So, aus Leninschem Geist, wächst, von Stalin geschweißt, die Partei, die Partei, die Partei

SED-Sprech, Klassenkampf, Enteignung: Auf ihrem Parteitag zeigt die Linke, wie wenig sie mit Demokratie und wie viel sie mit ihrer kommunistischen Vergangenheit verbindet.

IMAGO / Chris Emil Janßen

In Potsdam traf sich die Partei, die sich die Linke nennt, in Wahrheit aber rechtsidentisch mit der SED ist, was sie dadurch sprachlich deutlich machte, dass sie ihren Parteitag im SED-Deutsch oder KPdSU-Übersetzung „1. Tagung des 10. Parteitages“ nannte. Darauf ein Hoch auf den Genossen Stalin.

Als Parteivorsitzende wurden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano gewählt – und zu recht, denn beide spiegeln den undemokratischen Geist der Partei perfekt wider. Der neue Parteivorsitzende Luigi Pantisano sorgte auch gleich für Klarheit, dass wieder das Stalinsche Freund-Feind-Schema Geltung zu genießen habe. Wurden zum Ende der Weimarer Republik auf Stalins Geheiß die Sozialdemokraten als Sozialfaschisten diffamiert, als die politischen Zwillingsbrüder der Faschisten, so stellte Luigi Pantisano im Geiste Stalins dann klar: „Letztlich gibt es gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Wer sind jetzt „eigentlich die Faschisten“ selbst? Die Linken?

Den armen Linken in Sachsen-Anhalt gehört jedes erdenkliche Mitleid, denn sie müssen mit Sven Schulze mit einem Mann zusammenarbeiten und ihn vielleicht auch noch zum Ministerpräsidenten wählen, der eine „faschistische Politik macht“, da er ja von der CDU ist. Pantisanos Diktum verhagelt natürlich den Spitzenkandidaten der Linken in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Stimmung, denn zumindest in Sachsen-Anhalt passt zwischen CDU und Linke kein Unvereinbarkeitsbeschluss mehr. Und eine gute Blockfreundschaft hält doch so einen kleinen Spott aus, zumal die CDU jede Beschimpfung schluckt, wenn sie von den Leuten innerhalb der Brandmauer kommt.

Selbst wenn die Linken, Nachfolger von SED und damit auch KPD, in bester Komintern-Tradition glauben, dass die CDU „faschistische Politik macht“, dass kein Unterschied „zwischen der CDU, der AfD oder den Faschisten selbst“ bestünde, gäbe es keinen Grund dafür, nicht trotzdem zusammen zu arbeiten, schließlich dichtete der Genosse Becher 1939 auch schon einmal, dass sich ein freundschaftliches Band von Akelei wand vom Kreml bis zur Reichskanzlei.

Wichtiger noch, dass die Linke in einem Antrag gestern beschloss: „Internationale Organisationen, Menschenrechtsorganisationen und zahlreiche Völkerrechtler*innen sprechen von einem Völkermord an den Palästinenser*innen in Gaza. Wir schließen uns dieser Einschätzung an.“ Damit nennt die Linke das Vorgehen der Israelis nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 einen Genozid, einen Völkermord. Ist das noch Islamo-Gauchisme oder schon Antisemitismus? Zwar wird halbherzig das Existenzrecht Israels anerkannt, schließlich will man offiziell keine antisemitische Partei sein, doch das Palästinenser-Tuch hat längst die rote Fahne abgelöst. Denn sehr, sehr wichtig ist den Linken: „Ebenso stehen wir zum Existenzrecht Palästinas und für gleiche Rechte aller Menschen in Palästina.“

Damit befindet sich die Linke wiederum fest in der Tradition der SED. In ihrem Lagebericht vom 10. Mai 1976 der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit Potsdam berichtete die Stasi über den eigensinnigen Kommunisten Walter Janka, der einmal Chef des Aufbau Verlages war und zur Verhinderung der Entstalinisierung in der DDR 1956 verhaftet, 1957 in einem Schauprozess durch die politische SED-Justiz zu zehn Jahre Zuchthaus verurteilt und auf Grund internationaler Proteste vorzeitig 1960 aus der Haft entlassen, dennoch weiter von der Stasi bespitzelt wurde, dass er, laut Spitzelbericht, zu einer Sendung im „Westfernsehen“ über jüdische Schauspieler geäußert habe: „Er verstehe nicht, dass solche Sendungen im Westen gemacht werden und nicht bei uns. Es sei auch unverständlich, sagte Janka über die Politik der SED, dass bei uns eine solche Kampagne gegen die Juden und gegen Israel geführt würde, obwohl wir wissen, welches Leid dieses Volk über Jahrtausende erlitten habe … Wir würden jetzt eine ganz primitive Araberpolitik betreiben.“ So Janka 1976 über die SED.

Allerdings, in einem unterscheidet sich die Linke wirklich und substanziell von der SED, sie kann aus Mangel an Arbeitern nicht den Anspruch erheben, eine Arbeiterpartei zu sein. Die Linke ist die radikale Spielwiese von gutabgesicherten Bürgertöchterchen und Bürgersöhnchen, die die Welt zu ihrem Kinderzimmer erklärt haben und ein bisschen Revolution spielen, weil es halt geil ist – und man mit ein paar Phrasen, ohne einen einzigen Gedanken fassen zu müssen, vorwärtskommt. Phrasen reichen. Wem die Grünen zu spießig sind, der geht zu den Linken. Voraussetzung ist lediglich ein möglichst großes Missverhältnis zwischen Bildung und Selbstbewusstsein.

Die Linke-Vorsitzende Schwerdtner, die immer spricht, als leite sie gerade ein FDJ-Studienjahr in Heteborn, hielt dann auch nicht mit ihrem großen Traum hinterm Berg: „Als Linke haben wir beschlossen, eine organisierende Klassenpartei zu sein. Diesen Weg wollen wir fortsetzen und auf eine neue Ebene heben.“ Sprachlich allerliebst fügte sie hinzu: „Bis 2029 wollen wir 200.000 Mitglieder sein.“ Stellt sich nur die Frage, welche Klasse sie meint. Die Klasse der NGO-Mitarbeiter oder die Klasse der Schwatz-und-Quatsch-Studierenden? Gut marxistisch gefragt: welche Klasse, Genossin Schwerdtner? Was übrigens, wenn kein Klassenkampf stattfindet. Klar, dann geht es um Diskriminierung als Antidiskriminierung, um die Herrschaft der Minderheit über die Mehrheit.

Die Spitzenkandidatin der Linken für die Wahl in Berlin, die mit den Grünen zusammen hinter der CDU und der AfD drittstärkste Partei ist und durchaus Regierende Bürgermeisterin werden könnte, Elif Eralp, hat auf dem Parteitag schon mal klargestellt, dass sie die Immobilien-Konzerne enteignen will. Da wird wohl niemand mehr in Berlin investieren wollen.

Einen der lustigsten Beiträge kam bis jetzt von einer aus Oldenburg stammenden Delegierten namens Clara Bünger, die allen Ernstes behauptete. „Wer die Politik der AfD macht, macht sie gesellschaftsfähig, stärkt sie und betreibt den autoritären Umbau mit.“ Dazu braucht wirklich niemand die AfD. Das schaffen Linke, Grüne und SPD mit Unterstützung der Union ganz allein.

War es nicht der Sozialdemokrat Kurt Schumacher, der die Kommunisten einmal als „rotlackierte Faschisten“ bezeichnete? Aber es gibt ja keine Sozialdemokraten mehr in der SPD.

Und vielleicht wirft die Juristin Bünger mal einen Blick in ihre Parteigeschichte, in die Waldheim-Prozesse, den Conti-Prozess, die Durchsetzung der demokratischen Gesetzlichkeit durch Ulbricht, vielleicht liest sie einmal die Gerichtsreden des Genossen Wyschinski oder die Reden und Plädoyers der Genossen Melsheimer und Hilde Benjamin? Die Linke kann von vielen sprechen, doch wenn sie von Diktatur, Autoritarismus und Faschismus redet, dann bitte nur in der Form der Selbstkritik.

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Kommentare ( 70 )

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CasusKnaxus
27 Tage her

Die Schauprozesse sind doch hier schon voll im Gange…

Edwin Rosenstiel
27 Tage her

Der Typ auf dem Artikelbild sieht aus wie Mr. Monk mit schlechten Zähnen. Wußte gar nicht, daß der bei der LINKEN mitmacht.
Passt aber, alle zusammen Zwangscharaktere mit diversen Fixierungen.

STRichter
27 Tage her

Da erinnert ein bisschen an die Geschichte „Der ewige Adam“ von Jules Verne. Die jungen Leute fallen regelmässig immer wieder auf diese Gestalten herein und wissen nicht oder wollen nicht wissen, dass exakt diese Ideen, unter unendlichen Opfern, bereits mehrfach gescheitert sind und immer wieder scheitern müssen. Die Tragik ist, es sind unsere Kinder. Wir wollen und dürfen sie nicht ins Unglück rennen lassen, und wir selbst sind auch noch da und wollen noch ein bisschen auf dieser Erde wandeln, ohne diesen Dreck ein zweites Mal durchzumachen.

na sowas
27 Tage her

Von welchem Gruselkabinett kommt der her?

Biskaborn
27 Tage her

Jetzt sind die Linken vollends durchgeknallt, trotzdem wollen 11% diese Knalltüten wählen, man fasst das nicht!

giesemann
27 Tage her
Antworten an  Biskaborn

Na ja, die SPD hat auch nicht mehr.

Der-Michel
27 Tage her

Bei den Reichbürger war die Aussage doch immer: „Wer den Staat ablehnt, der kann nicht von diesem Staat bezahlt werden“. Wobei die ja nicht den Staat sondern nur die aktuelle Regierung abehnen. Wieso bekommen dann die Linken noch Geld und Alimentation von diesem Staat? Die lehnen sowohl die Regierung wie auch den Staat, Deutschland, komplett ab. Wann hängt man denen den Brotkorb höher?

Ingolf
27 Tage her

Es gibt im Land eine Korrelation zwischen Analphabetismus und der Zustimmung zu Linken. Die Zahl der Analphabeten nimmt zu, die dumme Herde der Linken ebenso.

Der Michel
27 Tage her

Vermutlich gibt’s dafür jede Menge negative Bewertungen – dennoch: Mir scheint Herr Mai etwas kurz zu springen, wenn er aus der Verurteilung des Vorgehens Israels im Gazastreifen ableitet, die Linke würde die Verbrechen der Hamas am 7.10.23 (ff) rechtfertigen oder für gut heißen. Vielleicht tut sie das ja – ich weiß es nicht, und ehrlich gesagt ist’s mir auch egal, was diese Spinner für gut heißen. Mein Punkt ist ein anderer: Das Vorgehen einer (Kriegs-)Partei zu verurteilen heißt doch nicht automatisch, sich auf die Gegenseite zu schlagen. Auch im UA-Krieg ist das zu beobachten: Sobald man die UA für eine… Mehr

STRichter
27 Tage her
Antworten an  Der Michel

Gerade diese manichäische Haltung „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ ist bei den Linken ausgeprägt, wenn es um den traditionellen linken Antisemitismus geht.

Last edited 27 Tage her by STRichter
LiKoDe
27 Tage her

Parteien sind eigenständige Rechtsträger und damit als Organisationsform (e.V.) beständig. Ob nun die heutige Partei Die Linke eine inhaltliche Fortsetzung der KPD, SED … ist, müsste man untersuchen. Guckt man sich indes so einige bekanntere Personen der Partei Die Linke an, mag man das schwer bezweifeln. Die mitgliedermässig stark vergrösserte Partei Die Linke scheint eher ein Sammelsurium vieler verschiedener Weltsichten zu sein. Für wohlversorgte verbalradikale Linkssektierer sowie hypermoralische Selbstgerechte in der heutigen Partei Die Linke trifft wohl der beissende Spott des Anarchisten Erich Mühsam zu: War einmal ein Revoluzzer, Im Zivilstand Lampenputzer; Ging im Revoluzzerschritt Mit den Revoluzzern mit. Und er… Mehr

humerd
27 Tage her

Die Linke hat in den vergangenen Monaten einen historischen Mitgliederzuwachs erlebt und ihre Zahl auf über 126.000 Mitglieder mehr als verdoppelt. Das Durchschnittsalter sank durch den massiven Zulauf jüngerer Menschen deutlich von ca. 45 auf etwa 38,6 Jahre.
Die Linke ist gerade bei Jung- und Erstwählern beliebt.
Ich gönne den jungen Leuten die Zukunft, die sie sich gerade bauen.

Der Michel
27 Tage her
Antworten an  humerd

Den Jungwählern, die so verblendet sind, die Linke zu wählen, mag man die dadurch verbaute Zukunft „gönnen“ (wobei gerade junge Menschen nur allzu leicht beeinflussbar sind – wenn ich an meine frühen Zwanziger zurückdenke, dann hatte ich auch alles Mögliche im Kopf, aber Politik beschäftigte mich nur am Rande, und alleine deswegen war ich leicht beeinflussbar, da eben nicht informiert). Aber eine Mehrzahl auch der jungen Wähler sind eben *nicht* links oder grün orientiert – und für die gilt das Motto „mitgefangen, mitgehangen“. Die jedenfalls tun mir leid.

GermanMichel
27 Tage her
Antworten an  humerd

Grundsätzlich gilt aber: wer hat uns verraten? Sozial- und Christdemokraten!

Insofern bleibt den Jungen ja nur der linke und rechte Rand, denn eine Zukunft haben sie ja jetzt schon nicht mehr.