Deutschland hatte im Großen und Ganzen weitestgehend Glück mit seinen Bundeskanzlern. Aber dann musste es Friedrich Merz sein, der Merkels Fehler maximiert. Er plumpst aus dem Rahmen der Geschichte und wird zur konkreten Gefahr für Deutschland.
Bild: KI-generiert
Konrad Adenauer steht für die Gründung eines freiheitlichen Landes nach der Zerstörung des Zweiten Weltkriegs; Ludwig Erhard für Wohlstand und Aussöhnung mit Israel; Willy Brandt für eine neue Ostpolitik; Helmut Schmidt für den Kampf gegen den Terror; Helmut Kohl für die Wiedervereinigung. Gerhard Schröder machte mit Sozialreformen das Land nach der Sozialdemokratisierung wieder flott.
Das ist eine sehr kurze Geschichte der Kanzler; Widerspruch ist selbstverständlich, und Differenzierung notwendig. Aber danach ging die Glückssträhne zu Ende.
Angela Merkel regierte mit dem Kredit, den ihr Schröders Sozialreformen eingebracht hatten. Die Eurokrise zeigt die Schwächen im Konstrukt der Währungsunion, wie sie Kohl gezimmert hat. Sie wurde ein teurer Aderlass. Und dann häufte sie die Fehlentscheidungen: Zerstörung der Infrastrukur, Zerstörung der Gesellschaft durch unkontrollierte Masseneinwanderung, unbewältigter Konflikt mit Russland in der Ukraine-Frage, aggressive Einschüchterung und dramatische Fehlentscheidungen in der Corona-Politik – für all das steht Merkel. Während bei ihren Vorgängern Licht und Schatten die Amtszeit prägen, bei Merkel wird es zur Finsternis, je länger sie regieren konnte. So kontinuierlich fällt die Linie ab bis zur schieren Bösartigkeit, dass manche dahinter das Wirken finsterer Mächte vermuten. Der Mensch sucht verzweifelt nach Erklärungen für all das Irrationale.
Olaf Scholz, Kanzler des Wokismus
Und dann Olaf Scholz. Seine Amtszeit markiert den schrillen Höhepunkt dessen, was Wokismus bedeutet. Die von Merkel angelegte große Transformation nahm Fahrt auf. Weiter in der irregulären Massenmigration, noch schnellere Zerstörung der Infrastruktur. Höhepunkte des Irrationalismus sind die Rauschgift-Freigabe und das Gesetz sexueller Gleichstellung, was faktisch Dominanz immer kleinerer und immer seltsamerer sexueller Randgruppen über die Normalos bedeutet; auf dieser Woge reitend fordern jetzt auch Pädophile den Schutz des Grundgesetzes für ihre Kinderschänderei.
Familie wird zum Ausnahmezustand erklärt, der gerade noch geduldet wird, während Fetischismus zur Norm wird und die Gesellschaft unter dem Regenbogen in Stammesgesellschaften zerfällt. In der Migranten auf Kosten der Einheimischen, Sozialhilfeempfänger zu Grundsicherungsbeziehern geadelt werden, die ein leistungsloses Einkommen maximieren. Frauen gegen Männer am Arbeitsplatz, das Recht wird einäugig: Messerstecher unterliegen der Fürsorge des Rechtsstaats, ihre Opfer werden dem Vergessen überantwortet, ihre Namen verheimlicht. Wer die Regierung kritisiert, wird als Rechtsradikaler abgestempelt, isoliert und möglichst von Kirche, Job und gesellschaftlichem Leben, selbst von Freiwilliger Feuerwehr und der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
Olaf Scholz scheint im Amt zu schrumpfen. Die Stimme rutscht in die Kehle; wenn er mal auftrumpfen will, wirkt das Männchen lächerlich. Die Sprengung der Nordstream-Pipeline, der ultimative Angriff auf die Energieversorgung, wird behandelt wie eine verspätete Briefzustellung, nämlich gar nicht. Aber ansonsten ist er vorsichtig im Umgang mit Russland, er wird in den Konflikt getrieben. Er steht auf der Bremse der Leopard-Panzer, versucht, die Langstrecken-Drohnen am Start zu hindern und die übelsten Attacken auf den Frieden durch Außenministerin Annalena Baerbock zu dämpfen. Nachträglich mag man ihm danken für die bräsige Bedächtigkeit, mit der er versuchte, Schlimmeres zu verhindern.
Merz ändert die Tonlage
Denn mit Friedrich Merz ändert sich der Ton, den gibt jetzt die abgewählte Marie-Agnes Strack-Zimmermann vor. Ein schneidiger Ton kehrt ein in die Politik. Sein Satz „Die Ukraine muss den Krieg gewinnen. Russland muss den Krieg verlieren“ geht weit über die Formel der Verteidigung hinaus: Er definiert den militärischen und politischen Misserfolg Russlands als deutsches Ziel. Dazu passt seine Taurus-Drohung: Falls die russischen Bombardements nicht aufhörten, müsse zuerst die Reichweitenbegrenzung westlicher Waffen fallen, dann Taurus geliefert werden – Putin habe es in der Hand, „wie weit er diesen Krieg noch weiter eskalieren will“.
Merz will Russland nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich treffen: Von einer „ökonomischen Erschöpfung“ Moskaus sprach er ausdrücklich, die der Westen „mit herbeiführen“ müsse. Das ist die Sprache eines Konflikts, der entschieden werden soll, nicht die der Vermittlung. Putin sei „ein Kriegsverbrecher. Es ist vielleicht der schwerste Kriegsverbrecher unserer Zeit, den wir zurzeit im großen Maßstab sehen.“ Die Sprache der Diplomatie ist das nicht.
Nicht viel weniger scharf rechnet er mit Donald Trump ab. Friedrich Merz beschreibt Trumps Auftreten inzwischen mit ungewöhnlichen Worten. Über dessen Vorgehen im Iran-Krieg sagte er: „Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation … sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang.“ Das seien „Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle.“ Und über Trumps Umgang mit den Verbündeten erklärte Merz: „Das ist ein Umgang, den wir einfach nicht akzeptieren können. Das werden wir auch nicht zulassen.“ Dem einst beschworenen guten Draht ist eine konfrontative Beschreibung gewichen: Trump erscheint bei Merz nicht mehr nur als unbequemer Verhandlungspartner, sondern als unberechenbarer Eskalierer. Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt lässt er beleidigt einen Telefontermin mit dem US-Präsidenten absagen.
Der herrische Zwerg
Das klingt herrisch für den Vertreter einer im Abstieg begriffenen Wirtschaftsmacht. Helmut Kohl wurde nach einem eintägigen, qualvollen Kurztrip zum damaligen US-Präsidenten Ronald Reagen gefragt: „Warum genau haben wir uns das jetzt angetan?“ Der große Kohl schrumpft zusammen, zu einer Karikatur des PotUS und sagt: „Wenn der kleine Ronald Reagan am Schreibtisch im Oval Office döst und seine Berater auf ihn einreden, dann muss er hochschrecken und sagen: What says Helmut to this? Deswegen fliegen wir dahin.“
Es mag ja unterwürfig klingen, aber Kohl wusste um seine weltpolitische Bedeutung. Merkel reagierte auf Trump mit demonstrativ-sauertöpfischer Miene, wortlos. Scholz zermalmte seinen Widerspruch mit dem Kiefer. Merz trumpft auf, als ob er über gefüllte atomare Silos verfügt, statt über eine schuldenfinanzierte Schrottbundeswehr, die von der Gnade der Lieferung amerikanischer Ersatzteile abhängig ist wie der Alkoholiker vom nächsten Schluck aus der Pulle.
Der Kanzler kanzelt sein Volk ab
Schon bei den Bürgern kommt seine Arroganz nicht gut an, wenn er sie abkanzelt, weil sie angeblich zu wenig arbeiten oder wagen, ihn infrage zu stellen. Bei den Mächtigen ist es nur kontraproduktiv. Ihm scheint sein fragwürdiger Ruhm zu Kopf gestiegen zu sein. Selbstherrlich versucht er, das Land zu regieren wie ein Autokrat oder absolutistischer Fürst längst vergangener Tage – und ist doch nur dessen „oberster Angestellter“, wie Helmut Schmit seine Rolle einst beschrieben hat. Gerieten schon bei Schmidt die Zahlen in Unordnung, so sind sie bei Merz tiefrot, die Finanzmärkte reagieren und die Entlassung droht.
Gepolter statt Perspektive
Je unsicherer er sich fühlt, umso aggressiver sein Gestus. Im Bundestag arbeitet er sich an der Wahlsiegerin Alternative für Deutschland ab, mit Unterstellungen und Beleidigungen. Er berauscht sind an scharfen Formulierungen, eskalierender Wortwahl, direktem Angriff. Doch auf der Strecke bleiben Antworten auf offene Fragen und Lösungsvorschläge. Seine Rede ist unüberlegt, wenn er von 80 Jahren Freiheit in Deutschland spricht und einfach vergisst, dass 17 Millionen Ostdeutsche auch dazuzählen, auch wenn sie aus seiner sauerländischen Kirchturmsicht heraus nicht erkennbar sind. Die AfD steht im Mittelpunkt, auch wenn sie gar nicht da ist. Der blaue Elephant steht im Plenarsaal und Merz bläst ihn noch auf. Neben ihm wirkt Alice Weidel geradezu staatsmännisch und kompetent.
Zur unüberlegten Formulierung gesellt sich die Frage: Wer bereitet diesen Mann vor? Politikerreden dürfen keine Stand-Up-Comedy sein, wie sie Merz produziert, wenn man noch die innere Kraft hat, darüber lachen zu können. Seine hingefläzten Wortkaskaden sind nur ein Zeichen der Schwäche, die er der Gegenseite demonstriert wie ein Hund, der seine Kehle entblößt – und die in der Politik national wie global sofort instrumentalisiert wird. Im Wort-Duell wirkt Alice Weidel zunehmend souverän und ätzt ihn weg wie Meister Propper den Schimmel in der Duschkabine. Und Trump soll ja ein Elefantengedächtnis haben und zu Bösartigkeiten neigen, aber nukleargestützten.
Es ist, als ob Merz rein gar nichts von Politik verstünde: Schlechte Zahlen sind zur Mitte einer Legislaturperiode eigentlich der Normalfall – die Wähler sind enttäuscht; keine Regierung kann sofort liefern. Praktisch jede Koalition auf Bundesebene verliert in dieser Phase Landtagswahlen. Eine kurze Stichprobe ergibt: Landtagswahlen sind keine reinen Bundeswahlen. Aber in der Ampelzeit wurden sie beinahe durchweg zu Denkzettelwahlen: In zwölf Landtagswahlen verloren SPD, Grüne und FDP 28- von 36-mal gegenüber der vorherigen Wahl. Wer in Berlin regierte, verlor in den Ländern – mit wenigen Ausnahmen dort, wo ein starker Landesministerpräsident den Bundestrend überdeckte.
Ein starker Kanzler würde zurückregieren, liefern, überzeugen. Merz flegelt sich durch und seine eigene Koalition aus der Wählergunst hinaus. Das ist nicht das Schlimmste. Opposition steht bereit; in der Partei wie außerhalb. Über jede Maßnahme und über jeden Kanzler kann man streiten, abwägen, anderer Meinung sein. Keiner seiner Vorgänger ist sakrosankt. Merkel verheerte das Land, Scholz war eine einzige Qual. Nur über Merz lässt sich nicht diskutieren. Denn das Problem ist: Mit jedem Tag Merz verliert Deutschland an politischer und wirtschaftlicher Substanz, globaler Präsenz und Ansehen. Damit wird er zunehmend nicht nur zur Belastung, sondern längst zur ganz konkreten Gefahr für Deutschland.



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Merz hat bei der Preisverleihung an eine Schule geweint. Ist dem SPIEGEL eine Meldung wert.
Wer so wenig zu lachen hat, dem sei eine Gelegenheit zum Weinen herzlich gegönnt.
Hat auch erzählt, er sei nicht gern zur Schule gegangen, wolle aber zukünftig öfter eine besuchen.
Wir hingegen weinen eher über PISA-Ergebnisse.
Merz ist der beste Kanzler den die CDU zu bieten hat. Nicht weil er gut für das Land wäre, das ist bei einem Kanzler dieser CDU (vom Rest des Parteienkartells gar nicht zu reden) ohnehin ausgeschlossen, sondern weil er aus seiner Geringschätzung des Landes und der Verachtung für die Bürger keinen Hehl macht. Er tut nicht einmal so als ob. Vielleicht kann er es nicht besser, oder er findet es der Mühe nicht wert den Leuten etwas vorzuspielen, mehr zu liefern als plumpe, durchsichtige Rhetorik an die sich nur noch CDU-Wähler im finalen Stadium kognitiver Dissonanz klammern können. Egal ob… Mehr
Von rechts nach links müssten mindestens die ersten drei aus dem Rahmen fallen!
Mindesten 3 Bilder, von rechts nach links gesehen, müssten aus dem Rahmen fallen!
„Alle Kanzler von Adenauer bis Kohl waren inoffizielle Mitarbeiter der CIA.“ Egon Bahr, 1996. Wenn Egon Bahr damit Recht hatte, dann fällt nicht der Kanzler aus dem Rahmen. Wie alle anderen Kanzler auch ist Merz Transatlantiker, d. h. er ist eine Marionette der USA. Merz exekutiert ganz einfach US-Interessen wie alle anderen Kanzler auch. Mit der Bewegung der Welt in Richtung Multipolarität, der Verschiebung der wirtschaftlichen Gewichte in den asiatisch-pazifischen Raum und dem Niedergang des Petrodollar haben sich die US-Interessen an Deutschland geändert. Im kalten Krieg war ein wirtschaftlich starkes Deutschland mit einer einsatzfähigen Armee un einer leistungsfähigen Industrie im… Mehr
Ergänzungen:
Horst Seehofer:
„Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt und die, die gewählt sind, haben nichts zu entscheiden“.
Sigmar Gabriel (kürzlich bei Maischberger):
NATO und EU seien lediglich von den USA nach 1945 etablierte Instrumente, „um Germans down hinzukriegen“. Gabriel bezog sich auf das berühmte Motto des ersten NATO-Generalsekretärs: „Keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“ („die Russen draußen, die Amerikaner drin und die Deutschen unten halten“
Das stimmt. Allerdings hatte Deutschland 1945 bedingungslos kapitulieren müssen und das erklärt alles. Die USA haben die wiederbelebte deutsche Wirtschaft stark unterstützt, die Amerikaner kauften in den Fünfziger Jahren massenhaft VW Käfer und andere Produkte.
Das sollte nicht vergessen werden.
wie heißt es doch so treffend….“ wenn einer aus dem Rahmen fällt, heißt das nicht, das er auch im Bilde war“
Es sind nicht die ausbleibenden oder mangelhaft umgesetzten „Reformen“ (die sowieso zu spät kommen), die die Bürger beunruhigen. Es sind die Teuerung, der rapide Verlust an Arbeitsplätzen der Verlust an Sicherheit und damit einhergehend das Gefühl zunehmender Fremdheit im eigenen Land, die drohende Altersarmut die kriminelle Eroberung der Schulen, die Zerstörung der letzten schönen Landschaften zum Vorteil abkassierender Windradbetreiber, der Zerfall von Brücken und Straßen, die Bahnfahrt als Reise mit ungewissem Ausgang, die Gängelung im Privaten von Heizung bis Ernährung – und über allem die Abgehobenheit sog. „Eliten“ und ihre durch keine Leistung gerechtfertigten exorbitanten Gehälter Ihre ausschließliche Fixierung auf… Mehr
Der wahre Untergang begann 2005 mit merkel. Seitdem geht es mit Deutschland stetig bergab. Seitdem gab es n i e wieder echte Politik f ü r Deutschland, sondern immer nur gegen deutsche Bürger. merz ist hoffentlich der Schlußpunkt für die Altparteien, die mit voller Absicht dieses Land zerstört haben. Das Ganze hat System und begründet sich auch durch Personen in der EU, die genau deshalb dorthin entsendet wurden. Zumeist Politiker, die im Inland längst total bei Wahlen gescheitert waren und ihre Rache auskosten – siehe uvdl. Und wenn man das berücksichtigt, bekommt der Irrsinn von merz plötzlich einen -wenn auch… Mehr
Nach Schröder , gab es keinen Volkskanzler mehr.
Friedrich II von Preußen bezeichnete sich selbst als „Erster Diener des Staates“. Dieser Satz sollte für einen demokratisch gewählten Kanzler der ultimative Leitspruch sein.
Der französische König Ludwig XIV.behauptete dagegen: “L’État, c’est moi!”
Das ist Merz!
„ “L’État, c’est moi!” Das ist Merz!“
Merz sagt das vielleicht auf dem Klo – aber er ist nicht mal ein Abklatsch jenes Königs. Aber er schädigt uns in 200 Tagen mehr als Loui XIV in seiner ganzen Regierungszeit.