunkeln liegen. Schon vor zwei Jahren monierte der Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus, dass es möglicherweise „ein nach rechts verzerrtes Bild“ in der Statistik gebe, das nicht der Wahrheit entsprach.

Der Realität näher kommt wohl eine breite Befragung unter Juden, die jüngst von der EU-Grundrechteagentur veröffentlicht wurde.

Auf die Frage nach den Tätern gaben in Deutschland 41 Prozent der von einem antisemitischen Vorfall Betroffenen an, die Täter seien ihrer Sicht extremistische Muslime gewesen, 20 Prozent sahen Rechtsextreme als Täter, weitere 16 Prozent Linksextreme. Laut Einschätzung der Betroffenen war also die Mehrheit der Täter Muslime.

Nach einer Studie von Dr. Julia Bernstein, die im Auftrag des Unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus durchgeführt wurde, gaben sogar 80 Prozent derer, die körperlich angegriffen wurden an, dass die Täter einen mutmaßlich muslimischen Hintergrund habe.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, druckste herum, wie es nur komme, dass die subjektive Wahrnehmung von Juden „so stark von der polizeilichen Statistik abweicht“. Tja, warum nur? Weil in dieser Statistik sämtliche unbekannten Täter per politischer Order „rechts“ sein müssen. Dabei gibt es genügend Indizien, die eine andere Sprache sprechen.

Antijüdisch das neue antisemitisch?
Antisemitismus: Zweifel an Statistik nehmen zu
Auch der bekannte Historiker und Antisemitismusexperte Michael Wolfssohn bezeichnet den muslimischen Antisemitismus als die mittlerweile gefährlichste Bedrohung für Juden in Deutschland und Europa.

Warum die Mehrzahl der antisemitischen Taten „rechten“ deutschen Tätern zugeschoben werden? Man kann dahinter auch ein politisches Motiv sehen – so lässt sich der wachsende Antisemitismus politisch als Waffe „gegen rechts“ einsetzen.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Hess, ein ehemaliger Polizeikommissar, forderte Seehofer nach seiner Pressekonferenz auf, die Verzerrung in der Statistik zu beenden. „Statt einer automatischen Zuordnung zu ‚PMK-rechts‘ bei unbekannten Tätern brauchen wir bundesweit eine Einzelfallprüfung für antisemitische Straftaten“. Es gehe nicht darum, antisemitische Straftaten durch Rechtsextremisten zu verharmlosen, sondern vielmehr darum, die Diskrepanz zwischen Statistik und Wahrnehmung aufzulösen.


Von Robert Mühlbauer


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Kommentare ( 84 )

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Eine kurze Weile lang habe ich Seehofer für jemanden gehalten, der dem Problem tatsächlich auf den Grund gehen und es soweit als möglich lösen will. Aber man hat ihm die Zähne gezogen und er hat aufgegeben. Und daran ist nicht zuletzt der fehlende Rückhalt seitens seiner CSU und insbesondere seitens des forschen Herrn Söder schuld. Seehofer ist inzwischen der gleiche „Geschichtenerzähler“ wie die meisten anderen Politiker sowie die Haltungsjournalisten, die nach dem Motto leben: Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Man kann für diese Menschen nur abgrundtiefe Verachtung haben, wählbar sind sie für mich in diesem Leben nicht… Mehr

Ich habe die Lügen dieser Regierung so was von satt.

Nachdem ein AfD – Büro demoliert und dabei ein Hakenkreuze an die Wand geschmiert wurden, hat man die Tat ungerührt „Rechts“ zugeordnet. Soviel zum Wert der Statistik.

Banküberfälle, die nicht aufgeklärt wurden, sollte man folglich den Angestellten in die Schuhe schieben. Unaufgeklärte Morde den nächsten Verwandten und Haus-Einbrüche den Nachbarn. Vergewaltigungen ohne verurteilten Täter sollte man aus statistischen Gründen den eigenen Partnern zuordnen, denn die Rubrik „unbekannt“ geht ja nicht, sonst wäre man ja auf einem Auge irgendwie immer blind. Gell, Herr Seehofer?

Die Polizei „vermutet“ den rechtsextremen Hintergrund bei solchen Fällen nicht. Sie ist vielmehr ANGEHALTEN, solche Fälle in der Statistik rechts einzuordnen. Wenn also bei einer Palästinenserdemo gegen Israel Hakenkreuzfahnen geschwenkt werden, dann gilt dies als „rechte“ Straftat.
So weit sind wir in Deutschland schon. Selbst Orwell wäre das nicht eingefallen.

Man müsste ja nur ausschließlich eindeutig geklärte Fälle in die Statistik aufnehmen. Ich verstehe also das Problem nicht. Ungeklärte einfach rechts zuzuordnen ist bananenrepublikanisch. Erschreckend diese Dummdreistigkeit.

Wie können unsere jüdischen Mitbürger nur eine andere Sicht der Lage haben wie die Regierung oder die ihr hörigen jüdischen Verbände. Den Mitbürgern muss mal einer erklären das sie gefälligst auf Linie zu bleiben haben. Wo kommen wir denn sonst hin. Eine eigene Meinung, fürchterlich.

Aus NZZ „Das vergessene Leid der arabischen Juden: Die Zahlen (1948-2018) sind erschütternd: Von den über 250 000 marokkanischen Juden sind nur etwa 2000 im Land geblieben. In Tunesien lebten 100 000 Juden, heute sind es 1000. In Ägypten lebten 1948 75 000 und im Irak 135 000 Juden, heute sind es jeweils weniger als 20. In Jemen waren es etwa 60 000, heute wird ihre Zahl auf 50 geschätzt. Die syrische jüdische Gemeinde wurde von 30 000 auf weniger als 15 dezimiert. In Algerien lebten 1948 140 000 Juden, in Libyen 38 000. In beiden Ländern leben heute überhaupt… Mehr

Danke, den Artikel habe ich auch gelesen. Es ist unfassbar das die Moslems sich hinstellen dürfen und den Mund aufmachen können. Die Berechtigung hätten sie erst wenn in 50 Jahren von den ca. 8 Millionen, so genau weiß das sowieso niemand, kein einziger Moslem mehr in Deutschland wohnen würde.

Tja, wo die Rechten überall hinkommen? Man glaubt es kaum^^

Populistische Staatsstatistik. Nur der Einfachheit halber? Die, die eigentlich Hüter unserer Verfassung, Gesetze, Sicherheit und Ordnung sein sollen, beschmutzen einfach so unseren Ruf. Nur weil sie nicht in der Lage sind ihre Aufgaben zu erfüllen. Sie sind die, die beweisen müssen, anstatt unkonkrete Glaubensbekenntnisse zu verbreiten. Sie schaden damit ihrer eigenen Glaubwürdigkeit. Schlimmer aber noch, dem deutschen Volk und unserer Demokratie.

Also demnach sind antisemetische Taten praktisch automatisch rechts. Konsequent zu Ende gedacht sind dann antisemitische Immigranten auch rechts. Das ist insofern auch nicht ganz falsch, weil gerade in der arabischen Welt sich bis heute oft viel Sympatien für Hilter finden. Demnach war es auch richtig, den hiltergruß den ein Afgane (ja, kein Araber)auf dem Oktoberfest zeigt, als rechte Straftat einzuordnen. Das wiederum müsste eigentlich zwangläufig heißen, dass die Ausweisung von diesen Migranten ein wichter Teil des Kampfes gegen Rechts wäre. Aber offensichtlich ist ma in Regierungskreisen nicht daran interessiert derartige Nazisympatisanten wieder as den Land zu schaffen. Sondern offensichtlich ist… Mehr