Evonik schließt die Werke in Hamburg und Bitterfeld

Erst verschwinden Tausende Stellen, dann ganze Werke. Evonik schließt jetzt die Werke in Hamburg und Bitterfeld. Deutschlands Chemieindustrie schrumpft immer weiter.

IMAGO / NurPhoto

Die Krise der deutschen Chemieindustrie wird immer sichtbarer. Der Spezialchemiekonzern Evonik will jetzt die Standorte Hamburg und Bitterfeld schließen und die dortige Produktion auf größere Werke verlegen. Nach den bereits angekündigten Tausenden Stellenstreichungen folgt damit der nächste Schritt des Sparkurses.

In Hamburg arbeiten derzeit rund 50 Beschäftigte im Bereich Kosmetik- und Pflegeprodukte, in Bitterfeld rund 40 Mitarbeiter. Der Hamburger Standort soll Mitte kommenden Jahres geschlossen werden. Die Produktion wandert an den größeren Evonik-Standort in Essen. In Bitterfeld soll Ende April 2027 Schluss sein.

Evonik begründet die Entscheidung mit Kosten und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Gerade Bitterfeld steht nach Angaben des Konzerns unter zunehmendem Wettbewerbsdruck aus Asien und ist nicht ausreichend ausgelastet. Eine „langfristig tragfähige wirtschaftliche Perspektive“ gebe es deshalb nicht mehr.

Die beiden Werksschließungen sind Teil eines weit größeren Abbaus. Erst im Juni hatte Evonik angekündigt, weltweit weitere 3.200 Stellen zu streichen, davon 2.150 in Deutschland. Auch das Werk in Witten mit gut 260 Beschäftigten soll im Laufe des Jahres 2027 geschlossen werden.

Schon zwei Jahre zuvor hatte Evonik den Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen angekündigt, davon 1.500 in Deutschland. Insgesamt summieren sich die geplanten Stellenstreichungen nach den jüngsten Plänen weltweit auf 6.000 Arbeitsplätze.

Nun werden nicht mehr allein Stellen gestrichen, sondern Produktionsstrukturen zusammengelegt und Werke geschlossen. Interims-Vorstandschef Claus Rettig, der den erkrankten Vorstandsvorsitzenden Christian Kullmann vertritt, liefert dafür die betriebswirtschaftliche Begründung: „Produktions-, Verwaltungs- und Laborstrukturen“ seien bei Evonik „in einigen Bereichen zu stark fragmentiert“. Das führe zu „unnötig hohen Kosten und schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit“.

Chemiebetriebe arbeiten energieintensiv. Ihr Energieanteil an den Gesamtkosten beträgt oftmals mehr als 25 Prozent. Das macht sie anfällig für eine Energiepolitik, die darauf ausgerichtet ist, über künstliche Verknappung und steigende Preise den Energieverbrauch zu reduzieren.

Anzeige

Unterstützung
oder €

Kommentare ( 16 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

16 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Ceterum censeo Berolinem esse delendam
24 Tage her

Da habt Ihr den Salat! Kaum haben sie in Sachsen-Anhalt die gesichert Rechtsextremistischen gewählt, macht schon die erste Fabrik in Bitterfeld dicht. Genau wie von den demokratischen Parteien vorhergesagt!

U.M.
24 Tage her

Es wird der Tag kommen, an dem es auch der letzte bei einer NGO Angestellte Berufsdemonstrant merkt, dass sein von Steuergeldern finaziertes Einkommen zum Großteil, von den sich aus Deutschland verabschiedenden Konzernen, erbracht wird.

WGreuer
25 Tage her

Ich sage es nochmal, und immer wieder:
Die linksgrünen Ideologen – ob in Hamburg, Berlin, London oder anderswo- machen die Arbeit der Globalisten, ohne zu ahnen, dass sie für diese die „Stupid Idiots“ – die nützlichen Idioten (frei nach Stalin) darstellen.
Ihre zerstörerische Ideologie deckt sich mit den Zielen der Globalisten, die maximale Armut, Zerstörung, Hunger und Krieg wollen, denn nur so können sie ihre eigentlichen Ziele durchsetzen bzw. finden Sie Akzeptanz für diese: die Eine-Welt-Regierung, Bevölkerungsreduktion auf unter 1 Milliarde Menschen und maximale Kontrolle und Überwachung über diesen Rest der Menschheit.

Ostfale
25 Tage her

Ein guter Deutscher rettet die Welt, auch um den Preis der eigenen Verelendung. 
(Manfred Haferburg)

Franz Schroeder
25 Tage her

Ja Gott sei Dank, wer braucht schon Chemieunternehmen.

Das machen die Inder, die Chinesen, die Pakistani und die Bangaleser sowieso viel kostengünstiger.

Und ganz wichtig. Ohne Umweltauflagen.

Also irgendwie hat die deutsche Industrie doch nur darauf gewartet, endlich ohne Sozialplan abhauen zu dürfen.

Herr Merz. Sie sind der Beste….
Der Beste Kanzler ever.

Bald auch in ihrem Kino

Merz der Zerstörer…..

Aber bitte keine Klagen.

Fast 30 % haben ihn gewählt. Den guten Fritz..

Last edited 25 Tage her by Franz Schroeder
Ohanse
24 Tage her
Antworten an  Franz Schroeder

Wenn Sie den nett fragen, rechnet er Ihnen vielleicht aus, wieviel Prozent ihn nicht gewählt haben. Oder lässt es ausrechnen und liest es Ihnen dann vor.

89-erlebt
25 Tage her

Also für HH geht das doch voll in Ordnung. Wer nix produziert, liegt doch voll auf Linie mit der angestrebten Kliiima Neutra Lität. Bleibt nur die Frage, warum die Kohle Verbrenner Schrotthaufen in Wedel (Bj 1961) und Tiefstack (Bj 1991) noch immer Volllast kolumbianische und mozambikanische Kohle verbrennen .. wo doch Moorburg wegen Kliiiima gesprengt wurde.
Was gesellschaftlich der Bundes Haupt Slum Berlin ist, ist es Hamburg wirtschaftlich.

ekki
25 Tage her

hamburg bzw. die verstrahlte mehrheit der ansonsten sehr liebenswürdigen hamburger hat dafür gestimmt, der noch vorhandenen industrie den hahn abzudrehen. jetzt bitte nicht jammern! vielen ist immer noch nicht bewusst, was die sogenannte klimaneutralität bedeutet, das schaffen noch nicht einmal indigene völker, dafür müssten sich alle menschen kollektiv umbringen, damit kein co2 mehr entweicht…industrie kann es da nicht mehr geben. irre.

Heinz Erhardt
25 Tage her

Weiter, weiter.. Immer weiter !

Haba Orwell
25 Tage her

> Das macht sie anfällig für eine Energiepolitik, die darauf ausgerichtet ist, über künstliche Verknappung und steigende Preise den Energieverbrauch zu reduzieren.

In Hamburg wird diese Politik besonders gerne gewählt – dass man noch den eigenen Job „für Klima“ opfert, ist nur konsequent. Ohne Aua-Aua geht es offenbar nicht.

Retlapsneklow
25 Tage her

Wenn die Politik in Brüssel und Berlin die dramatischen Signale überhört, die von kleinen Unternehmen aber auch Giganten kommt, sind diese Politiker nicht mehr zu retten. So unfähig wie sie sind – schwache Mächte, die nur so mächtig sind, wie man sie lässt – werden den vorhersehbaren Sturm der Bevölkerung aber auch nicht mehr schweigender Unternehmen nicht aufhalten können. Deutschland ist erfahrungsgemäß (zu) lange ruhig, aber wenn es los geht, explodiert es heftig. Entweder erleben wir noch dieses Jahr einen heißen Herbst oder nächstes Jahr einen großen Umbruch, vor allem auch in den Beziehungen zwischen EU und den Gliedstaaten. Was… Mehr