So wie die ARD ihre „Alpha-Bullen“ feierlich beerdigt, wird klar: Mit Batic und Leitmayr geht mehr als ein Duo – es endet eine Ära glaubwürdiger Kriminalgeschichten.
screenshot/ Tatort ARD
Die Auszeichnung mit einer Tatort-Doppelfolge erhalten nur wenige Krimi-Kommissare, ein Zeichen ehrlicher Trauer, mit der die ARD Batic und Leitmayr an diesem Osterwochenende in den Ruhestand entlassen hat. Nicht nur erhielten die beiden Münchner Alpha-Bullen ihre Ruhestandsurkunden im Film aus den Händen einer leibhaftigen Staatssekretärin (Dr. Susanne Reuther, gespielt von Stefanie Stappenbeck) „in Schmuckausgabe“, die Schauspieler wurden zuvor auch vom Bayerischen Innenminister Herrmann und Landtagspräsidentin Ilse Aigner samt Urkunde und Gruppenbild verabschiedet.
Kleider mache Leute, Charismatisches Auftreten den Ermittler
Schauspielerisch, so klingt es unisono, sind die Beiden, nach 35 Jahren und 100 gemeinsam bearbeiteten Fällen „ a Woidmachd“. So richtig zum Kern des Erfolgs wollen die zahlreichen wohlmeinenden Kommentare aber nicht vorstoßen; Da wird viel von Männerfreundschaft und den Kontrasten zwischen dem eher nüchternen, sachlichen Leitmayr und dem impulsiveren Batic gesprochen, in Worte wie „Silberrücken“ und „Bayerische Direktheit“ verpackt. In Wahrheit sehen wir den Abgang zweier Polizistenfiguren, wie sie sich viele Bürger immer gewünscht haben und die sie heute, gerade in den ARD-Kriminalfilmen, vermissen. Darin ähneln sie den Münsteranern Boerne und Thiel, mit Macken und Herz, darunter aber einem stählernen und unbestechlichen Duchsetzungswillen. Auch und selbst dann, wenn sie wie der Ivo Batic nun eine Lesebrille brauchen, um die Beweise zu sichten.
Die extra Dosis Selbstbehauptungswille
Bayern kann mit seiner Isarmetropole in den Bereichen Infrastruktur, Stadtbild und Leitkultur noch Trümpfe ausspielen, während andere Landeshauptstädte immer mehr abrutschen. Es spricht einfach für sich, wenn das Polizeipräsidium wie eine Festung aussieht und draussen die Dingolfinger PS-Boliden wie auf der Perlenkette gereiht losdüsen, beschienen von der Münchener Sonne, wo der Olympiaturm neben dem immer noch imposanten Zeltdach des Stadions von 1972 thront.
Slowenischer Arbeitgeber des Mordopfers klagt „Wie konnte das an einem so sicheren Ort passieren?“
Während für andere „Tatort“-Episoden, sofern es überhaupt noch eine Rolle spielt, extra Mundartliche Töne eingekauft und platziert werden müssen, verteilt die Regie (Sven Bohse) sie in dieser Jubiläumsepisode des Münchner Tatorts „Unvergänglich“ mit vollen Händen. Die Gerichtsmedizinerin Dr. Roswitha Schwarzfischer wird von der Bayerischen Kabarettistin Eva Karl Faltermeier gespielt, die die beiden Kommissare am Fundort des aktuellen Mordopfers Micaela Horvat (Cecilia Diesch) in breitem echten Münchnerisch und der typischen Betitelung „ihr Burschen“ empfängt. Der Ivo Batic weiss, auf welchen Tag im Januar die „Heiligen Drei Könige“ fallen und trotzdem darf sich auch mal ein herzhaftes „Zefix!“ (typischer Bayerischer Fluch unter Anrufung des Kreuzes, Anm.) einschleichen, ebenso wie der schöne Begriff „Brunzen“, der eine strahlförmige Entleerung beschreibt.
Fast scheint es, als ob man den Franz, (Udo Wachtveitl) den Kalli (Ferdinand Hofer), den Ivo, (Miroslav Nemec) und den Ritschy (Stefan Betz) in der Nachbarschaft von Meister Eders Schreinerei beim Ermitteln zusieht, so sehr bedient sich der Tatort der Münchner Mehrfamilienhaus-Idylle als Bühnenbild (Szenenbild, Franziska Ganzer, Kamera Michael Schreitel) während dem landestypischen Backwerk Brezel gleich zwei Auftritte gegönnt werden. Hier bietet noch die aufmerksame Nachbarin Frau Breitlinger (Johanna Bittenbinder), die sich über den ganzen Trubel im Haus und dieses andauernde „Englisch Englisch Englisch“ beschwert, bei der Befragung höflich einen Eierlikör an.
Der Clou
Weil in dieser Idylle immer mehr Wohnungen beim Internet-Kurzzeitvermietdienst „Web and breakfast“ angeboten werden, kann sich dort ein fieser nichtsesshafter Ex-Angestellter der Münchner Versorgungsbetriebe (Mike Werner, gespielt von Daniel Noël Fleischmann) zusammen mit seiner Pflegefamilienschwester (Kara Roth, gespielt von Lara Feith) einnisten. Da er eine riesige Menge Schlüssel des Vermietdienstes kopiert hat (Ähnlich: letzter Polizeiruf 110 Halle), nutzt er die im Netz einsehbaren unbelegten Zeiten einfach, um mit ihr dort umsonst zu wohnen. Bevor er sich, von Batic und Leitmayr in die Enge getrieben vom Dach stürzt, gesteht er noch, Micaela Horvat erschossen zu haben. Batic und Leitmayr können sich nun beruhigt in den Ruhestand verabschieden…oder doch nicht?
Weil es so schön war: Teil 2
Ohne Dienstausweis und Waffe
Wenn der Mike nicht seine Kara mit einer Selbstbezichtigung und seinem Selbstmord hätte retten wollen, wäre die Geschichte schon früher vorbei und aufgeklärt gewesen. Aber um den unbändigen Willen der beiden nun im Ruhestand befindlichen Polizisten noch ein letztes Mal unter Beweis zu stellen, entlässt sie das Drehbuch (Johanna Thalmann, Moritz Binder) schutzlos in den Grossstadtdschungel.
Kara, abhängig von der Droge Captagon und dringend Therapiebedürftig, ruft den im Unruhestand befindlichen Leitmayr an, und verspricht, ihm nun die Wahrheit zu gestehen. Es entspinnt sich ein Katz – und Mäuse-Jagd durch München und Umgebung, bei der die beiden Ex-Kommissare feststellen müssen, wie hilflos man über 60 ohne Dienstpistole angesichts des Organisierten Verbrechens sein kann. Wäre da nicht der alte Kollege Carlo Menzinger (Michael Fitz) plötzlich als V-Mann des BKA aufgetaucht, hätten die tätowierten Drogenhändler einer Slowenisch-Ost-Westeuropäischen Bande sie wohl beide endgültig in den Ruhestand versetzt. Die Verbrecher handeln in München unter dem Deckmantel einer grossen Waschanlagenkette (Zitat: „Nicht nur die Italiener waschen Geld“) mit Captagon.
Sag zum Abschied leise „Servus“
Nachdem Dunkelmann Stefan Mathes (Erik Markus Schuetz) ein paar Zeugen aus dem Weg geräumt hat, lauert er den beiden Polizisten und Kara in einem stillgelegten Kraftwerk auf und es kommt zum High Noon, in dem Leitmayr angeschossen wird. In höchster Not entkommen die Beiden Dank eines selbstmörderischen weil unbewaffneten Sturmangriffs von Ivo sowie einem finalen Rettungsschuss von Kalli Hammermann, der genauso plötzlich auftauchte wie vorher der Carlo.
Mit Dackel „Luki“ (aus der Folge „Hackl“ 2023) sieht man die Pensionäre entspannt an der Kroatischen Küste wieder, wo sie eine mögliche Rückkehr als Privatdetektive erwägen, den Entwurf einer Visitenkarte gibt es schon. Aber wie es Udo Wachtveitl auf die Frage der „Hör zu“: „Wie ist das bei Ihnen – ist eine Rückkehr wirklich ausgeschlossen?“ antwortete: „Davon würde ich jeder Redaktion dringend abraten.“

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Aus dem Tatort bin ich schon lange ausgestiegen. Den Münster Tatort schaue ich mir noch an, ob er gut ist oder nicht. Sonst gibt es keinen aktuellen Tatort, den ich noch kennen oder anschauen würde.
In guten, alten Tatorten (vor dem Mauerfall) korrespondierte die individuelle Persönlichkeit des Täters mit seiner Tat. Hernach, war immer ganz offensichtlich eine mangelbehaftete Gesellschaft schuld, und grundsätzlich ein jeder (Ermittler / Opfer / Täter) ein Opfer, der ihm „aufoktroyierten“ Umstände. Eine Klamaukschiene existiert auch. Seit dem Inspector Kottan war Narretei Pflicht. Seither ist eine Verwahrlosung, die schlicht die 80er Jahre leugnet, namens „Heimat-Krimi“ unterwegs. Die vermüllte Grunge-Heroin-Ästhetik der frühen 90er Jahre hat hier, nach immerhin 30 Jahren(!), Anschluss bei den deutschen Krimi-Autoren gefunden. Ein Trauerspiel.
„Inspector gibt’s kan“ Und Kommissar erst recht ned! – Bitte immer noch Major Kottan!
„Bayern kann mit seiner Isarmetropole in den Bereichen Infrastruktur, Stadtbild und Leitkultur noch Trümpfe ausspielen, während andere Landeshauptstädte immer mehr abrutschen.“ Ich empfehle dem Autor den Besuch des Stachus in den Abendstunden oder des Hauptbahnhofs. Dann revidiert er sicherlich seine Stadtbild Aussage.
Der Autor hat bestimmt die weiß-blaue Englischer-Garten-Idylle ála Erdinger-Weißbier oder Paulaner-Werbung im Kopf…
Früher war die Aussicht auf einen Sonntags-Tatort Freude. Dann kam die Langeweile. Dann die offensichtliche Zuschauererziehung. Heute: Nur noch konstruierter Woke-Scheiß mit tendenziöser Volkserziehung und Einschlafgarantie. Selbst die „Hochburg“ in Münster ist abgeglitten und angepaßt und lebt von ihrem außergewöhnlich guten Image der Vergangenheit, ist aber wenigstens noch einigermaßen lustig. Auch dort hat sich die Volkserziehung breit gemacht und wird unter dem Deckmantel des „alten Image“ nur schlecht versteckt. Die wirklich guten Tatorte gehen in Rente oder sind schon gegangen. Wien, Borowski (zwei Folgen mit Lars Eidinger: Grandios!). Punkt. Der Rest ist eh beliebig, austauschbar, Schulfernsehen. Die Münchner sind da… Mehr
Dieser In der Regel stinklangweilige Tatort aus München mit den beiden Schlaftabletten als Kommissaren war ja schon nicht auszuhalten. Wie furchtbar müssen erst die anderen sein, wenn diese Rentnerband hier so gelobt wird?
Wetten dass die beiden Nachfolger weiblich werden, unter 35 und woke?
Garantiert irgend etwas Taffes mit LGBT+ und mit dem richtigen Color.
Die Dialoge entstammen dem Parteitag der Grünen und im Hintergrund sind immer ein paar „FCK AFD“ oder Antifa-Aufkleber zu sehen.
Männer dürfen natürlich auch mitspielen: Die niederen Dienstgrade, die Idioten, die Unsympathen.
Das wird genau so lustig und preisverdächtig wie alles aus dem ÖRR.
Ich schaue schon seit Jaaahren keinen Tatort mehr (früher mal, also sehr viel früher, als diese noch „lustig“ waren, Börne und Thiel). Daher werden mir die Münchner, so wie die ganzen anderen Wokisten, nicht fehlen.
Das letzte Mal sah ich mir einen Tatort vor etwa 25 Jahren an. Ich glaube nicht, seitdem viel verpaßt zu haben.
Gott sei Dank verschwindet dieses Duo, das mit dazu beigetragen hat, dass immer noch zu viele Menschen vorher Tagesschau und hinterher eine Talkshow geguckt haben. Jeder Zuschauer weniger beim Propaganda-TV ist ein Fortschritt.
Heutzutage muß es wohl schon als Sensation gelten, daß da ein Männerduo ermitteln durfte. So ganz ohne toughe Kollegin an der Seite. Wenigstens hatte der eine Migrationshintergrund, wenn auch keinen aus dem bevorzugten Bereich.