Regierungen von Warschau über Berlin und Paris bis Tallinn bereiten die Öffentlichkeit auf Rüstung vor. US-Truppen in Polen hingegen können leichtfertige Operationen von Ost UND West besser verhindern als nur von Bitburg und Grafenwöhr aus.
picture alliance / Newscom | UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS OFF
Eine Serie von Beiträgen in wenigen Tagen fällt auf: Regierungen von Warschau über Paris bis Tallinn bereiten ihre Bevölkerung und Institutionen öffentlich auf Notwendigkeiten vor, die bis vor Kurzem nur in militärischen Planungen vorkamen. Müssen die Bürger mit Putin ante portas rechnen? Nein, aber vom Baltikum über Polen bis in die Ukraine erinnert das den Historiker unweigerlich an die in der Geschichtsschreibung so unnachahmlich unterkühlt Teilungen genannte Zerstörung von Polen-Litauen.
Am 24. Oktober 1795 besiegelten Russland, Preußen und Österreich in Sankt Petersburg den Vertrag über die dritte „Teilung“ der Adelsrepublik Polen-Litauen, der Polnisch-Litauischen Union – Rzeczpospolita Obojga Narodów. Den nach zwei „Teilungen“ noch verbliebenen Rest des Staates teilten die drei Mächte ebefalls unter sich auf. Die 1918 errichteten Staaten Polen und Litauen verloren zusammen 40 Prozent der einstigen Landgröße. Eine Trennung der staatlich jungen Ukraine, deren Westen einst zur Rzeczpospolita gehörte, wäre also „nur“ die Fortsetzung der alten Gewohnheiten von Großmächten – eine „Teilung“.
Die heute im Unterschied zu Deutschland ernst zu nehmenden Streitkräfte Polens und der Ukraine haben Wladimir Putin wie Donald Trump selbstverständlich genau im Blick. Donald Tusk jubelt, weil um die 5.000 US-Truppen nach Polen kommen sollen, Kanzler Merz grumbelt über den Abzug von US-Truppen aus Deutschland. Merz und Tusk hören nur, was Trump sagt, verstehen aber nicht, was er – konsequent auf der Linie der Neuen Nationalen Sicherheitsstrategie – meint. US-Truppen in Polen und damit am Baltikum können leichtfertige Operationen von Ost UND West besser verhindern als nur von Bitburg und Grafenwöhr aus.
Ein NZZ-Beitrag bereitet die Einsicht der Bürger in die Notwendigkeit auf, sich gegen den russischen Angriff vorbereiten zu müssen: »Russland trägt seinen Krieg gegen die Ukraine immer mehr in den Westen. Seit Kriegsbeginn 2022 häufen sich in Europa Zwischenfälle, hinter denen russische Akteure vermutet werden. Das Spektrum reicht von Vorfällen mit Drohnen, bei denen – wie vor kurzem in Leipzig – sogar Sprengladungen mitgeführt werden, über durchtrennte Unterwasserkabel, Brände bei Waffenherstellern und Cyberattacken auf Kraftwerke bis hin zu bei Botschaften deponierten tierischen Überresten. Das Konfliktforschungsinstitut Acled registrierte bis Anfang September rund 250 Vorfälle, bei denen eine russische Beteiligung vermutet oder bestätigt wurde.«
The Tectonic fasst zusammen: Nach Tusk deuteten Geheimdienstinformationen aus Polen, Ukraine und NATO darauf hin, Russland könnte möglicherweise Drohnen- oder Raketenangriffe gegen Länder durchführen, die die Ukraine unterstützen, und diese als Unfälle darstellen. Macron warnte vor einer Verschärfung der russischen hybriden Bedrohung – Frankreich verstärke den Schutz kritischer Infrastrukturen und Produktionsstätten für Rüstungsgüter. Berlin schrieb einen versuchten Sprengstoff-Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle der Operation eines russischen Militärgeheimdienstes zu. Estlands Sicherheitskabinett bereitet sich auf den Notfall einer möglichen russischem Generalmobilmachung vor. Litauen hat detaillierte Evakuierungspläne für einen größeren militärischen Notfall ausgearbeitet. Eine der Evakuierungsrouten von Vilnius führe nach Polen, wo die Behörden in Podlachien die Region als Transitkorridor für Evakuierte aus den baltischen Staaten vorbereiten. Die Warnungen sollten nicht als Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff interpretiert werden. Die regionale Lage habe sich aber verschlechtert. Belarus führe derzeit Militärübungen an der polnischen und litauischen Grenze durch wie Gebieten rund um die strategisch wichtige Suwałki-Lücke. Letzte Woche habe ein NATO-Jet eine mutmaßliche russische Kampfdrohne abgeschossen, die aus Belarus in den litauischen Luftraum eingedrungen war. Nichts davon bewiese, dass europäische Regierungen in naher Zukunft einen russischen Angriff erwarteten. Sondern zeige, die Regierungen von Warschau über Berlin und Paris bis Tallinn bereiten Bürger und Institutionen öffentlich auf Dinge vor, die größtenteils nur in militärischen Planungen vorkamen.
Was Tectonic nicht anfügte: Berlin setzt auf der Flucht vor der Politiker-gemachten Deindustrialisierung durch die Energiewende plus Monster-Bürokratie auf den Umbau zur Rüstungsindustrie – nicht verstehend, wie unausweichlich das keine „Investititon“ in Wirtschaftswachstum ist, sondern Staatskonsum, zu zahlen durch noch mehr Steuern.
MultiPolar, das 2024 nach einem jahrelangen Rechtsstreit die am Ende weitgehend ungeschwärzten Protokolle des RKI-Krisenstabs zur Corona-Pandemie freiklagte und veröffentlichte, berichtet von Gerüchten im Netz, wonach die Ukraine mithilfe von Israel False Flag Angriffe auf einen oder mehrere NATO-Saaten durchführen wolle. MultiPolar meldet Truppenverlegungen an die polnische Grenze.
Italiens Premier Giorgia Meloni meint, Provokationen aus Moskau nähmen zu, weil Putin durch Eskalation mit Europa davon ablenken will, dass sich die Ukraine-Lage nicht so entwickelt, wie Putin es vorhergesagt, erklärt und seinem Volk versprochen hat. Meloni meint, auf diese Provokationen sollte nicht reagiert werden. Meloni sagt in 20 Punkten aber auch, wie sich Europas Staaten auf den Fall der Fälle vorbereiten sollen.
Wo es sonst niemand sagt, tut es Marine LePen: »Niemand spricht darüber, deshalb tue ich es heute: Der Krieg in der Ukraine ist ein wahres Gemetzel. Es gibt unzählige Tote, zwei Millionen Opfer. Und junge Ukrainer, die unerschütterlichen Mut beweisen. Wir müssen wir eine große Friedenskonferenz organisieren.«
Was niemand vergessen sollte, Wünsche wie dieser lassen sich durch Kriege nicht erfüllen. So wünschenswert eine konsequente Dezentralisierung aller Großgebilde wäre und bleibt.
Wie gesagt, noch einmal: Verlegt Donald Trump US-Truppen nach Polen und damit ans Baltikum, lassen sich damit leichtfertige Operationen von Ost UND West besser verhindern als nur von Bitburg und Grafenwöhr aus.


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Man wird sehen, leider zu spät, ob es reicht. Das alles andere als zufällige “ Interesse“ der “ Machthaber“ in Teilen Europas an einer “ Begründung“ bzw auch Lage, in der sie “ frei“ agieren können, ohne von einer Wahl bedroht zu sein, ist jedenfalls erkennbar. Was nicht überrascht, denn es begann spätestens mit der Ukraine und der bekannten Ehrlichkeit von Mr. J. aus GB. Vermutlich schon deutlich früher. Da “ wartet“ man sehnsüchtig auf die ggf selbst provozierten Gelegenheiten. Dass Russland nicht nur das willkommene Feindobjekt darstellt, sondern der “ neuen WO“ der Transformatoren im Wege steht, ist klar.… Mehr
US-Truppen in Polen sind schon immer der Wunsch dortiger Regierungen, um das im Hintergrund mulmige Gefühl der Polen für ihre Landnahmen latent unter der Decke zu halten. Schon lange betteln sie um die Stationierung von US-Truppen, das flaue Gefühl ist vermutlich westlich und östlich begründbar. So manche aufbrausende Forderung oder Reaktion läßt darauf schließen.