Wärmepumpen gelten als Heilsbringer der Energiewende – doch ein genauer Blick zeigt erhebliche Schwächen. Hoher Strombedarf zu kritischen Zeiten, geschönte Effizienzangaben und wachsende Belastungen für das Netz werfen die Frage auf, wie sinnvoll ihr massenhafter Einsatz wirklich ist.
picture alliance/dpa | Michael Ukas
Mit allen Mitteln sollen sie in die Häuser gedrückt werden, die Wärmepumpen. Unabhängig davon, ob gerade sinnvoll oder nicht. Dazu werden Fördergelder in Milliardenhöhe, sogenannte Klimaziele und – wenn das alles nichts hilft – enormer Druck ins Spiel gebracht. Als Argument soll auch ein günstiger Strom-Jahresverbrauch dienen. Doch das ist für ein Stromsystem die halbe Wahrheit. Entscheidend ist nicht die gesamte Strommenge am Jahresende, sondern ob jederzeit genügend Leistung – gemessen in Gigawatt – im Netz zur Verfügung steht und dies nicht im Durchschnitt, sondern zu jeder Sekunde.
Und hier verschieben Wärmepumpen mittlerweile Lastkurven und sorgen dafür, dass tagsüber neue Lastspitzen entstehen. Früher, als es in Deutschland noch viel Verarbeitende Industrie mit Hüttenwerken, Stahl- und Glasschmelzen gab, sorgten die für hohen Stromverbrauch mit Mittagsspitzen aufgrund von beispielsweise Bedarf für Kochen. Doch die sind großenteils verschwunden, tägliche Lastspitzen sehen wir aber wieder. Wärmepumpen sorgen zu einem beachtenswerten Teil dafür. Denn das sind im Wesentlichen mehr oder weniger effektive Stromheizungen.
In der Wärmepumpen-PR heißt es gern, eine Wärmepumpe mit einer Arbeitszahl von 4 liefere aus einer Einheit Strom vier Einheiten Wärme: „Anders als bei anderen Heizsystemen, bei denen lediglich berechnet werden muss, wie viel Wärme sie aus einem Energieträger wie etwa Erdgas oder Öl erzeugen können, gibt der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe an, wie viele Einheiten an Wärmeenergie sie produzieren kann, verglichen mit den Einheiten elektrischer Energie, die sie während des Betriebs verbraucht. Eine Wärmepumpe, die mit einem Wirkungsgrad von 4 betrieben wird, kann also vier Einheiten an Wärmeenergie produzieren, während sie nur eine Einheit an elektrischer Energie verbraucht.“
Ziemlicher Unsinn, denn die Wärmeenergie wird nicht produziert, sondern umgewandelt. Wirkungsgrad oder Leistungszahl (COP) oder im Jahresbetrieb Jahresarbeitszahl (JAZ) ist ein Schwindel, bei dem ein durchschnittlicher Wert benutzt wird. Korrekt wäre eine Angabe für kalte (Winter-)Monate.
Diese mehr oder weniger lauten Kästen vor den Häusern, die unsinnigerweise häufig auf der kalten Nordseite aufgestellt sind, entziehen der Umgebungsluft Wärme und sollen sie ins Innere der Wohnungen transportieren. Das macht die Wärme nicht von allein, zumal Fenster und Wände mittlerweile ziemlich abgedichtet sind, sondern nur mit Druck, also mit Zufuhr von Energie.
Das Kältemittel – bei neueren Geräten meist Propan – muss außen kälter sein als die Umgebungsluft, um der wiederum Wärme entziehen zu können. Dazu wird es verdichtet und wieder entspannt wie bei einer Luftpumpe, die auch warm wird, wenn der Reifen aufgepumpt wird. Bei der Wärmepumpe verdichtet ein Kompressor das Propan, erhöht Druck und damit Temperatur. Das wechselt seinen Aggregatzustand von gasförmig zu flüssig und umgekehrt. Im kalten gasförmigen Zustand außerhalb des Hauses entzieht es der Umgebungsluft Wärme; ein Kompressor „quetscht“ dann das Gas gewissermaßen zusammen, erhitzt also das Propan weiter, das im Inneren des Hauses die Wärme an das Heizwasser abgibt, dabei selbst wieder abkühlt und sich dabei wieder verflüssigt. Der Vorgang findet umgekehrt in jedem Kühlschrank statt.
Der von einem Elektromotor angetriebene Kompressor benötigt wiederum Energie in Form von Strom. Eine Wärmepumpe ist also eine elektrische Heizung, mit der versucht wird, der Außenluft mit dem Kühlschranktrick über Verdichten eines Kältemittels noch etwas Wärme zu entziehen. Bei sommerlichen Temperaturen keine größere Schwierigkeit, doch wer benötigt da schon eine Heizung.
Kritischer wird es bei niedrigen Temperaturen. Je kälter desto weniger gibt es zu „pumpen“. Je kälter die Wärmequelle, desto größer der Temperaturhub und desto mühsamer arbeitet die Maschine. Bei null Grad oder gar minus 10 Grad Außentemperatur ist der Unterschied zu gewünschten 20 bis 22 Grad im Inneren schon beträchtlicher. Der muss durch die Wärmepumpe geliefert werden. Die Effizienz sackt dramatisch ab, den sogenannten COP kann man in die Tonne treten und in der Wärmepumpe springt der elektrische Heizstab – oder einfacher: Tauchsieder – an und sorgt für Wärme.
Auch das Außengerät muss lustigerweise in Abständen selbst beheizt werden; dort kann sich ähnlich wie im Inneren eines Kühlschrankes Eis ansetzen. Das muss abgetaut werden – wiederum mit Strom. Das grüne Fraunhofer-Institut ISE beschreibt Vereisung und Abtauung als wichtigen Teil des Verdampferbetriebs; in Feld- und Praxisstudien wird auch erwähnt, dass für Außenluft/Wasser-Wärmepumpen Wärmeenergie für die Abtauung vorzuhalten ist. Energie also für die Beseitigung von Problemen, die erst durch die Wärmepumpen entstanden sind.
Unklar ist übrigens, was mit dem lokalen Klima in einer Straße passiert, wenn viele Wärmepumpen betrieben werden.
Eine Wärmepumpe macht noch keinen Sommer. Viele aber wirken sich aus. Ende 2025 waren in Deutschland laut Branchenstudie des Bundesverbands Wärmepumpe rund 1,9 Millionen Wärmepumpen installiert. Allein im Jahr 2025 kamen 299.000 neue Geräte hinzu. Das ist mittlerweile eine Größe, die den Tagesgang der Last zunehmend mitprägt.
Die Bundesnetzagentur weist für Wärmepumpen zuletzt eine Abgabemenge von gut 4,3 TWh an und 0,83 Millionen Marktlokationen aus. Rechnet man diese Größenordnung grob auf den heutigen Gesamtbestand hoch, landet man bei etwa 10 TWh Stromverbrauch im Jahr. Im Jahresmittel klingt das harmlos – das entspräche nur gut 1 Gigawatt durchschnittlicher Leistung.
Doch genau diese Durchschnittsbetrachtung verschleiert das eigentliche Problem: Wärmepumpen laufen einmal nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt, sondern bündeln ihren Bedarf in den kalten Stunden. Und genau darauf weisen Studien hin. Die Fraunhofer-IEE-Studie zu Wärmepumpen im Verteilnetz hält fest, dass sich Engpässe auf Zeitfenster am Mittag und am Abend konzentrieren. Mit elektrischer Wärme wird auch der Wintermittag zu einer kritischen Zeit.
Das zeigt auch die Bundesnetzagentur selbst: Die Jahreshöchstlast 2024 lag bei 75,8 Gigawatt am 15. Januar zwischen 11:30 und 11:45 Uhr. Also nicht nachts, nicht am späten Abend, sondern mitten im Wintermittag. Das beweist zwar nicht, dass Wärmepumpen allein für diese Spitze verantwortlich sind. Aber das Lastmuster passt auffallend gut zu einem System, in dem elektrische Wärmeerzeuger in kalten Stunden kollektiv anspringen.
Der entscheidende Punkt ist also: Wärmepumpen erhöhen den Strombedarf nicht einfach linear, sondern verändern die Form der Lastkurve. Morgens zieht der Bedarf an, mittags bleibt er höher als früher, abends kommt ein weiteres Lastfenster hinzu. Genau dann muss das Netz liefern – in jeder Sekunde, nicht nur im statistischen Jahresmittel.
Wer Millionen zusätzlicher elektrischer Heizungen ins Land stellt, muss nicht nur über Förderbescheide und Jahresverbrauch reden, sondern über gesicherte Leistung, Trafos, Ortsnetze und Winterspitzen. Denn im Stromsystem entscheidet nicht das Jahresmittel, sondern die verfügbare Leistung in jeder einzelnen Sekunde. Neue Kraftwerke müssen also her, wenn immer mehr Wärmepumpen betrieben werden sollen, angeblich um CO2 zu sparen und die Welt zu retten. Jetzt haben wir noch nicht über die Umwandlungsverluste in Kraftwerken geredet.
Aber Halt: Die sollen ja durch Windräder und PV-Anlagen ersetzt werden. Blöd nur, wenn gerade im Winter wochenlang Dunkelflaute herrscht.


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Bei uns im Neubaugebiet haben die meisten Häuser mit WP einen Edelstahlschornstein nachträglich installiert und heizen mit einem Holzofen zu. Sonst wird wohl die kleine Hütte nicht warm oder die Stromkosten gehen durch die Decke wenn der Heizstab anspringt. Grade wenn es richtig kalt ist bringen es diese Dinger nicht.
In F wird seit Jahrzehnten elektrisch geheizt. Mit einer passenden Strominfrastruktur und Smartmetern geht das durchaus. Mit unserer wetterabhängigen Stromerzeugung natürlich nicht.
Wobei in F natürlich viele Landesteile auch nicht die tiefen Temperaturen haben wie im kalten D.
F erzeugt übrigens fast 30 Prozent mehr Strom als wir und das fast vollständig dekarbonisiert, günstig und flexibler als wir.
neulich von einem Totalschaden nach 15 Jahren gehört. Aber macht nichts. Der Steuerzahler fördert eine neue Wärmepumpe alle 10 Jahre oder auch früher, wenn das neue Modell effizienter ist (auf dem Papier). Was werden wir von diesen Grünen verarscht.
Jeder, der im Maschinenbaustudium o. ä. Thermodynamik hatte, weiß, daß die Wärmepumpe umso unwirtschaftlicher arbeitet, je niedriger die Außentemperatur ist. Um das zu verstehen reicht das Wissen um die Energieerhaltung. Der Wärmestrom aus der Umgebung plus die elektrische Leistung ergeben den Wärmestrom der Heizung im Gebäude. Der Energieinhalt der Luft nimmt mit der Temperatur mehr oder weniger linear ab (perfektes Gas). Bei tiefen Temperaturen ist in der Luft also kaum noch Wärmenergie vorhanden, die genutzt werden kann. Dann braucht man also viel mehr elektrische Leistung. Zudem ist dann der Wärmebedarf höher, also braucht man noch mehr Heizleistung, folglich noch mehr… Mehr
Vermutlich laufen die Ventilatoren mit Wärmerückgewinnung. Das macht die Sache technisch noch teurer, anspruchsvoller, wartungsbedürftig und störanfällig.
„Ziemlicher Unsinn … Korrekt wäre eine Angabe für kalte (Winter-)Monate.“
Find ich dem Artikel jetzt aber als konkret beziffertes Gegenargument auch nicht.
Sowohl der Autor wie auch 100 % der Kommentatoren verkennen den unschlagbaren Nutzen der Wärmepumpe bei der Durchsetzung einer der Kernenergie gegenüber freundlichen Energiepolitik. Nur an einer Stelle wird erwähnt, dass die Wärmepumpe auch die Notwendigkeit von Backup-Kraftwerken unterstreicht. Das politische Fazit ist recht eindeutig: Jede Installation schaufelt rot-grüner Strompolitik das Grab! Für die SHK-Branche ist die Situation ideal, weil die beiden politischen Lager (Illusionisten ./. Realisten) potenzielle Kunden sind. Die technischen Aspekte sind sowohl vom Autor als auch den meisten Kommentatoren teils richtig, teils falsch dargestellt worden. Beispielsweise ist die JAZ kein Durchschnittswert, sondern ein kumulierter Wert. WP sind… Mehr
Das mit der hinreichenden Dimensionierung sieht der zuständige Ingenieur meines städtischen Versorgers etwas anders. Der gute Mann hat mir erklärt, dass in meiner Straße nur noch zwei weitere Häuser mit WP ausgerüstet werden können, danach müsste das Verteilnetz ertüchtigt werden, wenn noch mehr Interessenten eine WP haben wollen. Bei derzeit 10 WPs in ca. 65 Wohnhäusern in der Straße sieht mir das nicht nach ausreichender Dimensionierung aus, wobei die Installation von Wall-Boxen für die E-Mobilität noch gar nicht eingerechnet ist. Fachleute weisen seit Jahren auf die nicht ausreichende Dimensionierung der Verteilnetze für die so häufig beschworene umfassende Elektrifizierung vieler Bereiche… Mehr
Ja, richtig.
Dummerweise ist es aber ein Gran aus dem man selten nur wieder aufersteht. Was kaputt ist, ist kaputt. Und wir im Land werden absehbar weder die finanziellen Möglichkeiten, noch den Willen und geschweige denn das Know-how besitzen, um aus diesem selber geschaufelten Grab wieder raus zu kommen.
„Auf den Fusch bei den Bauarbeiten….“ ==> Das Wort heißt Pfusch.
Aber bestimmt haben Sie dafür Freitag „Pfisch“ gegessen, oder?
Der Bekannte braucht jetzt noch eine Klimaanlage oder einen elektrischen Luftentfeuchter, auch mit Kompressor und Strombetrieb, dann wird alles gut.
Oder einfach immer gut lüften….dann wird’s halt wieder kalt, aber wenigstens kein Schimmel.
Das Leben kann schon kompliziert sein. Grüße an den Bekannten.
Eigentlich war das eine Antwort auf einen anderen Kommentar, der inzwischen wohl gelöscht wurde.
Ironie des Schicksals. Ich war gerade dabei einen Kommentar zu diesem umfassenden Beitrag zu schreiben. Da war der Strom weg. So wird es uns zukünftig noch öfter gehen. Wir haben immer mehr Stromverbraucher ( E-Auto, Wärmepumpe) und zerstören unsere Kraftwerke. Da wir nun mal den Strom nicht im Netz speichern können, wie eine führende Grünenpolitikerin uns mal erzählen wollte, wird die Lücke immer grösser. Falls uns das Ausland nicht weiterhin mit teuerem Atomstrom beliefert, wird es dunkel und kalt in diesem Land. Hinzu kommt, dass die Stromnetze in den Gemeinden diesem Land gar nicht auf diesen wachsenden Strombedarf ausgelegt sind.… Mehr
Es gibt noch einen anderen Aspekt, der gegen Wärmepumpen spricht: häufige Defekte und mangelnde Dauerhaltbarkeit. In meinem früheren Haus hatte ich eine Erdgasheizung über 20 Jahre problemfrei betrieben.
In meinem Neubau von 2014 habe ich, mangels Alternativen im neuen Wohngebiet, eine Wärmepumpenheizung einbauen lassen. Abgesehen davon, dass die Herstellerangaben nicht eingehalten wurden und einige Defekte auftraten, hatte die Anlage 2025 einen Totalausfall.
Nach gut 10 Jahren ein Totalschaden, da Ersatzteile nicht mehr lieferbar waren (von Junkers/Bosch). Die neue Anlage hat gut 25.000 € gekostet. Da spielen Energiekosten beinahe keine Rolle mehr.
Wir betreiben seit 20 Jahren eine Erdwärme Heizung mit zwei 65 m Tiefbohrungen. Bisher ohne Störungen, ohne Probleme. Allerdings können nicht alle damit heizen. Von Luftwärmepumpen halte ich auch nichts. Übrigens, der Heizstab war noch nie angeschaltet.