Geheime Wette zu geheimer Mission: US-Elitesoldat verhaftet

Sein Insider-Wissen brachte ihm 409.000 Dollar: Ein Soldat der US-Armee soll sein Wissen über die geheime Militäroperation in Venezuela dazu missbraucht haben, um auf den Sturz des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro zu wetten.

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

Im Zentrum der Affäre steht der 38-jährige Gannon Ken Van Dyke, ein Master Sergeant der US-Spezialkräfte. Die US-Justiz wirft ihm nun vor, streng geheime Informationen über eine verdeckte Militäroperation genutzt zu haben, um gezielt auf politischen Umbruch zu spekulieren. Laut Wall Street Journal wurde er nun vor einem Bundesgericht in Manhattan wegen Waren- und Überweisungsbetrugs angeklagt.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Van Dyke war aktiv an der Planung und Durchführung der geheimen Mission beteiligt, die unter dem Codenamen „Operation Absolute Resolve“ lief. Ziel der Operation war die Festnahme von Maduro, dessen Regime seit Jahren international unter Druck stand. Bereits Anfang Dezember erhielt der Soldat laut Ermittlungsakten ein vertrauliches Briefing – inklusive einer strikten Geheimhaltungsvereinbarung. Doch genau dieses Vertrauen soll er gebrochen haben.

13 Wetten platziert

Zwischen dem 27. Dezember und dem 2. Januar platzierte Van Dyke insgesamt 13 Wetten auf der Prognoseplattform Polymarket. Seine Einsätze waren alles andere als zufällig: Er setzte gezielt darauf, dass Maduro noch vor Ende Januar entmachtet würde. Nur wenige Stunden nach seiner letzten Wette schlugen US-Spezialkräfte in Caracas zu und nahmen Maduro sowie dessen Ehefrau in einer nächtlichen Aktion fest.

Der Clou: Van Dyke hatte 33.000 Dollar in sogenannte „Long-Shot“-Wetten investiert, also in sehr riskante Wetten mit extrem hoher Rendite. Am Ende stand ein Gewinn von mehr als 409.000 Dollar.

Die Staatsanwaltschaft sieht darin einen klaren Fall von Insiderhandel. Der zuständige Bundesanwalt Jay Clayton erklärte, Van Dyke habe „das Vertrauen der US-Regierung in eklatanter Weise missbraucht“, indem er geheime Informationen zu persönlichem Profit nutzte. Nach den erfolgreichen Wetten soll der Soldat auch noch versucht haben, seine Spuren zu verwischen, indem er die Gewinne auf ein ausländisches Kryptowährungskonto transferierte und die Löschung seines Kontos beantragte.

Wettanbieter weist Vorwürfe zurück



Die Plattform Polymarket selbst distanzierte sich umgehend: Man habe den verdächtigen Nutzer identifiziert und den Fall an das US-Justizministerium gemeldet, hieß es in einer Stellungnahme. Prognosemärkte wie Polymarket ermöglichen es Nutzern, auf politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ereignisse zu wetten – ein Geschäftsmodell, das in Zeiten politischer Unsicherheit immer populärer wird.
Bemerkenswert ist auch der zeitliche Kontext: Nur einen Tag vor Bekanntwerden der Anklage hatte ein konkurrierendes Unternehmen Kandidaten für den US-Kongress sanktioniert, weil diese auf ihre eigenen Wahlergebnisse gewettet hatten.

Die Festnahme von Maduro selbst war das Ergebnis monatelanger, streng geheimer Vorbereitungen: Beteiligt waren neben Eliteeinheiten des Militärs auch Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden. Öffentlich deutete bis zuletzt wenig darauf hin, dass ein solcher Zugriff unmittelbar bevorstand – ein Umstand, der Van Dykes Wetten umso verdächtiger erscheinen lässt.

Der Prozess dürfte auch weitreichende Konsequenzen für den Umgang mit Prognosemärkten und sensiblen Informationen haben.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 7 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

7 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Manfred_Hbg
2 Stunden her

Zitat: „Zwischen dem 27. Dezember und dem 2. Januar platzierte Van Dyke insgesamt 13 Wetten auf der Prognoseplattform Polymarke“

> Mhh, wäre deser Van Dyke vielleicht etwas weniger gerieg gewesen und hätte nur eine oder zwei Wetten plaziert, wäre er mit seinen Insiderschwindel vielleicht durchgekommen. So hat es nun gar nix gewonnen.

Dundee
2 Stunden her

*Van Dyke habe „das Vertrauen der US-Regierung in eklatanter Weise missbraucht“, indem er geheime Informationen zu persönlichem Profit nutzte.* Geheime Informationen darf die (erweiterte, Kushner et al) US-Regierung schließlich nur selbst nutzen und NICHT die, die für diese Missionen ihren eigenen Kopf hinhalten. Wo kämen wir denn da hin, wenn all die Offiziere – je nach Dienstbefehl – auf einen steigenden oder fallenden Ölpreis wetten würden, nicht wahr, Mister Trump? Es reicht schließlich wenn diese Offiziere sich auf einem der Flugzeugträger oder in einer der Militärbasen abschießen lassen, von einer Drohne oder Ähnlichem. Darauf wetten – oder dagegen – dürfen… Mehr

Last edited 2 Stunden her by Dundee
Orlando M.
1 Stunde her
Antworten an  Dundee

Hoppla, Insomnie? Für einen NGO- oder Staatsmitarbeiter ist 11 Uhr noch reichlich früh um zu stänkern.

hoho
2 Stunden her

Was wir davon lernen, ist, dass nur Julius Potus Trumpus und seine Freunde aus dem Marktmanipulation und Insiderwissen reich werden können.

Christa Born
1 Stunde her
Antworten an  hoho

Vergessen Sie auch nicht deren Vorgänger aller Couleur

jensberndt
2 Stunden her

Er wurde angeklagt, bis zur Verurteilung dürfte es ein weiter Weg sein, das hängt von den Formulierungen in der Geheimhaltungsvereinbarung ab. Und dass das Wettbüro so umfassend kooperiert – geschenkt. Solchen Leuten passt es aus Prinzip nicht, wenn die andere Seite gewinnt.

Haba Orwell
2 Stunden her

> Die US-Justiz wirft ihm nun vor, streng geheime Informationen über eine verdeckte Militäroperation genutzt zu haben, um gezielt auf politischen Umbruch zu spekulieren.

Wenn Trumps Kumpels 20 Minuten vor einem Tweet 760 Millionen auf die Wirkung setzen, dann ist das aber staatstragend? Es gab bereits mehrere ähnliche Fälle.