Trump zieht unmissverständliche Trennlinie zu Ex-Unterstützern Carlson und Owens

Im Streit über Iran und Israel geht Donald Trump öffentlich auf Distanz zu Tucker Carlson und Candace Owens. Dieser Schnitt ist überfällig. Denn hinter dem Bruch steht mehr als ein persönlicher Konflikt: Im konservativen Lager wächst das Misstrauen gegen eine auffällige außenpolitische Verschiebung früherer MAGA-Figuren.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Daniel Torok/White House

Was sich derzeit im Umfeld Donald Trumps und nun bei ihm selbst entlädt, ist kein gewöhnlicher Streit unter Ehemaligen. Hier zerbricht ein Teil jenes publizistischen Vorfelds, das Trump über Jahre getragen, verteidigt und verstärkt hat. Aus früheren Verbündeten sind nun offene Gegner geworden. Auslöser ist die Auseinandersetzung über Iran und Israel. Trump hat darauf mit einer öffentlichen Abrechnung reagiert, die in ihrer Härte vor allem seit den antisemitschen Einlassungen dieser Akteure eines zeigt: Dieser Bruch war längst überfällig.

Tucker Carlson und Candace Owens greifen Trumps Linie im Nahen Osten nunmehr offen an. Trump wiederum macht klar, dass für ihn in dieser Frage eine Grenze erreicht ist. Wer seine Haltung zu Israel und zum iranischen Regime frontal attackiert, steht aus seiner Sicht nicht mehr im eigenen Lager, sondern außerhalb davon. Genau deshalb ist seine Reaktion politisch weit bedeutender als der übliche Schlagabtausch unter Meinungsmachern.

Denn dahinter liegt ein tieferer Konflikt, der seit dem 7. Oktober 2023 und in den letzten Monaten immer deutlicher sichtbar wird. Teile des konservativen Medienmilieus haben sich in sehr auffälliger Weise von ihrer früheren Haltung entfernt. Aus klarer Solidarität mit Israel wurde erst Distanz, dann Schärfe, dann eine Rhetorik, die nicht mehr nur israelkritisch wirkt, sondern zunehmend den Ton und die Denkmuster eines Milieus übernimmt, das Israels Gegner schont und Israel selbst zum Hauptproblem erklärt und mittlerweile in offenem Antisemitismus eskaliert.

Genau das hat Tucker Carlson und Candace Owens inzwischen selbst in den Mittelpunkt scharfer Kritik gerückt. Und zwar nicht bloß bei liberalen Gegnern, sondern gerade im konservativen Lager. Dort wächst seit geraumer Zeit das Misstrauen gegen beide. Kritiker sehen bei ihnen keine normale außenpolitische Neuakzentuierung mehr, sondern eine sehr auffallende Verschiebung, die immer verlässlicher dort landet, wo sie den Interessen Katars, Irans oder ihrer publizistischen Vorfeldstrukturen nützt.

Das ist der entscheidende Punkt. Es geht nicht bloß um eine andere Meinung. Es geht um die Frage, warum aus ehemals zentralen Stimmen eines konservativen Lagers plötzlich Akteure werden, die mit bemerkenswerter Regelmäßigkeit gegen Israel arbeiten und dabei zugleich eine erstaunliche Milde gegenüber dessen erklärten Feinden erkennen lassen, die seit Jahrzehnten für weltweiten islamistischen Terror mitverantwortlich oder komplett verantwortlich zeichnen. Diese sehr augenscheinliche Veränderung dieser Entwicklung nährt und unterstützt den offenen Verdacht, dass hier mehr im Spiel sein könnte als bloße persönliche Überzeugung. Es werden konkret finanzielle Einflussnahme aus Katar oder aus dem Umfeld der Iran-Achse angeführt. Der konkrete Vorwurf steht im Raum, das Misstrauen ist real, die sehr auffällige politische Verschiebung ist sichtbar. Ein belastbarer Nachweis für konkrete Zahlungen oder direkte Steuerung ist damit noch nicht erbracht. Aber dass solche Fragen mittlerweile offen gestellt werden, zeigt, wie weit Carlson und Owens sich von ihrer früheren Rolle entfernt haben.

Politisch ist der Schaden ohnehin längst da. Denn die amerikanische Rechte lebte über Jahre auch von einer klaren strategischen Gewissheit: Israel ist Verbündeter, das iranische Regime ist der Feind. Und dafür gibt es Gründe, die weder neu noch missverständlich sind. Dieses Regime steht nicht erst seit gestern für antiwestliche Aggression, sondern seit seiner Frühphase. Am 4. November 1979 wurde die amerikanische Botschaft in Teheran gestürmt, amerikanische Diplomaten und Mitarbeiter wurden als Geiseln verschleppt, und die Krise zog sich 444 Tage hin. Das war ein Gründungszeichen der Islamischen Republik: Demütigung der Vereinigten Staaten, Verachtung diplomatischer Regeln, Hass auf den Westen als Staatsprinzip.

Wer heute so tut, als sei ausgerechnet dieses Regime, das seine eigenen aufbegehrenden Bürger zu Zehntausenden massakriert und weiterhin exekutiert oder sein strategisches Umfeld ein missverstandener Gegenpol zu Israel, verdreht nicht bloß die aktuelle Lage, sondern löscht auch die Erinnerung aus.

Genau darin liegt die komplette Verwahrlosung dieser neuen Linie von Carlson, Owens und Co.: Sie behandelt den verlässlichsten Verbündeten der Vereinigten Staaten im Nahen Osten mit wachsender Feindseligkeit, während sie gegenüber einem feindlich eingestellten Massernmörder-Regime plötzlich Nachsicht übt, das seine Feindschaft zum Westen nie verborgen hat.

Genau dieses Fundament wird von Carlson, Owens und Jones inzwischen systematisch untergraben. Nicht beiläufig, nicht punktuell, sondern mit wachsender Regelmäßigkeit und in einem Ton, der immer weniger nach konservativer Skepsis und immer mehr nach ideologischer Verbitterung gegenüber Amerika selbst klingt.

Vor diesem Hintergrund wirkt Trumps Abrechnung geradezu verspätet. Er ist in dieser Frage klar verortet, eindeutig proisraelisch und ohne jeden Zweifel davon überzeugt, dass Iran als Bedrohung behandelt werden muss. Dass er sich von Stimmen trennt, die sich immer weiter in eine antiisraelische Richtung bewegt haben, ist daher keine Laune, sondern politische Selbstbehauptung. Er zieht eine Linie, die längst hätte gezogen werden müssen.

Hinzu kommt, dass Carlson und Owens ihre neue Rolle noch immer mit dem alten Gestus des mutigen Tabubrechers verkaufen wollen. Aber der Anspruch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, verliert seinen Glanz sehr schnell, wenn er regelmäßig dort endet, wo antiwestliche Interessen, israelfeindliche Erzählungen und autoritäre Regime den größten Nutzen daraus ziehen. Dann ist das keine furchtlose Unabhängigkeit mehr. Dann wird aus angeblicher Dissidenz politische Schieflage.

Trump beantwortet diese Entwicklung nun mit offener Härte und in seiner bei einem solchen wohl auch etwas emotionalen Anlass in einer über das Ziel hinausschießenden Audsrucksweise. Das ist mehr als persönliche Verärgerung. Es ist ein deutliches Signal an das eigene Lager, dass nicht jede Radikalisierung unter konservativem Etikett geduldet wird. Wer sich unter dem Dach der Rechten bewegt, dabei aber immer verlässlicher gegen Israel argumentiert und damit objektiv den Gegnern des Westens in die Hände spielt, kann nicht ewig so tun, als sei jede Kritik daran bloß ein Angriff auf die Meinungsfreiheit.

Der Bruch verläuft damit nicht zwischen Trump und seinen üblichen Gegnern, sondern mitten durch sein früheres Umfeld. Hier trennt sich nicht bloß alter Einfluss von neuem Einfluss. Hier wird sichtbar, wie Teile eines einst schlagkräftigen politischen Vorfelds in eine Richtung abgedriftet sind, die mit konservativer Verantwortung immer weniger zu tun hat und mit Ressentiment, Eitelkeit und geopolitischer Blindheit immer mehr.

Trumps öffentliche Abrechnung kommt deshalb nicht aus heiterem Himmel. Sie markiert die Grenze zu einem Teil des früheren eigenen Umfelds, das sich außenpolitisch in eine Richtung bewegt hat, die mit der alten strategischen Grundlinie der amerikanischen Rechten kaum noch vereinbar ist. Wer Israel immer schärfer attackiert und zugleich gegenüber dem iranischen Machtblock auffallend schonend argumentiert, stellt sich zwangsläufig außerhalb dieses Kerns. Seine Antwort darauf ist etwas spät, aber richtig.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 9 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

9 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Rosalinde
2 Stunden her

Trump hat es halt mit Andersdenkenden nicht so.

Haba Orwell
2 Stunden her

> Im konservativen Lager wächst das Misstrauen gegen eine auffällige außenpolitische Verschiebung früherer MAGA-Figuren.

Gemeint ist Trump, der Frieden versprochen hat und Kriege startet?

Montesquieu
2 Stunden her

Die Frage ist, wer sich von wem verabschiedet. Tucker Carlson vertritt Meinungen, die auch unter vielen eingefleischten Trumpwählern mehrheitlich geteilt werden. Außer dem parteiübergreifenden zionistisch evangelikalen Lager sowie den eingeschworenen MAGA-Jüngern, die Trump weiterhin tapfer als ihren Retter phantasieren, wächst der Unmut über die dominant an die Interessen Israels ausgerichtete US-Außenpolitik in den USA Lager übergreifend. Generell wird der Einfluß milliardenschwerer zionistischer Lobbygruppen und Einzelpersonen (ohne die Trump nie Präsident geworden wäre) zunehmend, auch offen, problematisiert. Trump hat sich in den Augen vieler vor den Karren der konservativ zionistischen Kreise um Netanyahu spannen lassen, in dem er als US-Präsident den… Mehr

Last edited 2 Stunden her by Montesquieu
EinBuerger
2 Stunden her

Wenn ich es aus US-Interessenpolitik sehe. Ohne jede „Moral“. Dann ist es vernünftig, dass Trump Kanada und Grönland haben möchte und Kontrolle über andere Staaten des amerikanischen Doppelkontinents. Denn das ist ihr direktes Umfeld. Das Nächste wäre Kontrolle über den Atlantik und Pazifik als Meere vor der eigenen Haustür. Und noch den Indischen Ozean, um freie Fahrt auf den Meeren zu haben. Schließlich wäre es noch gut, Kontrolle über die gegenüberliegenden Küsten zu haben. Also Westeuropa und Ostasien. Die Ukraine und Afghanistan z.B. gehören nicht zu den zentralen Interessensgebieten der USA. Eine Kontrolle des Nahen Ostens wäre aus US-Sicht wünschenswert,… Mehr

Raul Gutmann
2 Stunden her

Die Ausführungen der überaus geschätzten Frau Taxidis scheinen konsistent und zutreffend.
Doch was ist, wenn die besagten Kritiker der Politik des amerikanischen Präsidenten, auch und besonders weil sie eine Generation jünger als dieser sind, die bedingungslose Unterstützung Israels nicht mehr sakrosankt über die Interessen der USA stellen?
Bereits in der Vergangenheit sprachen US-Präsidenten gegenüber Israel ein „Machtwort“ zugunsten des regionalen wie internationalen Ausgleichs.
Der gegenwärtige Beraterkreis Donald Trumps zieht nicht nur in puncto Ukraine Kritik auf sich.

Hieronymus Bosch
2 Stunden her

Auch die Menschen in den USA begreifen, dass Trump mit seinem Krieg im Iran völlig gegen die Wand gefahren ist! Er hat keinerlei Strategie, sondern trifft nur nur kurzfristige operative Entscheidungen, er versteht nichts von asymmetrischer Kriegsführung – und genau darum geht es! Mit irgendwelchen „Deals“ ist den Mullahs nicht beizukommen, die auf eine Zermürbungstaktik setzen, die heimische Bevölkerung als Schutzschilde verwende und ihre Nachbarstaaten an empfindlicher Stelle angreifen! Es gibt im Iran keinerlei ernstzunehmende politische Opposition, keine Parteien, keine allgemeinen und freien Wahlen und keinerlei antimuslimische Führer! Die Revolutionsgarden unterdrücken gewaltsam jeglichen Widerstand, sind militärisch weiterhin gut aufgestellt und… Mehr

Lucius de Geer
2 Stunden her

Zitat: „die komplette Verwahrlosung dieser neuen Linie von Carlson“ – Nein, Carlson ist völlig konsistent, weil er strikt an der Auffassung festhält, dass die USA außenpolitisch nur Dinge tun sollte, die den Bürgern der Vereinigten Staaten zuträglich sind. Er stellt zurecht die Frage, was der Angriff auf den Iran an der Seite Israels, der bislang keines der erklärten Ziele erreicht hat (Regimewechsel, Neutralisierung des Militärs, Beschlagnahmung angereicherten Urans) den USA für Vorteile gebracht hat. Niemand kann sagen, wofür über 40 Mrd. Steuergelder der US-Bürger verpulvert wurden und tausende Menschen ihr Leben gelassen haben. Der Iran hat immer noch die volle… Mehr

Soistes
2 Stunden her

Ich denke, die Distanz einiger früherer Unterstützer Trumps hat nichts mit einer Ablehnung Israels und einem Verständnis für die Feinde Israels in der Region zu tun. Trump wurde vom Isolationstischem Lager in den USA unterstützt weil diese glaubten, er wäre einer der ihren. Diese schon seit dem ersten Weltkrieg existierende politische Fraktion des US Establishments lehnt jedes Engagement der USA außerhalb des amerikanischen Doppelkontinents grundsätzlich ab und ist ein entschiedener Gegner der Rolle der USA als Weltpolizist.

Biskaborn
2 Stunden her

Natürlich kenne ich die amerikanischen Verhältnisse ungenügend, könnte mir aber gut vorstellen, das die amerikanische Linke, mit viel Geld aus dem Iran oder von Protagonisten wie Soros gesponsert, sich leichtgläubige Menschen kauft und so ein Bollwerk gegen Trump installiert. Er isr die Hassfigur der Linken, gegen ihn wird sicher auch mit ganz viel Geld intrigiert! Da können die in Rede stehenden Figuren schon mal schwach werden und die Fronten wechseln. Gegen solche Machtspiele sind die Konservativen weltweit offenbar machtlos!