Es ist noch nicht vorbei: Aufgrund der Konfliktsituation im Nahen Osten wächst unter Ökonomen und Marktbeobachtern die Sorge vor einem möglichen neuen Ölpreisschock – mit weitreichenden Folgen für die globale Wirtschaft.
picture alliance/dpa | Farshid-M. Bina
Hauptursächlich für die weitere negative Entwicklung ist die noch immer blockierte, strategisch entscheidende Meerenge von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird.
Aktuell zeichnet sich eine gefährliche Dynamik ab, berichtet die Financial Times aktuell unter dem Titel „The oil price crunch is looming“ (Ein Öl-Preisschock zeichnet sich ab): Auf der einen Seite versuchen die Vereinigte Staaten, die Einnahmen des Iran aus dem Ölgeschäft zu begrenzen. Auf der anderen Seite reagiert Teheran mit Maßnahmen, die den internationalen Schiffsverkehr durch die Meerenge noch immer massiv einschränken. Diese doppelte Blockadesituation wirkt sich zunehmend auf die globalen Energieflüsse aus – mit potenziell dramatischen Konsequenzen.
Normalerweise werden 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls über die Straße von Hormus transportiert. Eine länger anhaltende Störung dieser Route stellt damit eine der größten Bedrohungen für die Energiesicherheit seit Jahrzehnten dar. Dennoch reagieren die Märkte bislang überraschend gelassen: Zwar sind die Ölpreise gestiegen, doch ein panikartiger Preissprung wie nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs blieb aus.
Experten führen diese relative Stabilität auf mehrere Faktoren zurück: Zum einen waren die globalen Ölreserven zuletzt vergleichsweise gut gefüllt. Zum anderen gehen viele Marktteilnehmer offenbar davon aus, dass die Spannungen kurzfristig abklingen werden. Auch Terminmärkte signalisieren bislang keine dauerhafte Verknappung, da die Preise für zukünftige Lieferungen teilweise unter den aktuellen Spotpreisen liegen. Internationale Lieferketten bedroht
Doch diese Gelassenheit schwindet. Ökonomen warnen, dass sich die Situation schnell zuspitzen könnte, wenn die Blockade noch länger anhält. Die Weltwirtschaft ist heute zwar durch Effizienzsteigerungen weniger abhängig von Öl als noch vor Jahrzehnten. Laut Daten der World Bank hat sich die sogenannte Ölintensität der Wirtschaft seit den 1970er-Jahren deutlich reduziert. Aber dennoch bleibt Öl ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Volkswirtschaften: Besonders kritisch ist dabei, dass sich der Ölverbrauch zunehmend auf Bereiche konzentriert hat, in denen es kaum Alternativen gibt, etwa im Schwertransport, in der Luftfahrt oder in der globalen Schifffahrt. Diese Sektoren bilden das Rückgrat internationaler Lieferketten.
Und hier liegt das Risiko: Während frühere Ölpreisschocks vor allem über Inflation und Zinserhöhungen wirkten, könnte der moderne Energieschock direkter wirken. Wenn zentrale Transportketten unterbrochen werden, drohen Produktionsausfälle, Lieferengpässe und ein abrupter Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität. Die Folgen könnten sich schneller und unvorhersehbarer entfalten als in früheren Krisen, berichtet aktuell die Financial Times.
Internationale Organisationen wie der International Monetary Fund warnen bereits, steigende Energiepreise könnten die fragile globale Konjunktur zusätzlich belasten. Besonders betroffen wären energieimportierende Regionen wie Europa oder Ostasien, die stark auf stabile Lieferketten angewiesen sind.
Die Energie-Knappheit kann Regierungen gefährden
Hinzu kommt eine politische Dimension: Während autoritäre Systeme wirtschaftliche Belastungen oft länger abfedern oder unterdrücken können, geraten demokratische Regierungen schneller unter Druck, wenn steigende Preise und wirtschaftliche Unsicherheit die Bevölkerung belasten. Energiepolitik wird damit zunehmend auch zu einem innenpolitischen Risiko.
Die aktuelle Lage zeigt deutlich, wie eng geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Stabilität miteinander verknüpft sind. Sollte die Blockade der Straße von Hormus weiter andauern, könnte die Weltwirtschaft vor einer abrupten Anpassung stehen – nicht in Form einer schleichenden Rezession, sondern als plötzlicher, krisenartiger Einbruch.


Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
wie Europa oder Ostasien: und mit Ostasien ist auch China gemeint. „Es umfasst im Allgemeinen China (Volksrepublik China und Republik China (Taiwan)), Japan, Korea (Republik Korea und Demokratische Volksrepublik Korea) und die Mongolei. Es enthält manchmal Nordvietnam aufgrund ihrer historischen und kulturellen Verbindungen zu China.“, vgl. wikipedia. Die EU hat keine Weitsicht. Ansonsten hätte sie sich darauf vorbereitet, dass die Situation zwischen den USA und China sich indirekt z. B. über den Panamakanal, Venezuela und den Iran zuspitzt. Wie sieht es in Taiwan, Japan, Korea mit Vorbereitung auf eine solche Eskalation aus? https://de.statista.com/infografik/35943/laender-mit-den-hoechsten-importmengen-von-rohoel/ Anscheinend ist China der größte Ölimporteur in… Mehr
Ich denke, daß Trump alles dafür tun wird, daß der Konflikt zum Herbst hin soweit runter gedimmt ist, daß die Öllieferungen wieder laufen. Im Herbst sind Midterm-Wahlen und die Republikaner sind unter Druck, dem Dems keine offene Flanke zu bieten.
Wenn kein Wunder geschieht, haben die Reps die Midterms schon jetzt haushoch verloren. Vielen Amerikanern geht es da wohl ähnlich wie mir. Der Donald Trump den sie 2024 wählten -und dessen Wahl mich hoffnungsfroh stimmte-, der von 2016-2020 schon einmal ihr Präsident war, hat mit dem heutigen Donald Trump fast nur noch äußerlich Ähnlichkeit.
> Während autoritäre Systeme wirtschaftliche Belastungen oft länger abfedern oder unterdrücken können, geraten demokratische Regierungen schneller unter Druck, wenn steigende Preise und wirtschaftliche Unsicherheit die Bevölkerung belasten.
Dann kann die EUdSSR mit Kartellparteien fröhlich weitermachen wie bisher. Demokratische Länder würden sich längst nach alternativen Bezugsquellen umschauen, Russland zum Beispiel.