Windbarone in Panik: Wirtschaftsministerin Reiche greift das System der Erneuerbaren an

Der Streit um die Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche offenbart einen fundamentalen Konflikt in der deutschen Energiepolitik: Soll weiterhin Strom bezahlt werden, der gar nicht gebraucht wird – oder wird das System endlich auf Effizienz umgestellt?

picture alliance/dpa | Elisa Schu

Käme ein Bäcker auf die Idee, dass die Steuerzahler überschüssige, nicht mehr verkaufte Brötchen bezahlen sollten, würde man ihn für nicht ganz dicht erklären. „Ich habe sie produziert, also müssen sie, wenn schon nicht abgenommen, so doch bezahlt werden“, wäre eine absurde Forderung. So aber läuft es bei den sogenannten „erneuerbaren Energien“ ab. Strom, den Windräder oder PV-Anlagen produzieren, weil gerade viel Wind und Sonne vorhanden sind, der aber nicht benötigt wird, muss dennoch bezahlt werden. Diese merkwürdige Regel trägt wesentlich zu jenen Milliardenkosten bei, die die sogenannte Energiewende verschlingt.

Jetzt ist Bundeswirtschaftsministerin Reiche angetreten, wenigstens diesen Unsinn zu kappen. Der Strommüll der sogenannten Erneuerbaren, der nicht abgenommen wird, soll nicht mehr vom Steuerzahler subventioniert werden. So ihr Plan.

Der aber trifft auf heftigste Gegenwehr vor allem der Windrad-Lobby. In weiten Teilen des Freistaats werde es keine neuen Investitionen in Wind- und Solarparks mehr geben, tönt es beispielsweise aus dem notorisch windschwachen Bayern, wo derzeit viele Windräder gebaut werden. Die Lobbyisten hauen hier kräftig auf den Putz.

Übrigens gehört auch Helmut Aiwanger dazu. Er ist der Bruder des bayerischen Wirtschaftsministers und Chefs der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. Rechtsanwalt Thomas Mock, der die Entwicklung in der Windindustrie seit langem kennt und heute Bürgerinitiativen berät, sagt im TE-Wecker gegenüber Tichys Einblick: „Das bisherige Geschäftsmodell basiert weniger auf Effizienz als auf garantierten Einnahmen. Über Jahre wurde der Ausbau politisch beschleunigt – etwa durch vereinfachte Genehmigungsverfahren im Zuge europäischer Vorgaben wie RED III.“

Reiche hat nur ein wenig an der Tür zu den gigantischen Subventionen gerüttelt, mit dem Hinweis darauf, dass der Spaß für die Windbarone nicht mehr lange finanzierbar ist. Und schon erfährt sie heftigen Gegenwind. Denn das derzeitige System funktioniert nach einem einfachen, aber folgenschweren Prinzip: Produziert eine Wind- oder Solaranlage Strom, wird dieser vergütet – unabhängig davon, ob er tatsächlich gebraucht wird.

Die Folgen: Überproduktion bei starkem Wind oder intensiver Sonneneinstrahlung, Netzüberlastung oder Abschaltung von Anlagen.

Für den Bürger bedeutet das eine doppelte Belastung: Er zahlt für überschüssigen Strom – und zusätzlich für Reservekapazitäten, wenn Wind und Sonne ausfallen. Reiches Ansatz ist daher simpel: Keine Bezahlung mehr für Strom, der nicht genutzt werden kann. Doch genau das bringt eine milliardenschwere Branche in Aufruhr.

Vertreter der Windindustrie warnen bereits vor einem Investitionsstopp, insbesondere in Regionen mit ohnehin schwacher Windausbeute wie eben Bayern.

Reiche greift damit nicht nur ein Detail an – sondern den Kern eines Systems, das bislang auf politisch garantierter Rentabilität beruhte.

Parallel dazu werden konventionelle Kraftwerke abgeschaltet, oft schneller, als Ersatzkapazitäten aufgebaut werden können. Besonders kritisch ist die Lage in Nordrhein-Westfalen, wo ein vorgezogener Kohleausstieg bis 2030 geplant ist.

Doch neue Gaskraftwerke sind weder ausreichend geplant noch verfügbar. Turbinen sind weltweit knapp, da sie zunehmend für Rechenzentren benötigt werden. So gerät die Versorgungssicherheit in Gefahr.

Auch auf kommunaler Ebene zeigen sich die kritischen Kehrseiten. Gemeinden werden zunächst mit satten Einnahmen aus Windparks etwa durch Beteiligungen oder Abgaben pro Kilowattstunde gelockt.

Doch in der Realität sind die Einnahmen oft geringer als erwartet. Einmal entwertet die Inflation langfristige Zahlungen, zudem kommen auf die Kommunen unkalkulierbare Risiken durch Rückbau oder Insolvenz der Betreiber zu, wenn die Anlagen abgelaufen sind. Im schlimmsten Fall könnten Kommunen auf Kosten sitzen bleiben, etwa wenn Betreiberfirmen zahlungsunfähig werden und Rückbauverpflichtungen nicht erfüllen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Entsorgung alter Windkraftanlagen. Trotz jahrzehntelanger Nutzung gibt es bis heute kein umfassendes Konzept für das Recycling der Rotorblätter und Verbundstoffe. Sie sind Sondermüll, der teuer entsorgt werden muss. Auch hier droht, so Thomas Mock, langfristig eine Verlagerung der Kosten auf die Allgemeinheit.

Der Konflikt um Reiches Pläne zeigt: Die Energiewende steht an einem kritischen Punkt. Auf der einen Seite ein System, das auf politischer Förderung und schnellem Ausbau basiert. Auf der anderen Seite wachsende Zweifel an Effizienz, Versorgungssicherheit und Finanzierbarkeit.

Eines ist klar: Der Versuch, den „Strommüll“ nicht mehr zu vergüten, ist mehr als eine technische Korrektur. Es ist ein Angriff auf die bisherigen Grundlagen der sogenannten „Energiewende“. Denn freiwillig würde kaum jemand Windräder in die Wälder setzen. Sie lohnen ohne kräftige Subventionen durch den Steuerzahler nicht.

Das erklärt die Reaktionen: „Es geht um sehr, sehr, sehr viel Geld“, so Thomas Mock. „Diese Windindustrie ist ja mit unglaublich viel Geld Milliarden verwöhnt worden und musste nie einen Nachweis der Effizienz bringen.“

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Kommentare ( 96 )

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Eremit57
7 Tage her

Ein Charakteristikum der Merz-Regierung ist das Zurückrudern:
Der Text mit dem Frau Reiche morgen wieder zurückrudern wird, dürfte heute schon geschrieben sein.

Reinhard Schroeter
7 Tage her

Na da lehne ich mich doch erst mal entspannt zurück . Nicht eine der Pfeiffen hat bisher irgendetwas in unserem Sinne verändert.
Auch Reiche wird nichts , aber auch überhaupt nichts tun, als Sprechblasen in die Welt zuschicken. Selbst wenn sie denn wollte, sie ist Mitglied im Kabinet eines Umfallers, Totalversagers und Lügners, von dem auch sie nicht mehr als einen Tritt in den Hintern zu erwarten hat, der sie eiskalt verraten wird , wenn es ihm nur nützt.
Leid muss sie einem dennoch nicht tun,sie hat sich diesen Job mit dem fürstlichen Gehalt schließlich selbst ausgesucht.

na sowas
7 Tage her

Das Einzige, was erneuert werden muss, sind unsere Politiker (außer die „Alternative(n)

Alefanz
7 Tage her

Was nur durch Subventionen funktioniert braucht niemand. Eine Technik muss sich am Markt durchsetzen und nicht erzwungen werden.

Kuno.2
7 Tage her

Einmal grundsätzlich betrachtet: die Nutzung des Windes zur Stromerzeugung ist technisch möglich, aber zu teuer. Warum? Weil der Strom in Zeiten ohne Wind aus riesigen Speichern entnommen werden muss. Und dieses treibt den Strompreis an die Spitze aller Stromerzeugungsarten. Bei der Solartechnik ist es wieder anders. Da kann jeder 12 oder mehr Module auf sein Dach schnallen und den Strom aus dem Speicher am Abend entnehmen. Nicht gerade billig, aber autark. Im Winter scheint auch die Sonne, blos sinkt dann die Durchschnittsleistung von 350 W je Modul auf vielleicht 200 W. Das macht bei 8 Std. Dauer nur 1,6 KW… Mehr

WGreuer
7 Tage her

„Doch neue Gaskraftwerke sind weder ausreichend geplant noch verfügbar.“
Auch das Gas dazu ist weder ausreichend geplant noch verfügbar, geschweige denn eingekauft. Insbesondere, da man ab dem 1.1.27 den pöööhsen Russen gar kein Gas mehr abkaufen will. Ich bin gespannt, wie das funktionieren soll.
Vermutlich wie bei unserer linksgrünen Politik immer: gar nicht.

Albert Pflueger
7 Tage her

Als Segler kennt man es: die Kraft, mit der der Wind einwirkt, steigt mit seiner Geschwindigkeit nicht linear, sondern exponentiell. Wenn man einen Windgenerator hat, geht es gar um die dritte Potenz hinsichtlich der Stromausbeute, was nichts anderes bedeutet, als daß bei wenig Wind so gut wie kein Strom produziert wird. Soviel zum Sinn von Windrädern in Schwachwindgebieten. Sie sind erschreckend ineffektiv. Und wie reagiert die Politik? Sie erhöht sie Förderung, wegen der Ineffektivität. Kann man sich nicht ausdenken, stimmt aber!

Jan Usko
8 Tage her

„Strom, den Windräder oder PV-Anlagen produzieren, weil gerade viel Wind und Sonne vorhanden sind, der aber nicht benötigt wird, muss dennoch bezahlt werden.“ Es ist noch viel schlimmer. Bezahlt werden muss auch: Strom, der gar nicht produziert wird (weil abgeregelt, z.B. bei Windkraft) Strom, der tw. nicht abgeregelt werden kann (besonders bei PV) und deshalb zu Negativpreisen ins Ausland verkauft werden muss die Kosten der Stabilisierungseingriffe ins System Windräder, die gar nicht ans Netz angeschlossen sind Zusammen geht es an die 20 Milliarden Euro im Jahr. Friedrich Merz hatte Recht, als er sagte: „Die Energiewende bringt uns um!“ Frau Reiche… Mehr

hansgunther
8 Tage her

Sichtweise der Mullahs im Iran: „Kraftwerke, die unser nationales Vermögen und Kapital sind, gehören der Zukunft des Iran und der iranischen Jugend“, sagte Alireza Rahimi. Der Sekretär des Obersten Rates für Jugend und Jugendliche habe die Äußerungen während eines Videoaufrufs in einer Nachrichtensendung getätigt. Sichtweise der roten/grünen/schwarzen Taliban in Deutschland: „In Deutschland werden Kraftwerke vor allem aufgrund politischer Entscheidungen zur Energiewende, ökologischer Ziele und wirtschaftlicher Faktoren abgerissen. Der Rückbau betrifft primär Kernkraftwerke sowie Kohlekraftwerke.  Politischer Atomausstieg: Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 beschloss die Bundesregierung, die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung schrittweise zu beenden. Seit April 2023 sind alle deutschen Kernkraftwerke… Mehr

Antaam
8 Tage her
Antworten an  hansgunther

Das Ziel mit Netto Null ist nicht nur nicht erreichbar, sondern sehr gefährlich. Das ganze Leben auf der Erde ist vom CO2 abhängig. Mehr CO2 schafft mehr Pflanzen und kann Hunger eindämmen. Nur, die Regierung weiß das, aber die Steuern mit CO2 locken sie. Wenn wir vor die Hunde gehen, verschwinden die in andere Länder und lachen sich einen Frack über die deutschen Wahlbürger.

Egge940
7 Tage her
Antworten an  Antaam

Sie haben offenbar nicht einmal verstanden, was Netto Null bedeutet. Bitte lesen Sie sich noch einmal ein. Ein Verständnis des Wortes „Netto“ genügt.

Antaam
8 Tage her

Effizient sieht m.E. anders aus. Bin heute durch die Landschaft kutschiert worden an vielen Windrädern vorbei. Über die Hälfte haben sich nicht gedreht. Aber, wir brauchen Strom zu jeder Tageszeit und das Stromnetz muss penibel austariert sein. Mit diesen Landschaftsmonstern ist das nie erreichbar.