Für Zobelmäntel lockert EU-Spitze die Russland-Sanktionen

Mit dem 21. Sanktionspaket gegen Russland will die EU-Führung den härtesten Schlag gegen Moskau austeilen. Doch wieder die irritierende Doppelmoral: Mit dem Maßnahmen-Paket vom 23. Juli hob die EU eine erst im April eingeführte Sanktion gegen russische Zobelfelle wieder auf.

picture alliance/dpa/TASS | Sergei Fadeichev

Die Rohware für die teuersten Mäntel der Welt, die am europäischen Markt sechsstellige Verkaufserlöse erzielen können, darf wieder in die EU importiert werden: Laut dem Nachrichtenportal Euractiv drängten vor allem Italien und Griechenland auf die Ausnahme. Die beiden Länder sind die größten EU-Abnehmer der luxuriösen Zobelfelle, die aus den sibirischen Wäldern stammen. Die Europäische Kommission rechtfertigte den Schritt mit der Marktdominanz Russlands: Alternative Lieferanten seien kaum zu finden.

„Offenbar ist es sehr schwierig, sie irgendwo anders zu bekommen“, zitierte Euractiv einen ranghohen EU-Beamten. Fertige Pelzprodukte bleiben weiterhin verboten – ein Kompromiss, der den europäischen Verarbeitern den Rohstoff sichert, ohne den Anschein totaler Kapitulation zu erwecken.

Diese Kehrtwende nach nur drei Monaten ist mehr als ein Zugeständnis an die Pelzindustrie in Kastoria und Siatista, den letzten großen Produktionsclustern in Griechenland. Schon 2022 hatten griechische Hersteller vor dem „Todesurteil“ für ihre Branche gewarnt, als erste Luxussanktionen griffen. Nun siegt Pragmatismus: Während Brüssels Sanktions-Serie Banken, die Schattenflotte und Krypto-Plattformen hart trifft und den Ölpreisdeckel einfriert, bleibt der Zobel-Handel unangetastet.

Das gesamte 21. Paket wurde durch nationale Widerstände verwässert: Griechenland sicherte sich etwa Ausnahmen für den Transport von russischem LNG, Italien bremste bei Visabeschränkungen für russische Soldaten.

Russland finanziert seinen Krieg gegen die Ukraine unter anderem mit Exporten von Rohstoffen und Luxusgütern. Auch Einnahmen vom Export von Zobelfellen fließen indirekt in die Kriegskasse, gleichzeitig predigen EU-Politiker Solidarität mit Kiew und fordern immer schärfere Maßnahmen. Auch Tierschützer kritisieren die EU-Führung, die auch ein mögliches Verbot der Pelztierzucht in Europa wünscht – aber russischen Zobel importiert.

Russland dominiert den Weltmarkt mit mehr als 95 Prozent der verkauften Zobelfelle. Jährlich werden schätzungsweise weltweit 300.000 bis 600.000 Zobelfelle gehandelt. Bei den Auktionen der Sojuzpushnina, dem zentralen russischen Auktionshaus, lagen die angebotenen Mengen in den letzten Jahren bei 250.000 bis 570.000 Stück pro Jahr (370.000 im Jahr 2024). Die Durchschnittspreise bewegten sich in den letzten Jahren meist zwischen 55 und 115 Euro pro Fell, abhängig von Qualität, Größe und Farbe.



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