Audi baut ein neues Werk in den USA, Georgia: Audi-Chef Döllner dankt Trump für die Unterstützung und erzürnt damit die Vorstände von VW-Betriebsräten, Gewerkschaften und SPD-Bundestagsabgeordneten. Dabei vergessen sie, dass sie das Abwandern der bedeutenden Industrie mitverantworten.
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Da tut ein deutscher Automanager etwas, was seine Aufgabe ist, nämlich im Sinne des Fortbestandes seines Unternehmens zu handeln und schon fallen die Geier, die die eigene Industrie in die Pleite treiben, über ihn her. Audi-Chef Gernot Döllner hatte, wie es sich gehört, US-Präsident Donald Trump für die „Unterstützung und die großartige Gelegenheit“ gedankt, in Georgia ein neues Werk aufzubauen: „Wir planen, unsere größten und ‚premiumsten‘ SUVs hierher nach Macon zu bringen und sie hier zu produzieren!“
Vier Milliarden Dollar fließen in ein neues Werk in den USA. Dort sollen 4.500 Jobs entstehen und Anfang der 2030er-Jahre jährlich bis zu 200.000 Autos gebaut werden. Produziert wird dort, wo die Bedingungen günstig sind und ein möglichst guter Gewinn entsteht.
Das ist nunmal in Deutschland nicht mehr der Fall. Hier, auf der anderen Seite des Teiches, stehen Audis Abbaupläne. Bereits im März 2025 wurde ein „Abbau“ von bis zu 7.500 deutschen Stellen vereinbart, der vor allem indirekte Bereiche treffen soll. Audi bestätigte zugleich Investitionen von acht Milliarden Euro an den deutschen Standorten bis 2029. Es sind außerdem betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen – zumindest bis Ende 2033.
Allerdings fehlen für den Standort Neckarsulm mit rund 15.000 Beschäftigten weiterhin Perspektiven ab 2034. Bis Juni 2027 soll zwar ein Zukunftskonzept vorliegen. Doch die Tendenz ist klar und nicht überraschend: Neue Jobs in Amerika, weniger Stellen in Deutschland.
Das kann nur diejenigen überraschen, die absichtlich die Zerstörung der deutschen Autoindustrie vorantreiben und nun, da die Verwerfungen immer offensichtlicher werden, die Schuld bei anderen suchen. Energie und Rohstoffe exorbitant zu verteuern, sich immer verrücktere Regularien einfallen zu lassen, um sich dann über wilderes Fahrwasser zu beschweren, ist schon seltsam.
Empörung über Wahlkampfunterstützung für Trump, statt nötige Selbstkritik
Hier bietet sich Donald Trump als willkommener Punchingball an. Da ruft eine Daniela Cavallo laut dpa: „Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe“. Die Dame ist eigentlich VW-Konzernbetriebsratschefin, geht übrigens mit rund 300.000 im Jahr nach Hause und schäumt auch gegen VW-Chef Oliver Blume, der sich „von einer höchst zweifelhaften politischen Figur, die gegen so ziemlich jeden unserer Unternehmenswerte verstößt, zur Marionette in dessen Propaganda-Show machen lassen“.
Sie wirbt gern mit ihrer italienischen Herkunft, hat aber außer hohlen Phrasen aus dem Phrasenautomaten der Transformations-Ideologie, Empörung, „klimaneutral“-Sprüchen und „Transformations“-Träumen nichts drauf. Selbst die Arbeit am Fließband erlebt hat sie nicht, steht dafür einer Armee von satten VW-Betriebsräten vor, mit denen China wieder eine eigene Autofabrik betreiben würde.
„Unternehmenswerte“ heißt für sie fünf Prozent mehr Geld, keine betriebsbedingten Kündigungen und natürlich in Hülle und Fülle Subventionen sowie Zölle auf chinesische Hybridautos. Sie warnt natürlich vor einem Aus des Verbrenner-Aus, dem grundsätzlichen Fallbeil für europäische Autohersteller. Sie hat im Aufsichtsrat kräftig am Elektrokurs von VW und damit am Niedergang mitgeschraubt, wundert sich jetzt darüber, dass sich die wirtschaftliche Vernunft anders ausrichtet.
Nicht viel mehr kommt von IG-Metall Chefin Christiane Benner. Nur „peinlich“ und „politisch inakzeptabel“ fällt ihr ein. „Audi-Chef macht Wahlkampf für Trump. Das ist eine Schande“ haut Isabel Cademartori raus, SPD-Bundestagsabgeordnete für Mannheim. Sie nennt sich „verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag“ und sagt: „Während Beschäftigte in Deutschland um ihre Arbeitsplätze bangen, verkündet Audi bei Trump Milliardeninvestitionen in ein neues Werk in Georgia. Der Audi-Chef tritt auf Trumps Wahlkampfbühne auf und bedankt sich bei ihm. Damit gibt der VW-Konzern Trumps Handelskrieg recht. Und er hilft mit, dass Demokratieabbau, Gewalt gegen Minderheiten und Korruption unkontrolliert weitergehen. Offensiv Wahlkampf für einen Autokraten zu betreiben, der einen Handelskrieg gegen Deutschland führt, ist ein neuer Tiefpunkt für den VW-Konzern. Das wird sowohl dem Wirtschaftsstandort als auch der eigenen Marke massiv schaden.“
Die deutsche Autoindustrie leidet unter der Politik und dem „Staatssystem VW“
Dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden erkennbar andere Einflüsse. Ein Hintergrund der neuen Audi-Fabrik sind die US-Einfuhrzölle. Sie kosteten Audi rund 1,2 Milliarden Euro im Jahr. Mit einer eigenen Fabrik will der Konzern diese Belastung verringern und seinen Absatz steigern. Die für Georgia vorgesehenen großen SUVs kommen zwar bisher aus Bratislava, doch die Signalwirkung ist eindeutig: Fast jeder investierte Euro fließt ins Ausland, während im Heimatland abgebaut wird. Dies, obwohl doch gerade der Bayerische Ministerpräsident Söder (CSU) das hohe Lied auf den bayerischen Standort geschwungen hat und gleichzeitig der Ingolstädter Autobauer das Feld räumt.
Allerdings liegt die Rettung nicht allein in der Flucht über den Atlantik. Die deutsche Autoindustrie wird zwischen zwei Mahlsteinen zerrieben: Auf der einen Seite eine Politik, die nach Leibeskräften das Aus der Autofabriken befördert – je schneller, desto besser – und auf der anderen Seite ein „Staatssystem VW“, in dem sich Managerbeamte, Betriebsräte sowie Politvertreter bequem eingerichtet und sich jahrelang die Taschen gefüllt und gegenseitig geschützt haben.
Mit solchen Figuren wird das nun endgültig nichts mehr. Sie sind Teil des Problems. Ausbaden müssen das die Beschäftigten an den Bändern in Ingolstadt, Neckarsulm und Zwickau – und alle in Familien, Geschäften und Gemeinden, Zulieferern und bei anderen Betroffenen.




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