Linnemann: SPD-Entwurf zur Arbeitszeitflexibiliserung keine Grundlage für die weitere Koalitionsarbeit

Der Entwurf trägt die mittelstandsfeindliche Handschrift von Gewerkschaften und SPD. Mit Flexibilisierung hat er jedenfalls nicht viel zu tun, es ist eher ein„Bürokratieturbo“ bei der Arbeitszeiterfassung. CDU-Generalsekretär Linnemann sieht darin einen Bruch des Koalitionsvertrags. SPD und Union verbindet nur noch der Streit.

picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler

Inzwischen ist auch Carsten Linnemann – ärgerlich, als ob er ein Tischtennis-Turnier unterbrechen musste – der Meinung, dass Bärbel Bas’ Entwurf zur Arbeitszeitflexibilisierung weder der Koalitionsvereinbarung entspricht noch eine „Grundlage für die weitere Arbeit der Koalition hierzu sein“ kann. Dass einige daraus machen wollen, dass der glücklose Generalsekretär der CDU die Koalition in Frage stellt, geht dann aber doch zu weit. Die Brandmauer-CDU verlässt die Koalition nicht, eher verschließt man sich nicht länger der Einsicht, dass die Deutschen und nicht die Türken das deutsche Wirtschaftswunder ermöglichten.

Bisher waren 8 Arbeitsstunden am Tag und 48 in der Woche als Höchstarbeitszeit festgeschrieben. Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart:

„Die Arbeitswelt ist im Wandel. Beschäftigte und Unternehmen wünschen sich mehr Flexibilität. Deshalb wollen wir im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen – auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf … Wir werden die Pflicht zur elektronischen Erfassung von Arbeitszeiten unbürokratisch regeln und dabei für kleine und mittlere Unternehmen angemessene Übergangsregeln vorsehen. Die Vertrauensarbeitszeit bleibt ohne Zeiterfassung im Einklang mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie möglich.“

Im Referentenentwurf aus dem Bas-Ministerium wird die Möglichkeit einer wöchentlichen anstelle einer täglichen Höchstarbeitszeit nun auf Betriebe mit Tarifvertrag begrenzt. Außerdem sollen dort besondere Regeln für den „Gesundheitsschutz“ getroffen werden und es würde ein strenges staatliches System der Kontrolle der Arbeitszeit entstehen. Bas redet sich nun darauf hinaus, dass es nur ein unbestätigter Referentenentwurf sei. Doch unverkennbar trägt der Entwurf die mittelstandsfeindliche, bürokratieverliebte Handschrift der Gewerkschaften und der SPD.

Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium und Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, hat mit ihrer Kritik Recht: „Wenn die versprochene Flexibilität am Ende nur für tarifgebundene Arbeitsverhältnisse ermöglicht wird, werden Millionen Beschäftigte und ein Großteil des Mittelstands ausgeschlossen. Das wäre nicht nur wirtschaftlich falsch, sondern auch politisch kaum vermittelbar.“ Was die SPD plant, sieht auch Connemann als einen neuen „Bürokratieturbo“ bei der Arbeitszeiterfassung an.

„Wer jede Arbeitsminute dokumentieren lassen will, zeigt vor allem eines: fehlendes Vertrauen in Beschäftigte und Betriebe“, so Connemann. Dass SPD- und Gewerkschaftsfunktionäre vom Gängeln, Kontrollieren und Umverteilen, vom Bonzentum schlechthin leben, ist nichts Neues. Im Grunde wollen SPD und Gewerkschaften keine wirkliche Arbeitszeitflexibilisierung. Deshalb muss sie begrenzt und soweit bürokratisiert werden, bis von ihr nichts mehr übrigbleibt. Die Realisierung der Forderung „Funktionäre von SPD und Gewerkschaften in die Produktion“ wäre doch sicher sinnvoll.

Die SPD hat nun „Kompromissbereitschaft“ mit einem großen ABER angekündigt, denn zu „Sozialkürzungen“, was immer sie auch darunter versteht, sei die Umverteilungspartei nicht bereit. Aus SPD-Kreisen tönt es gleisnerisch: „Das erfordert Kompromisse. Wir sind bereit, mit unserem Koalitionspartner die Blockaden in unserem Land zu überwinden.“ Lustig, wo die Blockaden doch von der SPD kommen. Warum blockiert die SPD und vor allem Bärbel Bas nur immer?

Beim nächsten Koalitionsausschuss am 1. Juli jedenfalls wollen die Funktionäre von Union und SPD auch darüber beraten. Man darf jetzt schon davon ausgehen, dass unter vielen spitzfindigen Formulierungen und Leerformeln sich die SPD durchsetzen wird. Die geplante Arbeitszeitflexibilisierung wird mit viel bürokratischen Regelungen für die Betriebe mit Tarifverträgen kommen. Möglich, dass für die Millionen von Beschäftigten und für einen Großteil des Mittelstands, von denen Gitta Connemann spricht, die Arbeitszeitflexibilisierung zur Gesichtswahrung der Union auch beschlossen wird, die dann aber im Kleingedruckten mit einem wahren Kontrollstalinismus versehen wird, dass es sich die Arbeitszeitflexibilisierung nicht lohnt.

Bemitleidenswert ein Land, das unter die Funktionäre gefallen ist.

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Kommentare ( 34 )

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BellaCiao
20 Tage her

Dass es keine Grundlage für die weitere Koalitionsarbeit zwischen SPD und CDU/CSU gibt, ist nichts Neues. Es läuft schon so, seit Merz Kanzler ist. Bisher hat das die Union nicht im Geringsten gestört. Ergo wird es genau so weitergehen wie bisher.

Dem Friederich und seinen Freunden wünsche ich darum weiterhin viel Spaß beim Regieren. Die sollen aber bloß nicht so tun, als ob sie gegen die Sozialisten einen Aufstand proben wollten.

Last edited 20 Tage her by BellaCiao
na sowas
21 Tage her

Gähn, hört sich an, wie: Links ist vorbei

LiKoDe
22 Tage her

Sowohl Fr. Gitta Connemann als auch Hr. Carsten Linnemann und … haben nicht sonderlich viel Ahnung von der richtigen Arbeitswelt der abhängig beschäftigten Bürger, was kein Kunststück ist, guckt man sich bspw. Connemanns oder Linnemanns Biographien an. Arbeitszeiterfassung ist bereits seit mehr als 30ig Jahren mittels RFID Technik [kontaktlose Magnetkarten oder Transponder] möglich. Mittlerweile ist diese Technik so billig, einfach aufzustellen, zu bedienen und auszuwerten, dass selbst ein 5-Mann Betrieb sie problemlos einsetzen könnte. Zur Arbeitszeitflexibilisierung der abhängig beschäftigten Bürger: Flexible Arbeitszeit ist u. a. seit bundesweiter Einführung von Gleitzeit möglich, so in etwa seit mehr als 40ig Jahren. Danach… Mehr

Wilhelm Roepke
22 Tage her

Gähn, jetzt müssen wir noch 3 Monate warten, bis die Union endlich mit Friedrich Merz einen Sündenbock für die 3 verlorenen Landtagswahlen kürt.

moorwald
22 Tage her

„CDU und SPd verbindet nur noch der Stret“ -Zwei Dinge, sind es, die die beiden noch „verbinden“:
Das (vergebliche) Bestreben, die AfD von der Macht fernzuhalten
Die panische Angst vor Neuwahlen, die für beide Parteien in den Abgrund führen würden

Sonny
22 Tage her

Die werfen den mittelständischen Arbeitgebern vor, sie würden Arbeitnehmer in Deutschland regelrecht ausbeuten. Mehrheitsmäßig ist das totaler Blödsinn. Die allermeisten mittelständischen Arbeitgeber haben ein berechtigtes Interesse daran, dass es ihren Arbeitnehmern gut geht. Denn nur so funktioniert ein reibungsloser Wirtschaftsbetrieb mit Erfolg. Anhand des Mißtrauens der Politik kann man gut erkennen, warum sie den Arbeitgebern so etwas unterstellen. Im Politikbetrieb läuft der Hase völlig anders. Da wird intrigiert, ausgebeutet und bevormundet, verfolgt und gemaßregelt, was das Zeug hält. Berufspolitikertum ist die Herrschaftsklasse der Neuzeit. Und sie zeichnet eines ganz besonders aus: Sie haben keine Kompetenz und keinerlei Ahnung, wie etwas… Mehr

Last edited 22 Tage her by Sonny
ThomasP1965
22 Tage her

Ja, das ist es was die Konservativ/Liberalen wollen. Schleifen des Arbeitsschutzes, Reduktion der Arbeitskosten. Am Liebsten mit den Arbeitern in Bangladesh konkurrieren oder noch besser zurück zur Leibeigenschaft.
Abwasser direkt in den Fluss. Abgasreinigung wofür? Müll irgendwo verbuddeln.

verblichene Rose
22 Tage her
Antworten an  ThomasP1965

Auch manche Gedanken sollten auf den Müll, bevor man sie äussert.

Michael M.
22 Tage her
Antworten an  ThomasP1965

Was für ein Schmarrn‼️
Offensichtlich sind Sie noch nie einer wertschöpfenden Tätigkeit (vermutlich Beamter, öffentlicher Dienst, oder einen Bullshitjob bei einer der komplett hirnverbrannten Gewerkschaften) nachgegangen.

Klaus D
22 Tage her

Arbeitszeitflexibiliserung…..hier sollten wir radikal streichen. Geht es dem unternehmer gut geht es dem angestellten gut. Ich meine das die arbeitgeber viel mehr vorgeben können sollten wer wann wie lange arbeitet zb ist viel zu tun sollte ein 12 studnen arbeitstag normal sein wenn der arbeitgeber das will bzw die wirtschaftliche lage des unternehmens das fordert.

humerd
22 Tage her

Dass SPD- und Gewerkschaftsfunktionäre wollen zurück zur alten Stechuhr, zur alten Arbeitswelt.

Siggi
22 Tage her
Antworten an  humerd

das können die Täter gerne im Knast üben.

hansgunther
23 Tage her

Wer sich mit Sozis ins Bett legt, wacht gemeinhin mit Sozis wieder auf. Was will der Pennäler uns denn jetzt damit sagen? Kraftlos, wie er sich selbst alleine schon physisch darstellt, ergibt er sich in das gewählte Schicksal.Und fügt eine neue bla bla fehlgezündete Salve, die wirkungslos verpufft an. Da sie nur angetreten sind, die eigenen Pfründe zu sichern und das Vaterland vor die Hunde gehen zu lassen, haben sie die richtige Wahl getroffen. Denn die Morgenrot-Orientalisten und Radikal-Sozialisten mit dem suizidalen Hang zum mittelalterlichen religiösen Fundamentalismus der Eiferer und Messerakrobatik in- und out-of-house sehen sie eh nur als Marionetten… Mehr