Kurz vor den Midterm-Wahlen in den USA wäre dem US-Präsidenten beinahe ein kleiner PR-Coup gelungen: Ein Dutzend katholische Bischöfe hatten sich im Weißen Haus zusammengefunden. Videos, die zeigen, wie sie für den Präsidenten beten, wurden im Netz veröffentlicht. Doch eine ganze Reihe Bischöfe distanziert sich nun ausdrücklich. Sie sehen sich instrumentalisiert.
Screenprint: Youtube / Erzdiözese Denver
Mehrere US-amerikanische katholische Bischöfe, die am 22. Oktober im Oval Office gemeinsam mit Präsident Donald Trump und für ihn gebetet haben, distanzieren sich von der öffentlichen Wirkung des Treffens.
Unter anderem äußerten der Erzbischof von Milwaukee, Jeffrey Grob, und Bischof William Joensen von Des Moines, Iowa, ihr Bedauern über die Wahrnehmung des Treffens als Parteinahme für Trump. Sie kritisierten, dass das Treffen für politische Zwecke instrumentalisiert worden sei. Ein Video und Fotos der Szene waren kurz vor den Kongresswahlen Anfang November vom Weißen Haus in den sozialen Medien verbreitet worden, ohne begleitende Erklärung.
Die Aufnahmen zeigen den US-Präsidenten an seinem Schreibtisch, umringt von einem Dutzend Bischöfen, die teils mit erhobenen Händen „über ihn“ beten – eine vor allem unter Evangelikalen verbreitete, aber auch im katholischen Raum nicht unübliche Form des fürbittenden Gebets. Anwesend waren auch Trumps Glaubensberaterin Paula White-Cain und Jennifer Korn, Direktorin des White House Faith Office.
Laut den Teilnehmern waren sie vom Faith Office eingeladen worden, um über für Katholiken relevante Themen zu sprechen, wie etwa den Schutz des Lebens, die Würde von Migranten und Religionsfreiheit. Die US-Bischofskonferenz (USCCB) war an dem Treffen nicht beteiligt.
Nach Kritik unter anderem in den sozialen Medien veröffentlichte Erzbischof Grob einige Tage später eine „öffentliche Entschuldigung“. Es sei nie seine Absicht gewesen, Verwirrung unter den ihm anvertrauten Gläubigen zu stiften.
Grob erklärte, das Treffen sei kein Ausdruck von „endorsement“, Parteinahme, für den Präsidenten, seine Politik oder seine Partei. Er habe nicht gewusst, dass gefilmt und die Aufnahmen veröffentlicht würden, dies sei ohne seine Zustimmung geschehen. Er sei der Meinung gewesen, es handele sich um ein privates Gespräch mit der Möglichkeit eines privaten Gebets. „Wir hätten vom Weißen Haus nie in diese Position gebracht werden dürfen“, schrieb er und räumte ein, Vorbehalte gehabt, diese aber ignoriert zu haben.
Er hätte „klüger und weniger einfältig“ sein sollen, ließ Bischof Joensen in Anlehnung an das Matthäus-Evangelium verlauten. Jesus fordert seine Jünger darin auf, zugleich „klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben“ zu handeln. Auch Joensen betonte, dass nicht beabsichtigt gewesen sei, Unterstützung für Trump zu signalisieren. Er verwies darauf, dass viele Aspekte der gegenwärtigen Administration „im klaren Widerspruch zum katholischen Glauben“ stünden.
Der Erzbischof von Denver James Golka, der das Gebet anleitete, veröffentlichte selbst ein Video des Gebets, stellte später aber klar, dass es sich nicht um eine politische Geste gehandelt habe. Auch Scott Bullock, Bischof von Rapid City in South Dakota, und der emeritierte Erzbischof von Kansas City, Joseph Naumann, äußerten sich dementsprechend.
Das Weiße Haus verteidigte das Treffen. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses Taylor Rogers erklärte gegenüber EWTN News, es habe „nie einen größeren Präsidenten für katholische Amerikaner als Präsident Trump“ gegeben. Sie führte unter anderem Maßnahmen zum Schutz religiöser Rechte, die Begnadigung von Abtreibungsgegnern und den Schutz von Elternrechten an.
Der katholische Kommentator Michael Knowles bezeichnete die Diskussionen um das Treffen als „nontroversy“ – eine „Nicht-Kontroverse“: Es sei Aufgabe der Bischöfe, auch für Politiker zu beten. Allerdings ignoriert diese Darstellung, dass dafür physische Anwesenheit nicht notwendig ist und dass eine Vereinnahmung der Bischöfe und damit der katholischen Kirche für den Wahlkampf des US-Präsidenten naheliegt, wenn diese sich in dieser Form präsentieren lassen.
In den traditionell protestantisch und durchaus antikatholisch geprägten USA sind die katholischen Wähler, die jahrzehntelang mehrheitlich die Demokraten wählten, uneins darüber, wie sie sich zur Trump-Regierung positionieren sollen. Das betrifft sowohl Themen, bezüglich derer die Gläubigen untereinander gespalten sind – etwa den Umgang mit illegalen Migranten – als auch Themen wie In-Vitro-Fertilisation. Hier widerspricht Trumps Haltung dem katholischen Glauben diametral. Die Stimmen der US-Katholiken sind Trump also keinesfalls sicher, obwohl die Demokraten insbesondere aufgrund ihrer Haltung zum Lebensrecht für praktizierende Katholiken so gut wie unwählbar sind.
Papst Leo XIV. schreckt nicht davor zurück, die Trump-Administration deutlich zu kritisieren, wo ihre Politik mit katholischen Überzeugungen in Konflikt gerät. Die Stellungnahmen der Bischöfe lassen darauf schließen, dass sie in dem Treffen eine Gelegenheit sahen, für katholische Standpunkte zu werben. Bemerkenswert ist jedoch, dass etwa Robert Barron nicht zugegen war. Der Bischof von Winona-Rochester (Minnesota) ist vor allem durch seine mediale Präsenz weltweit bekannt und wirkt als katholischer „Influencer“. Er gilt als Trump-nah, scheut sich aber nicht, den Präsidenten zu kritisieren. Es ist fraglich, ob es mit einem derart medien- und politikerfahrenen Bischof zu potenziell kompromittierenden Szenen gekommen wäre.


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Wie oft muss ich noch aus der Kirche austreten!?!
Alles was schon im Netz ist, kann im Nachhinein nicht mehr korrigiert werden, in dem Fall ist es auch gut so ❗