Wie man lernt, guten Wein zu trinken

Die Grünen kämpfen gegen das Glas Wein in der Familie. Kiffen legal, Riesling verdächtig? Die neue Alkoholpolitik wirft einige Fragen auf.

IMAGO / Westend61

Die Grünen sorgen sich um die Volksgesundheit. Das ist löblich. Sie fordern die Regierung auf, „eine langfristige Alkoholpräventionsstrategie und ein Alkoholpräventionsgesetz“ vorzulegen. Insbesondere fordern sie, das sogenannte „begleitete Trinken“ abzuschaffen, bei dem Jugendliche ab 14 Jahren Bier oder Wein in Begleitung ihrer Eltern trinken dürfen.

Das verstehe ich! Trinken, wenn die Eltern zusehen? Viel lustiger ist es schließlich, klandestin auf dem Spielplatz oder an anderen öffentlichen Orten mit den Kumpels abzuhängen und die Schnapsflaschen herumgehen zu lassen, bis einer kotzen muss. So lernt man am nachhaltigsten, welche Freunde und welche Getränke zuträglich sind.

Mal im Ernst. Es ist noch nie gut gegangen, wenn sich die Grünen eines Themas angenommen haben. „Atomkraft nein danke“ war ein äußerst erfolgreicher Slogan, der uns den Abschied von technisch hochwertigen Anlagen und von einer stabilen und preisgünstigen Energieversorgung eingetragen hat. Denn dass man bei Grüns jemals die Natur oder die „Umwelt“ hat schützen wollen, darf getrost bezweifelt werden.

Die sogenannte Energiewende erfordert, breite Schneisen in Wälder zu schlagen und Betonsockel in den Boden zu versenken. Die Rotorblätter killen Vögel und Insekten, der Schall vergrämt Wild und raubt Nachbarn den Schlaf. Sie schleudern Partikel in den Boden oder in Ackerflächen, die nicht zur ökologischen Landwirtschaft beitragen. Überdies müssen die ausgedienten Rotorblätter als Sondermüll verbuddelt werden. Mal ganz abgesehen davon, dass die riesigen Windmühlen den Horizont verstellen, mitsamt der Naturschönheit. Und die riesigen Felder mit Solaranlagen? Darunter ist es mollig warm. Das ist doch schon mal etwas!

Vielleicht gab es ja früher mal bei den Grünen Menschen, denen Tiere und Naturschönheit am Herzen lagen. Sicher hatte manch einer auch einen antiautoritären Zug anstelle der neuen Staatsfrömmigkeit oder fühlte gar pazifistisch. Das gab es so gar nicht bei den Stalinisten und den Maoisten, die blitzschnell auf den Zug der neugegründeten Partei aufgesprungen waren. Die Liebe zum Staat und zum Verbot ist jedenfalls gewiss nicht antiautoritär.

Doch der jetzige Vorstoß zeigt vor allem, dass die Partei keinen Kontakt mehr zur Realität hat. Und die heißt, dass immer mehr junge Leute auf Alkohol verzichten. Wohl nicht unbedingt auf Kiffen und Koksen. Haben die Grünen nicht für die Legalisierung von Cannabis gesorgt?

Und warum sind sie gegen begleitetes Trinken, also Wein- oder Bierkonsum in Anwesenheit von Erwachsenen? Gewiss verstehen nicht alle Eltern etwas von Wein, obwohl man gerade in Deutschland ausgezeichnete Voraussetzungen dafür vorfindet: in Deutschland werden mit die besten Weißweine produziert und so ein deutscher Spätburgunder ist auch nicht übel.

Gerade elterliche Begleitung kann einen positiven Einfluss haben. Erwachsene trinken eher selten billige Plörre aus großen Korbflaschen. Wenn alles gut geht, könnten sie ihren Kindern beibringen, welch Kulturgut ein guter Wein ist. Ich schlage Besuch bei unseren Winzern vor: da lernt man viel, vor allem in Gärkellern, wo es rülpst und gluckst und an deren Wänden der Kellerpilz hängt, casmidium cellare, ein natürlicher Feuchtigkeitsregulator. Die Pilzsporen können Luftfeuchtigkeit absorbieren und bei Bedarf wieder abgeben, was ein stabiles Mikroklima für die Weinlagerung schafft. Übrigens: Riesling wird bei sachgerechter Lagerung über die Jahre oft besser.

Kurz: Alkoholkonsum, der nicht auf Genuss, sondern auf Effekt hinausläuft, kann in der Tat gefährlich sein: Bier und Schnaps machen zuverlässlich besoffen. Doch wer sich zu zweit eine Flasche Wein teilt, dürfte wenig zu befürchten haben. Ansonsten: nur ein Glas pro Stunde hilft auch.

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Kommentare ( 6 )

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6 Comments
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Manuela
1 Stunde her

Ich bin Abstinenzlerin. Grünen-Abstinenzlerin.

Ansonsten habe ich gerade heute ein Paket feinen Wein direkt vom Winzer bekommen. Und ich freue mich drauf, den zu genießen. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern!

Ich bin RECHTS
1 Stunde her

Alkohol ist ein Teufelszeug, welches in unserer Kultur völlig unterschätzt und verharmlost wird.

Ich glaube jeder der TE-Leser kennt Bekannte und Freunde, die an Alkohol direkt oder indirekt (alkoholbedingte Autounfälle) gestorben sind.

Völlig unterschätzt werden Alkoholkrankheiten wie z.B. Polyneuropatie, die über kurz oder lang zum Rollstuhl führen.

Wenn es schon nicht möglich ist, Alkohol komplett zu verbieten, so sollte der Zugang doch so schwer wie möglich gemacht werden.

P.S.:
Mein Darmkrebs und meine Polyneuropatie sind Folgen langjährigen Alkoholkonsums – ich war aber keinesfalls ein Alkoholiker

Zossener
1 Stunde her

Daran merkste halt, wie fies Grüne sind. In allen Dystopien, also allen links regierten Staaten vor 1989 (RGW), war Suff reichlich und billig vorhanden. Zu dem Zweck, das sich die Menschen die Arbeiter- und Bauernparadiese schön saufen konnten. Nur die Grünen wollen, das wir ihre Dystopie bei vollem Bewusstsein mitbekommen

Heinrichg
1 Stunde her

Die Zeit wird kommen… Mehr darf man nicht sagen.

bfwied
1 Stunde her

Also, „betreutes Trinken“, was für ein absurder Quatsch! Hier gebe ich den Grünen ausnahmsweise(!) mal recht. Aber Trinken: nein, dafür Rauschgift: ja??!!! Ich weiß, dümmer und noch dümmer und noch dämlicher geht immer, insbesondere, wenn man grüner Weltverbesserer und sowieso Besserwisser ist und, klar, Obermoralist, der Weisheit mit Baggerschaufeln gefuttert zu haben meint – aber oft nicht einmal eine Ausbildung hinbekommen hat oder höchstens eine, die nicht gerade prädestiniert!

Teiresias
1 Stunde her

In Berlin äußern sie sich auch gegen die Hundehaltung.
Es darf halt (noch) nicht Islamisierung heissen.
Aber genau darum geht es, versteckt hinter Klima- oder Gesundheitspolitik.