Die CDU im Personaldilemma: Wird es nach Friedrich Merz Hendrik Wüst?

Lars Klingbeil und Bärbel Bas greifen in ihren Reden zum 1. Mai den Bundeskanzler an. Inzwischen wird für die Union die Frage eines Nachfolgers für Friedrich Merz, der seine Regierung nicht im Griff hat, immer dringender. Auffällig ist: Die Grünen trommeln gerade für ihren CDU-Mann Hendrik Wüst, ihren Kandidaten für den Posten des Bundeskanzlers.

picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen, steht hinter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach der Eröffnung der Rahmedetalbrücke. Fast vier Jahren war im Sauerland die wichtige Nord-Süd-Achse A45 wegen einer maroden Brücke unterbrochen. Die marode Brücke war Anfang Dezember 2021 gesperrt und später gesprengt worden.

Es ist eine historische Erfahrung, dass wenn etwas zugrunde gehen will, es dann auch zugrunde geht, wenn etwas stürzen möchte, es dann auch stürzt, wenn etwas die Verbindung zur Zeit verloren hat, dann abstirbt oder, wie Hegel sagen würde, wenn es nicht mehr notwendig ist, dann ist es auch unvernünftig. Das erklärt den Irrationalismus von Deutschlands dysfunktionalen Eliten. Deutschland benötigt politisches Personal, vor allem in der Regierung, das in der Lage ist, Dimension und Richtung der Neuordnung der Welt zu erkennen, anstatt reaktionären rotgrünen Ideologien anzuhängen.

Eine toxische Mischung
Neo-Sozialismus, Postmaterialismus, Öko-Planwirtschaft als prägende Kräfte der Wirtschaftspolitik
Deutschland besitzt momentan kein politisches Personal, schon gar nicht in der Regierung, das die Zeichen der Zeit zu verstehen vermag. Bas und Klingbeil, die anderen Sozialdemokraten in der Regierung sind schon fast von mitleiderregender Bedeutungslosigkeit, glauben, immer noch im Manchester-Kapitalismus zu leben, bemühen Klassenkampfparolen, als seien sie emphatisiert und enthusiasmiert nach der Lektüre von Friedrich Engels Schrift „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ aus dem Jahr 1845. Doch weder Klingbeil noch Bas traut man zu, theoretische Werke, Bücher gar gelesen zu haben.

Und bei der Union geht es nicht einmal mehr um ein Bild von der Welt, mag es noch so verstaubt, noch so reaktionär, noch so sehr nach Pawlows 1. Signalsystem klingen, es geht bei der Union nur noch um den Postenerhaltungsopportunismus. Beim Bundeskanzler kommt allerdings noch der stete Blick in den Spiegel statt in die Welt hinzu.

Täglich wird deutlicher, dass SPD und Union eigentlich nicht länger zusammenbleiben können, aber zusammenbleiben müssen. Nicht wegen der „Kinder“, sondern der Posten wegen. Der Verlust des Dienstwagens wiegt schwerer als der Verlust der Wirtschaftskraft des Landes. Gerade noch eben tafelten Merz und Klingbeil einträchtig in Walsrode, gerade eben noch besuchten sie in angsteinflößender kriegerischer Kleidung, die bei dem ehemaligen Zivildienstleistenden Klingbeil besonders lächerlich wirkt, die Bundeswehr am Standort Munster, gerade berieten sie beim Abendessen „die Lage der Koalition und nächste Reformschritte“, da greift in seiner 1.-Mai-Rede Lars Klingbeil den Kanzler mit voller Härte frontal an.

Und auch Bärbel Bas, Merzens Sozialministerin, die Kommissarin von Partei- und Gewerkschaftsapparat für die deutsche Regierung, schimpfte, was die Sprache sozialdemokratischer Reaktion hergibt, auf Merz. „Menschenverachtend“, schalmeite Merzens Ministerin. Das ausgerechnet die Bremserin Bas ausruft: „Wir brauchen mehr Tempo“, ist schon ein Stück aus dem Tollhaus Deutschland. Noch mehr Tempo im Niedergang?

Die Sozialdemokraten leben in der Vergangenheit und verhindern die Zukunft des Landes.

Inzwischen wird für die Union die Frage eines Nachfolgers für Merz, der seine Regierung nicht im Griff hat, immer dringender, wobei man von einer Regierung gar nicht sprechen kann, eine, nein viele Regierungen. Auffällig ist, dass gerade die Grünen alle Trommeln für ihren CDU-Mann Hendrik Wüst, den Kandidaten der Grünen für den Posten des Bundekanzlers, im Augenblicke rühren.

Dass Wüst der Traumkandidat für die Grünen für den Posten des Bundeskanzlers ist, wenn die Verbots- und Obrigkeitspartei schon keinen eigenen Kanzler zu stellen vermag, hat Hendrik Wüst gerade eben wieder in einem Tweet bestätigt: „Deutschland braucht kein Gezänk – es braucht einen Konsens 2030. Ein echtes Bündnis: Gewerkschaften, Arbeitgeber, Politik. Gemeinsam für Investitionen, Innovation & Beschäftigung. Jeder bringt seine Stärken ein – fair & nach Leistungsfähigkeit. Nur im Miteinander sind wir stark.“

Wer den Meinungsstreit, den Wettbewerb der politischen Ideen und Konzepte als „Gezänk“ abtut, der wird demnächst wohl auch Parlamente als „Schwatzbuden“ bezeichnen, von einer Volkskammer 2.0 oder einem Obersten Sowjet und einer Einheitspartei, entweder in Form einer Nationalen Front des demokratischen Deutschlands oder eines Brandmauereinheits-Kartells träumen, der ist in der Demokratie nicht angekommen, der will eine bürokratische Diktatur mit sich als Obersten Büroversteher. Das „echte Bündnis“, von dem Wüst spricht, hatten wir schon einmal in der deutschen Geschichte.

Leiden an Merz
Wohin mit Friedrich Merz – und dann?
Es ist typisch, dass Wüsts echtes Bündnis nicht vom Volk gewählt wurde und das Parlament umgeht. Besonders originell ist es allerdings nicht, was Wüst sagt, denn es ist Merkels Sprache pur, die Sprache der Postdemokratie, die er imitiert, die der Bürokratie, nicht der Demokratie.

Die Union befindet sich im Niedergang, CDU unter 20 Prozent, CSU unter der 5-Prozent-Hürde. Hendrik Wüst bietet sich marktschreierisch als Ausweg an, doch seine Kanzlerschaft wäre kein Ausweg, sondern der Höllweg in den Niedergang.

Auffallend still verhält sich indes Wüsts Kontrahent Söder, der abwartet. Er wird sich jedoch entscheiden müssen, Wüst im richtigen Moment zu verhindern oder Wüst als Bundeskanzler scheitern zu lassen. Doch ginge Söder dadurch das Risiko ein, dass es eine Zeit nach Wüst für die Union nicht mehr geben wird.

Der Mann mit dem Charme eines Versicherungsvertreters aus NRW ist in Ostdeutschland nicht vermittelbar. Steigt Wüst auf, steigt die Union im Osten endgültig und rasant ab, absolute Mehrheiten in Sachsen-Anhalt und womöglich auch in Mecklenburg-Vorpommern für die AfD wären die Folge. Doch die westdeutsche CDU interessiert sich nicht für Ostdeutschland, und Wüst das politikergewordene Bild für die deutsche Teilung, erst recht nicht. Für die Ostdeutschen, die sich nach 1989 mit viel Arbeit einen überschaubaren Wohlstand erarbeitet haben, bedeutet eine Kanzlerschaft von Hendrik Wüst, dass sie zum zweiten Mal alles, was sie sich aufgebaut haben, verlieren werden.

Der Scherz eines Spötters auf X, der sich Zacki nennt, dürfte für die Deutschen ein Alptraum, für Hendrik Wüst und andere in der CDU hingegen ein Traum sein:

„Kanzler: Wuest
Wirtschaftsminister & Vize: Habeck
Außenministerin: Dröge
Wirtschaftsministerin: Bas
Innenministerin: Brandner
Finanzminister: Miersch

Wie fändet ihr das neue Team Deutschland?

👉 Schreibt es in die Kommentare“

Eine Gewerkschafterin wie Fahimi oder Benner als Sozialministerin und einen Verteidigungsminister wie Hofreiter würde das (Alp-)Traumteam Deutschland noch vervollständigen.

Was lernt man daraus? Es kann immer noch schlimmer kommen. Man kann zwar gelegentlich auch Pech im Aufstieg haben, doch im Abstieg stößt man auf kein Glück.

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Kommentare ( 122 )

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122 Comments
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Alf
10 Tage her

Schlichte Fragen:
Warum eigentlich sollte die CDU den nächsten Bundeskanzler stellen?
Deutschland besitzt momentan kein politisches Personal?
Die etablierten Parteien haben die letzten Jahre bewiesen, daß sie nicht geeignet sind.
Sie haben sich selbst mit der Brandmauer eingemauert.
Aber es gibt eine unverbrauchte Partei, die nicht nach Schwefel stinkt.

Endlich Frei
9 Tage her

Ich tippe, die nächste Bundeskanzlerin einer Regierung unter Unionsbeteiligung heißt Alice Weidel.

RauerMan
9 Tage her

Mit einem „Wüst“, würde es noch wüster.

Juergen P. Schneider
9 Tage her

Ob Hendrik Merz oder Friedrich Wüst ist doch vollkommen egal. 🙂

Endlich Frei
9 Tage her

Für mich ist Wüst ein Provokateur und Holocaust-Verharmloser: Soviele Nazis, wie der im Bundestag sieht, kann es nach seiner Lesart früher nicht schlimm gewesen sein. Ich empfinde das für brandgefährlich und völlig unsensibel ggü. den Opfern. Ein bißchen unreif der Mann.

Last edited 9 Tage her by Endlich Frei
taliscas
9 Tage her

Wenn ich die Wahl zwischen Pest und Cholera habe, schlucke ich lieber die blaue Pille.

Ceterum censeo Berolinem esse delendam
9 Tage her

Sie verteilen das Fell des Bären, bevor er erlegt ist. Merz mag dünnhäutig sein und eine Heulsuse, die sich tränenreich darüber beklagt, angeblich mehr aushalten zu müssen als jeder Kanzler vor ihm. Aber eines hat er von der großen Staatsratsvorsitzenden gelernt: Das Aussitzen um jeden Preis.

Wir alle werden es erleben: Der Kanzlerdarsteller Fritze Merz bleibt bis zur Wahl 2029 auf seinem Sessel kleben.

R.Baehr
9 Tage her

Bei Gott, Wüst, Günther und wie die Konsorten alle heißen, alles heißgespülte Versager, Corona hat es eindrucksvoll bewiesen.

Haedenkamp
9 Tage her
Antworten an  R.Baehr

Nicht für die Coronaisten.

weihnachtsmann_frau_lein
9 Tage her

Von merzel zu wüst (oder einem anderen grünen): ein klassischer fall von „vom regen in die traufe“. Das dilemma aller pinocchio-verabscheuenden: es gibt keine weniger traurige (bis gefährliche) alternative …
Also vielleicht doch lieber weitermurkseln lassen und so die blauen fördern?

Juri St.
9 Tage her

Wüst? Also Schlimmer geht immer! Oder: Die CDU will mit Wüst und Spahn das Duo Klingbeil/Bas nach unten toppen. Die schnellere und schmerzlosere Alternative wäre die Selbstauflösung.

Helfen.heilen.80
10 Tage her

Wüst ist (metaphorisch) lediglich das jüngste Upgrade des „roten Geistes“. Nachdem man jetzt 30 Jahre unter dem Deckmäntelchen des „Grünen Umwelt-Idealismus“ den Sozialismus in die Gesellschaft und in die Köpfe der nächsten Generation geschraubt hat, erweitert man mit dieser Personalie die Vielfalt der eh schon mannigfaltigen Erscheinungsformen: tiefrotes Gedankengut im Nadelstreifanzug mit schwarzem Parteibuch, famos. Damit könnte man in den geschlossenen Grenzen einer einzigen Weltanschauung ein ganzes Portfolio von Parteien darstellen, die ja zu BRD-Zeiten bereits existiert haben, nur eben mit funktionierendem Grundsatzprogramm und Innenleben. Die Erinnerung an die historischen Vorläufer sorgt dafür, dass die durchschnittlich unsagbar träge Wählerschaft noch… Mehr

Haedenkamp
9 Tage her
Antworten an  Helfen.heilen.80

Alles richtig, wenn Sie #Sozialismus# durch ‚Staatskapitalismus‘ ersetzen.