Was als Streit und Machtkampf zwischen Merz und Klingbeil verkauft wird, ist ein inszeniertes Theater für die Öffentlichkeit, während beide das Land sehenden Auges vollends vor die Wand fahren.
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Großer Gott, sie haben sich ganz gar schrecklich gekracht, der Friederich und der Lars. Und der SPIEGEL, der das vom Friedrich oder vom Lars oder von einem anderen Mitbewohner der Koalitions-WG zugeflüstert bekommen hat, schrieb mit zitternder Feder, dass sie ganz doll laut geworden sind, der Friedrich und der Lars. Wo sie doch beide so sensibel sind, so ganz neuer Mann. Aber vielleicht haben sie sich auch nur um den Rest der Pizza gestritten, den der Markus übrig gelassen hatte. Oder sie haben sich den Streit nur ausgedacht, während sie den Kinderkanal oder Funk geschaut haben, damit die Leute „da draußen“, außerhalb der Villa Borsig am Tegeler See, außerhalb der Regierung denken, die ringen hart um Deutschlands Zukunft. Wobei eigentlich die Frage entsteht, wozu der Koalitionsausschuss keine 21 Kilometer vom Bundeskanzleramt Kosten verursachen und in der Villa Borsig tagen muss, anstatt im Kanzleramt oder im Bundesfinanzministerium, das Lars Klingbeil möglicherweise gern in Vizekanzleramt umbenennen möchte.
Schalten wir uns also in die nette SPIEGEL-Telenovela unter dem Titel Neues aus der WG Klingbeil Merz ein, die entweder in Gute Zeiten, Schlechte Zeiten – gute Zeiten für Politiker, schlechte Zeiten für das Volk, oder in Verbotene Liebe umbenannt werden wird.
Nachdem die Koalition in dem einen Jahr, in dem sie nun schon regiert, sich gut selbst und die Welt außerhalb Deutschlands versorgt und dabei große Schulden aufgenommen hat, trieb sie das Land in die Rezession und machte Deutschland in der Welt endgültig lächerlich. Zugleich vergrößerte sie durch die Fortsetzung der Politik der Ampel die Probleme im Land und trieb die De-Industrialisierung weiter voran. Ebenso zeigte sie sich sehr schnell darin, externe Schuldige für das Desaster, das sie intern anrichtete und durch die demokratischen Medien, die Ulbricht schon demokratische Presse nannte, verbreiten ließ, ins Land hinauszuposaunen. Nun wollte sie endlich den ganz großen Reformplan der Öffentlichkeit vorstellen. Denn die Öffentlichkeit fragt sich immer häufiger, was die Damen und Herren für das viele Geld, was sie bekommen, aber nicht verdienen, eigentlich tun.
Eigentlich sollten Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU), Finanzstaatssekretär Björn Böhning (SPD) und Innenminister Alexander Dobrindt, der alles außer Taz und Faz für links- oder rechtsaußen hält, die entsprechenden Reformpapiere vorlegen. Doch das dürfte ihnen, wie man in Berlin sagt, gründlich vorbeigelungen sein. Denn die blauen Wünsche, nicht der AfD, sondern der Christdemokratischen und der Christsozialistischen Union, und die roten Wünsche unserer Sozialdemokraten, ließen sich nicht in eine Farbe bringen. „Mal äußert SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas Bedenken, mal stellt sich Unionsfraktionschef Jens Spahn quer, mal blockiert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder“, lässt uns der SPIEGEL am wilden Leben in der WG teilhaben. Merz soll unsensibel mit dem sensiblen Genossen Klingbeil umgegangen sein, woraufhin der sensible Genosse Klingbeil unsensibel auf den Blockfreund Merz losgegangen sein soll.
Ging es um den Haushalt, den der Genosse Klingbeil nicht ohne ein weiteres Schuldenpaket hinbekommt, oder um die sogenannte Übergewinnsteuer, die auch so eine Art zweites Schuldenpaket ist. Nichts Genaues weiß man nicht, außer, dass man mehr Geld haben will. Nur woher? Wie in einem Ehekrach soll ein Wort dann das andere gegeben haben, wo doch bis jetzt zwei Herzen vereint im Dreiviertel Takte schlugen, schlug man sich jetzt um die Ohren, was der eine dem anderen schon in Unter-vier-Augen-Gesprächen zugestanden hätte, woran man sich aber nun partout nicht mehr zu erinnern vermochte.
Keineswegs ließ sich also die Frage klären, wer zuletzt die Küche gereinigt und wer zuletzt den Abfall heruntergebracht hatte.
Nachdem Merz die Contenance verloren haben soll, zogen sich Klingbeil und Merz zurück. Und Söder, der den Tankrabatt und die Lockerung des EU-Verbrennerverbots durchsetzte, gönnte sich jetzt erst einmal eine Pizza, mehr hatte er ohnehin nicht gewollt, weiß der SPIEGEL zu berichten.
Ob es Krach in der WG gab oder nicht, ist unerheblich, denn die WG kommt uns weiterhin teuer zu stehen. Denn nichts und weniger als nichts brachten die Bewohner bisher zustande. Ein bisschen Tankrabatt, 1000 Euro, die Unternehmer ihren Angestellten zahlen können oder auch nicht, wenn sie dabei nicht selbst mit zwei Beinen in der Insolvenz stehen. Die Klimaplanwirtschaft bleibt bestehen und treibt die Wirtschaft weiter in den Abgrund. Die gesetzlich Versicherten sollen weiterhin das Bürgergeld mitfinanzieren, wofür Leistungen gestrichen, also im Grunde Beiträge über die Hintertür erhöht werden und Heimbewohner noch mehr selbst zahlen sollen. Aber die Rente, wofür Menschen ein Leben lang eingezahlt haben, ist jetzt nur noch laut Merz eine Basisabsicherung, damit Menschen, die nie in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ebenfalls in den Genuss der Basisabsicherung kommen. In der WG Klingbeil Merz ist derjenige, der arbeitet der Dumme, und die deutschen Bürger nur diejenigen, denen man immer mehr ihrer „Übergewinne“ abschöpfen will.
Doch es gibt auch frohe Botschaften: Einig ist man sich darin, dass man verstärkte Anstrengungen unternehmen wird bei „der Schaffung bezahlbaren sozialen Wohnraums“ – allerdings in der Ukraine, wie man in der Pressemitteilung Nummer 72/26 vom 14. April 2026: „Erklärung über eine strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und der Ukraine“ nachlesen kann.
Es mag einen veritablen Krach in der Koalition gegeben haben, möglicherweise im „Nukleus“, wie die SPIEGEL-Autoren ihre Lateinkenntnisse doch ein wenig überfordern, denn: „Der »Nukleus« der Regierung sei das Verhältnis zwischen Merz und Klingbeil, sagt ein Verhandler. Und der Nukleus habe gelitten.“
Gelitten oder nicht, die Koalition wird weiter zusammenhalten und weiter entweder nichts oder das Falsche tun und mit Deutschland wird es verschuldet vom „Nukleus“ der Regierung weiter bergab gehen. Auseinanderrennen werden sie nicht, denn die 13 % Partei SPD besitzt keine Machtoption und die CDU und CSU auch nicht, weil sie als linke Parteien sich den Weg in die Mitte verbaut haben. Mit Merz wird keine Politik für Deutschland möglich sein, er besitzt weder einen Kompass, noch eine Autorität bei den Bürgern, weil er das erste nicht besitzt, hat er das zweite verspielt. SPDCDUCSU bleiben beieinander, weil sie nicht anders können, als beieinander zu bleiben, das macht die Kräche erbittert, weil Trennung keine Alternative ist. Die SPD ist nur noch ein Apparat ohne Partei. Und die Union? Eine Mogelpackung, der Händler der vier Jahreszeiten, von dem man nichts mehr kaufen will.
Es gäbe nur eine denkbare Option für die SPD, die Koalition zu verlassen, wenn die AfD verboten und die Presse- und Meinungsfreiheit aufgehoben wird. Dann würde über Judikative und Exekutive eine linke Mehrheit hergestellt. Das wäre der Weg in die kommunistische Diktatur al la 2026. Für die Union würde das das Ende bedeuten. Ich bin mir nicht sicher, ob man das in der Union weiß. Doch auch der Verbleib in der Koalition wird die Union in Auflösung bringen. Sie besitzt nur eine Option, die einer Minderheitsregierung. Dafür bedarf es allerdings eines Kanzlers für Deutschland.
Wie lange regieren SPD und Union nun schon zusammen? So lange zumindest, dass sie längst nicht mehr Große Koalition heißen, wie früher. Union und SPD erinnern an ein altes Ehepaar, das sich nicht mehr sehen und ausstehen kann und dass nur aus wirtschaftlichen Gründen sich nicht trennt.

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