Evonik-Chef fordert Korrektur der klimapolitischen Amokfahrt

Erneut fordert Evonik-Chef Kullmann drastische Korrekturen in der Klimapolitik. Das hat seinen Grund. Die Lage der Chemiebranche ist dramatisch, aber scheinbar nicht dramatisch genug. Denn von einer Forderung nach einem Ende der Klimapolitik ist noch immer nicht die Rede.

picture alliance/dpa | Oliver Berg

Evonik-Chef Christian Kullmann zählt zu einer aussterbenden Art in Deutschland. Der Chef des größten deutschen Chemieunternehmens ist ein streitbarer, unbequemer Zeitgenosse, der sich nicht den Mund verbieten lässt und sich regelmäßig auf das dünne Eis des Politischen vorwagt.

Im Zentrum seiner wiederkehrenden Kritik: die Folgen der EU-Klimapolitik für die Chemiebranche und Evonik, den Konzern, für den er Verantwortung trägt. Seit Deutschlands Ausstieg aus der Atomkraft und der manischen Verknappung fossiler Energieträger unter dem Diktat der EU kämpfen Evonik und die Branche gegen den Abstieg.

Chemiebetriebe arbeiten energieintensiv. Ihr Energieanteil an den Gesamtkosten beträgt oftmals mehr als 25 Prozent. Das macht sie anfällig für eine Energiepolitik, die darauf ausgerichtet ist, über künstliche Verknappung und steigende Preise den Energieverbrauch zu reduzieren.

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Diese Ideologie ist besser bekannt als: Degrowth. Die Schäden, die eine solche Politik aus betriebswirtschaftlicher Sicht anrichtet, lassen sich nicht mehr aus dem Maschinenraum der Unternehmen reparieren. Bilanz der ideologischen Hardliner: Seit 2021 büßte die Chemiebranche ein Produktionsvolumen von etwa 30 Prozent ein. Sie ist das unübersehbare Fanal der Deindustrialisierung.

Auch mit Evonik ging es in den vergangenen Jahren bergab. Um sieben Prozent schrumpfte der Umsatz seit 2022. Kullmann weiß also, wovon er redet, wenn er von der größten Krise der Branche überhaupt spricht. Der Hauptsitz von Evonik ist übrigens Essen in Nordrhein-Westfalen. NRW – das größte deutsche Bundesland, das sich im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Baden-Württemberg um den Titel des grünsten der grünen Bundesländer möglicherweise eine Pole Position erkämpft hat.

CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich in der Koalition mit den Grünen zu einem ökologischen Hardliner entwickelt: Kohleausstieg bis 2030, massiver Ausbau der erneuerbaren Energien – auch der grüne Wüst hat nicht verstanden, was die Stunde am zerbröselnden Industriestandort NRW geschlagen hat.

Denn ein Ausstieg aus der Kohle in dreieinhalb Jahren ist illusorisch. Es ist der Kindertraum eines ideologischen Zauberlandes, in dem man sich vom russischen Gas löst, eigene fossile Energieträger ungenutzt im Boden lässt, Fracking unter gar keinen Umständen betreiben möchte und am Ende selbst die Traute besitzt, sich mit dem volatilen Präsidenten im Weißen Haus zu überwerfen. So handeln Hasardeure – Akteure, die ein Leben ohne Konsequenzen führen.

Kullmann formuliert seine Kritik nicht abstrakt. Er wählt im Gespräch mit der Rheinischen Post bewusst seinen Heimatstandort NRW. Eine Billion Euro sei in die Energiewende geflossen, so Kullmann. Und es habe nichts gebracht. Mit Blick auf die Zukunft des Kohlereviers NRW fordert der Evonik-Chef eine Streckung des endgültigen Ausstiegs um drei weitere Jahre.

Weshalb nur eine Verlängerung der Ausstiegsfrist und kein Ende des Kreuzzugs gegen die Fossilen? Warum spricht Kullmann nicht aus, was wir alle täglich erleben: Deutschland braucht grundlastfähige Energieträger wie die Kohle, um sich aus der babylonischen Gefangenschaft der Erneuerbaren wieder zu befreien.

Sagt es endlich: Die Energiewende ist gescheitert, das Experiment des naiven Degrowth ist brandgefährlich, da sich dessen saturierte Proponenten nicht ansatzweise ausmalen können, welche sozialen Folgen der Zusammenbruch der deutschen Industrie mit sich bringt.

ERWARTBAR UND ERMÜDEND
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Kullmann wiederholt eine formelhafte Kritik, die im deutschen Medien-Mainstream nicht mehr verfängt. Deutschlands Anteil an den weltweiten CO₂-Emissionen, für den Fall, dass dies überhaupt etwas besagen sollte, betrage nur 1,6 Prozent. Für das Weltklima sei der Zeitpunkt der Klimaneutralität unerheblich, für das Überleben der deutschen Chemieindustrie allerdings nicht, so Kullmann.

Geht es nach Kullmann, soll die Klimaneutralität lediglich um einige Jahre verschoben werden. Die Systemfrage stellt er nicht, obschon er zynisch die Netzinfrastruktur Deutschlands mit derjenigen Albaniens vergleicht. Auch der von der Politik seit Jahren geförderte und zum energiepolitischen Heilsbringer verklärte Wasserstoff sei weit und breit nicht vorhanden, so Kullmann.

Ein weiteres Lieblingsprojekt der deutschen Politik entpuppt sich als Hirngespinst – als ideologischer Fugazi. Was muss noch geschehen, bis sich in Deutschland Widerstand gegen den klimapolitischen Amoklauf regt?

Der Chemiebranchenverband VCI präsentierte in der vergangenen Woche die Schreckensbilanz für das erste Halbjahr. Erneut sind drei Prozent Produktionsleistung verloren gegangen. Die Kapazitätsauslastung sinkt weiter. Chemiebetriebe arbeiten, quer über den Sektor gerechnet, auf einem Auslastungsniveau von nur noch 70 Prozent – zu wenig, um der Kostenkrise substanziell zu begegnen.

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Das Land wirkt angesichts der Dramatik der Krise paralysiert. Wer wird der Eisbrecher sein, dem es gelingt, das Machtkartell aus Parteien, subventionierten Unternehmen, der Brüsseler EU-Kommission und dem Schutzgürtel aus NGOs und Medien zu knacken?

Wir sollten jetzt beginnen, die Zukunft zu beschreiben. Auf uns wartet eine echte Transformation, die einsetzt, wenn die deutsche Gesellschaft, angeführt von freisinnigen Bürgern und mutigen Unternehmern, den ideologischen Urgrund verlässt, der sie in dieser bedrohlichen Situation gefangen hält. Deutschland benötigt in diesem Moment Botschafter der Freiheit, Advokaten der Marktwirtschaft – Zerstörer ideologischer Illusionen.

Christian Kullmann zählt nicht zu diesen Bahnbrechern. Er ist auf halber Strecke stehen geblieben und wagt nicht auszusprechen, worüber wir in aller Deutlichkeit diskutieren müssten: Die Klimapolitik der EU ist zu einem fiskalischen Extraktionsschema mutiert.

Lediglich die Hardcore-Gläubigen der reinen grünen Lehre und saturierte Kindsköpfe in kulturell überzüchteten Großstadtmilieus glauben noch immer daran, dass wir unseren Wohlstand zur Rettung des Weltklimas opfern.

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Kommentare ( 51 )

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51 Comments
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Reinhard Peda
8 Stunden her

Herr Kullmann, oder sollte ich schreiben, „Nachtigall ich hör dir trapsen“, nur strecken fordern Sie. Sie brauchen mehr Zeit für das hier?:
Über Evonik

Investieren in der ganzen Welt, und dann wird Deutschland, auch von Ihnen, fallengelassen.
Hier eine Übersicht über die Tätigkeitsbereiche von Evonik:
Evonik Industries – Wikipedia
Anteilseigner:
Wer besitzt Aktien von Evonik Industries AG? EVKn Aktionäre – Investing.com
TE-Leser dürfen sich ihren Meinung selbst bilden.

BellaCiao
9 Stunden her

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, sagt man. Eine »klimapolitische Amokfahrt«, das beschreibt die links-grüne Degrowth-Politik im Prinzip sehr zutreffend. Aus der Industrie hat man eine solch klare Sprache aber bisher leider kaum gehört. Dabei muss eigentlich jedem durchschnittlich intelligenten Menschen einleuchten, dass man, wenn man auf einem Vehikel sitzt, welches mit hoher Geschwindigkeit auf eine 5 Meter dicke Betonwand hinrast, vor dem Aufprall unbedingt abspringen muss. Jedenfalls, sofern man denn ein solches Szenario überleben will. Da die Politik – und mit ihr die Manager der allermeisten Industrieunternehmen – bisher keinerlei Anstalten gemacht hat, die auch nur ansatzweise auf… Mehr

Micky Maus
10 Stunden her

Evonik-Chef fordert Korrektur der klimapolitischen Amokfahrt, Wieso fordert das dieser Mann? Deutschland wurde doch noch nicht ganz komplett gegen die Wand gefahren und vorher gibt doch das grüne Klimagesocks keine Ruhe und vom deutschen Michel kann er nicht viel erwarten. Der Michel redet und schimpft nur, ansonsten ist nichts vom Untertan zu befürchten. Erstaunlich ist aber, dass die Wirtschaftsbosse sich sowas vom linksrotgrünen unfähigen Pack bieten lassen und nicht einmal versuchen, mit flächendeckenden großen Streiks eine Wende herbeizuführen.

Or
10 Stunden her

Guten Morgen Herr Kullmann. Sind‘ma auch endlich aufgewacht. Die Äuglein noch etwas verklebt, daß‘es mit dem Durchblick noch nicht so klappt. Und etwas verkatert sind‘ma auch, weil wir uns gestern etwas Mut antrinken mussten, um offensichtliches endlich mal anzusprechen.

Lesterkwelle
12 Stunden her

Unabhängig von den Äusserungen dieses Herrn kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als habe die EU-Kommission und Deutschland ohnehin auf Selbstzerstörungsmodus geschaltet haben..

Bernd Bueter
12 Stunden her

Es handelt sich um Geschäftsfelder (Betrug) der Politisch Organisierten Parteibanden-Kriminalität, die gar nicht „funktionieren“ sollen in ihrer jeweiligen Betrugsgeschichte. Funktionieren sollen sie, möglichst lange, nur als Mittel zum Umlenken riesiger Mengen an Steuergeld in eigens dafür geschaffene Nehmerorganisationen der Parteibanden.
Öffentliche Gelder zu Bandenkapital.
Das Geschäftsmodell des Polit-OK-Kartells „UnsereDemokratie,“.
Die Bundeswehr ist das älteste „Steuergeldtransfergebilde“. Ergänzt um Asylindustrie bis Deppendeutsch-Gendern.
Egal wo man hinschaut: „Öffentliche Gelder zu Bandenkapital“.
Kriminalität „regiert“ das Land. Ihr Arbeitsprogramm ist Die Lüge.
Vom Export- zum Lügenweltmeister das Transformationsergebnis.

depa
13 Stunden her

Wem gehört Evonik? Was kann Herr Kullmann sagen,ohne gefeuert zu werden? Welches Parteibuch besitzt er? Ist es besser als die anderen, von BASF bis VW? Fragen über Fragen, aber als besonders aufmüpfig ist er in meiner Erinnung nicht. Geht ihm langsam der Arsch auf Grundeis? Dann sollte es sich in alter Bergmannstradition ein Leder vor selbigen hängen. Aber er ist nicht ein Bergmann vom Leder sondern von der Feder.

Haba Orwell
13 Stunden her

Bei CO2 wird Nix korrigiert und jetzt fängt es noch mit Wasser an: https://tkp.at/2026/07/20/sie-kommen-fuer-unser-wasser/ > „… Es ist 20 Jahre her, dass der Boss von Nestlé (einem WEF-Partner) erklärte, dass kein Mensch ein Grundrecht auf Wasser habe. Der Angriff auf unser Trinkwasser ist mittlerweile in vollem Gange. Die globale „Wasserkrise“ ist ein entscheidender Baustein am Weg zur totalen Kontrolle. …“ München ist überall und wer nicht denkt, zahlt… > „… Parallel dazu wird das Wasser dem Finanzmarkt zugeführt und „digitalisiert“. Der Goldman-Sachs-Report „Securing and Financing the Future of Water“ vom Mai 2026 sieht in der Tokenisierung von Wasser eine Lösung… Mehr

Last edited 13 Stunden her by Haba Orwell
E.Frei
13 Stunden her

Appelle an die Vernunft werden wenig nützen, wenn Unwissen und Ideologie die Herrschaft übernommen haben.
Schon  Platon sah darin eine Gefahr der Instabilität, wenn in einer Demokratie quasi grenzenlose Freiheit herrscht, selbst bis hin zur Anarchie, in der Gesetze missachtet werden und Wissenschaft kaum noch eine Rolle spielt.

ratio substituo habitus
11 Stunden her
Antworten an  E.Frei

Es herrscht weder Freiheit noch Anarchie, es herrscht Ökosozialsmus. Da gibt es Freiheit, Wohlstand nur für bestimmte Personen. Wissenschaft ist nur erlaubt, solange sie die herrschende Idi(!)ologie unterstützt. „UnsereDemokratie“ ist ein Kampfbegriff, der mit Demokratie soviel zu tun hat wie ein Zitronenfalter mit Zitronen. F.J. hat es auf den Punkt gebracht: Freiheit ODER Sozialismus.

Zhenmei Zutun
13 Stunden her

reichen die Subventionen dem Herrn nicht mehr aus?