Von CSU-Chef Markus Söder wenig Erhellendes, oder trägt er etwa den Dolch im Gewande?

Die AfD holt in Sachsen-Anhalt, wovon Söders CSU seit Jahren nur träumt: mehr als 40 Prozent. Beim Gillamoos fordert der CSU-Chef Konsequenzen in Berlin und verspricht, Bayern nicht der AfD zu überlassen.

IMAGO / Wolfgang Maria Weber

Zum Ausgang der Wahl vom 6. September in Sachsen-Anhalt und zum Kantersieg der AfD ist zwar alles schon vorher erwartbare, also ausweichende Blabla gesagt. Aber eben noch nicht von allen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nutzte am 7. September den traditionellen „Gillamoos“-Frühschoppen in Abensberg im niederbayerischen Landkreis Kelheim und ein Interview in Bayern 2, das aus seiner Sicht Wichtige beizutragen. Erhellend war es nicht, und in seiner 35-Minuten-Bierzeltrede sprang der Funke auch nicht so richtig über. Söder stieg ein mit der offenbar neidhammeligen Bemerkung, die „schrägen Vögel“ der AfD seien „teilweise sogar besoffen von ihrem Wahlergebnis.“ Ein Schenkelklopfer war das noch nicht.

Dann aber gab sich Söder seriös und staatstragend: Es müsse nun abgewartet werden, „was sie daraus machen“, Es gehe jetzt nicht darum, auf „Biegen und Brechen“ eine „halbe Stimme Mehrheit zu organisieren“. Was auch immer eine halbe Stimme sein möge. Die AfD solle zeigen, ob sie regieren könne. „Ich habe da Zweifel“, gibt sich Söder überzeugt, um dann den großen Demokraten zu geben: „Demokratie muss man ernst nehmen, auch wenn einem das Ergebnis nicht gefällt“, betonte Söder.

Dann fällt Söder – nach Jahren des Aufstiegs der AfD – ein, jetzt müsse die AfD endlich inhaltlich gestellt werden. Guten Morgen, Herr CSU-Chef, spätestens seit 2015 sollte man wissen, mit welchen Themen die AfD die Menschen erreicht. Guten Morgen auch, verehrter CDU/CSU/SPD-Co-Koalitionsarchitekt, seit Mai 2025 gibt die CDU/CSU in der Koalition den Dackel, mit dem der Schwanz SPD wackelt.

Schließlich wurde Söder wirklich mutig: „Berlin muss einen deutlichen Zacken zulegen, anders kann man es nicht sagen. Weniger Streit, mehr Vernunft, mehr Ergebnisse. Wir sind konstruktiv, aber wir sind nicht blind vor dem, was passiert.“ Die CSU sei zudem kein „Ableger“ oder „Filialist“, der seine Kommandos aus Berlin erhalte. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Söder unterdessen: „Die Wahrheit ist: Das ist eine Denkzettel-Wahl, die weniger mit Sachsen-Anhalt als mit Berlin zu tun hat. Deswegen muss klar sein: So kann es nicht weitergehen.“ Ob Merz das gehört hat? Ob das bereits Söders Sägen am Kanzlerstuhl ist? Ob da schon einer den Dolch im Gewande führt?

Die Frage ist nur: Wer im eigenen Laden wird Söder in zwei oder sechs oder zwölf Monaten daran erinnern? Niemand, denn man wird sich damit begnügen, dass Söder ein Versprechen abgab: „Eins verspreche ich euch: Ich werde Bayern nicht der AfD überlassen.“ Das sind dann doch ziemlich kleine Brötchen.

Naja, die Angst scheint Söder jedenfalls im Nacken zu sitzen. 40 Prozent + X – das war einmal das Minimum, das die CSU bei einer Wahl erzielen wollte. Im kleinen Sachsen-Anhalt gelang das der AfD soeben. Söder, der seit März 2018 bayerischer Ministerpräsident und seit Januar 2019 CSU-Vorsitzender ist, gelang ein „40 + X“ bislang nicht: Bei den Landtagswahlen 2018 und 2023 holte er für die CSU 37,2 beziehungsweise 37,0 Prozent. Bei den Bundestagswahlen 2021 und 2025 kam die CSU in Bayern auf 31,7 beziehungsweise 37,2 Prozent. Bei den Kommunalwahlen sah es kaum anders aus: 2020 kam die CSU auf 34,4 Prozent, 2026 dann auf 32,5 Prozent. Besonders schmerzlich: Seit Frühjahr 2026 stellt die CSU nur noch 40 von 71 bayerischen Landräten; von 2020 bis 2026 waren es 53. Die Freien Wähler (FW) hatten sich, wiewohl Söders Koalitionspartner in der Landesregierung, dort breitgemacht. Da könnte die CSU mit Blick auf die AfD in Sachsen-Anhalt schon neidisch werden.

Interessant übrigens: Beim „Gillamoos“ kam die AfD in der Rede des FW-Vorsitzenden Hubert Aiwanger trotz des Wahlergebnisses vom Vortrag überhaupt nicht vor. Ist es ein Abstrafen durch Ignorieren? Oder ist es das Schonen eines Mitbewerbers, der in manchen Punkten ähnlich wie Aiwangers FW tickt?

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Kommentare ( 37 )

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taliscas
1 Monat her

Vermutlich will er die AfD halbieren.

Mike76
1 Monat her
Antworten an  taliscas

Er meint natürlich die Halbierung der CSU 😊. Kriegt er aber hin.

Lars Baecker
1 Monat her
Antworten an  taliscas

Genau. Nach dem Vorbild Merz‘.

Sonny
1 Monat her

söder hat sich doch in der Vergangenheit schon mehrfach als aalglatter Opportunist hervorgetan – verläßt ihn jetzt sein richtiger Riecher?
Wenn in Bayern die Stunde geschlagen hat, wird er seine Aussprüche von heute längst vergessen haben und sich auf die Seite der Gewinner schlagen. Jede Wette. Solche Typen wechseln ihr Hemd schneller, als man „Horrido“ sagen kann.
Die freien Wähler Bayerns sind da wohl etwas schneller in ihrer Beurteilung der Gesamtsituation. Wenn ich nichts gutes sagen d a r f, sage ich erstmal garnichts.

bfwied
1 Monat her

Da Deutschland von CDU/CSU und den Strippenziehern von Linksgrün an die Wand gefahren wird, der Crash längst begonnen hat – wir erleben das im Zeitlupentempo -, werden wir auch den Niedergang bis zur Bedeutungslosigkeit der CSU sehen, es sei denn, Söder wird abgelöst, die CSU reißt sich am Riemen, wird vernünftig(!), und dann kann sie auch mit der AfD koalieren, wenn nötig.

Icarus
1 Monat her

Der Margus drägt doch keinen Dolch im G’wand. Denn das wäre ein eindeutiger Verstoß gegen das Messerverbot.

joe limburger
1 Monat her

Den Dolch im Gewande…… von Mutti gelernt. Der Schoß aus dem es kroch, kennste noch Fritze, oder?

Evelyn Beatrice Hall
1 Monat her

Ich hätte nichts dagegen, wenn Markus Söder den Dolch im Gewande führen würde. Denn bekanntlich liebt man die Tat, aber nicht den Täter. Und er wäre dann aus dem Spiel. Ich fürchte nur, der verschlagene Herr Söder ist viel zu schlau, den Stoß selbst auszuführen. Jetzt muß er es irgendwie anstellen, daß es ein anderer für ihn tut. Wenn Markus Söder nur der Republik erspart bliebe, das arme Bayern ist schon genug gestraft mit ihm!

Wilhelm Roepke
1 Monat her

Die CSU wird von der sterbenden CDU mit in den Abgrund gerissen und Söder beginnt das zu ahnen. Denn alleine reißt die CSU in Bayern gar nichts, wenn auf den großen Bühnen nur noch die AFD gegen die Vereinigte Volksfront linker Parteien antritt, zu denen inzwischen auch die CDU gehört. Mit jeder Wahl und mit jedem abgebauten Industriearbeitsplatz wird es der CSU künftig noch schlechter gehen, denn jetzt rollt es gerade die bayerischen Gemeindefinanzen von unten auf, und zwar so richtig.

joly
1 Monat her

Das mit dem Dolch im Gewand ist bayrische Tradition. Jeder mit ner zünftigen Lederhose hat da rechts eine Messertasche. Fehlt nur das Messer, das muss der Träger der Hose sich zusätzlich besorgen. Ab 8 hatte ich das Messer mit passendem Hirschgeweih dazu. Auch in der Schule.

Lars Baecker
1 Monat her

Söder trägt gar nichts im Gewande. Keinen Dolch, nicht einmal ein Taschenmesser. Der wird auch in Bayern die AfD noch kennenlernen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass die CSU vom Abwärtssog ihrer Schwesterpartei verschont bleibt. Auch die Menschen in Bayern merken, was sie von traditionellen CSU-Wählen haben. Immer weniger in der Tasche. Und wenn Audi und BMW die Grätsche machen, soll mir doch niemand erzählen, dass die entlassenen Mitarbeiter und deren Familien aus Dankbarkeit CSU wählen. Ich kann mir vorstellen, dass der Niedergang der alten Volksparteien nun rapide an Fahrt aufnehmen wird. Zwar kann ich nicht sagen, dass mich das freut,… Mehr

Der Person
1 Monat her

Ich habe eine KI gefragt, wie sich FJS wohl zu Söder geäußert hätte, Antwort:

„Der Söder hat Talent und Instinkt. Aber wer jeden Tag dem Wind nachläuft, führt kein Land – der dreht nur die Fahne.“

joly
1 Monat her
Antworten an  Der Person

Die KI käme eher zu folgendem Ergebnis: Bayrischer Politiker aus Franken mit unerreichtem Wendehalsgelenk.

Peter Gramm
1 Monat her

Ach gottchen der Franken Maggus ist ja auch nur ein so Hochgespülter, früher Aktenträger vom Eddie aus Wolfratshausen. Seine Unterstützer werden auch immer weniger. Was der Strauß Josef da hiner sich versammelt hat, davon kann er nur noch träumen. Die hart arbeitenden Menschen sind dies alle nicht, sie reden nur davon und lassen sich ein angenehmes Leben finanzieren. Immer mehr Menschen merken dies. Vor allem den Unterschied des Luxuslebens dieser Kaste und dem Unterschied zum eigenen. Diese Diskrepanz wird zunehmend größer und sichtbarer zu all diesen Nehmern, zwangsfinanzierten Unterstützern und ihren hohlen Sprüchen.