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„Tichys Einblick“ – so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
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Mi, 8. Apr 2026
Bundesregierung hebt Arbeitsschutzverordnung zu Corona auf IMAGO / Bildgehege
Ende der Pandemie
Bundesregierung hebt Arbeitsschutzverordnung zu Corona auf

Die Pandemie endet. Die Bundesregierung hat nun die „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“ aufgehoben. Ab dem kommenden Donnerstag, 2. Februar, sollen die Betriebe nur noch freiwillig Maßnahmen umsetzen.

VON Redaktion | 26. Januar 2023
Brokstedt, Essen, Algeciras: Messertaten erschüttern Deutschland und Europa IMAGO / U. J. Alexander
nicht die einzige Messertat an einem Tag
Brokstedt, Essen, Algeciras: Messertaten erschüttern Deutschland und Europa

Die Messertat eines angeblich verwirrten Arabers aus dem Gazastreifen ist das bislang schwerste Gewaltverbrechen in einem Zug in Schleswig-Holstein. Die Politik gibt sich alarmiert und bleibt doch eigentlich sprachlos über Ursachen und Schlüsse, die für viele Bürger auf der Hand liegen.

VON Matthias Nikolaidis | 26. Januar 2023
Warum Insekten im Bier? Supermarktketten zur neuen EU-Ekel-Ess-Verordnung IMAGO / Pixsell
Tichys Einblick hat nachgefragt
Warum Insekten im Bier? Supermarktketten zur neuen EU-Ekel-Ess-Verordnung

Viele Lebensmittel dürfen künftig bis zu 10 Prozent Insekten als Beimischung enthalten. Viele Konsumenten ekeln sich davor. Was sagen die Händler dazu? Und die Konsumenten? EDEKA jedenfalls lässt die Würmer krabbeln – Hauptsache, gegendert.

VON Roland Tichy | 26. Januar 2023
Kliniken warnen vor zunehmender Gewalt in Notaufnahmen – Lange Wartezeiten wegen Personalmangel IMAGO / BildFunkMV
„Spirale des Stresses“
Kliniken warnen vor zunehmender Gewalt in Notaufnahmen – Lange Wartezeiten wegen Personalmangel

Nicht nur auf der Straße nimmt die Gewalt gegen Rettungskräfte zu. Auch in den Kliniken kommt es immer häufiger zu Handgreiflichkeiten. Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Krankenhausgesellschaft hat bereits knapp jede zweite Klinik einen Sicherheitsdienst engagiert.

VON Redaktion | 26. Januar 2023
Ukraine: Warum viele das lange Zaudern von Kanzler Scholz gut finden IMAGO / Political-Moments
Deutschland als große Schweiz
Ukraine: Warum viele das lange Zaudern von Kanzler Scholz gut finden

Nicht nur viele TE-Leser bewerten das lange Zaudern von Kanzler Scholz in der Leopard-Frage positiv. Das zur langfristigen Entwicklung der Bundesrepublik – schon in der Bonner und erst recht in der Berliner Republik.

VON Fritz Goergen | 26. Januar 2023
Ukraine: 14 Leopard-2-Panzer aus Deutschland – TE-Wecker am 26. Januar 2023
DER PODCAST AM MORGEN
Ukraine: 14 Leopard-2-Panzer aus Deutschland – TE-Wecker am 26. Januar 2023

Der TE-Wecker erscheint montags bis freitags – und bietet Ihnen einen gut informierten Start in den Tag. Ideal für den Frühstückstisch – wir freuen uns, wenn Sie regelmäßig einschalten. An Wochenenden und Feiertagen erscheint der Wecker mit einer Schwerpunktsendung.

VON Holger Douglas | 26. Januar 2023
Thomas Mayer: „Der Euro wird zur Lira, die EZB zur Banca d’Italia“
WÄHRUNG
Thomas Mayer: „Der Euro wird zur Lira, die EZB zur Banca d’Italia“

Die Inflation grassiert, der Wechselkurs gegenüber dem Dollar geht in die Knie – Innen- und Außenwert des Euro weichen auf, doch der Europäischen Zentralbank sind aufgrund der hohen Verschuldung maßgeblicher Mitglieder die Hände gebunden. Ein Gespräch über die Zukunft unseres Geldes

VON Alexander Wendt | 25. Januar 2023
Waffenlieferungen an die Ukraine: „Wir müssen mehr tun“ IMAGO/Future Image
Aktuelle Stunde im Bundestag
Waffenlieferungen an die Ukraine: „Wir müssen mehr tun“

Deutschland liefert den Kampfpanzer Leopard an die Ukraine. Doch damit wird es nicht aufhören. Das hat eine Aktuelle Stunde im Bundestag gezeigt. Die SPD droht die Situation zu zerreißen.

VON Mario Thurnes | 25. Januar 2023
Merkel-Regierung lud Google und Facebook zu geheimem Treffen IMAGO / Rüdiger Wölk
Wegen unliebsamer Corona-Meinungen?
Merkel-Regierung lud Google und Facebook zu geheimem Treffen

Mit den Twitter Files wurde das Ausmaß politischer Einflussnahme auf soziale Medien offenbar. Nun wird bekannt, dass Angela Merkels Regierung in der Corona-Zeit mit Google und Facebook-Lobbyisten über "Fehl-, Falsch- und Desinformationen" konferierte.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Messerattacke in Zug von Kiel nach Hamburg: Zwei Tote imago Images
Syrer festgenommen
Messerattacke in Zug von Kiel nach Hamburg: Zwei Tote

Bei einem Messerangriff wurden zwei Menschen getötet, mehrere verletzt. Der mutmaßliche Täter ist nach Pressemeldungen ein Migrant palästinensischer Herkunft und mehrfach polizeilich wegen Sexual- und Gewaltdelikten aufgefallen.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Wielers verspätetes Eingeständnis: Schulschließungen waren unnötig IMAGO / Rainer Unkel
Wer wird zur Verantwortung gezogen?
Wielers verspätetes Eingeständnis: Schulschließungen waren unnötig

Kaum hat Lothar Wieler sein Ende als Präsident des Robert-Koch-Instituts eingeleitet, trifft er eine Aussage, für die man seinerzeit diskreditiert wurde: Die monatelange Schließung der Schulen war nicht notwendig. Millionen Schüler waren also umsonst Opfer der Politik.

VON Ferdinand Knauss | 25. Januar 2023
Quo vadis, Davos? – Der verblassende Stern des Weltwirtschaftsforums IMAGO
Nachfolgedebatte um Klaus Schwab
Quo vadis, Davos? – Der verblassende Stern des Weltwirtschaftsforums

Im Zuge der Corona-Pandemie und der Pläne Klaus Schwabs für einen „Great Reset“ (auch der Name seines Buchs) geriet das WEF in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit. Doch vielen Teilnehmern könnte die Aufmerksamkeit rund um den exzentrischen WEF-Chef langsam zu viel werden.

VON David Boos | 25. Januar 2023
Entlarvende Ehrlichkeit: Bundesnetzagentur erfreut über Frankreichs Atomstrom IMAGO / wolterfoto
Klaus Müller
Entlarvende Ehrlichkeit: Bundesnetzagentur erfreut über Frankreichs Atomstrom

Klaus Müller, grüner Chef der Bundesnetzagentur, entlarvt mit wenigen ehrlichen Sätzen die Verlogenheit der deutschen Energiepolitik: Atomstrom – im grün dominierten Deutschland als verwerflich gebrandmarkt – ist unverzichtbar und willkommen, wenn er importiert wird.

VON Ferdinand Knauss | 25. Januar 2023
Blond gefärbte Haare sind der neueste „Rassismus“ IMAGO/United Archives
Achtung Glosse!
Blond gefärbte Haare sind der neueste „Rassismus“

Tressie McMillan Cottom ist Soziologin und gekommen, um die Welt zu retten. Schritt eins: Frauen dürfen sich die Haare nicht mehr blond färben. Denn das sei rassistisch.

VON Mario Thurnes | 25. Januar 2023
Bei Lanz nur Jubel über Panzer-Lieferung Screenprint: ZDF / Markus Lanz
neue Stufe der Talkshow-Kunst: Fühlen
Bei Lanz nur Jubel über Panzer-Lieferung

Neues Jahr, neuer Lanz, alte Masche. Nach der Winterpause dreht der Altmeister der abenteuerlichen Debatte immer kleinere Pirouetten. Jüngster Akt: nur Jubel über die Lieferung der Leoparden. Von Michael Plog

VON Gastautor | 25. Januar 2023
Ampel-Politiker lassen Steuerzahler für ihre Eitelkeit zahlen dts Nachrichtenagentur
mehr Geld für Fotografen und Visagisten
Ampel-Politiker lassen Steuerzahler für ihre Eitelkeit zahlen

Mehr als 136.000 Euro im Jahr kostet allein die Visagistin von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Auch für Fotografen geben die Ampel-Koalitionäre mehr Steuerzahlergeld aus als ihre Vorgänger.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Stellenabbau bei Ford – Standort Deutschland vor dem Auto-Exodus? IMAGO / Panama Pictures
Elektromobilität frisst ihre Kinder
Stellenabbau bei Ford – Standort Deutschland vor dem Auto-Exodus?

Die Fast-Halbierung der Belegschaft bei Ford innerhalb von nur fünf Jahren ist unter anderem Folge der Umstellung des Modellprogramms ausschließlich auf Elektroautos. Kosten- und Effizienzkriterien machen eine Verringerung der Beschäftigtenzahl notwendig.

VON Dr. Helmut Becker | 25. Januar 2023
Berlin: Keine Beobachtung durch die OSZE IMAGO / Political-Moments
Wahlwiederholung
Berlin: Keine Beobachtung durch die OSZE

Die OSZE ist laut ihrem Bericht zuversichtlich, dass die Fehler der Wahl von 2021 nicht neuerlich geschehen würden und die Wahl unabhängig verläuft. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass eine Wahlbeobachtung weder nötig noch förderlich wäre.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
Nordrhein-Westfalen beendet Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr IMAGO/Rene Traut
Ab 1. Februar 2023
Nordrhein-Westfalen beendet Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr

NRW schafft ab 1. Februar die Maskenpflicht im ÖPNV ab und folgt damit anderen Bundesländern. Auch endet die Isolationspflicht, bislang mussten positiv auf Corona Getestete für fünf Tage in häusliche Quarantäne. Schutzmaßnahmen sollen sich auf Einrichtungen mit „vulnerablen Personengruppen“ konzentrieren.

VON Redaktion | 25. Januar 2023
SPD und CDU fordern das Ende des „Haltungsjournalismus“ IMAGO / Agentur 54 Grad
Revolution bei den Öffentlich-Rechtlichen?
SPD und CDU fordern das Ende des „Haltungsjournalismus“

Die Rundfunkkommission der Länder fordert ARD und ZDF zum Sparen und zu „faktenbasierter“ Berichterstattung auf. Das bedeutet: Die CDU positioniert sich gegen die Öffentlich-Rechtlichen – und die SPD spielt mit.

VON Mario Thurnes | 25. Januar 2023

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8. April 2026

CSU-Hoffmann verplappert sich

Bei Lanz: Spritpreise werden offenbar mit Absicht hoch gehalten

Von
Gastautor

Der Iran-Krieg und die Folgen für die Region, die Welt, den deutschen Verbraucher, für die Preise an den Zapfsäulen und in den Supermärkten. Wenige Stunden vor Ablauf des Trump’schen Ultimatums an den Iran debattiert die Runde bei Lanz, was nun auf uns zukommt. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen“, hatte Trump angekündigt. Um zwei Uhr in der vergangenen Nacht lief sein Ultimatum aus.

Politologe Peter Neumann sieht Trump mit dem Rücken an der Wand. Er habe schon so oft etwas angedroht und dann zurückgezogen, dass er irgendwann unglaubwürdig werde. Daher sei Trump in der Zwangslage, nun mit einem weiteren, extremen Militärschlag gegen den Iran vorgehen zu müssen, um zumindest seinen Ruf zu bewahren. Auch die Iran-Forscherin Diba Mirzaei, selbst gebürtige Iranerin, ahnt Böses: „Hier wird nicht die Islamische Republik angegriffen, hier werden wir angegriffen“, sagt sie unter Bezug auf ihr Geburtsland.

Feuerpause für Friedensschluss
Zweiwöchiger Waffenstillstand bei offener Hormus-Straße

Nur CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann hat Mühe, sich klar zu äußern. Viermal muss ihn Lanz fragen, wie Trumps Drohungen einzuordnen seien. Ob er damit nun eigentlich offen ein Kriegsverbrechen ankündige. Aus Hoffmann ist nichts rauszukriegen. Sein Vertrauen in die USA und Israel scheint grenzenlos zu sein: „Ich gehe fest davon aus, dass sie sich ans Völkerrecht halten“, sagt er immer wieder. Dabei hatte Trump doch noch zu Beginn des Krieges betont, er wolle das iranische Volk befreien, wie Neumann erinnert, und es nicht pauschal und allumfassend „in die Steinzeit“ bomben, wie er jetzt droht.

„Schon die Ankündigung der Auslöschung ist ein Verstoß gegen das Kriegsrecht“, sagt auch Elmar Theveßen, der aus Washington zugeschaltet ist. Trumps Drohungen seien ein Bruch der Genfer Konvention und darüber hinaus „ein schwerer Bruch des amerikanischen Militärrechts“, sagt der umstrittene ZDF-Korrespondent, der wegen seiner Lügen über Charlie Kirk schon einmal kurz vor dem Verlust seines US-Visums stand, aber mit einer öffentlichen Entschuldigung gerade noch die Kurve bekam.

Lanz lässt den US-Starjournalisten Tucker Carlson einspielen, der als Trump- und MAGA-Freund galt und in jüngster Zeit deutlich auf Abstand zum US-Präsidenten gegangen ist. Trumps Drohungen seien „nichts anderes als ein Kriegsverbrechen“, sagt Carlson.

„Warum ist deutsche Politik nicht in der Lage zu solcher Klarheit?“, fragt Lanz den CSU-Mann Hoffmann. Aber wenn er klare Antworten haben wollte, hätte er eben jemand anderes einladen müssen. Hoffmann ist der Inbegriff des farblosen Apparatschiks, der unangenehme Themen und klare Stellungnahmen meidet wie der Teufel das Weihwasser, die Baerbock den Duden, der Habeck die Zahlen.

Dokumentation
Zwei Sichtweisen auf den Golfkrieg außerhalb der linken, westlichen Standardbetrachtung

Noch dazu hat der transatlantische Nachplapperer kaum irgendeine tiefgehende Expertise. Auch heute wiederholt er stumpf das alte Gerücht, das sogar die US-Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard längst ausgeräumt hat: Der Iran habe kurz davor gestanden, eine Atombombe fertigzustellen, sagt Hoffmann. Das lasse ihn nicht ruhig schlafen. Damit zumindest könnte er Recht haben. Müde und blutleer wirkt er auf jeden Fall.

„Dieser gesamte Krieg ist völkerrechtswidrig. Was ist so schwierig, das zu benennen?“, fragt auch die Iranerin Mirzaei noch einmal. Doch Hoffmann bleibt bei seiner Litanei. Der Iran sei schon immer „der weltweit größte Finanzier des Terrorismus“ gewesen, die Bombe kurz vor fertig, der Krieg daher sinnvoll. Und Trump werde sich schon ganz bestimmt an das Völkerrecht halten.

Die Lage am Golf könnte sich dramatisch zuspitzen. Die USA würden „gerade krass an ihre Bestände“ gehen, berichtet Welt-Korrespondent Ibrahim Naber. Während die Raketen der Amerikaner offenbar knapp würden, habe der Iran noch genügend Munition für mehrere Wochen, sagt auch Neumann. Theveßen spricht von Hinweisen, dass Russland und China die Iraner mit Aufklärungsdaten und Waffensystemen unterstützen würden. China fühle sich als „Gewinner dieser Situation, weil wir so aussehen wie der Stabilitätsanker der Welt“, erklärt Neumann, während „die USA gerade diese Weltordnung kaputtmachen“.

Westeuropa allein zuhaus‘
Frieden am Golf durch Trump und Xi möglich – ohne UN, EU und NATO

„Wie sagen wir den Deutschen, was auf sie zukommt?“, fragt Lanz, doch Hoffmann flüchtet sich in Floskeln: Man dürfe „keine Schwarzmalerei betreiben“. Immerhin, auch ihm ist klar: „Das kommt ja irgendwann bei den Menschen im Nudelregal an.“ Er lobt die Regierung für das vermeintliche Durchgreifen bei den Benzinpreisen: „Wir haben in Rekordzeit jetzt dieses erste Spritpreispaket gebracht.“ Dass dies nicht nur nichts gebracht, sondern im Gegenteil die Preise noch weiter nach oben getrieben hat, ist ihm offenbar egal. Lanz versucht vergeblich, den Bajuwaren zu stellen und bleibt am Ende ratlos zurück: „Ich habe da ein kognitives Dissonanzproblem.“

Was er nicht versteht: Möglicherweise sitzt hier ja gar kein CSU-Politiker, sondern nur irgendein Privatmann aus Franken, der natürlich nichts weiß und deshalb natürlich auch nichts sagt. Kennt man ja von Lanz. Das hat sich der Moderator selbst zuzuschreiben, nachdem er den desaströsen Auftritt des norddeutschen „Privatmanns“ Daniel Günther im Nachhinein auf so absurde Weise zu rechtfertigen versuchte.

Bei den Spritpreisen allerdings verplappert sich Hoffmann dann doch. Er kann einfach nicht verbergen, dass ihm die Preisexplosion an den Tankstellen nicht nur egal ist, sondern dass er sie sogar befürwortet.

„Haben Sie das Gefühl, da macht sich jemand die Taschen voll?“, fragt Lanz. „Ja aber selbstverständlich“, antwortet Hoffmann, nur um dann zu erklären, dass in der Regierung offenbar niemand mit der neuen Regelung eine Senkung der Preise bezweckt habe. „Es war nicht damit zu rechnen, dass sich vom 1. auf den 2. April die Situation signifikant ändert“, gesteht er freimütig. Und mehr noch. Deutschland sei für die Mineralölkonzerne der lukrativste Markt. Denn hier würden schließlich die höchsten Preise gezahlt, deshalb sei die Versorgung gesichert. Gleichzeitig aber müsste der Kraftstoff „für die Menschen bezahlbar“ bleiben. Wie dieser Widerspruch aufzulösen ist, erklärt er nicht, spricht nur von „anderen Instrumenten“ und „abfedern“ und dem „Geldbeutel der Menschen“. „Das wird immer genau dieses Spannungsverhältnis sein“, sagt er.

Lanz hat es jetzt endgültig mit der kognitiven Dissonanz. Er fasst zusammen: „Wir werden für enorm viel mehr Geld Benzin und Diesel einkaufen müssen, und Sie versprechen gleichzeitig, dafür zu sorgen, dass die Deutschen nicht mehr Geld für Benzin und Diesel ausgeben.“ Hoffmann: „Ich würde jetzt nicht das Worst-Case-Szenario an die Wand malen.“

Im Hintergrund prangt ein einsames Tankstellen-Schild. Diesel bei 2,50 Euro pro Liter. Was genau meint der Mann mit Worst-Case-Szenario? Oder haben wir uns verhört? Ging es um das Wurst-Case-Szenario am After-Show-Buffet? Alles ist möglich bei Leugner-Lanz.

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8. April 2026

Nach massiver Kritik

Doch nicht so gemeint: Rückzieher von Pistorius bei Wehrdienst-Gesetz

Von
Richard Schmitt

Eine entsprechende Regelung im reformierten Wehrdienstgesetz werde vorerst nicht angewendet, solange der Wehrdienst in Deutschland auf Freiwilligkeit basiert. Zuvor hatte eine Passage im neuen Gesetz für einen bundesweiten Protest gesorgt: Demnach sollten längere Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten grundsätzlich genehmigungspflichtig sein.

Damit wurden Einschränkungen der persönlichen Freiheit und eine schleichende Rückkehr zur Wehrpflicht befürchtet. Das Ministerium betonte nun jedoch, dass diese Regelung ausschließlich für den sogenannten „Spannungs- oder Verteidigungsfall“ vorgesehen sei – also für eine Situation, in der in Deutschland der Wehrdienst ohnehin verpflichtend wird.

Nach Angaben aus Regierungskreisen handelt es sich dabei um eine Vorsorgemaßnahme, die sicherstellen soll, dass im Ernstfall bekannt ist, wo sich potenzielle Wehrpflichtige aufhalten, berichtet dazu die WELT. Solche Regelungen sind laut Sicherheitsexperten auch in anderen europäischen Staaten üblich, insbesondere vor dem Hintergrund der angespannten sicherheitspolitischen Lage in Europa.

Verteidigungsminister Boris Pistorius musste nun klarstellen, dass sich aktuell „für keinen Mann etwas ändert“: Reisen ins Ausland – auch für längere Zeit – seien weiterhin ohne Genehmigung möglich. Dies gelte unabhängig vom Alter innerhalb der betroffenen Gruppe. Ziel sei es, unnötige Bürokratie zu vermeiden, da entsprechende Anträge ohnehin routinemäßig genehmigt worden wären.

Die Bundesregierung setze mit der Reform des Wehrdienstes bewusst auf Freiwilligkeit: Seit der Neugestaltung werden alle 18-jährigen Männer angeschrieben und zu ihrer Bereitschaft für einen Dienst in der Bundeswehr befragt. Frauen erhalten ebenfalls ein Informationsschreiben, sind jedoch nicht verpflichtet zu antworten. Dieses Modell orientiert sich an Empfehlungen sicherheitspolitischer Analysen und soll die Attraktivität des Dienstes erhöhen, anstatt auf Zwang zu setzen.

Für Ausbauplan fehlen der Bundeswehr die Soldaten

Hintergrund der Reform sei die veränderte Sicherheitslage in Europa, insbesondere durch den anhaltenden Krieg Russlands gegen die Ukraine. Laut Einschätzungen von NATO-Vertretern und unabhängigen Forschungsinstituten wächst in vielen Ländern der Bedarf, militärische Strukturen zu stärken und Personalreserven auszubauen. So hat die Bundeswehr aktuell 182.600 aktive Soldaten – bis 2030 soll der Personalstand auf 260.000 aufgebaut werden. Allerdings wurde schon das bisherige Ziel des Personalaufbaus (203.000 Soldaten) nie erreicht.

Mit der jetzigen Klarstellung reagiert das Verteidigungsministerium auf die öffentliche Kritik. Die Botschaft ist eindeutig: Solange der Wehrdienst freiwillig bleibt, müssen Männer in Deutschland keine Einschränkungen bei Auslandsreisen befürchten. Eine Entschuldigung für die Verunsicherung tausender junger Männer blieb bisher jedoch aus.

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8. April 2026

Westeuropa allein zuhaus'

Frieden am Golf durch Trump und Xi möglich – ohne UN, EU und NATO

Von
Fritz Goergen

On behalf of the United States of America, as President, and also representing the Countries of the Middle East, it is an Honor to have this Longterm problem close to resolution. – Im Namen der Vereinigten Staaten und für die Länder des Mittleren Ostens ist es mir eine Ehre, dieses langfristige Problem einer Lösung nahe zu sehen.

Ob der zweiwöchige Waffenstillstand greift, hängt davon ab, wie zuverlässig das Terror-Regime die Hormus-Straße offen hält. Zu dieser Möglichkeit ist es vor allem aus zwei Gründen gekommen. Erstens ist China das Hemd seines ungestörten Öl-Zuflusses aus dem Golf wichtiger als die Hose IGRC-Iran als Instrument gegen America. Zweitens liegen die Epigonen des Mullah-Regimes in Machtkämpfen, in Teheran untergraben ständige „Jagden nach Abschussrampen“ und Sabotageakte im Untergrund die militärische Moral des IGRC-Regimes, das nicht mehr 90 ballistische Raketen täglich auf Israel feuern kann, sondern zuletzt 10. Die Frage ist nicht mehr, ob das Regime fällt, sondern wie. Die Hoffnungen des woken Westens, Trump loszuwerden, verstellen ihm den Blick dafür, wie weit fortgeschritten die Neuordnung der Welt bereits ist – und wie sein Wolkenkuckucksheim von der „regelbasierten“ und multipolaren Welt in Trümmer fällt.

Einen schnellen Wechsel zu einer vernünftigen und handlungsfähigen Regierung in Teheran macht schwer, dass die Teile des IGRC-Regimes, die dem Waffenstillstand zustimmen, nicht für das ganze IGRC-Geflecht sprechen, das Ayatollah Chomeini bewusst dezentral konstruiert hat. Die kommenden Wochen und Monate werden das immer klarer zeigen. Aber der Prozess ist unumkehrbar im Gange.

Wie es im Mittleren und Nahen Osten weitergeht, wird TE noch lange beschäftigen. Zuschauern kann nur empfohlen werden, sich von den alten woken Mustern nicht den offenen Blick verstellen zu lassen.

Wirtschafts-Reiche scheint in einem Gastbeitrag für die FAZ einen Kurswechsel in der Energiepolitik und Schluss der Selbsttäuschung zu fordern. Dem verbreiteten Glauben, Wind- und Solarenergie könnten das Problem kurzfristig lösen, hält Reiche nüchterne Zahlen entgegen: Deutschlands Energiebedarf liege bei rund 2.900 Terawattstunden für Strom, Wärme, Mobilität und Industrie. „Erneuerbare“ deckten 2025 daran aber nur knapp ein Fünftel. Beim Strom sei ihr Anteil zwar hoch, für das gesamte Energiesystem reiche das jedoch bei weitem nicht. Besonders scharf kritisiert Reiche die Kosten der bisherigen Politik. EEG, Netzreserve, Redispatch, Kapazitätsvorhaltung und andere staatliche Subventionen summierten sich bereits heute auf mehr als 36 Milliarden Euro jährlich. Fast drei Milliarden Euro würden allein dafür gezahlt, dass Windräder und Solaranlagen abgeregelt werden, weil die Netze den Strom nicht aufnehmen können. Eine Energiewende, die diese Systemkosten ignoriere, werde das Land ruinieren. Am Ausbauziel von 80 Prozent an sogenanntem „erneuerbaren Strom“ bis 2030 hält Reiche fest. Künftig müsse aber gelten: Wer in überlasteten Netzgebieten neue Anlagen anschließen will, müsse mehr selbst finanzieren. Strom, der wegen Netzengpässen nicht genutzt werden kann, dürfe nicht länger von allen bezahlt werden. Und Deutschland müsse auf absehbare Zeit weiterhin für Wärme, Industrie und als Reserve für die Stromversorgung Gas einsetzen. Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz müssten endlich wieder zusammen gedacht werden. – Tja, Frau Reiche, das ist die Echternacher Springpression frei nach Merz. Das wird nix.

Auch kein Licht in Sicht ist im maroden Gesundheitssystem wie im Sozialstaat insgesamt. Die Dinge im Orient dürften früher in Ordnung kommen als die politisch runinierte BRD.

Aber die Neuordnung der Weltwirtschaft kann selbst die Dinge hierzulande zum Besseren bewegen. Ob diese Pfingsten die Classe Politique erleuchten?

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7. April 2026

Münchner Tatort verliert Urgesteine

Münchner Tatort: Bye Bye, ihr Boomer-Bullen

Von
Emil Kohleofen

Die Auszeichnung mit einer Tatort-Doppelfolge erhalten nur wenige Krimi-Kommissare, ein Zeichen ehrlicher Trauer, mit der die ARD Batic und Leitmayr an diesem Osterwochenende in den Ruhestand entlassen hat. Nicht nur erhielten die beiden Münchner Alpha-Bullen ihre Ruhestandsurkunden im Film aus den Händen einer leibhaftigen Staatssekretärin (Dr. Susanne Reuther, gespielt von Stefanie Stappenbeck) „in Schmuckausgabe“, die Schauspieler wurden zuvor auch vom Bayerischen Innenminister Herrmann und Landtagspräsidentin Ilse Aigner samt Urkunde und Gruppenbild verabschiedet.

Kleider mache Leute, Charismatisches Auftreten den Ermittler

Schauspielerisch, so klingt es unisono, sind die Beiden, nach 35 Jahren und 100 gemeinsam bearbeiteten Fällen „ a Woidmachd“. So richtig zum Kern des Erfolgs wollen die zahlreichen wohlmeinenden Kommentare aber nicht vorstoßen; Da wird viel von Männerfreundschaft und den Kontrasten zwischen dem eher nüchternen, sachlichen Leitmayr und dem impulsiveren Batic gesprochen, in Worte wie „Silberrücken“ und „Bayerische Direktheit“ verpackt. In Wahrheit sehen wir den Abgang zweier Polizistenfiguren, wie sie sich viele Bürger immer gewünscht haben und die sie heute, gerade in den ARD-Kriminalfilmen, vermissen. Darin ähneln sie den Münsteranern Boerne und Thiel, mit Macken und Herz, darunter aber einem stählernen und unbestechlichen Duchsetzungswillen. Auch und selbst dann, wenn sie wie der Ivo Batic nun eine Lesebrille brauchen, um die Beweise zu sichten.

Die extra Dosis Selbstbehauptungswille

Bayern kann mit seiner Isarmetropole in den Bereichen Infrastruktur, Stadtbild und Leitkultur noch Trümpfe ausspielen, während andere Landeshauptstädte immer mehr abrutschen. Es spricht einfach für sich, wenn das Polizeipräsidium wie eine Festung aussieht und draussen die Dingolfinger PS-Boliden wie auf der Perlenkette gereiht losdüsen, beschienen von der Münchener Sonne, wo der Olympiaturm neben dem immer noch imposanten Zeltdach des Stadions von 1972 thront.

Slowenischer Arbeitgeber des Mordopfers klagt „Wie konnte das an einem so sicheren Ort passieren?“

Während für andere „Tatort“-Episoden, sofern es überhaupt noch eine Rolle spielt, extra Mundartliche Töne eingekauft und platziert werden müssen, verteilt die Regie (Sven Bohse) sie in dieser Jubiläumsepisode des Münchner Tatorts „Unvergänglich“ mit vollen Händen. Die Gerichtsmedizinerin Dr. Roswitha Schwarzfischer wird von der Bayerischen Kabarettistin Eva Karl Faltermeier gespielt, die die beiden Kommissare am Fundort des aktuellen Mordopfers Micaela Horvat (Cecilia Diesch) in breitem echten Münchnerisch und der typischen Betitelung „ihr Burschen“ empfängt. Der Ivo Batic weiss, auf welchen Tag im Januar die „Heiligen Drei Könige“ fallen und trotzdem darf sich auch mal ein herzhaftes „Zefix!“ (typischer Bayerischer Fluch unter Anrufung des Kreuzes, Anm.) einschleichen, ebenso wie der schöne Begriff „Brunzen“, der eine strahlförmige Entleerung beschreibt.

Fast scheint es, als ob man den Franz, (Udo Wachtveitl) den Kalli (Ferdinand Hofer), den Ivo, (Miroslav Nemec) und den Ritschy (Stefan Betz) in der Nachbarschaft von Meister Eders Schreinerei beim Ermitteln zusieht, so sehr bedient sich der Tatort der Münchner Mehrfamilienhaus-Idylle als Bühnenbild (Szenenbild, Franziska Ganzer, Kamera Michael Schreitel) während dem landestypischen Backwerk Brezel gleich zwei Auftritte gegönnt werden. Hier bietet noch die aufmerksame Nachbarin Frau Breitlinger (Johanna Bittenbinder), die sich über den ganzen Trubel im Haus und dieses andauernde „Englisch Englisch Englisch“ beschwert, bei der Befragung höflich einen Eierlikör an.

Der Clou

Weil in dieser Idylle immer mehr Wohnungen beim Internet-Kurzzeitvermietdienst „Web and breakfast“ angeboten werden, kann sich dort ein fieser nichtsesshafter Ex-Angestellter der Münchner Versorgungsbetriebe (Mike Werner, gespielt von Daniel Noël Fleischmann) zusammen mit seiner Pflegefamilienschwester (Kara Roth, gespielt von Lara Feith) einnisten. Da er eine riesige Menge Schlüssel des Vermietdienstes kopiert hat (Ähnlich: letzter Polizeiruf 110 Halle), nutzt er die im Netz einsehbaren unbelegten Zeiten einfach, um mit ihr dort umsonst zu wohnen. Bevor er sich, von Batic und Leitmayr in die Enge getrieben vom Dach stürzt, gesteht er noch, Micaela Horvat erschossen zu haben. Batic und Leitmayr können sich nun beruhigt in den Ruhestand verabschieden…oder doch nicht?

Weil es so schön war: Teil 2

Ohne Dienstausweis und Waffe

Wenn der Mike nicht seine Kara mit einer Selbstbezichtigung und seinem Selbstmord hätte retten wollen, wäre die Geschichte schon früher vorbei und aufgeklärt gewesen. Aber um den unbändigen Willen der beiden nun im Ruhestand befindlichen Polizisten noch ein letztes Mal unter Beweis zu stellen, entlässt sie das Drehbuch (Johanna Thalmann, Moritz Binder) schutzlos in den Grossstadtdschungel.

Kara, abhängig von der Droge Captagon und dringend Therapiebedürftig, ruft den im Unruhestand befindlichen Leitmayr an, und verspricht, ihm nun die Wahrheit zu gestehen. Es entspinnt sich ein Katz – und Mäuse-Jagd durch München und Umgebung, bei der die beiden Ex-Kommissare feststellen müssen, wie hilflos man über 60 ohne Dienstpistole angesichts des Organisierten Verbrechens sein kann. Wäre da nicht der alte Kollege Carlo Menzinger (Michael Fitz) plötzlich als V-Mann des BKA aufgetaucht, hätten die tätowierten Drogenhändler einer Slowenisch-Ost-Westeuropäischen Bande sie wohl beide endgültig in den Ruhestand versetzt. Die Verbrecher handeln in München unter dem Deckmantel einer grossen Waschanlagenkette (Zitat: „Nicht nur die Italiener waschen Geld“) mit Captagon.

Sag zum Abschied leise „Servus“

Nachdem Dunkelmann Stefan Mathes (Erik Markus Schuetz) ein paar Zeugen aus dem Weg geräumt hat, lauert er den beiden Polizisten und Kara in einem stillgelegten Kraftwerk auf und es kommt zum High Noon, in dem Leitmayr angeschossen wird. In höchster Not entkommen die Beiden Dank eines selbstmörderischen weil unbewaffneten Sturmangriffs von Ivo sowie einem finalen Rettungsschuss von Kalli Hammermann, der genauso plötzlich auftauchte wie vorher der Carlo.

Mit Dackel „Luki“ (aus der Folge „Hackl“ 2023) sieht man die Pensionäre entspannt an der Kroatischen Küste wieder, wo sie eine mögliche Rückkehr als Privatdetektive erwägen, den Entwurf einer Visitenkarte gibt es schon. Aber wie es Udo Wachtveitl auf die Frage der „Hör zu“: „Wie ist das bei Ihnen – ist eine Rückkehr wirklich ausgeschlossen?“ antwortete: „Davon würde ich jeder Redaktion dringend abraten.“

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7. April 2026

Das Siedlungsgebiet wird abgelehnt

Clan-Randale zu Ostern: Wenn Großfamilien den Rechtsstaat herausfordern

Von
Matthias Nikolaidis

So lässt sich auch Ostern feiern. In der Nacht zum Montag hatten sich 120 Angehörige des örtlich bekannten Goman-Clans in einer Shisha-Bar in Leverkusen-Opladen versammelt, um zusammen zu feiern. Aber die Feier eskalierte rasch, und das in mehrere Richtungen: Erst kamen Beschwerden der Anwohner über die Lärmbelästigung. Als die Polizei dann gegen elf Uhr abends zum zweiten Mal in die Shisha-Bar in der Uhlandstraße ausrücken musste und die Feier beenden wollte, gab es Gegenwehr gegen die Kräfte. Flaschen, Gläser und Stühle, auch die Fäuste flogen in Richtung der Beamten. Drei von ihnen mussten medizinisch versorgt werden, zwei davon im Krankenhaus.

Anscheinend hatten die Clan-Mitglieder aber auch untereinander Streit. Am Ende waren 150 Polizisten in 50 Einsatzfahrzeugen – teils aus Köln kommend – nötig, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Der Einsatzbereich wurde mit Flatterband abgesperrt. Drei Männer, teils blutverschmiert, wurden mit Handschellen arretiert. Zwei junge Frauen (17 und 35 Jahre) und ein 26-Jähriger wurden vorübergehend auf die Wache gebracht. Die Personalien von 40 Personen wurden aufgenommen. Letztlich blieb es bei einer wirklichen Festnahme: Ein 25-Jähriger soll dem Haftrichter vorgeführt werden. Um halb sieben am Ostermontagsmorgen war der Einsatz zu Ende.

Und wer sich nun über die Verbindung Clans und Ostern wundert: Die Goman-Familie stammt ursprünglich aus Polen und hat einen Roma-Hintergrund als fahrendes Volk. Die Familienmitglieder reisten wohl in den 50er-Jahren über Ostdeutschland in den Westen aus und wurden später vor allem in Leverkusen sesshaft. Clanchef und innerfamiliärer Friedensrichter war lange Zeit Adam Goman, der um 1980 auch als Schlagersänger „Andy Morro“ auftrat und 2021 starb. Seitdem gilt Michael Goman, alias „Don Mikkel“, als Familienoberhaupt. 2019 wurde er wegen Betrugs in 21 Fällen zu acht Jahren Haft verurteilt, offenbar hat er sich für Dienstleistungen bezahlen lassen, die er nicht erbrachte. Das soll eines der kriminellen Geschäftsmodelle der Familie sein. Vor allem in Ostdeutschland bieten sie demnach Haus- und Gartenarbeiten an.

Daneben befasst sich der Clan mit Geldwäsche, Ladendiebstählen, der Inverkehrbringung von Falschgeld und besonders prominent mit sogenannten Schockanrufen, durch die hilflosen Rentnern Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Auch das Erschleichen von Leistungen gehört zum Bild.

Allein in NRW sind 118 kriminelle Clans bekannt

Der Goman-Clan fehlt derweil in der „brandneuen“ Statistik, die die Bundesregierung in diesem Januar vorlegte – gestützt auf Zahlen aus dem Jahr 2024 und eigentlich nur widerwillig, weil die AfD-Fraktion danach gefragt hatte. In Folge dieser Antwort wird nun kolportiert – etwa im Focus und bei Nius –, dass es in Deutschland nur 36 kriminelle Clans gebe, was aber nicht stimmen kann. Allein in NRW sind laut Innenminister Herbert Reul 118 kriminelle Familienclans bekannt.

Wieviele Mitglieder die von ihr genannten Clans haben, weiß die Bundesregierung nicht, auch nicht, wie oft dieselben mit der Polizei zusammenstoßen, wie häufig sie Zeugen oder Richter bedrohen, nicht, wie viele Waffen die Clanmitglieder besitzen, und nicht, wie viele von ihnen ausreisepflichtig sind. Diese versammelte Liste des Unwissens zeigt, wie sehr der angeblich geführte Kampf gegen die Clankriminalität noch in den Kinderschuhen steckt. Geschätzt wird eine Zahl von 500.000 Clan-Mitgliedern. Diese Zahl stammt aber nicht von der Bundesregierung.

Und während Grüne und andere Linke den Begriff gern ganz abschaffen wollen, beharrt das Innenministerium darauf: „Ein Clan ist eine informelle soziale Organisation, die durch ein gemeinsames Abstammungsverständnis ihrer Angehörigen bestimmt ist. Die Clanzugehörigkeit stellt dabei eine verbindende, die Tatbegehung fördernde oder die Aufklärung der Tat hindernde Komponente dar, wobei die eigenen Normen und Werte über die in Deutschland geltende Rechtsordnung gestellt werden können.“ Können, und oft auch werden: Clankriminelle lehnen den deutschen Staat offen ab, was im übrigen auch jeder einzelne Krankenhaus-Auflauf zeigt.

Oft im Wach- und Sicherheitsdienst tätig

Nach der, wie gesagt, eng umgrenzten Zählung der Bundesregierung sind 13 Clans arabischstämmig, elf gehören zur Gruppe der Mhallamiye (einer arabisch-sprechende Volksgruppe, die meist aus der Türkei, dem Libanon oder aus Syrien nach Deutschland kam). Neun Clans haben rein türkische Wurzeln, zwei sind kurdisch geprägt, ein Clan stammt vom West-Balkan. Die Zahlen stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Frage der AfD-Fraktion.

Die Roma-Gomans aus Polen fehlen, weil die AfD-Fraktion nicht ausdrücklich nach Clans aus Polen fragte. In NRW dominieren noch immer die Clans aus dem türkisch-arabischen Milieu. Es gab zuletzt angeblich weniger Straftaten und „Tumulte“ (Innenminister Reul), dafür aber mehr Verdächtige, die registriert wurden. Die Datengrundlage dürfte leicht zu manipulieren sein bei einem derart volatilen Objekt. Denn Clankriminalität ist kein klar umrissener Bereich wie die Organisierte Kriminalität. Die Kriminalität der Clans setzt sich aus vielen verschiedenen Straftaten zusammen, die vor allem durch die prinzipielle Weigerung ganzer Familienverbände, die staatliche Autorität anzuerkennen, brisant werden. Massenschlägereien mit Gewalt gegen die Ordnungskräfte sind nur das äußere Zeichen dieser Einstellung.

In Leverkusen war zuletzt der arabische Al-Zein-Clan aufgefallen, dem nach jahrelangem Tauziehen endlich die Villa in Rheinnähe entzogen werden konnte. Trotz der fürstlichen Residenz bezogen viele Familienmitglieder staatliche Unterstützung. Auch die Goman-Großfamilie besitzt eine Villa, vor der lange Luxuswagen standen. Einige davon wurden 2018 bei einer Razzia beschlagnahmt.

In Bielefeld ist ein Clan mit türkisch-jesidischer Herkunft (aktiv vor allem im Drogenhandel) von Interesse. In Gütersloh steht derzeit ein Clan wegen Betrugs und Hehlerei mit Miele-Geräten vor Gericht. In Hagen und Umgebung geht es oft um den arabisch-kurdischen Omeirat-Clan, dem man mit Razzien zuleiberückt.

Man muss die Liste noch verlängern. In Berlin, aber auch anderswo, gibt es inzwischen laut Berichten neben arabische Clans auch afrikanische Banden und eine Tschetschenen-Mafia, die sich derzeit ein Stück vom großen Kuchen sichern will. Die Gewalt zwischen den Gruppen eskaliert oft in lauen Sommernächten. Dabei können dann auch unbeteiligte Passanten leicht in die Schusslinie geraten. Faustrecht statt Recht des Staates. Da ist es besonders alarmierend, dass Clanmitglieder oft in der Wach- und Sicherheitsbranche tätig sind.

Mehr als eine Gefahr: Das Messer in der Tasche und die Beweislastumkehr

Clan-Experte und Islamwissenschaftler Ralph Ghadban meint: „Clan-Kriminalität ist kein reines Polizeiproblem, sondern in erster Linie ein Integrationsproblem.“ Man kann auch schlicht vom Problem Zuwanderung sprechen, wo die Zugewanderten offensichtlich gar keine Integration wünschen. Es zeigt sich: Das Reden über Clankriminalität ist nur der Tarnbegriff der Unionsparteien, um ihre Hauptmitschuld an der illegalen Migration zu bemänteln.

Gefährlich kann das Phänomen indes auch für die Rechtsordnung insgesamt werden. In NRW wollen CDU und Grüne die Beweislastumkehr einführen, weil man der Clans angeblich anders nicht Herr wird: „Wer über nennenswerte Vermögenswerte verfügt, aber keine legale Herkunft plausibel darlegen kann, muss mit deren Einziehung rechnen“, lautet der Antragstext der beiden Regierungskoalitionen laut Kölner Stadt-Anzeiger. Diese Regelung müsste offenbar am Ende für alle Bürger gelten. Sie wäre ein Schritt weiter zum gläsernen Bürger.

Zuletzt hat die Kriminalität von Syrern stark zugenommen, insbesondere bei den Rohheitsdelikten wie Körperverletzung, Raub und Nötigung. Im NRW-Lagebild Clankriminalität 2024 stellen die Syrer bereits die zweitstärkste Gruppe. Zu beachten ist dabei, dass die Syrer grundsätzlich in „Clans“ oder „Stämmen“ organisiert sind. Aber kriminell werden sie auch mit Angehörigen anderer Nationalitäten. Innenminister Reul störte sich insonderheit am „Männlichkeitsgehabe“ der jungen Syrer, die abends „mit der Clique“ rausgehen und dabei das Messer „wie selbstverständlich in der Bauchtasche“ dabei haben. Langfristig könnte das Schwergewicht von den „Libanesen“ (in Wahrheit oft aus der Türkei stammende Araber) auf die Syrer übergehen.

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7. April 2026

Blumen im Dorf fotografieren - Messerangriff

Breuberg in Hessen: Messerangriff auf Spaziergängerin – selbst das Dorf ist nicht mehr sicher

Von
Redaktion

Breuberg, Odenwaldkreis, knapp 8.000 Einwohner, fünf Stadtteile, ländlicher Charakter. Früher hätte genau das als Chiffre für Ruhe gegolten. Heute ist selbst dort eine Frau nicht sicher, wenn sie am Straßenrand anhält, um eine Blume zu fotografieren. Der Messeralltag frisst sich nicht mehr nur durch die Metropolen. Er sitzt längst auch im Dorf.

Eine 48 Jahre alte Frau geht am Ostersonntag mit drei Freundinnen in der Brunnenstraße spazieren, bleibt am Wegesrand stehen, um eine Blume zu fotografieren, und wird in diesem Moment von einem Mann mit einem Messer angegriffen. Die Frau wird so schwer verletzt, dass sie per Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden muss. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen eines versuchten Tötungsdelikts.

Schon der Ablauf liest sich wie das Protokoll eines entgleisten Landes. Der Täter war zuvor mit dem Fahrrad an der Gruppe vorbeigefahren, näherte sich dann noch einmal zu Fuß und stach zu. Erst als die Begleiterinnen eingriffen, ließ er von der Frau ab und floh wieder mit dem Rad. Keine Beziehungstat, kein erkennbarer Streit, kein vorheriger Anlass. Eine Frau schaut auf eine Blume, und daraus wird binnen Sekunden ein Fall für die Mordermittler. Genau diese Beliebigkeit ist der eigentliche Schock.

Am Montagabend nahmen Ermittler einen 32 Jahre alten Tatverdächtigen widerstandslos fest. Bei der Durchsuchung wurde ein Fahrrad gefunden, das nach Angaben der Behörden mit der Tat in Verbindung stehen könnte. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von versuchtem Mord aus. Als mögliches Motiv wird eine psychische Erkrankung des Mannes geprüft. Die Beziehung zwischen Opfer und Täter ist nach Angaben der Ermittler ausgeschlossen, das Motiv bleibt unklar.

Und wer jetzt noch so tut, als handle es sich um einen unbegreiflichen Einzelfall in der hessischen Provinz, verdrängt die Serie der gleichen Muster. Im Juni 2024 saß in Frankfurt am Main eine 41 Jahre alte Frau einfach auf einer Parkbank am Mainufer. Ein 19 Jahre alter Mann griff sie nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft unvermittelt von hinten mit einem Cuttermesser an, stach ihr in Kopf und Hals, stach weiter, nachdem sie gestürzt war, und ließ erst von ihr ab, als Zeugen herbeieilten. Der Verdächtige wurde kurz darauf festgenommen, gegen ihn wurde unter anderem wegen versuchten Mordes ermittelt; Motiv und Hintergründe blieben zunächst unklar.

Kopf- und Halsverletzungen
In Frankfurt auf der Fußball-Meile: Afghane sticht Frau nieder. Einfach so.
Das ist das Muster, das sich durch diese Taten frisst. Nicht der Streit eskaliert. Nicht der Konflikt läuft aus dem Ruder. Nicht einmal die falsche Zeit am falschen Ort erklärt noch etwas. Die Opfer sitzen auf einer Bank. Sie gehen spazieren. Sie halten an, um eine Blume zu fotografieren. Der öffentliche Raum wird nicht mehr nur dort unsicher, wo Politik und Medien ihn seit Jahren kleinreden wollen. Er wird auch dort brüchig, wo früher Dorf, Sonntag und Selbstverständlichkeit galten. Frankfurt war die Großstadt. Breuberg ist das Dorf. Die Botschaft ist dieselbe: Der Messeralarm hat das Land flächendeckend erreicht.

Dann folgt jedes Mal dasselbe Ritual der sprachlichen Betäubung. Unklar. Rätselhaft. Kein Motiv. Psychische Auffälligkeit. Laufende Ermittlungen. Alles formal richtig, alles bürokratisch sauber, alles geeignet, den Kern weichzuzeichnen. Aber der Kern ist brutal einfach. Menschen werden im öffentlichen Raum aus dem Nichts zu Opfern, und die Zahl solcher Fälle hat den Punkt längst überschritten, an dem man noch mit Einzelfallfolklore davonkommt. Wer eine Frau beim Blumenfoto niedersticht, zerstört nicht nur einen Menschen, sondern ein Stück Alltagssicherheit. Wer eine Frau auf einer Parkbank fast abschlachtet, greift nicht nur sie an, sondern das Vertrauen, sich überhaupt noch unbefangen im öffentlichen Raum bewegen zu können. Und so passiert es mittlerweile fast an jedem Tag in diesem Land. Nicht nur Angriff und Tötung untereinander, sondern Angriff mit Tötungsabsicht auf komplett Unbeteiligte.

Breuberg steht deshalb nicht bloß für eine entsetzliche Tat. Breuberg steht für das völlige Versagen eines Staates, der seine Bürger mit Verboten, Auflagen, Abgaben und moralischer Dauerbelehrung überzieht, aber die erste Pflicht des Gemeinwesens immer offener verfehlt: Sicherheit. Wer nicht einmal mehr garantieren kann, dass eine Frau auf dem Dorf eine Blume fotografiert oder in der Stadt auf einer Bank sitzt, ohne zum Messeropfer zu werden, hat sein elementarstes Versprechen gebrochen. Das ist der Fallbeil-Satz dieses Landes: Der Staat regiert bis ins Privateste hinein, aber beim Schutz des Lebens steht er immer öfter nur noch als Protokollführer am Tatort.

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7. April 2026

Konzertierte Aktion?

Der kurze Weg von der gefühlten Gewalt zur echten Zensur

Von
Alexander Wendt

Die Affäreninszenierung Fernandes-HateAid-Neubauermilieu läuft nach dem Schema einer Nummernrevue ab: zum Auftakt die Zündung des Feuerwerks in Gestalt eines Spiegel-Titels mit der Zeile „Du hast mich digital vergewaltigt“, dann Auftritt der Justizministerin mit dem passend zugeschnittenen Gesetz gegen „digitale Gewalt“, zeitgleich Demonstrationen, Fernsehgericht bei Caren Miosga, mittlerweile Zweit- und Drittverwertung mit der ganz allgemeinen Ausrichtung auf den (weißen, einheimischen) Problemmann, um endlich von dem Ursprung der Affäre wegzukommen, da der faktische und juristische Substanzmangel der Fernandes/Ulmen-Geschichte sich selbst mit größter Anstrengung nicht mehr wegreden lässt.

Der Möchte-Gern-Putsch
Spiegel, Fernandes, HateAid, Hubig: Der Plot kollabiert an seinen Widersprüchen
Es handelt sich alles in allem um die spezielle Art Nummernrevue, bei der es praktisch nichts zu sehen gibt. Mittlerweile wissen diejenigen, die der Sache überhaupt zu folgen versuchten, dass Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen weder die Erstellung von „Deepfakes“ noch den Versand pornografischer Aufnahmen von ihr vorwirft. Ein Ermittlungsverfahren in Deutschland stellte die Staatsanwaltschaft Itzehoe schon 2025 ein, weil Fernandes trotz Aufforderung keine sachdienlichen Belege schickte. Die Justiz auf Mallorca setzte nach der Anzeige durch die Schauspielerin das Ermittlungsverfahren gegen Ulmen erst einmal aus, weil sie es aus welchen Gründen auch immer versäumte, eine dafür notwendige notarielle Erklärung vorzulegen. In Itzehoe prüft die Staatsanwaltschaft derweil, ob Ulmen möglicherweise das Delikt der Nachstellung begangen haben könnte. Die eigentliche Affäre schrumpelt von ihrem angeblich republikerschütternden Ausmaß auf einen Trennungskrieg zweier D-Prominenter zusammen. Üblicherweise begleiten die traditionellen bunten Blätter diese Geschichten. In diesem Fall übernahm der Spiegel den Job.

So weit zu der Faktenlage, die allerdings wie schon bei der „Correctiv“-Wannsee-Story, bei dem Medienfeldzug gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann, in der Causa Hubert Aiwanger und bei vielen anderen ähnlichen Kampagnen kaum eine Rolle spielte.

Die FAZ meinte nach der fernsehöffentlichen Verhandlung in der Show von Caren Miosga mit Collien Fernandes, Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und der themenflexiblen Aktivistin Theresia Crone, aber ohne Ulmens Anwalt, die Moderatorin habe in der Sendung die Affäre und deren „politische Dimension“ sauber voneinander getrennt. Nur ergibt sich aus der Fernandes-Ulmen-Angelegenheit selbst überhaupt nichts Politisches.

Die politische Dimension beginnt mit der Bewirtschaftung der Sache durch Mandatsträger, Vorfeldorganisationen und Medien. Und die reicht weit über die unmittelbare Politik hinaus, nämlich in die Sprache. Ein wesentliches Ziel der Kampagne besteht darin, die Wendung digitale Gewalt fest in der Öffentlichkeit zu verankern. Die überwiegend steuergeldfinanzierte gemeinnützige gGmbH HateAid, die wiederum seit Jahren mit Fernandes kooperiert, gehört zu jenen, die den Begriff so lange wiederholten, bis ihn Amtsträger und Journalisten in ihr Repertoire aufnahmen. Hubigs Entwurf, der jetzt auf der langsam ausrollenden Welle schnell durch den Bundestag soll, nennt sich „digitales Gewaltschutzgesetz“. Miosga gab ihrer Sendung den Titel „Digitale Gewalt – wie können Frauen besser geschützt werden?“ Und manche Journalisten geben ganz von selbst ihr Bestes, um ihrem Publikum nahezubringen, dass in der virtuellen Welt schlimmere Gefahren lauern als an der dunklen Bahnhofsunterführung.

In Hubigs Gesetz geht es im Kern nicht um den Schutz von Frauen, sondern um eine automatisierte biometrische Gesichtserfassung im gesamten Internet, die der Staat für alles Mögliche nutzen kann, außerdem um eine Illegalisierung auch von satirischen Bildmontagen, es steckt also wie bei vielen anderen Paragraphen etwas ganz anderes drin, als der Name suggeriert. Die meisten Medien übernehmen den Begriff digitale Gewalt ansatzlos und befördern ihn damit zumindest in eine Realität zweiter Ordnung. In der ersten Ordnung der Wirklichkeit, die früher auch als die einzige galt, gibt es keine digitale oder virtuelle Gewalt.

Die Polizeistatistik weist Gewalttaten in einer eigenen Kategorie aus, und alle dort aufgeführten Delikte beziehen sich auf physische Gewaltausübung. Im digitalen Raum finden zweifellos Straftaten statt, auch schwere, die Menschen auf lange Sicht schädigen können. Aber man kann jemanden genauso wenig digital vergewaltigen, wie man einem Menschen digital das Nasenbein brechen kann. Der Begriff digitale Gewalt ähnelt der Wendung antimuslimischer Rassismus. Beide bezeichnen, was nicht existiert, aber als Sprachwerkzeug in der Hand ihrer Erfinder und Benutzer mit realen Folgen auf die Gesellschaft einwirkt.

Neueste politmediale Kampagne
Der große Fernandes-Neubauer-HateAid-Hayali-Flachfake
Antimuslimischer Rassismus steigert den von Ajatollah Chomeini popularisierten Kampfbegriff Islamophobie, der dazu dient, jede Kritik am politischen Machtanspruch des Islams zu pathologisieren und ins Reich der Irrationalität zu rücken. Der Islam nimmt auf diese Weise die Position des Normalen ein, die angebliche Phobie (also nicht Kritik oder Ablehnung) den Platz der behandlungsbedürftigen Normabweichung. „Antimuslimischer Rassismus“ macht aus der normwidrigen Ablehnung des Islams beziehungsweise seiner Ausbreitung im Westen nicht nur eine Krankheit, sondern eine Gesellschaftsgefährdung.

Der Vorwurf des Rassismus lässt demjenigen, dem er gilt, keinerlei Rechtfertigungsmöglichkeit, jedenfalls nicht auf offiziellen Bühnen. Die Schöpfung digitale oder virtuelle Gewalt greift noch wesentlich weiter aus: Sie erklärt zunächst einmal das Internet, aber eigentlich die gesamte öffentliche Sprache zur Gefahrenzone, die der Überwachung, Regulierung und Begrenzung bedarf, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Und zwar um so mehr, als der Staat sich um die Sicherheit im analogen öffentlichen Raum nur noch begrenzt kümmert.

Die Vorstellung, dass bestimmte Worte Menschen nicht im metaphorischen Sinn, sondern ganz real gefährden und schädigen, entstand vor etwa zehn Jahren in einem ganz bestimmten Ursprungsmilieu. Sie gehört zu den Grunddogmen der Erwachtenbewegung, also dem Wokism genannt. Ganz am Anfang ihres Triumphzugs an den großen US-Universitäten stand die Forderung nach Safe Spaces innerhalb der Hochschule, ein Schutzraum vor Worten und Meinungen, von denen sich Studenten angeblich verletzt und bedroht fühlten. Im zweiten Schritt versuchten die Aktivisten, den gesamten Campus zu einem Safe Space zu machen. Die Traumatisierung lauerte schließlich überall, auch und gerade im Hörsaal.

Mit der gleichen Begründung führte ein Bündnis aus erwachten Studenten und Lehrkräften Triggerwarnungen für Bücher ein: Auch sie sollten Studenten bewahren, Schäden durch die Lektüre davonzutragen. Den Begriff der Traumatisierung stellten die Erwachten ganz selbstverständlich auf eine Stufe mit körperlicher Gewalt, wenn nicht sogar ein halbes Treppchen höher. Parallel etablierten die gleichen Kräfte die so genannte Sprecherposition. Das bedeutete: Nicht mehr alle konnten sich gleichberechtigt zu allen Debattenthemen äußern. Die Vulnerablen und Marginalisierten – zwei weitere Wortprägung aus dieser Zeit – erhielten erst einmal im akademischen Leben, nach und nach in anderen Organisationen und irgendwann in vielen Unternehmen eine privilegierte Rolle, allerdings nur, solange sie auch die richtigen Inhalte verbreiteten.

Justizministerin meidet gemeinsame Bilder
Bei Miosga: Die Fernandes-Story zerfällt in Echtzeit
Auf der anderen Seite sollten sich Angehörige der weißen Mehrheitsgesellschaft nur noch eingeschränkt und zu manchen Themen gar nicht äußern. Auch hier galten natürlich ein paar Ausnahmen. In Wirklichkeit schützte diese Praxis keine Minderheiten, sondern die Definitionshoheit der Erwachten. Viele Amerikaner hielten diese Entwicklung für Erscheinungsformen, die sich auf das Milieu der loony left in den Universitäten beschränkte. Sie irrten sich. In ganz ähnlicher Weise irren sich auch alle, die in Deutschland die Wirkung von Begriffen wie „virtuelle Gewalt“ und anderer Containerbegriffe unterschätzen.

Spätestens in dem Jahr der Black-Lives-Matter-Proteste (BLM) und Ausschreitungen nach dem Tod von George Floyd herrschte diese Ideologie schon weit über die Universitäten hinaus. Im Jahr 2020 feuerte das Meinungsforschungsinstitut Civis Analytics seinen führenden Datenanalysten David Shor. Sein Vergehen bestand darin, dass er einen (schwarzen) Politikwissenschaftler zustimmend zitierte, der die Ansicht vertrat, dass gewalttätige Straßenproteste wie die im BLM-Umfeld die Wahlchancen der Demokraten schmälern würden. Die Anschuldigung gegen Shor lautete, er habe als Weißer kein Recht, irgendeine Kritik an BLM zu üben. Er missachtete also das Prinzip der Sprecherposition, es half ihm auch nichts, dass er, ein Linksliberaler, 2014 zum Wahlkampfteam von Barack Obama gehörte. Normalerweise genügt eine Äußerung wie die von Shor auch in den USA nicht, um jemanden zu kündigen, zumal er nichts Beleidigendes oder Falsches verbreitet hatte. Die Begründung lautete deshalb, farbige (und auch haltungsbewusste weiße) Mitarbeiter fühlten sich in Shors Nähe nicht mehr sicher. Damit beseitigten sie ganz bewusst die Grenze zwischen subjektiv von einigen als störend empfundenen Worten und einer echten Bedrohung.

Das Muster wiederholte sich dutzendfach, in Universitäten, Institutionen, aber auch bei der US-Niederlassung des Sportartikel-Herstellers Adidas, der sein einziges weibliches Vorstandsmitglied Karen Parkin 2020 kündigte, weil sie in einer Sitzung in den USA meinte, die Niederlassung müsste sich nicht zu Floyd und BLM positionieren, denn es gebe bei Adidas keine Rassenprobleme. Auch hier erklärten Kollegen ihre Arbeitsumgebung für unsicher, so, als wäre der Managerin jetzt alles Mögliche zuzutrauen. Das gleiche Spiel wiederholte sich dutzendfach an Hochschulen: Mit der Behauptung von Studenten, sie fühlten sich nicht nur traumatisiert, sondern generell nicht mehr sicher, ließen sich Lehrkräfte entfernen, etwa die Kunstdozentin Erika López Prater, die ihren Job verlor, weil sie an der Hamline University in Minnesota in einem Seminar über islamische Kunst persische Darstellungen von Mohamed zeigte – und zwar nach einem Hinweis an ihre Studenten, wer damit aus religiösen Gründen Schwierigkeiten habe, könne ihrem Vortrag gern fernbleiben. Es blieben zwar trotzdem alle im Raum, jedoch erklärten sich anschließend zwei muslimische Studenten für traumatisiert und warfen die Empörungsmaschine an. Auch in Deutschland findet die Formel mittlerweile Anwendung, wobei das deutsche Arbeitsrecht bisher noch Schwierigkeiten macht.

Fernandes, HateAid, Hubig etc.
„Deutschland ist ein Täterparadies“ – Fernandes’ Satz wird zum Bumerang
Als der Leipziger Rechtsprofessor Tim Drygala sich 2025 in einem X-Post, also privat über die linken-Chefin Heidi Reichinnek lustig machte (er hatte gepostet, seine Kühlschranktür würde nur richtig schließen, wenn er dagegen schlüge, und um ihn immer daran zu erinnern, habe er ein Foto von Reichinnek daran befestigt). Darauf meldete eine kleine Gruppe von Studenten, sie würden sich ab jetzt durch den Professor bedroht fühlen; die Linkspartei trug deren Klage in den sächsischen Landtag. Reichinnek stellte Strafanzeige gegen den Wissenschaftler, die erwartungsgemäß ohne juristische Folgen blieb. Genau das könnte sich in Zukunft ändern, wenn der Terminus digitale Gewalt immer stärker in die Gesetzgebung einsickert.

Hier zeigt sich ein kategorialer Unterschied zwischen dem Gebrauch des Begriffs der digitalen oder virtuellen und dem Begriff der körperlichen Gewalt. Die Behauptung, digitale/virtuelle Gewalt erfahren zu haben und sich durch Worte bedroht zu fühlen, bedarf anders als bei körperlichen Übergriffen keiner Objektivierung, zumindest dann nicht, wenn es sich nicht um definierte Straftatbestände wie echte Bedrohung, Verleumdung oder Beleidigung handelt. Über ihr Bedrohungsgefühl entscheidet die Person, die sich beklagt, nach rein subjektiven Kriterien. Allerdings, und diese dialektische Volte verstehen vor allem Bürgerliche beziehungsweise Politiker mit bürgerlicher Attitüde nicht: Was jemand subjektiv als virtuelle Gewalt empfindet, erlangt dadurch gleichzeitig einen unhintergehbaren objektiven Status.
Das Doppelspiel funktioniert also wie beim antimuslimischen Rassismus: Was in diese Rubrik fällt, entscheiden Islamvertreter. Weil der Begriff nichts Reales bezeichnet, gibt es praktischerweise auch weder Definition noch Eingrenzung.

Wenn es um echte Gewalt im öffentlichen Raum und das schwindende Sicherheitsgefühl der Bevölkerung geht, präsentieren wohlgesinnte Medienleute – beispielsweise Georg Restle in „Monitor“ – gern das Argument, es handle sich überwiegend um eine gefühlte Unsicherheit, wenn Bürger bestimmte Gegenden und generell öffentliche Verkehrsmittel am Abend meiden. Meist weisen sie auch darauf hin, dass es früher bei bestimmten Delikten höhere Zahlen gab, was allerdings nichts daran ändert, dass die Gewaltkriminalität 2025 ihren höchsten Stand seit 2005 erreichte. Nach dem Massenübergriff auf der Kölner Domplatte zu Silvester 2015/16 riet die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker Frauen bekanntlich zu einer Armlänge Abstand, sie schob den Opfern also eine Teilschuld zu. Überhaupt fällt auf, wie beschwichtigend bis gleichgültig der politmediale Betrieb auf echte, also physische Gewalt reagiert, und das nicht nur im Fall der Silvesterübergriffe. Bei der Fiktion digitaler/virtueller Gewalt findet keinerlei Relativierung nach der Methode Reker statt. Keiner der NGO-Kader und auch kein Politiker gibt Tipps zum Ausweichen, die eigentlich naheliegen: Erklären Studenten einen nichtlinken Professor zur akuten Bedrohung, könnte man ihnen empfehlen, sich bei einem Hochschullehrer einzuschreiben, der ihnen politisch nähersteht, zumal an eher linken Akademikern kein Mangel herrscht. Wer sich auf dem angeblich verrohten X unwohl fühlt, dem steht es frei, jederzeit zur Plattform Bluesky oder ins Offline-Gebiet zu wechseln.

Schnellerer Absturz als Correctiv-Masterplan
Der Fernandes-HateAid-Hubig-Komplex entpuppt sich als manipulative Geheimoperation
Die Forderung von HateAid geht exakt in die andere Richtung: Die NGO erklärt es zum staatlich-gesellschaftlichen Ziel, X und Schritt für Schritt das gesamte Internet so zu säubern, dass sich die von ihr vertretene Klientel dort sicher fühlt. Und das, was HateAid-Geschäftsführerin Josephine Ballon in der aufschlussreichen CBS-Dokumentation über Attacken auf die Zensur in Deutschland offenherzig zu Protokoll gibt, lässt sich aus ihrer Sicht nur durch eine Einschränkung der Meinungsfreiheit erreichen, die auch für bisher legale Wortmeldungen gelten soll. Denn gegen alles andere existieren ja längst Gesetze. „Eine kleine Gruppe von Leuten“, erklärte sie gegenüber den CBS-Journalisten, „kann sich auf die grenzenlose Freiheit verlassen, zu sagen, was sie wollen –, während alle anderen eingeschüchtert sind.“ Deshalb, so Ballon, brauche „Meinungsfreiheit Grenzen“ (“Free speech needs boundaries.“).

Die Behauptung, dass Leute sich aus dem Netz zurückziehen, weil sie sich dort bedroht fühlten, versuchen HateAid und andere mit Pseudostudien zu untermauern. Aber selbst die liefern keinen Beleg für die Massenflucht angeblich Eingeschüchterter. In Wirklichkeit verhält es sich natürlich genau andersherum: Eine eher kleine Gruppe, nämlich diejenigen, die ihre kulturelle Dominanz wie von Antonio Gramsci gefordert über die gesamte Gesellschaft ausdehnen wollen, die sie im Kultur-, Medien- und Wissenschaftsbetrieb schon besitzen, sehen die Meinungsfreiheit zu Recht als größtes Hindernis auf diesem Weg. Um ihr Ideal durchzusetzen, muss der offene Markt der Meinungen und Ideen verschwinden, am besten ganz, aber wenigstens in Randzonen, umstellt von Warnhinweisen. Die Lösch- und Shadowban-Praxis, die Facebook weitgehend beendete und Elon Musk mit der Übernahme von Twitter abschaffte, erschien diesen Kräften als verheißungsvolle Zwischenstufe auf dem Weg, das Ende dieser Zensurpraxis als schwerer Rückschlag.

Einzelne Organisationen wie HateAid liefern der Politik Containerbegriffe zu, die in einem Wort oder einer Wendung eine komplette Ideologie enthalten. Digitale/virtuelle Gewalt gehört dazu, aber auch andere Formeln, von denen einige aus der Medizin stammen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen wiederholte schon öfter, die Bürger müssten gegen Desinformation geimpft werden. Der Chef des niedersächsischen Verfassungsschutzes bezeichnete in einem Interview das gesamte Internet als Sumpf, also ein Risikogebiet, in dem Infektionen entstehen, und das jeder abseits abgesicherter Pfade meiden sollten. Mit dem geplanten Gesetz gegen „digitale Gewalt“ entsteht ein neues und sehr weites Zugriffsrecht des Staates.

Parallel soll das so genannte „Transparenzgesetz“ der Bundesnetzagentur bald die Handhabe geben, Onlinemedien von größeren Plattformen bis zu einem einzelnen Blogger zu durchsuchen und Beschlagnahmungen vorzunehmen, bei „Gefahr im Verzug“ auch ohne richterliche Genehmigung. Wann Gefahr im Verzug vorliegt, darf die direkt der Regierung unterstehende Bundesbehörde selbst entscheiden. Mit dem Digital Services Act (DSA) auf EU-Ebene existiert schon eine juristische Wundertüte: Die Regelung liefert die Grundlage für die Beauftragung der „Trusted Flagger“, also der „vertrauenswürdigen Hinweisgeber“, die das Internet durchforsten, Meinungsäußerungen sammeln und der Justiz Hinweise geben. Das DSA enthält aber auch bisher noch nicht angewandte Instrumente, um Plattformen wie X mit Millionenstrafen zu belegen, wenn sie nicht genug löschen; im Extremfall eröffnet es sogar die Möglichkeit, sie EU-weit abzuschalten.

Die Klarnamenpflicht im Netz wäre der letzte Baustein für eine Kontrolle der Digitalwelt durch die Obrigkeit, die dann weite Gebiete beherrscht, auch wenn sie sich nicht vollständig durchsetzen lässt – ein paar Lücken bleiben immer. Eine systematische Einschüchterung von Internetnutzern funktioniert schon jetzt, sie geht nur nicht von einer ominösen kleinen Gruppe aus, die dort etwas postet, wie Ballon behauptet, sondern vom Staat, entweder direkt oder durch pseudoprivat betriebene Meldeeinrichtungen.

Im Rückblick wirkt es märchenhaft, wie die eigentlich esoterische Idee der Verletzungsgefahr durch das Wort, entstanden in damals belächelten akademischen Nischen, innerhalb weniger Jahre auf die Gesetzgebung ganzer Staaten übergreifen konnte. Unter den meisten Regierungspolitikern in der EU gilt die Überzeugung heute als mehrheitsfähig, dass es sich bei der freien Rede um eine tendenziell gefährliche Angelegenheit handelt, und bei ihrer restriktiven Kontrolle durch den Staat um eine Notwendigkeit nach dem Motto: Besser ein bisschen mehr als zu wenig. Es fällt auch nur wenigen auf, dass dieses Konzept praktisch keine Kontrolle der Kontrolleure vorsieht.

Orchestrierte Kampgane
„Virtuelle Gewalt“ gegen Frauen – der politisch nützliche Fall Fernandes
Die Operation, freie Rede zumindest stark zu begrenzen, läuft gerade in mehreren Staaten, und das im auffälligen Gleichschritt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte kürzlich die Meinungsfreiheit zu „Bullshit“; Nutzer der digitalen Welt bräuchten jemanden, der sie durch das heikle Gebiet „navigiert“. Das entspricht ziemlich genau dem Bild vom Sumpf und den gesicherten Pfaden. Die Kategorie der Meinungsäußerungen „unterhalb der Strafbarkeitsgrenze“, wie sie beispielsweise die „Meldestelle antimuslimischer Rassismus“ in Nordrhein-Westfalen sammelt – dort genügt nämlich schon die gefühlte Diskriminierung – wurde unter der Regierung von Keir Starmer mit einer ganz ähnlichen Bezeichnung eingeführt: „legal but harmful“. Das genügt im Königreich für eine Registrierung durch die Behörden. Bemühungen zur Einführung einer Klarnamenpflicht im Internet gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und anderen Staaten.

Die wichtigsten Treiber im Prozess der Meinungseinschränkung und -lenkung, der sich zwar auf die digitale Welt konzentriert, aber auch die Sprache insgesamt betrifft, finden sich nicht in den Reihen der harten Ideologen, sondern in den Parteien und Kreisen, die sich selbst für die bürgerliche Mitte halten. Eine CDU-geführte Landesregierung setzte in NRW eine „Meldestelle für antimuslimischen Rassismus“ durch. Das Gesetz gegen „digitale Gewalt“ legt eine Ministerin aus dem Kabinett Merz vor, die Forderung nach Abschaffung der Anonymität im Internet stammt von Merz selbst. Den Begriff „digitale Gewalt“ übernimmt auch die FAZ kritiklos. Wer Begriffe auf diese Weise übernimmt, schluckt zwangsläufig auch die Gesellschaftsvorstellung, die darin steckt, also die eigentlichen Wirkstoffe. Und merkt es noch nicht einmal.

Mittlerweile stammen fast alle Leitbegriffe – Kampf gegen rechts, Gleichstellung (statt Gleichberechtigung), Vielfalt, unsere Demokratie, Kolonialschuld, Teilhabe, Hass & Hetze und viele andere mehr von denjenigen, die eine autoritär-technokratische Gesellschaftslenkung für die bestmögliche Herrschaftsform und den selbstständigen Bürger für eine Gefahr halten. Dieses Geflecht reicht von sehr linken Parteien und Denkfabriken bis zu einem Klaus Schwab. Die Restbürgerlichen überlassen Sprachprägung und Sprachkritik seit langer Zeit diesem Lager.

Eine Partei wie die CDU, die Begriffe der antibürgerlichen Denker schluckt, verliert nach und nach ihren ursprünglichen Charakter. Das wiederum erleichtert den Aufstieg von Figuren wie Daniel Günther und Ursula von der Leyen, die mit der Idee des freien Bürgers noch nie etwas anfangen konnten. Von der Leyen darf man zu den bewussten Befürwortern einer Gesellschaft rechnen, der wohlmeinende Lenker den Weg weisen müssen. Andere Politiker in der Union übernehmen konzeptionelle Begriffe einfach, ohne sich etwas dabei zu denken. Sie halten Sprache für eine Nebensache und nicht für den Rohstoff aller Politik.

Wahrscheinlich nützt es nichts, wenn man Friedrich Merz und Hendrik Wüst empfehlen würde, Gramsci zu lesen. Bürgerliche Politik beginnt erst wieder mit Leuten, die den Italiener schon gelesen und verstanden haben, bevor sie in irgendein Amt kommen.

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7. April 2026

Ordnungswidrigkeit statt Straftat

Justizministerin Hubig will Schwarzfahren entkriminalisieren

Von
Redaktion

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat angeregt, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ohne gültiges Ticket zu entkriminalisieren.

Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung kritisierte die SPD-Politikerin zum einen, dass die Strafverfolgung von Schwarzfahrern Ressourcen binde, „die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten“.

Fahren ohne Fahrschein gilt als Erschleichen von Leistungen und ist damit nach Paragraf 265a StGB eine Straftat. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurde die Polizei 2024 diesbezüglich in mehr als 144.000 Fällen tätig.

Zum anderen stellte Hubig die Verhältnismäßigkeit von Ersatzfreiheitsstrafen infrage. Immer wieder machen Fälle Schlagzeilen, in denen Schwarzfahrer hinter Gittern landen, weil sie das verhängte Bußgeld nicht zahlen oder zahlen können.

Auf diesen Aspekt verweist unter anderem die Initiative Freiheitsfonds e.V., die Gefängnisinsassen „freikauft“, indem sie die entsprechenden Gelder aufbringt. Diese hatte in einem öffentlichen „Brandbrief“ an die Justizministerin gefordert, das Fahren ohne Fahrschein zu entkriminalisieren: „Jedes Jahr müssen 9.000 Personen in Deutschland für mehrere Wochen oder Monate ins Gefängnis, weil sie wegen Fahrens ohne Ticket nach § 265a StGB verurteilt werden“, heißt es in dem Schreiben, das von verschiedenen Sozial- und Juristenverbänden mitgetragen wird.

Der Straftatbestand träfe „nahezu ausschließlich Menschen in extremer Armut, oft ohne feste Unterkunft und mit erhöhtem Suizidrisiko. Die Inhaftierung verschärft ihre ohnehin prekäre Lebenssituation.“

Die Union kritisiert Hubigs Vorstoß. Fraktionsvize Günter Krings legte der Justizministerin nahe, „sich mehr den wirklichen Problemen im Strafrecht“ zu widmen. Der Auffassung, es handle sich lediglich um ein Bagatelldelikt, widersprach er, und bezeichnete Schwarzfahren als „gemeinschädliches Betrugsdelikt“.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt die Pläne der Bundesjustizministerin ab. Andreas Roßkopf, GdP-Chef für den Bereich Bundespolizei, erklärte gegenüber der Rheinischen Post, dass die Hemmschwelle, Verkehrsmittel ohne Fahrschein zu nutzen, sinken würde, wenn das Strafrecht an dieser Stelle entfiele. Zudem sei es ein Armutszeugnis, wenn als Begründung für die Herabstufung einer Straftat zur Ordnungswidrigkeit die Belastung der Justiz herangezogen würde.

Unterstützung kommt derweil von den Linken. „Es ist ein Skandal, dass in diesem Land noch immer vor allem arme Menschen strafrechtlich verfolgt werden, weil sie sich ein Ticket nicht leisten können“, sagte Linksfraktionsvize Clara Bünger ebenfalls der Rheinischen Post. Sie forderte eine Rückkehr zum sogenannten 9-Euro-Ticket, um Mobilität als Grundrecht zu gewährleisten.

Auf kommunaler Ebene gilt Schwarzfahren in Deutschland bereits in dreizehn Städten nurmehr als Ordnungswidrigkeit, darunter in Düsseldorf, Köln, Mainz, Leipzig und Dresden.

Zuletzt hatten im Herbst bzw. Winter 2025 Frankfurt am Main und Kiel beschlossen, Schwarzfahren nur noch als Ordnungswidrigkeit zu ahnden.

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7. April 2026

Die da oben sehen die unten nicht mal

Böswillig oder Nichtskönner oder beides zusammen? Entscheidend ist, „was hinten rauskommt“

Von
Fritz Goergen

Am Ostersonntag hatte die AVIA-Tankstelle an der A5 in Eschborn (Hessen) extrem hohe Preise: Super E5 bei 3,039 Euro und Diesel bei 3,169 Euro pro Liter. Die Preise wurden später (wie erlaubt) nach unten korrigiert auf ca. 2,63 € Super und 2,78 € Diesel. Die Mittags-Regel senkt den Preis nicht, sondern provoziert den Höchstpreis. Wer das nicht weiß, ist die Classe Politique.

Das Ministerium kreisste um Stromsteuer-Senkung, „Energiepreispauschale“, „Tankrabatt“, Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe auf sieben Prozent, Aussetzen des CO2-Preises oder der Lkw-Maut sowie einen Preisdeckel auf Sprit – und gebar das Mäuslein Erhöhung der Pendlerpauschale, wo Frau Reiche jedoch eine „verspätete Wirkung und Sichtbarkeit“ befürchtet.

„Betrachtet man die Preise an der Zapfsäule der letzten Wochen, hat man den Eindruck, die Bundesregierung bestehe aus Totalversagern.“ Sagte SED-Die Linke-Schwerdtner (Bild): Das „Durcheinander der Vorschläge“ zeige: „Das Land wird von Planlosen regiert.“ Grünen-Audretsch: „Katherina Reiche sollte jetzt einen klaren Krisen-Aktionsplan vorlegen und das Koalitions-Chaos beenden … Das ist ein fatales Krisenmanagement, auch des Bundeskanzlers.“ – Wie soll eine Merz-Regierung die Energiekrise managen, die sich selbst im Zustand der Dauerkrise befindet?

Jack Prandelli: »Italien schließt eigene Gasabkommen mit dem Golf ab. Das deutlichste Zeichen dafür, Europa hat keine Energiestrategie. Als die Krise ausbrach, handelte jedes Land für sich: Deutschland flog nach Houston, um LNG zu beschaffen; Meloni flog in den Golf, um ihre eigenen Verträge abzuschließen; Frankreich dankte sich im Stillen dafür, an der Kernenergie festgehalten zu haben. Das ist keine strategische Autonomie. Es sind 27 Länder in Panik, die jeweils ihre eigenen Verträge abschließen, ihre eigenen Prämien zahlen und keinerlei Verhandlungsmacht besitzen. Die Ironie? Europa hat den größten Binnenmarkt der Welt. Verhandelte es gemeinsam, könnte es jedem Gaslieferanten der Welt die Bedingungen diktieren. Stattdessen hebeln sich Lieferanten und Länder gegenseitig aus. Russland hat das verstanden. Die Golfstaaten haben das verstanden. Washington hat das verstanden. Die einzigen, die es nicht verstehen, sitzen in Brüssel. Die geschlossene Hormus-Pipeline legte jede Schwäche offen, die Europa in 30 Jahren billiger Energie-Selbstgefälligkeit aufgebaut hat. Keine Strategie. Nur 27 Ministerpräsidenten in Flugzeugen, die nach denselben Molekülen suchen. Das ist keine Union. Das ist eine Warteschlange.«

Auch von Jack Prandelli: Die zehn größten Öl-Raffinerien der Welt.

Shanaka Anslem Pereira: »Saudi Aramco gab gestern bekannt, der offizielle Verkaufspreis (OSP) für Arab Light Rohöl für Asien wird im Mai einen Aufschlag von 19,50 US-Dollar pro Barrel gegenüber dem Oman-Dubai-Referenzpreis aufweisen. Im April lag der Aufschlag bei 2,50 US-Dollar. Der Anstieg beträgt somit 17 US-Dollar innerhalb eines Monats. Es handelt sich um den höchsten OSP-Aufschlag, den Aramco jemals festgelegt hat. Der bisherige Rekord, aufgestellt während des Ukraine-Krieges im Jahr 2022, lag bei 9,80 US-Dollar. Der neue Aufschlag ist doppelt so hoch wie der alte Rekord. Bloomberg und Reuters bestätigten die Meldung. Javier Blas brachte es auf den Punkt: Rohöl aus dem Nahen Osten ist nun das teuerste Öl der Welt. – Der OSP ist jedoch nicht der Preis selbst. Er legt die Abschlagsstruktur fest, wie viel mehr ein Käufer über dem Referenzpreis zahlt.«

Es ist nicht die Osterbotschaft der Classe Politique, sondern ihr Wesen: »Der Sozialismus greift stets drei grundlegende gesellschaftliche Institutionen an: Religion, Familie und Privateigentum. Die Religion, weil sie eine konkurrierende Autorität zum Staat bietet; die Familie, weil sie eine konkurrierende Loyalität zum Staat bedeutet; und das Eigentum, weil es materielle Unabhängigkeit vom Staat bedeutet.“

JPMorgan-Chef Jamie Dimon: »„Einwanderung. Was zum Teufel tun wir da? Die ärmsten 20 Prozent der Amerikaner? Ihre Löhne sind seit 20 Jahren nicht gestiegen. Sie sterben sieben Jahre früher. Ihre Schulen versagen. Die Amerikaner sollten die Nase voll davon haben!“ Masseneinwanderung zerstört Löhne, Gemeinschaften, die Zukunftschancen von Arbeiterfamilien. Es ist höchste Zeit, Amerikaner an erste Stelle zu setzen.«

Der Islam hat das Zeug, die Monarchie in Britannien zu beenden. »Prinz William predigt, der Islam sei die „Religion des Friedens“, was andere Glaubensrichtungen von ihm lernen müssten. Er ist derselbe feige Royal wie sein Vater … er wendet sich vom Christentum ab, während Großbritannien unter gewalttätigen Übergriffen und Messerstechereien leidet. Verteidiger des Glaubens? Eher Verteidiger der Invasoren.«

Glenn Beck: »1982 entwarf die Muslimbruderschaft einen Plan zur Errichtung einer islamischen Regierung auf Erden. Nicht etwa einer Moschee. Globale Kontrolle. Ihre Strategie bestand nicht im gewaltsamen Dschihad, sondern in der institutionellen Unterwanderung durch zeitlich begrenzte Kooperation mit nicht-islamistischen Gruppen. Im Grunde also genau das, was wir heute erleben.«

Der Classe Politique für alles, was ihr noch an Unsinn einfällt, mit auf den Weg.

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6. April 2026

Homophobie?

Hape Kerkeling über Italien: Zwischen Erfahrung und Urteil

Von
Giovanni Deriu

Diesmal war es nicht Horst Schlämmer, der das Glück sucht, sondern der deutsche Schauspieler und Comedian, Hape Kerkeling, der mit Schlamm geworfen hat.

Aber warten Sie, holen wir kurz aus: Seit Jahren, und dies ziemlich zugespitzt, verläuft die öffentliche Debatte über Homophobie, und dann stets nach einem oft bekannten Muster: Eine persönliche Erfahrung wird geschildert, medial aufgegriffen und schließlich zu einem allgemeinen Befund verdichtet. Was als individuelle Wahrnehmung beginnt, endet nicht selten als Urteil über ganze Gesellschaften. Derjenige, der nach vorn prescht, ist sich seiner medialen Aufmerksamkeit samt Streicheleinheiten und Bonuspunkten bei den Medien sicher.

In diesem Falle fügen sich die Aussagen von Hape Kerkeling über seine Zeit in Italien in diese Logik. Bundesweit und im ganzen deutschsprachigen Raum berichteten die Medien darüber, was Hape Kerkeling in einem Interview dem STERN offenbarte. Nämlich, so schilderte es der Schauspieler eindringlich, wurde er in Italien „als schwuler Mann so diskriminiert, dass ich dort nicht mehr sein wollte“, so dass er seiner Wahlheimat Italien den Rücken kehrte. Was zunächst nach einzelnen negativen Erfahrungen klingt, beschreibt der Entertainer als dauerhaften Zustand: eine „tagtägliche“ Belastung, die ihn schließlich zum Umzug bewegte.

So berechtigt persönliche Empfindungen sind, so problematisch wird es, wenn aus ihnen pauschale Rückschlüsse gezogen werden. Homophobie existiert, ohne Zweifel. In Italien, in Deutschland, in nahezu allen europäischen Ländern. Doch sie ist weder ein exklusives Merkmal einzelner Staaten noch eindeutig entlang politischer Lager zu verorten.

Ein Land der Widersprüche – wie viele andere auch

Italien ist kein homogener Raum. Zwischen urbanen Zentren und ländlichen Regionen, zwischen Nord und Süd, bestehen erhebliche Unterschiede. Gerade in Städten wie Mailand oder Rom ist Homosexualität seit Langem sichtbar und in weiten Teilen auch akzeptiert.

Ein Blick in die Kultur- und Modewelt unterstreicht dies. Persönlichkeiten wie Giorgio Armani, Valentino Garavani oder Gianni Versace haben Italien geprägt – nicht trotz, sondern unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Sie wurden als das wahrgenommen, was sie sind: prägende Figuren ihrer Branche. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sie selbst sich nicht auf ihre sexuelle Orientierung reduzierten.

Sie luden ihre Identität nicht politisch auf. Sie lebten offen, ohne ihre Homosexualität demonstrativ zu inszenieren. Diese Form der Selbstverständlichkeit steht quer zu einem zunehmend verbreiteten Verständnis, das Sichtbarkeit häufig mit politischer Positionierung verknüpft. Und, ohne ihm nahetreten zu wollen, wofür Kerkeling politisch steht, weiß jeder.

Der Fall Dolce: Abweichung als Tabubruch

Wie schnell aus Abweichung ein Konflikt wird, zeigte der Fall von Domenico Dolce, Mitbegründer des Labels Dolce & Gabbana. Seine kritischen Äußerungen etwa zur Leihmutterschaft und Reproduktionstechnologien passten nicht ins System queer-woker Ansichten und lösten heftige Reaktionen aus – bis hin zu Boykottaufrufen.

In einem Interview mit dem Wochenmagazin Panorama erklärte Domenico Dolce bereits vor Jahren, dass er an die klassische Familie glaube, die eben aus Vater und Mutter bestehe. Ob er sich wünsche, Vater zu werden? Darauf Dolce zu einer Vaterschaft: „Ich bin schwul, ich kann kein Kind haben. Ich glaube, man kann nicht alles vom Leben haben; wenn etwas nicht da ist, dann soll es vielleicht auch nicht sein. Es ist auch schön, auf etwas zu verzichten.“ Der Sturm der Entrüstung war immens.

Dolce wurde nicht wegen seiner Homosexualität angegriffen, sondern wegen seiner Haltung. Seine Position wich von einem dominanten Diskurs ab – und genau das wurde zum Problem.

Der Vorgang verweist auf eine grundlegende Spannung innerhalb moderner Gesellschaften: Vielfalt wird eingefordert, aber nur in eine Richtung akzeptiert.

Selektive Toleranz im politischen Raum

Diese Spannung zeigt sich auch im politischen Diskurs. Der rechtskonservative Vize-Premier und Chef der Lega, Matteo Salvini, erklärte, die Debatte über sexuelle Orientierung sei „überholt“ – entscheidend sei die individuelle Freiheit.

Gleichzeitig berichten Persönlichkeiten wie Tommaso Cerno, bekennender Schwuler, Journalist und Chefredakteur des rechtsliberalen Il Giornale, von Anfeindungen, die sich gerade aus progressiven Milieus speisen, wenn politische Positionen nicht den erwarteten Linien entsprechen.

Auch im Umfeld von Elly Schlein, der linkssozialistischen Anführerin in der Opposition, wird deutlich, wie anspruchsvoll der Umgang mit innerer Vielfalt ist. Der Anspruch, unterschiedliche Lebensentwürfe anzuerkennen, gerät dort an Grenzen, wo politische Differenzen ins Spiel kommen. Sie selbst bekannte sich als bisexuell, derzeit in Partnerschaft mit einer Frau.

Differenzierung statt Deutungshoheit

Die zentrale Frage ist daher nicht, ob es Homophobie gibt. Sondern wie differenziert darüber gesprochen wird.

Individuelle Erfahrungen verdienen Gehör. Doch sie ersetzen keine Analyse. Wer aus ihnen ein allgemeines Urteil ableitet, läuft Gefahr, komplexe Realitäten zu verzerren.

Hinzu kommt, dass in diesem Diskurs eine bestimmte Form von Homophobie kaum je thematisiert wird – nämlich jene, die von vornehmlich muslimischen Zuwanderern ausgeht. Zunehmende Feindseligkeit wird beklagt, wer aber dafür verantwortlich ist, wird nicht benannt.

Italien ist weder ein Paradies der Toleranz noch ein Hort der Intoleranz. Es ist ein Land mit Widersprüchen – wie andere europäische Gesellschaften auch. Wer es auf ein eindimensionales Bild reduziert, wird weder der Realität gerecht noch der Debatte. Im Gegenteil, die Homosexualität, als Präferenz und Lebensentwurf, wird akzeptiert, solange die klassische Familie nicht als altmodisch diffamiert oder lächerlich gemacht wird.

Und vielleicht beginnt genau dort die eigentliche Form von Toleranz: nicht in der Bestätigung eigener Überzeugungen, sondern im Umgang mit dem, was ihnen widerspricht. Oder bei der einfachen Selbstreflexion über das eigene Verhalten, das andere vielleicht verletzen könnte?

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6. April 2026

Netz als ID-Verifikationszone

Politik will Jugendliche aus Social Media drängen – aber Belege für etwaigen Nutzen fehlen

Von
Redaktion

Ausgerechnet an dem Punkt, an dem die Politik am entschlossensten auftritt, ist ihre Begründung am dünnsten. Für den Vorstoß, Jugendlichen den Zugang zu sozialen Medien per Verbot oder harter Altersgrenze zu beschneiden, hat die Bundesregierung nach einer parlamentarischen Anfrage keine belastbaren Studien zum Nutzen vorgelegt, berichtet der Tagesspiegel. Das ist der aktuelle Kernfall. Die Politik fordert den Eingriff, aber sie kann nicht sauber belegen, dass er in der behaupteten Form tatsächlich wirkt. Damit steht am Anfang dieser Debatte nicht Evidenz, sondern politischer Wille. Erst kommt das Verbot, dann sucht man nach der passenden Begründung.

Genau damit beginnt der Skandal. Wer Millionen Kindern, Jugendlichen und Eltern unter fadenscheinigen Vorwänden in den Alltag hineinregieren will, kann nicht mehr liefern als ein diffuses Gefühl von Gefährdung und den üblichen Reflex, dass der Staat schon irgendetwas sperren werde.

Schon die rechtliche Lage zerlegt den großen Verbotsgestus. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags verweisen auf erhebliche Hürden durch den Digital Services Act, das Herkunftslandprinzip und das grundrechtlich geschützte Elternrecht. Der Staat hat eben nicht die Generalvollmacht, Familien ihre Erziehungsentscheidungen abzunehmen, nur weil der politische Betrieb wieder seine Ordnungsphantasien entdeckt. Ein pauschales Social-Media-Verbot wäre deshalb nicht nur praktisch grob, sondern schon im Ansatz rechtlich heikel.

Noch aufschlussreicher ist der politische Widerspruch hinter dieser Debatte. Als hunderttausende Kinder und Jugendliche für Fridays for Future auf die Straße gebracht wurden, galt dieselbe Altersgruppe plötzlich als politisch hellwach, verantwortungsbewusst und vorbildlich. Kein Politiker, der die Jugendlichen nicht hofierte und bei ihnen für Fotos und Schlagzeilen vorsprach. Keiner, der die Jugend nicht für ihre Weitsicht lobte. In der Debatte um das Wahlalter ab 16 hieß es damals, junge Menschen müssten früher beteiligt werden, sie seien politisch interessiert und müssten über ihre Zukunft mitentscheiden können. Hier war Jugend kein Schutzfall, sondern demokratische Hoffnungsträgerin.

Jetzt soll genau diese Generation zu unreif sein, um Inhalte im Netz einzuordnen. Dieselben Milieus, die gestern noch von politischer Mündigkeit schwärmten, erklären Jugendliche heute zu Schutzobjekten, denen man digitale Räume besser nur noch dosiert oder gar nicht mehr zugänglich macht. Dieser Bruch ist zu krass, um ihn als bloße Sorge durchgehen zu lassen. Er legt eine andere Frage nahe: Was genau ist in den letzten Jahren denn so schlimmes und furchtbares passiert, dass man die Jugendliche nun so dringend von ihrer Meinungsbildung abhalten muss? Was hat sich wirklich geändert? Die Jugend selbst oder die politischen Ergebnisse, die sie hervorbringt?

Die naheliegende Antwort ist für die Verbotsfreunde dramatisch. Solange junge Menschen als Klima-Kulisse, Protestreserve und progressive Projektionsfläche dienten, wurden sie moralisch überhöht. Seit aber immer deutlicher erkennbar wird, dass ein wachsender Teil der Jugendlichen dem etablierten Politikbetrieb entgleitet, kippt der Ton. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt, dass sich ein Teil der Jugendlichen zunehmend für rechtspopulistische Angebote öffnet. Wer Jugendliche erst politisch adelt und ihnen dann die Urteilskraft abspricht, sobald sie die falschen Schlüsse ziehen oder falsch wählen, betreibt keinen Schutz, sondern Disziplinierung.

Genau deshalb hat diese Verbotsdebatte einen schalen Beigeschmack. Nicht die bloße Existenz Jugendlicher im Netz scheint das eigentliche Problem zu sein, sondern die schwindende Gewissheit, dass sie dort noch zuverlässig im gewünschten Meinungskorridor gehalten werden können. Erst sollten 16-Jährige reif genug fürs Kreuz auf dem Wahlzettel sein. Nun sollen sie zu unreif für TikTok, Instagram oder X sein. Diese Volte ist nicht fürsorglich. Sie ist entlarvend.

Hinzu kommt, dass die Ablehnung eines pauschalen Verbots keineswegs nur aus liberalen Sonntagsreden stammt. Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz hält ein generelles Verbot ausdrücklich für zu weitgehend und betont, junge Menschen hätten ein Recht auf digitale Teilhabe. Die Behörde verweist darauf, dass Schutz nicht durch pauschales Aussperren entsteht, sondern durch verbindliche Anbieterpflichten, wirksame Altersprüfungen und pädagogische Begleitung durch Eltern, Schule und Jugendhilfe.

Auch aus der Jugendhilfe und dem sozialen Bereich kommt klare Kritik. Ein generelles Verbot bis 16 findet in der Bevölkerung gerade keine Mehrheit. Nach der jüngsten SOEP-Befragung lehnt eine Mehrheit ein solches Altersverbot bis 16 ab, während alternative Schutzmaßnahmen wie mehr Medienkompetenz und stärkere elterliche Begleitung deutlich mehr Zustimmung erhalten. Die öffentliche Meinung sieht also Risiken, aber sie sieht ebenso, dass der grobe staatliche Holzhammer keine überzeugende Antwort ist.

International fällt die Kritik ähnlich aus. Auch in der fachlichen Debatte, die von der BzKJ selbst dokumentiert wird, wird darauf hingewiesen, dass rein verbotsorientierte Ansätze mit dem Recht junger Menschen auf Teilhabe und Autonomie kollidieren und pädagogisch wie praktisch zu kurz greifen.

Dazu passt, dass die Praxis solcher Verbotsmodelle für ihre Befürworter unerfreulich ausfällt. Die Bundestagsanalyse zu internationalen Modellen verweist selbst darauf, dass Verbote und Altersgrenzen in einem komplexen europäischen und technischen Umfeld stehen, in dem Zuständigkeiten, Durchsetzung und tatsächliche Wirksamkeit alles andere als einfach sind. Der große politische Durchgriff erzeugt dann vor allem eins: neue Bürokratie, neue Kontrollansprüche und dieselbe alte Illusion, ein kompliziertes soziales und technisches Problem lasse sich mit einem simplen Verbot aus der Welt schaffen.

Ein pauschales Social-Media-Verbot für Jugendliche ist deshalb strikt abzulehnen. Es ist rechtlich angreifbar, empirisch schwach unterfüttert, praktisch grob und politisch verdächtig. Es greift ins Elternrecht ein, obwohl gerade Eltern die erste Verantwortung für den Medienumgang ihrer Kinder tragen. Es erklärt Jugendliche mal zur demokratischen Speerspitze und mal zum unmündigen Schutzobjekt, je nachdem, ob sie politisch nützen oder stören. Und es verrät damit vor allem eines: Diese Politik will nicht konsequent schützen. Sie will zurück an die Kontrolle über eine Generation, die ihr nicht mehr zuverlässig folgt.

Es ist das bekannte Muster eines übergriffigen Staates. Solange Jugendliche das Richtige rufen, sollen sie die Republik mitgestalten. Sobald sie sich entziehen, zweifeln, widersprechen oder politisch abwandern, gelten sie plötzlich als zu unreif für offene digitale Räume. Nicht die Jugend hat sich hier entlarvt. Entlarvt hat sich eine Politik, die Mündigkeit immer nur dann feiert, wenn sie ihr nützt.

Am Ende geht es bei dieser Debatte nicht nur um Jugendliche, schon gar nicht um eine Sorge um ihr Wohlergehen. Es geht um die nächste Stufe politischer Kontrolle im Netz. Denn wer Social Media erst für Minderjährige nur noch über Altersnachweise, Verifikationsschleusen und technische Zugangssperren betretbar machen will, baut die Zensur-Infrastruktur, die morgen sehr leicht auf immer weitere Räume und immer weitere Nutzergruppen ausgedehnt werden kann. Genau deshalb ist das Gerede vom Jugendschutz so verlogen. Es liefert den moralischen Vorwand für eine Entwicklung, die in Wahrheit auf etwas viel Größeres zielt: ein Internet, das nicht mehr frei zugänglich ist, sondern nur noch nach Identitätsprüfung, Altersfreigabe und digitaler Berechtigung. Dass die EU-Kommission bereits einen harmonisierten Ansatz für Altersverifikation samt App und technischem Blueprint vorantreibt, zeigt, dass diese Richtung längst konkret ist. Ob daraus am Ende eine allgemeine ID-Zone für das Netz wird, ist eine politische Folgerung, keine bereits vollendete Tatsache. Aber genau deshalb muss dieser Vorstoß jetzt frontal zurückgewiesen werden, bevor aus dem Vorwand Jugend am Ende die Eintrittskarte zur digitalen Ausweispflicht für alle wird.

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6. April 2026

Treffer Schiffsmitte

Jörg Thadeusz zu Daniel Günther (CDU): „Dann geh doch zu den Grünen!“

Von
Redaktion

Jörg Thadeusz ist auch sonst nicht für Schonung bekannt. Genau das macht ihn in der stromlinienförmigen Welt des öffentlich-rechtlichen Betriebs, die die Oberen vor Kritik an den Folgen ihrer desaströsen Politik für das Land abschirmt, zu einer Ausnahmefigur. Er hat Jan Böhmermann vorgeworfen, Satire brauche „eine gewisse Noblesse“, statt sich des „Stils der Gosse“ zu bedienen. Er hat den Grünen den moralischen Heiligenschein abgesprochen. Und er hat die SPD als Partei beschrieben, die sich mit ihrem destruktiven Innenleben selbst am gründlichsten schadet. Thadeusz redet nicht wohlgefällig am Betrieb entlang. Er sagt, wenn ihm ein politischer Typus auf die Nerven geht.

Genau deshalb sitzt seine Abrechnung mit Daniel Günther so präzise. Sie fällt nicht aus dem Nichts. Sie macht ein bereits lang sichtbares Muster sichtbar: Kaum eine Woche vergeht, in der der schleswig-holsteinische CDU-Politiker nicht mit der nächsten Forderung nach Verboten, staatlichen Eingriffen, Sperren oder Lenkung um die Ecke kommt. Seit 2025 versucht Günther, das Social-Media-Verbot für Jugendliche durchzuboxen. Im März 2026 drang er erneut darauf und warnte, ohne Eingreifen führe man die Gesellschaft „in den Abgrund“. Das ist nicht der Ton eines bürgerlichen Ministerpräsidenten, der auf Erziehung durch Eltern, Schule und Verantwortung setzt. Das ist der Ton eines totalitären Mindsets, das immer zuerst an Zugriff denkt.

Nur wenige Tage später legte Schleswig-Holstein im Bundesrat nach. Günther stellte eine Initiative vor, die auf eine deutliche Senkung des Zuckergehalts in Softdrinks zielt und zugleich eine gesetzliche Altersgrenze von 16 Jahren für Energy Drinks fordert. Der Staat soll also nicht nur mahnen, sondern verteuern, begrenzen und regulieren. Der Bürger erscheint in diesem Denken nicht als freier Erwachsener, sondern als dauernd zu beaufsichtigender Fall.

Es ist exakt dieser Reflex, den Thadeusz aufspießt. Er erzählt von seiner Kindheit als „dicker Junge“, vom Kiosk der Großmutter, von Süßigkeiten, Comics und einem kleinen Rest unreglementierter Freiheit. Von dort schlägt er den Bogen zu dem kleinen CDU-Politiker Daniel Günther, der den Menschen nun selbst in solche Alltagsräume hineinregieren will.

Erst vor diesem Hintergrund entfaltet Thadeusz’ Satz seine volle Wucht. „Dann geh doch zu den Grünen, Mann!“ ist die politische Summe einer langen Kette von Erziehungsreflexen. Günther trägt zwar noch das Parteibuch der CDU, aber seine politischen Instinkte liegen längst dort, wo die Grünen seit Jahren zuhause sind: beim moralisch aufgeladenen Eingriff in den Alltag, bei der Lust auf Beschränkung, bei der Vorstellung, der Staat müsse die Menschen vor sich selbst retten. Thadeusz spricht hier aus, was viele schon lange sehen. Günther ist kein Gegenentwurf zur grünen Verbotspartei. Er ist ihre Fortsetzung in Schwarz.

Thadeusz belässt es in der Pioneer-Runde aber nicht bei Zucker, Kiosk und Alltagslenkung. Er trifft Günther noch an einer zweiten Stelle, und dort wird der Befund erst recht vernichtend. Während dieser CDU-Politiker den Leuten erklären will, was sie trinken sollen, wurde in Schleswig-Holstein ausgerechnet am Geschichtsunterricht der Oberstufe gesägt. Gegen die geplante Kürzung einer Unterrichtsstunde in der Einführungsphase regte sich so massiver Widerstand, dass eine Petition beim Landtag eingereicht wurde. Schon der Gegenstand der Petition ist eindeutig benannt: Erhalt der bisherigen Stundenzahl im Fach Geschichte in der Oberstufe. Genau daraus baut Thadeusz seine böse Pointe: Günthers Politik führe zu „ganz schlanken Kindern, die ein bisschen doof sind“. Der Satz trifft im Kern, weil er den ganzen Irrsinn aufdeckt. Beim Zucker herrscht Furor. Bei Bildung und Urteilskraft kommt der Rotstift.

Günther steht für eine CDU, die sich an zentralen Stellen von ihrem bürgerlichen Kern komplett entfernt und entkernt hat. Früher hätte eine Union damit geworben, dass Eltern erziehen, Lehrer bilden und der Staat sich auf das Nötige beschränkt. Heute liefert ein prominenter CDU-Ministerpräsident eine endlose Folge von Vorstößen, die alle demselben Muster folgen: Social Media sperren, neue Medien am besten verbieten, Zucker verteuern, Energy Drinks beschränken, Parteiverbote vorantreiben, den öffentlichen Raum weiter reglementieren. Das ist Politik aus dem Misstrauen gegen den Bürger.

Hinzu kommt der politische Stil. Günther verkauft diese Vorstöße gern als Fürsorge, Vernunft oder Schutz. Der Eingriff tritt nicht offen als Eingriff auf, sondern als moralisch veredelte Pflichtübung. Wer widerspricht, gilt schnell als verantwortungslos. Wer Freiheit verteidigt, wirkt plötzlich wie ein Störenfried. So hat sich der grüne Politikstil durch die Union gefressen. Nicht mit Bannern und Parolen, sondern mit denselben Vokabeln von Gesundheit, Prävention, Haltung und gesellschaftlicher Verantwortung. Am Ende steht dieselbe Logik: Der Staat weiß es besser.

Darum trifft Thadeusz Günther nicht nur persönlich, sondern typologisch. Er beschreibt einen Politiker, der seine Partei äußerlich noch repräsentiert, innerlich aber längst auf einem anderen Feld spielt. Die CDU soll nach außen schwarz wirken, regiert aber immer öfter wie ein Verwaltungsarm grüner Pädagogik. Das ist der Grund, warum dieser eine Satz so hängen bleibt. „Dann geh doch zu den Grünen, Mann!“ ist das knappe Urteil über einen CDU-Politiker, der bei jedem Thema dort landet, wo Freiheit schrumpft und der Staat wächst.

Thadeusz hat Günther damit in einem Halbsatz erledigt. Er hat Günther nicht nur kritisiert. Er hat ihn eingesargt. Wer einmal als schwarzer Grüner erkannt und markiert ist, wird diesen Stempel nicht wieder los.

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6. April 2026

„Das ist Bullshit“

„Sozialistische Regelungswut“: KBV-Chef Gassen rechnet mit SPD-Plänen für Facharzttermine ab

Von
Redaktion

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat ausgesprochen, was im Berliner Politikbetrieb kaum noch einer sagt. Der SPD-Fraktionschef Matthias Miersch fordert einen gesetzlichen Anspruch auf schnelle Facharzttermine. Andreas Gassen hält genau diesen Vorstoß für politischen Unsinn. Nicht Wahlkampffristen dürften über Termine entscheiden, sondern allein die medizinische Notwendigkeit.

Gassen greift die Forderung deshalb mit seltener Deutlichkeit an. Was da aus der Politik komme, sei „sozialistische Regelungswut“. Noch klarer wird er mit seinem Urteil, der Vorschlag sei „schlicht Bullshit“. Der Satz ist deshalb so hart, weil er den Kern trifft. Die Politik verspricht Versorgung, die das System in dieser Form gar nicht leisten kann, und tarnt diesen Bluff als soziale Gerechtigkeit. Genau daran arbeitet sich Gassen ab. Miersch will eine Frist setzen, binnen derer gesetzlich Versicherte einen Facharzttermin erhalten sollen. Dazu kommt die Drohung eines Bonus-Malus-Systems bei der Vergütung von Ärzten. Wer zu wenige Termine anbiete, dessen Budget solle sinken. Das ist der alte Reflex dieser Politik. Erst setzt sie den Praxen finanzielle Grenzen, dann beschwert sie sich über Knappheit und am Ende will sie den Mangel mit neuen Sanktionen verwalten.

Gassen wirft der Politik vor, Fristen nicht nach Dringlichkeit, sondern aus Wählerappeasement zu setzen. Das ist der entscheidende Punkt. Die Regierung sagt den Versicherten nicht, was medizinisch nötig und was aufschiebbar ist. Sie sagt ihnen lieber das, was sich gut anhört. So wird aus Gesundheitspolitik eine Beruhigungspille für verärgerte Beitragszahler. Dabei beschreibt Gassen das eigentliche Problem brutal nüchtern. Der medizinische Bedarf müsse über Termine entscheiden und nicht der gefühlte Bedarf. Denn der sei faktisch nicht zu stillen. Kaum werde ein Patient behandelt, warte schon der nächste und halte seinen eigenen Fall selbstverständlich ebenfalls für dringend. Genau deshalb brauche ein funktionierendes System klare Prioritäten und keine politische Simulation von Gleichbehandlung.

Diese Unterscheidung spricht kaum noch jemand offen aus, weil sie unpopulär ist. Gassen tut es trotzdem. Wirklich dringende Fälle müssten innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen behandelt werden. Das sei selbstverständlich. Der große Rest könne medizinisch auch Wochen oder Monate warten. Wer seit drei Jahren Rückenschmerzen habe, müsse nicht morgen untersucht werden. Das ist kein Zynismus, sondern die schlichte Wahrheit eines Systems mit knappen Ressourcen. Gerade deshalb sei das von der Koalition geplante Primärarztsystem zwar grundsätzlich richtig, aber nur unter einer Bedingung. Es müsse endlich sauber definiert werden, was wirklich dringend ist. Nach Gassens Einschätzung betrifft das nur einen kleinen Prozentsatz aller Termine. Ohne diese Ehrlichkeit wird auch das nächste Reformmodell scheitern, weil es wieder denselben Fehler macht und jeden Fall politisch zum Notfall hochstuft.

Die nackten Zahlen sprechen ohnehin gegen die Illusion der schnellen Lösung. Schon jetzt warten gesetzlich Versicherte im Durchschnitt deutlich länger auf einen Facharzttermin als noch vor wenigen Jahren. Und Gassen warnt, dass es noch schlimmer werden könnte. Wenn die Politik den Kürzungsvorschlägen der Kommission folgt, müssten Patienten sich schon bald auf 50 Tage und mehr einstellen. Besonders scharf fällt sein Angriff auf die Logik hinter diesen Kürzungen aus. Kommission und Bundesrechnungshof stellen in Frage, ob Zuschläge für vermittelte Termine den Versicherten überhaupt etwas gebracht hätten. Gassen widerspricht direkt. Gerade weil diese Zuschläge existierten, hätten Fachärzte zusätzliche Termine angeboten. Wer diesen Anreiz streicht, spart nicht an Überfluss, sondern kappt Versorgung.

Noch drastischer wird das mit seinem Hinweis auf den bestehenden Kostendeckel. Schon heute würden 40 Millionen Facharzttermine nicht vergütet. Fielen nun auch noch Zuschläge weg, würden die Praxen nur noch jene Termine anbieten, die tatsächlich bezahlt werden. Etwa jeder elfte Termin würde verschwinden. Patienten würden das binnen weniger Wochen merken. So sieht die Realität hinter den Versprechen aus, mit denen sich dieselbe Politik als Schutzmacht der Kassenpatienten inszeniert.

Gassen benennt damit das Grundübel dieses Systems. Die Politik produziert Knappheit, deckelt Leistungen, kürzt Anreize und tut anschließend so, als ließe sich der Schaden mit einem neuen Rechtsanspruch kaschieren. Genau das ist der Betrug an den Versicherten. Ein Gesetz schafft keinen Termin. Es schafft nur neue Erwartungen, die auf ein System treffen, das der Staat selbst an die Wand gefahren hat.

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5. April 2026

Tichys Lieblingsbuch der Woche

Am Volk vorbei: Zur Krise der liberalen Demokratie

Von
Roland Tichy

Jörg Baberowski ist ein stiller Mann. Das Ebenbild des deutschen Gelehrten, der verstört aufblickt, sollte man es wagen, ihn hinter seinen Büchern anzusprechen. Das stille Leben eines solchen Gelehrten ist ihm aber nicht gegönnt. An seiner Person entzündete sich früh das brutale Geschrei der politischen Kontroverse. Er ist einer der ersten, die im Zuge der beginnenden rotgrünen Gleichschaltung seit 2024 vom Denken und Sagen-dürfen gecancelt wurde.

Er wurde über Jahre zur Zielscheibe politischer Proteste an der Universität. Der Streit radikalisierte sich zu Kampagnen, Gerichtsverfahren und persönlichen Fehden. Es kam sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen. Sein Name wurde zu einem Symbolfall für den Streit um Meinungsfreiheit und politische Grenzen des Sagbaren – ebenso in der Wissenschaft. Auch die Methode wurde an ihm exemplifiziert. Ein falsches Wort – und Du bist raus. Aber anders als im Spiel gibt es kein Zurück auf Los, der totale gesellschaftliche Ausschluss ist das Ziel.

Sein Vergehen: Er betont stärker als viele Kollegen, dass extreme Gewalt im 20. Jahrhundert bereits im bolschewistischen Russland systematisch praktiziert wurde und dass der Nationalsozialismus in einer Welt entstand, in der solche Gewaltformen bereits von linken Intellektuellen „vorgedacht“ und von Sozialisten real erprobt sowie millionenfach exekutiert worden waren. Daher könne man NS-Gewalt auch als Teil einer allgemeineren Geschichte politischer Gewalt verstehen.

Diese sorgfältig ausgearbeiteten wissenschaftlichen Thesen werden aber nicht diskutiert, sondern verstoßen vermeintlich gegen das strikte Verbot, deutsche Geschichte anders als per se einzigartig und unvergleichlich darzustellen. Seine Kritiker behaupten, er stelle einen kausalen oder moralischen Zusammenhang her und wage das Ungeheuerliche, die Verantwortung zu verschieben, bzw. die Einzigartigkeit der NS-Verbrechen zu relativieren.

Baberowski selbst sagt zwar, er betreibe vergleichende Gewaltforschung ohne Gleichsetzung und wolle historische Bedingungen erklären, nicht rechtfertigen. Aber Argumente zählen nicht; Debatten werden nicht geführt, Argumentation an und für sich ist im deutschen politischen, aber auch universitären Betrieb nur noch im engen Rahmen möglich.

Tichys Lieblingsbuch der Woche
Der Kampf um die Freiheit in Europa
Seither ist Baberowski ein Getriebener, Verklagter, Beklagter. Regelmäßige Proteste gegen seine Vorträge folgten sowie Ausladungen und öffentliche Kampagnen gegen ihn. Er wurde dabei teils als „rechtsradikal“ oder „Geschichtsrevisionist“ bezeichnet – wogegen er juristisch vorging.

Parallel dazu gab es auch Gegenreaktionen: Teile der Universität stellten sich hinter ihn und erklärten, seine Positionen seien kontrovers, aber nicht rechtsradikal.

Nun hat Baberowski nach mehr als einem Dutzend Jahren eine Art Gegenangriff gestartet. „Am Volk vorbei – zur Krise der liberalen Demokratie“ lautet sein Titel. Es wird umgehend als Populismus gebrandmarkt.

Die ZEIT schreibt sinngemäß, Baberowski wolle der liberalen Öffentlichkeit „Trost spenden, bevor die AfD siegt“. Der Vorwurf: Er empfehle eine gelassene Haltung gegenüber Rechtspopulismus und setze stark auf Gespräch, Verfahren und demokratische Routinen. Er nehme Rechtspopulismus zu gelassen hin und liefere eher Beruhigung als scharfe Analyse. Der logische Widerspruch fällt dem ZEIT-Rezensenten gar nicht auf: Denn er macht Baberowski doch tatsächlich den Vorwurf, zu sehr auf demokratische Methoden zu vertrauen. Für die ZEIT darf aber nicht diskutiert werden. Es muss gehandelt werden. Wobei unter scharfer Analyse selbstverständlich die grelle Ablehnung und Diabolisierung der AfD zu verstehen und zu verlangen sei.

Tatsächlich: Baberowski ist und bleibt als Wissenschaftler gelassen; er analysiert, statt zu dekretieren. Dabei hat die ZEIT einige wesentliche Punkte glatt überlesen, man kann vermuten, oder ist es die schiere Absicht der Denk-Unterlegenen, die sich in Gewalt äußern will? Denn Baberowski schreibt: „Wo Herrschaft sich gar nicht auf den Willen eines Volkes beruft, dort gibt es auch keinen Populismus.“ Liest man ihn weiter, wird das Bild klarer: „Auch früher schon haben die herrschenden Eliten nichts unversucht gelassen, um den ‚Pöbel‘ von den Quellen der Macht fernzuhalten und auch früher schon haben die Unterworfenen sich dagegen zur Wehr gesetzt.“

Und dann der Hammerschlag des nächsten Satzes: „Es ist das Paradox der repräsentierten Volkssouveränität, das diesen Gegensatz immer wieder hervorruft. Das Volk soll Souverän sein, aber es kann sich Gesetze nicht selbst geben und sich nicht selbst regieren.“ Er malt den Gegensatz aus – dass es eben Demokratie sein soll, wenn einige wenige „Erleuchtete“, die sich heute mit dem englischen Begriff „woke“ dafür tarnen, entscheiden, was das Volk sich zu wünschen habe – bis hin eben zum veganen Schnitzel in der Betriebskantine.

Baberowski nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise durch diese Demokratie. Sie ist das, was misstrauisch beäugt wird von denen, die sich neuerdings Demokraten nennen und sie sehr allgemein verteidigen und für sich in Besitz nehmen. Selbst die historischen Umbrüche, die zur Demokratie führten, sind verdächtig, etwa im 1. Weltkrieg, die Angst vor dem Volk ist alt: Immer dann, wenn das Volk für hehre Ziele mobilisiert werden musste, wurde „die nationale Mobilisierung den herrschenden Eliten zum Verhängnis, und am Ende stand die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts“.

Dumm gelaufen. Die Bevölkerung hat sich das Wahlrecht erkämpft und will es doch tatsächlich ausüben – wie ärgerlich, wie populistisch ist das denn?  

Ist Baberowski also ein Verharmloser, der die mörderische Gefahr, den Marsch in Diktatur und Nationalsozialmus beschönigt, der angeblich von der AfD ausgeht und von allen, die guten Willens sind, bekämpft werden muss – von allen „demokratischen“ Parteien in allen Parlamenten und Gemeinderäten, von Oben bis hinab zu den „Omas gegen Rechts“. Ist die mit Blau nur unzureichend getarnte Partei der Blauen nichts anderes als die wiedergeborene braune Partei der künftigen Schlächter, Kriegsverbrecher und Judenmörder?

Klassiker neu gelesen
Ohne Massenbewegung ist totale Herrschaft nicht möglich
Es ist ja das zentrale Moment, mit dem die AfD bekämpft wird: Weil ihre sichtbaren Forderungen wie Begrenzung der Massenmigration oder die Nutzung der Kernenergie und dergleichen mehr nicht zur Begründung ihrer Gefährlichkeit ausreichen, wird die historische Gefahr beschworen: Der Nationalsozialismus marschiert wieder, diesmal nur vermeintlich harmlos. Die Beschwörung einer Wiederkehr des Faschismus, und das in den USA mit Donald Trump, europaweit und derzeit im EU-Parlament wirkungsmächtig, gehört ja zum Ritual, mit dem jede Debatte erstickt wird und mit der jeder ausgegrenzt werden soll, der das alte Lied nicht mitsingen, mitgrölen und im Marschtritt mitlaufen will.

Verharmlost also Baberowski die AfD; ist er Prophet des neuen europäischen Faschismus, der in Person von Giorgia Meloni zunächst (wieder! Wie schon Mussolini!!) Italien erobert hat und dabei ist, sich Frankreich zu unterwerfen und dann ganz Deutschland?

Baberowski nüchtern: „Der Faschismus steht nicht vor der Tür. Selbst wenn es irgend jemand danach verlangte, eine Diktatur zu errichten – wer würde ihm schon folgen? Längst haben sich die Gesellschaften in Europa und Nordamerika gegen solche Versuchungen immunisiert. Sie sind mehr oder weniger wohlhabend, alt, aneinander gekettet und miteinander verbunden, ihre Institutionen stabil,…, es gibt keine bewaffneten Verbände, die einander auf den Straßen bekämpfen, und das Wissen darum, was vor Jahrzehnten geschehen ist, sei im kollektiven Gedächtnis tief verwurzelt“ …

Wo populistische Politiker an die Macht gelangten, wie in den USA, in Italien, Griechenland, Polen und Brasilien, „gaben sie es auch wieder ab, nachdem sie in Wahlen unterlegen waren. Die gute Nachricht lautet; Wir stehen nicht am Abgrund.“ Also Beruhigung. Das können die nicht brauchen, die den Ärger des Volkes über das Versagen der Regierung von sich ablenken und auf Machtkonkurrenten umleiten wollen.

Nun ist es so, dass Baberowski tatsächlich verharmlost, und zwar gewaltig. Es gibt sie, die brutalen Straßenkämpfer. Sie kleiden sich schwarz, schlagen auf jeder Demonstration auf Andersdenkende oder kritische Journalisten ein, liefern sich Straßenschlachten und hinterlassen verwüstete Straßen. Es sind die Kämpfer der Antifa. Die Gefahr für die Demokratie geht nicht von Rechts aus. Die Marschkolonnen der Linken marschieren schon, plündern, brandschatzen und zerstören die Infrastruktur. Nicht von Rechts, sondern von Links. Aber das ist ein anderes Buch. Bis es erscheint: Lesen Sie Baberowski.

Jörg Baberowski. Am Volk vorbei. Zur Krise der liberalen Demokratie. Ch. Beck Verlag, Hardcover, 208 Seiten, 25,00 €


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5. April 2026

Verbrennerfahrendenschelte

Presseschau: Die klammheimliche Freude über hohe Spritpreise

Von
Emil Kohleofen

Verbrennerfahrendenschelte: Nur ein grober Schnitzer, oder Häme mit System? Wie schwer sich manche damit tun, ihre klammheimliche Freude über geschockte Bürger an der Tankstelle zu verbergen. Man muss Frau Schnitzer schon dankbar sein, wenn sie sich so offen in den Tagesthemen mit Tönen zu Wort meldet, die sich eher nach einer strengen Gouvernante anhören.

Wirtschaftsweise für Wirtschaftsniedergang
Wie „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer ein ganzes Land verhöhnt

Frau Schnitzer wird sekundiert von Kai Schöneberg bei der taz:

„Das ist keine grünversiffte Illusion, das ist Klimaschutz…noch besser sollte Reiche fossile Subventionen abbauen und Diesel und Benzin verteuern. Als die Grünen Ende der 90er 5 Mark für einen Liter Benzin forderten, wurden sie bei den Wahlen abgestraft. Wahrscheinlich muss der Sprit heute aber noch viel kostspieliger werden, bis der letzte Autofahrer merkt, dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann.“

Im Blog der „Süddeutschen“ ist der Text der Wirtschaftsweisen gar nicht so streng überschrieben, wie er klingt, sondern eher wie eine höfliche Anregung: „Ökonomin Schnitzer plädiert für Verzicht auf Autofahrten“.

Der Altgrüne Ex-Minister Jürgen-„Eine Kugel Eis“-Trittin lässt in seinem Blog keine Zweifel aufkommen, was er von denen hält, die „Benzin im Blut und Gas im Gehirn“ haben.

„Vom Unwillen, aus Energiekrisen zu lernen … Wie lernfähig sind Gesellschaften, die von lernunwilligen Parteien regiert werden? Innerhalb von vier Jahren trifft uns die zweite Energiekrise. Doch trotz der Erfahrung von 2022 setzten viele Deutsche weiter auf Gasheizungen und Verbrenner. … Wie lernfähig sind Gesellschaften? Wie oft müssen sie eine Erfahrung machen, um aus ihr Konsequenzen zu ziehen? … An Deutschlands Tankstellen herrscht angeblich ‚Benzinwut‘ – befeuert von Bild und TV. 1998 hatten Grüne eine Ökosteuer mit einem Spritpreis von 5 Deutscher Mark gefordert. 2026 – mit Grünen in der Opposition – sind Dieselfahrer froh, wenn sie eine Tanke finden, die den Liter Diesel für weniger als 2,50 Euro verkauft …“

Die Überschrift von Alan Poseners Kommentar für die „Die Zeit“ klingt doch sehr wie „Ätsch“:

„Das passiert, wenn man die Energiewende bremst … Die Autofahrer aber zahlen dafür, dass E-Autos zu langsam auf den Markt kommen …“

Übersetzt heißt das wohl „sie zahlen dafür, dass sie sich gegen den Kauf eines solchen entschieden haben“?

Unter dem Foto einer im Schatten von Windrädern Gymnastik Machenden schreiben Annette Doerfel und Katharina Menne für das „Spektrum“:

„Statt Öl und Gas konsequent den Rücken zu kehren und in eine nachhaltigere Zukunft aufzubrechen, klebt uns die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz in einer fossilen Gegenwart fest. Insbesondere die Unionsparteien scheinen mehr daran interessiert zu sein, die Energiewende als ein ideologisches Projekt der Grünen darzustellen und entsprechend zu torpedieren, als sie als langfristige Grundlage für künftigen Wohlstand zu begreifen.“

„Dabei wäre der Ausweg längst bekannt: E-Autos fahren nicht mit Öl aus Krisenregionen, Wärmepumpen brauchen kein Gas aus geopolitisch instabilen Staaten, und jede Photovoltaikanlage macht Deutschland ein Stück unabhängiger von fossilen Importgütern.“

„…ob wir es uns wirklich weiterhin leisten wollen, in jener fossilen Vergangenheit haften zu bleiben, die uns immer wieder in diese Krisen stürzt“.

Ein Horn, in das auch Michael Kerler für die Augsburger Allgemeine stößt:

„Leider droht Deutschland hier gerade falsch abzubiegen … eine langfristige Strategie muss aber anders aussehen … eine Rückkehr zum Verbrenner und das Bekenntnis zu Öl- und Gasheizungen, wie es die Bundesregierung zuletzt auf den Weg gebracht hat, erscheint in der aktuellen Situation nur noch bedingt weitsichtig …. Rückkehr zum Verbrenner und zur Ölheizung hilft da nicht – lieber erneuerbar … Das Land schießt sich ins eigene Bein.“

Manuel Kugler schreibt für die Nürnberger Nachrichten davon, wie

„absurd es sei dass die Verhinderer der Energiewende nun einen Tankrabatt fordern“, das sei „aus mindestens zwei Gründen viel zu kurz gedacht. Er setzt einerseits ein ökologisch wie ökonomisch falsches Signal. Je geringer die Preise für Öl und Gas sind, desto geringer der Anreiz für Verbraucherinnen und Verbraucher, das knappe Gut möglichst schonend zu verbrauchen – oder mal durchzurechnen, ob sich ein E‑Auto und die Wärmepumpe nicht doch rechnen.“

Henry Erndts Reportage aus Sachsen für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (übernommen aus der Sächsischen Allgemeinen) verpackt sein zentrales Anliegen in einen rührenden Bericht über die Autarkiebemühungen einer Dresdner Familie:

„Es heißt ja jetzt immer, die Autofahrer müssten besonders leiden“, „dabei sind es nur die Stinkeautofahrer.“

Markus Abrahamczyk kann da Abhilfe schaffen, sieht in seinem Artikel bei MSN eine „Motor-Wende“ und anlässlich der

„Spritpreise auf Rekordhoch“ die Deutschen in hellen Scharen aus dem „Verbrenner flüchten“. Mit Bezug auf eine „Auswertung der Plattform Carwow“ macht er einen „Umschwung an der Zapfsäule aus: Der sprunghafte Anstieg der Spritpreise lässt das Interesse an Verbrennungsmotoren einbrechen. An den Tankstellen herrscht Verärgerung, im Netz schlägt die Stimmung radikal um. Neue Daten zeigen: Der Krieg im Iran lässt das Interesse am Verbrenner regelrecht implodieren – während das Elektroauto einen Ansturm erlebt.“

Heike Göbel findet die hohen Spritpreise in der FAZ

„… ärgerlich“ … aber eben … nicht lebensbedrohlich“. Und es wäre nun an Verbrauchern und Unternehmen, sich in Widerstandsfähigkeit zu üben …“ „Schließlich ist es Aufgabe der Verbraucher und Unternehmen, in einer solchen nicht lebensbedrohlichen Krise zunächst eigene Ressourcen zu mobilisieren, Sparpotentiale auszuschöpfen und Konsumverhalten und Produktionsprozesse an die Preissignale anzupassen. Nur so wird das Land auf Dauer widerstandsfähiger – in unruhigen Zeiten muss dies auch hierzulande endlich eingeübt werden.“ Die Regierung dürfe den Bürgern „zumuten und zutrauen, den Sommer zu überbrücken … Bürger und Unternehmen wissen am besten, wo ihre Spielräume liegen, wo Verzicht möglich ist und wie man im Betrieb Flexibilität organisiert.“

Bei der Tagesschau spekuliert man schon, ob der Preisschock des Nahostkriegs nicht zum Energiewende-Motor werden könne?

„Für viele Menschen sind das erst mal schlechte Nachrichten. Doch Energiekrisen können auch ein Push sein, wie Forschende berichten.“

Forschende wie Volker Quaschning von der HTW Berlin:

Die Energiewende brauche Investitionen. Das Geld dafür sei grundsätzlich da, es werde derzeit nur falsch priorisiert: „Wir ballern jedes Jahr 80 bis 100 Milliarden Euro für Öl, Kohle und Gas raus. Seit dem Jahr 1990 haben wir zwei Billionen Euro ausgegeben. Man muss ja nur in die Golfstaaten gucken, die schönen Hochhäuser, die dicken Autos: Die kommen ja nicht von ungefähr, die sind von uns bezahlt.“ Da sei es wesentlich sinnvoller, das Geld in Deutschland zu investieren.

Es wird dauern, bis das diese störrischen Deutschen, bei denen der „Preisanstieg bei Sprit nicht ausreiche, um ihr Fahrverhalten zu dämpfen“ (ZDF), ankommt.

„die gestiegenen Spritpreise dämpften die Nachfrage nach Benzinautos, nicht aber das Fahrverhalten der Deutschen“. Die führen sogar „noch mehr“. …“Steigende Spritpreise halten deutsche Autobesitzer anscheinend nicht davon ab, weiter viel zu fahren.“ Das zeige „eine Analyse des Verkehrsdatenspezialisten TomTom.“ Und selbst „beim Carsharing ergebe sich keine höhere Nachfrage“. „Der Berliner Carsharing-Anbieter Miles verzeichnet bislang hingegen keine höhere Nachfrage, die sich direkt auf die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise zurückführen lasse“, so das ZDF.

Solche Nachrichten wären, so mag man meinen, geeignet, bei vielen Grünen klammheimliche Freude (unüberhörbar jedenfalls das „haben wie es euch nicht immer gesagt? von F. Banaszak“) auf ihrer Website auszulösen. Wird hier nun doch endlich der Spritpreis Realität, den sie sich immer herbeigesehnt haben. Jedoch, offizieller Jubel bleibt aus. Das grüne Spitzenpersonal hat messerscharf erkannt, dass man sich damit wohl ins Knie schießen würde.

So hat man, wie das Märchen es vorgibt, offenbar ordentlich Kreide gefressen und vermeidet Verbrennerschadenfreude wie die des alten Haudegen Trittin. Man beschränkt sich auf die Wiederholung von Forderungen nach einem angeblich Sprit sparenden Tempolimit auf Autobahnen, der Rückkehr eines mit einer Übergewinnsteuer finanzierten 9-Euro-Tickets und einer verstärkten Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.

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5. April 2026

Daniel Günthers Vorstoß

Die Zucker-Krieger: Politik ohne Realitätsbewusstsein

Von
Gastautor

Politische Initiativen werden oft nicht durch Fachkompetenz oder durch begründetes Sendungsbewusstsein getrieben, sondern durch die Suche nach persönlicher Profilierung. Ein aktuelles Beispiel liefert der Ministerpräsident eines Bundeslandes, der in seiner Region genug zu tun hätte. Aber er sorgt sich um die nationale Ernährung. Er will nicht das traditionelle Fischbrötchen zur Pflichtkost machen, sondern die deutschen Kinder schlanker. Das soll ihm öffentliche Wahrnehmung und Wertschätzung als Kämpfer für eine gute Sache sichern.

Daniel Günther, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, hat für die bundesweite Zuckersteuer eine Initiative im Bundesrat angekündigt. Ein geschickter Schachzug, um das Thema ins Parlament zu bringen, was dem ehemals zuständigen Minister Cem Özdemir mit seiner paternalistischen Politik nicht gelungen ist. Ebenso ein geschickter Schachzug von CDU-Mann Günther, um als Politiker volksnah Handlungsfähigkeit und populistisches Gespür zu demonstrieren. Das erprobte Thema Zucker funktioniert immer. Man muss kein Experte sein und Realität sowie Fakten müssen dabei nicht stören.

CDU bedient die ideologische Resterampe
CDU im Norden will Zuckersteuer und Energy-Drink-Verbot für Jüngere
Die Zucker-Krieger spielen mit gezinkten Karten, um sich profilieren zu können. Die Erinnerung an die Begründung für eine Zuckersteuer lohnt. Was war und ist eigentlich das Ziel? Das Übergewicht bei Kindern soll reduziert werden. Der Zuckergehalt in den Getränken wird durch fiskalische Maßnahmen reduziert und die Kinder werden schlanker. So zumindest die theoretische Erwartung. Der naiv angenommene Automatismus funktioniert allerdings nicht.

Auf dem CDU-Bundesparteitag haben Delegierte einen entsprechenden Antrag abgelehnt. Die SPD dagegen findet Günthers Vorstellungen einer Zuckersteuer zumindest interessant. Eine Partei, die von Wahl zu Wahl schlanker wird, klammert sich auch ans Zuckerrohr mit der Hoffnung, bei einigen Wählern zu punkten. Die Netzwerke der Zucker-Krieger funktionieren. In die Diskussion mischt sich auch die Leopoldina ein. Das hört sich eindrucksvoll an, ist aber im Grunde ein Debattierclub, in dem sich Wissenschaftler organisiert haben. Eigene Forschungen, auch wenn man diesen Eindruck in der Öffentlichkeit erwecken will, gibt es nicht. Es ist eine Institution für die Verlautbarung von Meinungen. So auch in diesem Fall.

Während die EFSA, die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, in einem umfangreichen wissenschaftlichen Gutachten feststellt, dass ein Grenzwert für Zucker nicht definiert werden kann, haben einige Mitglieder in der Leopoldina ihre eigene Meinung. In ihrem Policy Brief schreiben sie: „Solche auch als ‚Zuckersteuer‘ bekannten Abgaben haben in anderen Ländern wie im Vereinigten Königreich große Wirkung erzielt.“

Das ist Realitätsverleugnung. Es unterstreicht, dass es nicht um Fakten und Forschung, sondern um Meinung geht. Wissenschaftler der Universität Cambridge haben den Effekt der Strafsteuer in England untersucht. Sie konnten keine signifikanten Auswirkungen der Zuckersteuer feststellen. Aus deren durch Fakten begründete Sicht ist die Steuer völlig wirkungslos, weil die Ursachen von Adipositas, so die Forscher der Universität Cambridge, andere sind, die andere Maßnahmen erfordern.

Es weihnachtet sehr
Feindbild Zucker
Die Diskussion über eine Steuer in Deutschland stört das nicht, weil es nicht um Fakten geht. Eine auf den ersten Blick sinnvolle Maßnahme gegen kindliches Übergewicht ist ein populäres Thema, das von ideologisch getriebenen NGOs bis zu orientierungslosen Eltern Zustimmung findet. Eine Strafsteuer macht den Nachwuchs nach internationalen Erfahrungen allerdings nicht dünner. Sie ist politische Selbstbefriedigung ihrer Propagandisten.

Ein medizinischer Dienst wie DocCheck bringt es in einem Kommentar zur Zuckersteuer auf den Punkt. „Wieder einmal diskutieren Politiker über eine Zuckersteuer. Hauptsache handeln – egal, ob es das Problem trifft oder nicht. Weitblick sucht man vergebens“. DocCheck stellt in einem wissenschaftlich detaillierten Beitrag fest, dass es doch nicht ganz so einfach ist, wie die Politiker es gerne hätten. Es geht um Fakten und nicht um Meinungen wie bei der Leopoldina.

Die Wissenschaftler argumentieren in Doc Check, dass der Zucker durch Süßstoffe bzw. durch Zuckeraustauschstoffe ersetzt wird. Die Frage, ob das besser und auch sicher ist, kann nicht vernachlässigt werden. Die World Health Organization hat 2023 eine Leitlinie zum Thema veröffentlicht. Sie rät klar davon ab, Süßstoffe als Strategie zur Gewichtskontrolle einzusetzen. Begründet wird das mit einer schwachen Evidenz für langfristige Vorteile und mit Hinweisen auf mögliche unerwünschte Effekte.

Korrekt verweisen die seriösen Wissenschaftler auf die nachhaltige Lösung der Adipositas-Thematik durch mehr Wissen und mehr Bildung. Das wäre eine verantwortungsbewusste Herausforderung, um die Gesundheit zu fördern. Die Chancen dafür sehen die Mediziner sehr realistisch und wenig optimistisch. Ihre Meinung dazu: „Politisch ist eine Zuckersteuer jedoch attraktiv, weil sie innerhalb einer Legislaturperiode vermeintlich Probleme löst – sprich in kurzer Zeit. Wen interessiert es schon großartig, womit sich spätere Regierungen rumzuschlagen haben? Dabei ist eigentlich klar, wie wichtig es wäre, Kompetenzen aufzubauen. Kinder sollten lernen, wie gesunde Ernährung funktioniert.“

Ein Fels in der Brandung unqualifizierter Initiativen zur fiskalischen Disziplinierung der Verbraucher ist bislang der für Ernährung zuständige Minister. Auch die Vernunft in der Regierungspartei CDU und deren Abneigung gegenüber Strafsteuern zur Volkserziehung sollte man nicht unterschätzen. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein sollte sich darauf konzentrieren, im Interesse der heimischen Wirtschaft das Fischbrötchen zum nationalen Exportschlager zu machen.

Detlef Brendel ist Wirtschaftspublizist.

Wolfgang Kubicki und Christian Dürr, Aufnahme vom 31. Januar 2024
5. April 2026

Neuanfang mit "altem Schlachtross"?

Dürr zieht Kandidatur für FDP-Vorsitz zurück – und unterstützt Kubicki

Von
Redaktion

Der amtierende FDP-Vorsitzende Christian Dürr zieht seine geplante erneute Kandidatur für den Parteivorsitz beim Parteitag Ende Mai zurück und unterstützt Wolfgang Kubicki im Kampf um die Nachfolge.

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass die FDP wieder erfolgreich sein wird“, sagte Dürr am Ostersonntag der Bild. Die Voraussetzung sei eine geschlossene Formation. „Ich leiste meinen Beitrag dazu, unterstütze Wolfgang Kubicki und werde nicht antreten.“ Er wolle vor allem, dass das Land wieder nach vorne komme. „Dafür braucht es eine starke FDP mit klaren Positionen für Marktwirtschaft und Freiheit. Wolfgang hat das Zeug dazu, das zu schaffen.“

Der frühere Bundestagsvizepräsident und stellvertretende FDP-Chef Wolfgang Kubicki hatte zuvor seine Kandidatur beim Parteitag Ende Mai als neuer Parteivorsitzender der Liberalen angekündigt. „Ich will eine Partei, die mit neuem Selbstbewusstsein die politischen Debatten in diesem Land anführt, statt ihnen hinterherzulaufen“, sagte Kubicki der Bild am Sonntag.

„Deutschland wartet nicht auf eine FDP, die sich in akademischen Diskussionen verzettelt, sondern auf eine, die dieses Land groß gemacht hat: klar im politischen Inhalt und ebenso klar in der Sprache. Für die Freiheit.“ Kubicki weiter: „Ich werde den Delegierten meiner Partei im Mai ein Angebot machen, bei dem sie sicher sein können: Ich werde alles tun, die Partei wieder erfolgreich zu machen.“ Als Partner für den Neuanfang setzt Kubicki laut des Berichts der Bild am Sonntag auf den bayerischen FDP-Politiker Martin Hagen als Generalsekretär.

Beim Parteitag Ende Mai wollten ursprünglich auch der aktuelle Vorsitzende Christian Dürr und der nordrhein-westfälische Landeschef Henning Höne antreten. Nun hat Dürr seine Kandidatur zurückgezogen.

Kritik an der Ankündigung von FDP-Urgestein Kubicki, für den Parteivorsitz der Liberalen zu kandidieren, äußerte unterdessen FDP-Vize Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Wettbewerb könne einer Partei wie der FDP, die für Offenheit und das Leistungsprinzip stehe, nie schaden, sagte Strack-Zimmermann dem Tagesspiegel. „Doch jetzt ist nicht die Zeit für persönliche Eitelkeiten oder späte Selbstvergewisserung, nur weil dafür Raum entsteht.“

Die Europaabgeordnete kritisierte den Schritt des 74-Jährigen, der seine Kandidatur am Samstagabend mitgeteilt hatte. „Die FDP muss von einer neuen Generation in die Zukunft geführt werden, nicht nur von alten Schlachtrössern.“ Kubicki und sie selbst sollten ihre mediale Bekanntheit in den Dienst der Neuaufstellung der Partei stellen. „Aber gemeinsam mit der neuen Generation und nicht, indem wir ihr an der Spitze allein im Weg stehen.“

Strack-Zimmermann, die sich zwischenzeitlich als Teil einer Doppelspitze selbst ins Spiel gebracht hatte, unterstützt inzwischen den Landesvorsitzenden der FDP in Nordrhein-Westfalen, Henning Höne. „Er steht für ein klares marktwirtschaftliches wie gesellschaftspolitisches Profil und hat das Potenzial, das zu leisten, was in den vergangenen Monaten versäumt wurde und was auch das übrige Kandidatenfeld nicht überzeugend verkörpert: die Zusammenführung und Verteidigung des organisierten Liberalismus in seiner ganzen Breite“, sagte Strack-Zimmermann.

Kubicki erhält Unterstützung aus der CDU: Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen bezeichnete seinen langjährigen Weggefährten gegenüber Bild am Sonntag als „derzeit das Gesicht der FDP, einer, den die Leute sehen und sofort wissen, wofür er steht“.

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Till Backhaus (SPD), Umwelt- und Klimaschutzminister von Mecklenburg-Vorpommern bei der Rettungsaktion für den Wal, Wismar, 29.03.2026
5. April 2026

Wo bleibt die SPD mit der Timmy-Kampagne?

Wa(h)ldesaster für die SPD, ossia: Die Qual des Wals

Von
Gastautor

Was ist nur mit der SPD los? Die bitteren Niederlagen reihen sich aneinander: Zunächst in Rheinland-Pfalz, davor in Baden-Württemberg, wo die Partei beinahe aus dem Parlament geflogen wäre. Warum stemmt sich die Partei nicht entschiedener gegen diesen Niedergang, indem sie das bewährte Mittel der Narrativ-Erfindung nutzt, um von den realen Problemen abzulenken?

Jetzt liegt ein Wal in der Ostsee und leidet. Damit erfüllt er die Anforderungen einer SPD-Klientelgruppe diskriminierter Minderheiten. Zudem gelten Wale als hochsoziale Lebewesen. Ganz Deutschland blickt auf den Wal, den die „Bild“-Zeitung Timmy getauft hat – vermutlich mit Blick auf die sich daraus ergebenden Alliterationen: „Krimi um Timmy“ und leider wohl unvermeidlich: „Timmy ist tot!“. Doch was macht die SPD? Nichts!

Dabei hätte Timmys Geschichte das Zeug, um eine weitere Anti-AfD-Kampagne zu starten und damit die Brandmauer, die der SPD ewiges Mitregieren sichert, weiter zu festigen. Es ist ein gut eingeübter Prozess, der spätestens seit dem Correctiv-Märchen über das nicht geheime Geheimtreffen in Potsdam zum Standardrepertoire jeder linken Politgruppe zählt, die etwas auf sich hält. Gerade erlebten wir eine ähnliche Kampagne, in der eine Prominente ihrem Ex-Partner Vorwürfe macht. Unter dem Vorwand, pornografische Deepfakes bekämpfen zu wollen, soll die Meinungsfreiheit nun weiter eingeschränkt werden.

Zunächst werden die Bürger zu immer neuen Gipfeln des Mitleidens angestachelt, dann werden schwere Vorwürfe gegen die AfD in den Raum gestellt. Es reicht, wenn diese halbwegs plausibel sind, sie müssen keinesfalls auf beweisbaren Tatsachen beruhen. Einige Beispiele: Die AfD-Politik tötet Wale durch ihre Klimapolitik (es finden sich leicht „Experten“, die einen solchen Zusammenhang herstellen), durch ihre Position zu Wirtschaftsfragen (Schifffahrtsrouten) oder durch eine an der AfD gescheiterte Regulierung von Schiffsschrauben. Das muss hier nicht näher ausgeführt werden, denn es muss ja nicht einmal stimmen. Wozu gibt es schließlich staatlich finanzierte Spin-Doktoren?

Wie die konkreten Vorwürfe lauten, spielt auch keine wichtige Rolle, denn sie bilden nur das Gerüst für das Narrativ, das um sie herum aufgebaut wird. Dieses Narrativ hat sogar dann noch Bestand, wenn das Gerüst durch Widerlegungen und Gerichtsverbote längst in sich zusammengebrochen ist.

Ein Beispiel ist die Correctiv-Geschichte über die „Wannsee-2-Geschichte“. Längst sind alle substanziellen Behauptungen zusammengefallen bzw. gerichtlich untersagt. Den ÖRR und die Mehrheit der Printmedien interessiert das jedoch kaum. Correctiv erhält – man glaubt es kaum – noch immer Preise. Unlängst wurde ihm der vom Netzwerk Recherche verliehene „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ zuteil.

Auf diese Unterstellungen folgt eine Empörungswelle. Dabei kann man auf die bewährten Kräfte zählen, also Steinmeier, Scholz und all die anderen, die gerne X oder ein anderes soziales Netzwerk befeuern – ganz vorne der ÖRR. Es bedarf keiner großen Fantasie, um sich die Schlagzeilen vorzustellen. Maischberger fragt: „Wie viele Wale müssen noch sterben?” Karl Lauterbach fordert in seiner bewährten Manier, die auch die entlegensten Fragen verbindet, die volle Solidarität mit den Walen: „Es reicht – ein Verbot der AfD ist jetzt dringender denn je“ und „Wale kennen keine Grenzen“.

Laut Christian Wulff gehört zwar der Wal, nicht aber die AfD zu Deutschland. Diese und ähnliche Initialempörungen müssten für erste Massenproteste vor den AfD- und, sofern sie sich nicht auch bedingungslos in die Protestbewegung einreiht, den CDU-Büros ausreichen. Das genügt, damit eine lautstarke Minderheit, bestehend aus „Omas gegen Rechts“, dem DGB, der Antifa etc., zu der unumstößlichen Überzeugung gelangt, dass der arme Timmy und andere Wale sich nur wegen der walfeindlichen Politik der AfD in die für Wale gänzlich ungeeignete Ostsee verirrt haben. Eine breite Mehrheit zieht schließlich mit, um nicht als rechts gebrandmarkt zu werden.

Darauf folgt die entscheidende Phase, die wir als Phase der normativen Bürokratisierung bezeichnen. Es ist die Lieblingsphase der Deutschen, denn nun beginnt die organisierte, statistische Erfassung des Sachverhalts, die ihm künstlich Substanz verleiht. Wer hat mit welchem „Wal-Leugner“ (ein Begriff, der sich rasch etabliert hätte) wo gesprochen? Wo arbeitet er und von welchen Organisationen wird er unterstützt? Diese Informationen werden von den bewährten „Meldestellen“ gewissenhaft erfasst.

Daneben bilden sich aber auch solche, die Falschmeldungen über den Wal sowie abweichende Erklärungen zum Walverhalten („Wal-Verschwörungstheoretiker“) sammeln und veröffentlichen. Falschmelder werden gebrandmarkt und mit Sanktionen belegt. Dann zieht der Rest der Zivilgesellschaft nach. Banken würden Spardosen in Form von Walen herstellen und „Wal-Leugnern” das Konto kündigen. In ihren Predigten und öffentlichen Aufrufen („Ist Timmy ein Transgender-Wal?“) würden die Kirchen die biblische Geschichte von Jona und dem Wal in den Mittelpunkt stellen, denn schließlich erweist Gott Jona durch den Wal Barmherzigkeit.

Auch die Boulevardpresse springt begierig auf den Wal-Zug auf und titelt: „Wer ist der sensible Meeresbiologe, der mit seinen einfühlsamen Händen das Vertrauen des Wals gewinnen konnte?“ und „Warum er nie die AfD wählen würde und der Blauwal aus politischen Gründen umbenannt werden sollte“. Die Koalition würde schnell nachziehen und ein „Wahlsichtungsförderungsgesetz“ beschließen. Dazu würden zwei zusätzliche NGOs gegründet und großzügig finanziert, um der Bevölkerung den notwendigen Respekt gegenüber Walen zu vermitteln. Spätestens an diesem Punkt hätte sich die Wal-Saga vollständig von ihrem fiktiven Kern gelöst.

Ja, hätte! Doch die SPD blieb untätig. Sie hat diese Gelegenheit vorbeischwimmen lassen – wenn Sie mir diese nicht ganz passende Metapher gestatten. Stattdessen schießt sie mit ihren alten, abgenutzten Kanonen und erhebt immer neue Forderungen nach Steuererhöhungen. Vielleicht liegt der Grund für ihre Passivität darin, dass die SPD-Spitzen in diesem Wal instinktiv ihr Alter Ego erkennen?

Bedeuten die 5,5 Prozent in Baden-Württemberg – in den meisten östlichen Bundesländern und in Bayern sieht es ja nicht viel besser aus –, dass die SPD wie der Wal an ihr Ende gekommen ist? Vermutlich hat man schon im Laufe der Jahre zu viele der alten Matrosen verloren, die überhaupt noch wüssten, wie man das SPD-Boot in diesem flachen Wasser noch loseisen könnte. Vielleicht wartet die SPD wie Timmy einfach geduldig auf ihr Ende.

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5. April 2026

Mut in ernster Zeit

Tichys Einblick wünscht frohe Ostern!

Von
Redaktion

Unser herzlicher Dank gilt Ihnen für Ihre Verbundenheit, für Ihr Interesse und für die vielen klugen Impulse, mit denen Sie unsere Arbeit begleiten. Zuspruch ist wertvoll. Widerspruch ist es auch. Denn lebendig bleibt nur, was geprüft, hinterfragt und mit Haltung verteidigt wird.

Ostern erinnert daran, dass selbst in schweren Zeiten nicht Resignation das letzte Wort behält. Wo Enge, Einschüchterung und geistige Gleichrichtung wachsen, kommt es umso mehr auf Menschen an, die sich ihre Klarheit bewahren. Freiheit beginnt im Denken. Und Hoffnung ist nur dann etwas wert, wenn man aus ihr den Mut zum Handeln schöpft.

Wir wünschen Ihnen frohe Osterfeiertage, ruhige Stunden und gute Begegnungen mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind.

Bewahren Sie sich Zuversicht, Urteilskraft und innere Unabhängigkeit.

Denn Erneuerung fällt nicht vom Himmel. Sie beginnt dort, wo Menschen sich nicht abfinden, wo sie den ersten Schritt aus dem Stillstand setzen und sich nicht dem Druck der Verhältnisse beugen. Keine politische Macht ist stärker als ein freier Geist, der in Bewegung gerät.

Roland Tichy und das TE-Team

4. April 2026

Internationale Aufmerksamkeit

Marsch fürs Leben in München: Tausende Teilnehmer erwartet

Von
Anna Diouf

Zum sechsten Mal werden sich am 18. April Lebensrechtler aus dem deutschsprachigen Raum zum Marsch fürs Leben in München versammeln. In den vergangenen Jahren waren jeweils um die sechstausend Menschen zusammengekommen, eine ähnlich hohe Beteiligung erwarten die Veranstalter auch 2026.

Der Münchner Marsch fürs Leben ist eine der großen Lebensrechtsdemonstrationen im deutschsprachigen Raum, neben jenen in Köln, Berlin und der Schweiz, die parallel am dritten Samstag im September stattfinden, sowie dem Marsch fürs Leben, der jeweils Anfang Oktober in Wien veranstaltet wird.

Organisiert wird der Münchner Marsch vom Verein Stimme der Stillen e.V.
„Wir geben denen eine Stimme, die noch keine oder keine mehr haben“, erläutert die Vorsitzende des Vereins, Silja Fichtner. „Deutschland braucht nicht mehr Abtreibungskliniken, sondern mehr Unterstützung für junge Familien und insbesondere für Frauen während der Schwangerschaft“.

Europa und das Lebensrecht

Der diesjährige Marsch findet vor dem Hintergrund bedeutender politischer Weichenstellungen in Europa statt. Einerseits zeigen Kontroversen um assistierten Suizid und Euthanasie verstärkt Wirkung: Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben wurde Ende Januar 2026 vom französischen Senat vorerst abgelehnt, womit es an die Nationalversammlung zurückverwiesen wurde.

Gesetzgebungsverfahren bleibt unvollendet
Vereinigtes Königreich: Gesetzentwurf zu assistiertem Suizid vorerst gescheitert

In England und Wales wurde ein Gesetz zum assistierten Suizid ebenfalls vom Unterhaus angenommen, scheitert nun aber, offiziell aus Zeitgründen, im Oberhaus. In Schottland scheiterte ein solcher Gesetzentwurf am Widerstand sowohl der Konservativen als auch der Labour-Partei.

Zugleich wird das Recht auf Leben ungeborener Kinder weiter eingeschränkt: Nachdem Frankreich einem Recht auf Abtreibung 2024 Verfassungsrang zuerkannt hat, steht die verfassungsrechtliche Verankerung von Abtreibung auch in Luxemburg kurz vor dem Abschluss. In Großbritannien entschied das Oberhaus zustimmend über einen Gesetzentwurf, der Abtreibung für die Mutter zu jeglichem Zeitpunkt straffrei stellt und damit die Fristenregelung, die Abtreibung bis zur 24. Woche ermöglicht, faktisch bis zur Geburt ausweitet.

Straffreiheit:
Britisches Oberhaus hebelt Schutz Ungeborener weiter aus

Zugleich weitet sich die globale demografische Krise aus, die Europa und Ostasien mit voller Wucht trifft, sich allerdings auch in Ländern Afrikas mit derzeit noch hohen Geburtenraten bereits deutlich abzeichnet.

Lebensrecht: Eine globale Angelegenheit

Diesen weltweiten Zusammenhängen schenkt auch der Münchner Marsch für das Leben Beachtung: Als Rednerin ist unter anderem Obianuju Ekeocha geladen. Die nigerianische Biomedizinerin ist Gründerin der Organisation Culture of Life Africa.

Lebensrechtler kritisieren, dass Abtreibung in Ländern der Dritten Welt propagiert wird, indem sie als Maßnahme im Rahmen von Familienplanung und Armutsbekämpfung geführt wird. Auch in den USA adressieren Abtreibungsorganisationen wie Planned Parenthood ethnische Minderheiten in besonderem Maße.

Demografischer Kollaps
Sinkende Geburtenrate: Ohne Bewusstseinswandel keine Kinder

Die globale Relevanz zeigt sich auch darin, dass der medial sehr präsente US-amerikanische Bischof Robert Barron dem Münchner Marsch fürs Leben ein Grußwort zusandte. In der Videobotschaft sichert er den Teilnehmern die Unterstützung der amerikanischen Katholiken und ihrer Bischöfe und Priester zu.

Der Papst lässt grüßen, die Deutsche Bischofskonferenz nicht

Papst Leo XIV. ließ den Teilnehmern durch den Apostolischen Nuntius seinen Dank überbringen. „Das menschliche Leben ist immer dann in Gefahr, wenn es Hilfe braucht, schwach und still ist“, so Erzbischof Nikola Eterović in seinem Grußwort. Die westlichen Gesellschaften seien schnell darin, das Leben alter, sterbenskranker, behinderter und ungeborener Menschen zu beenden: „Sie feiern ihre Gesetzgebung, die das Töten der Menschen erleichtert, als Fortschritt und merken nicht, dass sie einer Kultur des Todes dienen.“ Eterović ruft dazu auf, keine Angst zu haben und die Stimme für das Leben zu erheben.

Ganz anders die Deutsche Bischofskonferenz: Ihr Vorsitzender Heiner Wilmer würdigte die Lebensrechtler nicht mit einem Grußwort.

Bischöfliche Wortmeldungen

Allerdings schlossen sich zwei deutsche Bischöfe dem vatikanischen Dank an: Rainer Maria Woelki betont in einem Schreiben an die Lebensrechtler, dass das „Engagement für das bedingungslose Lebensrecht aller“ von „unschätzbarem Wert“ sei; „Politik, Gesellschaft und Kirche“ stünden gemeinsam in der Verantwortung, „für das Leben einzutreten und Menschen in schwierigen Situationen nicht allein zu lassen.“ Die Würde des Menschen sei unantastbar. Es könne und dürfe keine „Alternativen zum uneingeschränkten Recht auf Leben geben“.

„Marsch für das Leben“ in Berlin und Köln
Marginalisiert und attackiert: Die Pro-Life-Bewegung unter Beschuss

Der Passauer Bischof Stefan Oster zitiert in seinem Grußwort den Papst, der den Schutz des Rechts auf Leben als „unverzichtbare Grundlage aller anderen Menschenrechte“ bezeichnet, und spricht von einer „nicht verhandelbaren“ Position. Zudem sei die Unterstützung ungewollt Schwangerer ein „wesentlicher Teil der Sorge um das Leben“, die Beachtung der Nöte von Frauen ein „selbstverständliches Anliegen“.

Der Münchner Marsch fürs Leben ist überkonfessionell und überparteilich. Wortmeldungen katholischer Würdenträger werden als bedeutsam wahrgenommen, da die Kirche Abtreibung und Euthanasie ablehnt – und damit als weltweite Institution das Anliegen der Lebensrechtler teilt.

Linke Aktivisten wollen den Marsch stören

Gegner des Marsches koordinieren indes ihren Protest gegen den Marsch fürs Leben: Das feministische Pro-Choice-Bündnis ruft dazu auf, sich gegen den Marsch fürs Leben zu versammeln, den es als „größten rechten Aufmarsch in Bayern“ bezeichnet.

Laut Pro-Choice sei der Marsch fürs Leben „zutiefst menschenfeindlich“, es ginge im Kern um die „Verbreitung misogyner, queer- und transfeindlicher Hetze: Dabei geht es nicht nur um das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen, sondern um reaktionäre Geschlechterrollen und ein patriarchales Familienbild, das eng mit rassistischen und nationalistischen Vorstellungen verknüpft ist.“

Die Aktivisten fordern offen, den Ablauf des Marsches zu stören: Man dürfe ihm „keine ungestörte Bühne in München (…) geben. Wir werden laut sein, uns auf der Straße verbünden und zeigen, dass wir viele sind. Dafür brauchen wir euch alle, jede Stimme für einen sichtbaren und hörbaren Schulterschluss.“

Mit Gewalt gegen die Versammlungsfreiheit
Wie aggressive Extremisten den Marsch für das Leben angreifen

Aufgrund der Aufrufe dazu, Lebensrechtsdemonstrationen zu stören oder zu verhindern, wird die genaue Route des Marsches, die vom Königsplatz in der Münchner Innenstadt ausgehen wird, noch nicht bekannt gegeben.

Abtreibungsaktivisten, Antifa-Gruppierungen und andere linke und feministische Organisationen vernetzen sich regelmäßig, um gegen Lebensrechtler vorzugehen. Dabei kam es in der Vergangenheit immer wieder zu massiven Störungen. 2023 wurde der Kölner Marsch für das Leben fast vollständig blockiert, linke Aktivisten beschädigten Informationsstände von Lebensrechtlern, stahlen Material und verletzten Lebensrechtler. Beim Lebensschutzmarsch in Lissabon im März 2026 warf ein Gegendemonstrant einen Molotowcocktail in die Menge, der jedoch nicht zündete, die Teilnehmer blieben unverletzt.

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