Im vierten Höllenkreis: Merzens Realitätsverweigerung bei Miosga

Merz hat fertig, die CDU auch. Bei Caren Miosga mahnt der Kanzler seitens der SPD Kompromissbereitschaft an, beweist aber zugleich, dass er nichts in der Hand hat, um diese einzufordern. Klaus-Rüdiger Mai kommentiert den Verlust jeglicher Autorität mit Dantes Worten: Lasst alle Hoffnung fahren.

picture alliance / HMB Media | Uwe Koch

Bitten, betteln, böse Mienen

ziehen, Trump herabsetzen, die AfD anblaffen – Merzens Interview bei Miosga gab ein Konzert der Kommunikationsdesaster ab. Dazu muss man wissen: Der Plural von Katastrophe lautet „das Desaster“, der Plural von Desaster „die Desaster“, der Plural des Plurals der Katastrophe ist die Politik der Union unter ihrem Kanzler Friedrich Merz.

Kaum hat Merz bei Miosga in seinem Medienfestival der Mediokrität bestätigt, wie erschütternd weltfremd er durch die Politik tapst, da behauptet sein Kanzleramtsminister Frei: „Wir dürfen nicht verkaufen und verscherbeln, was die CDU ausmacht“.

Das hat sie doch getan, verkauft und verscherbelt, was die CDU ausmacht, begonnen damit vor zwanzig Jahren. Seitdem wählt die Mehrheit konservativ und liberal, also Mitte und Mitte-rechts, und bekommt regelmäßig stattdessen eine rotgrüne, also linke Politik. Darin besteht der Verrat der Union an ihren Wählern und an Deutschland. Das, was die Union einmal ausmachte, hat sie verscherbelt und sogar noch eine Hypothek aufgenommen. Was die Union ausmacht, ist nur noch der Verrat an ihren Wählern. Es wird Zeit, sich aus der babylonischen Gefangenschaft von rot-grün zu befreien.

Alexander Dobrindt, der in seiner Rhetorik noch nichts ausgelassen hat, ob rot, ob grün, ob konservativ, eilt dem taumelnden Kanzler zu Hilfe und behauptet: „Diese Politik ist sich im Klaren darüber, dass sie in der Mitte der Politik dieses Land zusammenführen und stabilisieren muss. Immer dann, wenn die Mitte der Politik versagt, profitieren die Ränder, dann profitieren die Radikalen davon. Das will die SPD nicht, das will die CDU nicht, das will die CSU nicht. Diese Gemeinsamkeit, die trägt uns. Und die wird dann auch dafür ausreichen, dass wir in diesen nächsten Koalitionsausschüssen die notwendigen Entscheidungen für diese Reformagenda treffen, die es braucht für eine erfolgreiche Politik der Mitte.“

Stellt sich nur die Frage: Warum spalten sie, grenzen sie aus, wo sie doch zusammenführen wollen? Warum verhinterzimmertürt sich die Union mit ihren neuen Freunden von den Linken, wenn sie vor den Radikalen warnt? Warum macht Dobrindt keine Politik für die Mitte, sondern linke Politik?

Seit Kanzlerin Merkel ist die Union zur Mehrheitsbeschafferin für rotgrüne Politik geworden. Deshalb ist sie inhaltlich leer, lebendig nur, wenn sie die nächste Phrase zur Bemängelung ihrer ruinösen Politik sucht. Merz hat es bei Miosga verdeutlicht.

Miosga fragt nach Merzens Äußerung, dass die Rente nur noch eine „Basisabsicherung“ sein kann. Und Merz sieht daraufhin ein, dass ihm möglicherweise die falsche Wortwahl unterlaufen sei, nicht der falsche Gedanke etwa. Er werde es beim nächsten Mal besser sagen, „aber ich sage es nicht anders“.

Heißt im Klartext: auch die vier Milliarden Euro, die Merz für seinen Freund Selenskyj oder für den Wiederaufbau Syriens oder für den Ausbau der Brüssler Bürokratie benötigt, wird Klingbeil nicht an die Rentenkasse überweisen. Altersarmut in Deutschland für die Party in Neu-Versailles, Rentner wühlen im Müll und der Bundeskanzler diniert anlässlich seines Staatsbesuches beim Bundesvizekanzler in Walsrode. Anschließend stand zwar keine Fasanen-, dafür aber eine Phrasenjagd auf dem Programm.

Reform wird ein anderes Wort für Raub, denn Gesundheits-, Renten und Bürgergeldreform werden zur weiteren Ausplünderung der Mitte führen, zur Pauperisierung der Mitte, der Mitte, die die Union längst verraten hat, die sie – und darin besteht die Gemeinsamkeit der Union mit der SPD, die Geschäftsgrundlage dieser Koalition – nur noch als Zahlesel und Melkkuh betrachtet.

Mit Blick auf seinen Konflikt mit Donald Trump und den Abzug beträchtlicher US-Truppenkontingente aus Deutschland bagatellisiert Merz schon sträflich, dass es sich um ein Kontingent handle, das Joe Biden auf Zeit stationiert habe und über dessen Abzug seit längerer Zeit gesprochen worden sei. Hat nur noch niemand bisher etwas gehört davon. Trump belehren, den Abzug amerikanischer Truppen provozieren und zugleich den Konflikt mit Russland immer stärker eskalieren, darin besteht die Staatskunst des Friedrich Merz.

Wenn Merz bei Miosga behauptet, dass es „in Deutschland keine linke Mehrheit“ gebe, stellt sich die Frage, warum er dann den Mehrheitsbeschaffer einer linken Minderheit macht? Zwar droht er als Papiertiger der SPD, dass die SPD mit der Union nicht machen könne, was sie wolle. Macht sie doch, kann sie doch. Hat sie am 1. Mai nochmals bekräftigt.

Schließlich hisst Merz die weiße Flagge vor Klingbeil und Bas: „Ich sage jedenfalls an alle diejenigen, die uns von außen beobachten und uns nahestehen: Vergesst die Hoffnung, dass es da irgendwas mit Minderheitsregierung gibt und Duldung durch die AfD.“ Welches Druckmittel gegenüber der SPD hat der Kanzler von der traurigen Gestalt eigentlich noch in der Hand?

Vor 700 Jahren schrieb der Dichter Dante an den Eingang zur Unterwelt: „Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren.“ Das könnte man inzwischen jedem sagen, der noch ein Minimum an Hoffnung mit der Union verbindet. Lasst alle Hoffnung fahren, oder, in Merzens Übersetzung: vergesst alle Hoffnung. Die Union, so hat es Merz bei Miosga besiegelt, ist der Plural des Plurals des Plurals des Desasters für Deutschland, doch sind wir erst im Vierten Höllenkreis angelangt.

Wenn das Interview eines gezeigt hat, dann, dass Friedrich Merz als Kanzler medial „durch“ ist. Er besitzt politisch keine Autorität mehr, er ist nur noch da, weil er noch da ist und die Union sich überlebt hat. Er ist der Kanzler des Niedergangs, vergesst alle Hoffnung mit ihm.

 

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Kommentare ( 28 )

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Ohanse
28 Minuten her

Jeder Erwachsene in einem Top-Job mit einem Mindestmaß an Ehrgefühl würde sich von der über-rücksichtsvollen Behandlung durch Miosga beleidigt fühlen. Ein echter Macher hält auch etwas aus, entsprechend will so einer auch mit mehr Substanz angefasst werden. Nicht so Merz. Der ist froh, von harten Fragen verschont zu werden. Aber so ist das eben: Wer nichts vorzuweisen hat, der freut sich dann über die Fluchtwege, die man ihm offen lässt.

h.milde
30 Minuten her

Der larmoyante Merz verkaxxt es herzhaft mit den US, China, Rußland & Israel, kauft sich aber stattdessen weltweit & va. zur Freude korrupter Politiker, mit STEUERMILLIARDEN „Anerkennung“, iS. linksGRÜNER sog. „Entwicklungs“ & Kickback-Politik.

Donald Trump überstand das dritte Attentat von/durch Linke & gab nur
1/2h später eine Pressekonferenz. Wäre sowas von Merz vorstellbar, wenn
die SAnitfa & „Omas gegen Rechts“ ähnliches versucht hätten?

Heute kürte „Waldi“ Hartmann, den 2te Wahl-Kanzler Friedrich Merz zum „Tor der Woche“.
Da ist noch mehr drin.

maps
45 Minuten her

Die CDU/CSU hat dieses Land zerstört innerhalb der letzten 20 Jahre! Es sind Lügner und Betrüger, die der Opposition ständig vorwerfen, dass sie keine Probleme lösen könnten. Diese widerliche Union hat selbst die Problem geschaffen und kann/will sie nicht lösen. Es geht dieser widerlichen Union nur noch um Macht und sich die Taschen selbst voll zu machen. Es ist ein Verein aus Versagern und Betrügern. Ekelhaft.

Alf
52 Minuten her

Die C-Parteien haben offensichtlich kein Problem mit diesem „Kanzler“.
„Wir dürfen nicht verkaufen und verscherbeln, was die CDU ausmacht“.
Nur es gibt nichts, was die CDU – alle etablierten Parteien – seit Merkel ausmachen würde.
Da gibt es nichts zu verkaufen!

AmitO
58 Minuten her

So sehr mich der Abzug der US-Besatzer freut, so wird doch klar, dass der Ami nur abzieht weil er seine Truppen nicht in Gefahr bringen will, wenn Merz auf seinen Geheiß die Deutschen gegen Russland verheizen lässt.
Ein Streit zwischen Merz und Trump würde bedeuten, dass beide Führer souveräner Staaten sind. Das ist aber nicht der Fall, sondern das Verhältnis ist Vasall und Overlord.

reconquistadenuevo
1 Stunde her

Unglaublich, aber wahr: Zur Abschaffung der kostenlosen Mitversicherung des nicht arbeitenden Ehepartners (i.d.R. Ehefrauen) übernimmt Merz bei Miosga die aberwitzige und irrsinnige Begründung von Finanzminister Klingbeil, dass dadurch für den nichtarbeitenden Ehepartner ein „Anreiz“ (!!!) geschaffen werde, eine (sozialversicherungspflichtige) Arbeit aufzunehmen. Allein die Wortwahl „Anreiz“ impliziert, dass es sich um eine „Wohltat“ für den betr. Ehepartner handeln würde und dieser ohne diesen Anreiz bisher an der Aufnahme einer Berufstätigkeit gehindert gewesen sei. Faktisch handelt es sich aber um ein reines Abkassieren, um die Löcher in der Krankenversicherung zu stopfen. Warum gilt diese rabulistische Argumentation nicht für die Millionen von Migranten/-familien,… Mehr

Freigeistiger
1 Stunde her

Miosga hat Merz zwar nicht so verhätschelt wie einen Habeck, ihn aber mit Samthandschuhen angefaßt. Beissende Kritik, beharrliches Nachbohren? Fehlanzeige. Natürlich wird vom Regierungsfunk schon lange gar nichts anderes mehr erwartet. Rasch war klar, daß dem Kanzler Gelegenheit verschafft werden sollte, sein ramponiertes Image aufzupolieren. Ganz besonders zum Schluß, als er beim Thema Fussball den Volksnahen und Jovialen geben konnte. Merz glaubt bestimmt, dass er beim Publikum gepunktet hat und das mag für manche Zuschauer auch zutreffen. Deutlich wurde, daß er zu einem Rücktritt nicht gewillt ist, Probleme hin oder her. Zu sehr ist er in sich und seine Kanzlerrolle… Mehr

Schwabenwilli
1 Stunde her

„Heißt im Klartext: auch die vier Milliarden Euro, die Merz für seinen Freund Selenskyj oder für den Wiederaufbau Syriens oder für den Ausbau der Brüssler Bürokratie benötigt, wird Klingbeil nicht an die Rentenkasse überweisen.“

Dem sollte sich jeder Rentner der die Altparteien wählt bewusst sein.
Wer dann noch rumheult hat einiges nicht begriffen.

Haba Orwell
1 Stunde her

> Mit Blick auf seinen Konflikt mit Donald Trump und den Abzug beträchtlicher US-Truppenkontingente aus Deutschland bagatellisiert Merz schon sträflich, dass es sich um ein Kontingent handle, das Joe Biden auf Zeit stationiert habe und über dessen Abzug seit längerer Zeit gesprochen worden sei. Umso mehr muss man nicht hysterisch werden – bloß, weil weniger GIs in buntschländischen Kiosken Kaugummi kaufen werden. Röper dazu: >>>Wie wichtig ist der Abzug der 5.000 US-Soldaten aus Deutschland für die NATO? – Anti-Spiegel<<< > „… Dass die USA sich unter Trump faktisch aus der NATO zurückziehen, ist längst keine russische Propaganda mehr, sondern wird… Mehr

Udo Zimmermann
1 Stunde her

Friedrich Merz hat sich mit verlogenen Wahlthemen ins Amt geschlichen. Er wurde schnellstens überführt und macht nur noch eine Trotzkopfpolitik. Er ist zwischenzeitlich unbeliebt und fast jeder Wahlbürger hofft auf seinen Rücktritt. Dass seine Politik , wie in seinem Amtseid erwähnt, zum Wohle des deutschen Volkes ist, dies kann man nun wirklich nicht behaupten.