Das rotgrüne niedersächsische Kultusministerium ist auf dem Weg, gemeinsam mit den Kirchen für die Klassen 5-10 die bisherigen Fächer Evangelische und Katholische Religion durch das Fach „Christliche Religion nach evangelischen und katholischen Grundsätzen“ zu ersetzen. Bei einem Blick auf den „Kernlehrplan“ wird deutlich, dass das neue Fach eigentlich 'Christlich angehauchter Zivilreligionsunterricht nach rotgrünen Grundsätzen' heißen müsste.
Der Religionsunterricht in Deutschland ist das einzige Schulfach, das im Grundgesetz den Bürgern zugesichert ist (vgl. GG Art 7.3). Das liegt historisch daran, dass im Zuge der Novemberrevolution 1918 linksradikale Kräfte um USPD/SPD den Religionsunterricht abschaffen wollten. Dies stieß auf unerwartet großen und erbitterten bürgerlichen Protest. Dieser war so erfolgreich, dass es der konfessionelle Religionsunterricht gegen alle linken Umtriebe in die Verfassung schaffte.
Allerdings ist heute oft nur noch eine kleine Minderheit der Schüler evangelisch, katholisch oder überhaupt christlich-religiös motiviert. Eine Zusammenlegung dieser Splittergruppen zu einem einheitlichen Relgionsunterricht ist bereits aus organisatorischen Gründen notwendig. Hinzu kommt die Erfahrung, dass die Trennlinien zwischen den Christen heute weniger durch die Konfession bestimmt sind. Es gibt viele katholische Priester, denen ich als evangelischer Pfarrer spirituell und ethisch näher stehe als meinen evangelischen Kollegen. Umgekehrt sind viele evangelische links-illiberale Christen mit links-illiberalen Katholiken stärker verbunden als mit ihren eigenen liberal-konservativen Glaubensgenossen.
Ein gemeinsamer „Christlicher Religionsunterricht“ macht also durchaus Sinn. Dabei ist entscheidend, auf welchen verbindlichen normativen Aussagen (= „Dogmen“) dieser neue Religionsunterricht aufgebaut ist. Und da lässt sich das niedersächsische Kultusministerium mit den beteiligten Kirchen nicht lumpen: Die Agenda des neuen Religionsunterrichts basiert auf einer stramm rot-grünen Dogmatik.
„Der Ausgangspunkt religiöser Bildung“ sei nicht das Wort Gottes oder eine kirchliche Tradititon, sondern der Schüler mit seinen Problemen, Fragen und Sehnsüchten. „Diese Subjektorientierung geht immer vom Individuum aus, das in der christlichen Tradition als Gottes Ebenbild und Geschöpf verstanden wird“ (Seite 6).
Es fällt auf, dass dieses Menschenbild einseitig positiv ist. Für die Bibel ist beim Menschenbild jedoch ebenso zentral, dass der Mensch und diese Welt von einem Riss gezeichnet sind, der bis in die kleinsten Bereiche des Lebens unheilsam hineinspielen kann. Selbst die Religiosität eines Menschen kann durch diesen tragischen Riss pervertiert sein. Dieser Riss wird traditionell als Sünde bezeichnet. Ohne die biblische Lehre von der Sünde ist das „christliche Menschenbild“, auf dem der „Christliche Religionsunterricht“ aufbaut, unchristlich.
Wer diese Welt und die Menschen allzu sündlos und rosarot betrachtet, der braucht wenig Erlösung und Gnade. „Gnade“ kommt im ganzen Entwurf nur einmal vor. Und „Barmherzigkeit“ wird innerhalb der Moral abgehandelt: „Werke der Barmherzigkeit“ als „verbindendes Element vieler Religionen“ (Seite 40f). Bei Martin Luther dagegen war die Gnade und die Barmherzigkeit in Christus der einzigartige Dreh- und Angelpunkt der christlichen Gottesbeziehung und Identität.
Wer diese Welt und die Menschen allzu sündlos und rosarot betrachtet, der kann unkritisch andere Religionen hochjubeln. „Der Blick weitet sich auf die Geschwisterreligionen Judentum und Islam sowie auf andere Religionen und nicht-religiöse Weltanschauungen“ (Seite 9). Wie kann der Islam eine Geschwisterreligion des christlichen Glaubens sein? Die Christen heißen Christen, weil sie Jesus Christus als „wahren Menschen und wahren Gott“ bekennen. Dagegen polemisiert Mohammed im Koran und bastelt aus „Isa“ (= Jesus) einen Propheten und damit einen geklonten Vorläufer seiner eigenen Überzeugungen. Wenn der Islam die Geschwisterreligion des Christentums ist, dann ist die AfD die Geschwisterpartei der GRÜNEN.
Wer diese Welt und die Menschen allzu sündlos und rosarot betrachtet. der kann sogar undifferenziert von der „Gleichheit aller Menschen“ sprechen (Seite 32). Diese sozialistische Redewendung geht weit über die „Gleichheit vor Gott“ oder „Gleichheit vor dem Gesetz“ hinaus. Der „Christliche Religionsunterricht“ riecht hier nach Plattenbau und Bundesjugendspielen, in der jeder Teilnehmer die gleiche Siegerurkunde bekommt.
Und wer diese Welt und die Menschen allzu sündlos und rosarot betrachtet, der weiß herrlich einseitig, was christliche Moral ist und was den Schülern beizubringen ist:
- „Einsatz für Vielfalt (z. B. Queerness, Kirche ohne Angst)“
- Eintreten für (globale) Verteilungsgerechtigkeit
- Pazifismus und „gerechter Frieden“; „Schwerter zu Pflugscharen: Leitbild in Bibel und Tradition“
- Nachhaltigkeit gegen die Klimakrise und Bewahrung der Schöpfung
- Konsumkritik
- Eintreten gegen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (z. B. Antisemitismus, antimuslimischer Rassismus)“ (Seite 43).
Die „Vielfalt“ scheint im einfältigen Erlernen rotgrüner Standardmoral zu bestehen, so dass die gruppenbezogene Menschenfeindlich gegen Ungeimpfte und AfD-Sympathisanten nicht in das Konzept passt.
Die Kirchen haben den „Christlichen Religionsunterricht“ gemeinsam mit dem Staat zu verantworten. Herausgekommen ist in staatskirchlicher Harmonie genau das, was man beim gegenwärtigen Zustand der Kirchen und der Staates erwarten konnte: Ein Religionsunterricht zur Indoktrinierung unserer Kinder und Enkel für das, was in „unsererDemokratie“ gerade angesagt ist.
Der niedersächsische „Christliche Religionsunterricht“ ist das Geschöpf und das Ebenbild des rot-grünen Gesinnnungsstaates.


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