Trump vor dem Kongress: „Wir sind besser, größer und reicher als je zuvor“

US-Präsident Donald Trump hat seine politische Agenda verteidigt und den Zustand der Nation betont optimistisch geschildert. Die Ansprache vor dem Kongress war geprägt von patriotischen Appellen, Angriffen auf politische Gegner und einem Bekenntnis zu einer konfrontativen Wirtschafts- und Außenpolitik.

picture alliance / Anadolu | Nathan Posner

Trotz aller Aussagen des US-Präsidenten zeigen Umfragen, dass viele US-Bürger die wirtschaftliche Lage deutlich skeptischer beurteilen: Vor allem hohe Lebenshaltungskosten beschäftigen große Teile der Bevölkerung. Die Republicans bereiten sich auf die Zwischenwahlen im November vor – Trump sprach in seiner eine Stunde und 47 Minuten langen Rede von einer „Wende für die Ewigkeit“ und erklärte selbstbewusst: „Wir sind besser, größer und reicher als je zuvor.“

Handelskonflikt und Supreme Court

Ein Schwerpunkt der Rede lag auf der Handelspolitik: Nur wenige Tage zuvor hatte der Oberste Gerichtshof zentrale Elemente von Trumps umfassender Zollagenda mit einer knappen Mehrheit für unzulässig erklärt. Das Urteil des Supreme Court of the United States stellt einen erheblichen Rückschlag für den Präsidenten dar. Trump reagierte umgehend. Er kündigte pauschale Importzölle von zehn Prozent auf Waren aus sämtlichen Ländern für einen Zeitraum von 150 Tagen an. Zudem stellte er in Aussicht, die Abgaben auf 15 Prozent zu erhöhen, ließ diesen Schritt bislang jedoch offen.

Der Präsident vertrat vor dem US-Kongress seine Linie energisch: Die Zölle „retteten das Land“, sagte er, und sie brächten erhebliche Einnahmen. In einer weiteren Behauptung erklärte Trump erneut, Zolleinnahmen könnten eines Tages die Einkommensteuer ersetzen und damit die Bürger finanziell entlasten. Die üblichen Experten halten dies für unrealistisch. Zudem stützt sich Trumps neue Zollstrategie auf eine bislang von keinem Präsidenten genutzte Rechtsgrundlage – eine Tatsache, die weitere juristische Auseinandersetzungen wahrscheinlich macht.

Nach öffentlicher Kritik an einzelnen Richtern – darunter John Roberts, Amy Coney Barrett und Neil Gorsuch – blieb eine offene Konfrontation im Kongress jedoch aus. Trump sprach von einer „bedauerlichen Entscheidung“, vermied aber direkte Angriffe. Beim Einzug schüttelte er den anwesenden Richtern demonstrativ die Hand, berichtet dazu das Wall Street Journal.

Versprechen zu den Lebenshaltungskosten

In wirtschaftlichen Fragen suchte Trump die Offensive: Er machte die Democrats für die hohen Preise verantwortlich und erklärte unter Applaus der Republicans: „Ihre Politik hat die hohen Preise verursacht, unsere Politik beendet sie rasch.“ Tatsächlich sind die Verbraucherpreise in vielen Bereichen weiterhin hoch, auch wenn einzelne Güter zwischenzeitlich günstiger geworden sind.

Trump verwies auf sinkende Kosten für Eier, Rindfleisch und Treibstoff. Zudem kündigte er an, gegen die „erdrückenden Kosten im Gesundheitswesen“ vorzugehen. Ein bereits vorgestellter Reformrahmen sieht vor, staatliche Subventionen stärker direkt an Verbraucher statt an Versicherer zu leiten. Das Vorhaben hat im Kongress bislang jedoch kaum Unterstützung gefunden.

Auch die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente wolle seine Regierung weiter senken. Zudem sprach sich Trump gegen den großflächigen Aufkauf von Wohnimmobilien durch Investmentgesellschaften aus und forderte den Kongress auf, entsprechende Maßnahmen gesetzlich zu verankern.

Außenpolitik: Iran im Fokus

International widmete sich Trump insbesondere dem Konflikt mit dem Iran: Die US-Regierung führe Gespräche, um das iranische Atomprogramm zu stoppen, betonte der Präsident. Sein Ziel sei eine diplomatische Lösung, doch er vermisse ein klares Zugeständnis Teherans, dauerhaft auf Atomwaffen zu verzichten. Zugleich bezeichnete er das iranische Regime als größten staatlichen Unterstützer des Terrorismus weltweit. Trump wörtlich: „Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte Förderer des Terrors, der sie bei weitem sind, eine Atomwaffe besitzt. Das kann ich nicht zulassen. Wir befinden uns in Verhandlungen mit ihnen. Sie wollen einen Deal machen.“

In den vergangenen Wochen hatten die USA ihre militärische Präsenz im Nahen Osten verstärkt. Trump betonte, seine Außenpolitik folge dem Prinzip „Frieden durch Stärke“.

Vier Sekunden für den Krieg in der Ukraine

Den nunmehr seit vier Jahren andauernden Ukraine-Krieg streifte Trump nur für einige Sekunden, über Grönland fiel kein Wort. Auch in der Außenpolitik lobte sich Trump selbst: Er habe die NATO-Partner dazu gebracht, ihre Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen – konkret auf ein Ziel von 5 % des BIP bis 2035. Er betonte, dass alles, was die USA in die Ukraine schicken, nun über NATO-Partner finanziert und voll bezahlt werde (zum Beispiel durch europäische Käufe amerikanischer Waffen). Er präsentierte das als großen Sieg für Amerika, der die Allianz stärker und fairer mache – ohne die üblichen scharfen Drohungen aus früheren Jahren, mit dem Tenor „America First“ und Betonung, dass die USA nicht mehr alles allein zahlen.

Migration, Wahlrecht und politische Spannungen

Ein besonders kontroverser Teil der Rede betraf die Einwanderungspolitik: Trump sprach von einer „Invasion an der Grenze“ und warf den Democrats vor, die nationale Sicherheit zu gefährden. In einem besonders emotionalen Moment forderte er, die Democrats mögen aufstehen, wenn sie der Ansicht seien, dass der Schutz amerikanischer Bürger oberste Priorität habe. Die Republicanes applaudierten und stimmten USA-Rufe an, die meisten Demokcats blieben sitzen.

Zudem forderte Trump bundesweite Gesetze der verpflichtenden Wähleridentifikation und unterstellte seinen politischen Gegnern, entsprechende Maßnahmen aus taktischen Gründen abzulehnen.

Abschließend ernannte er Vizepräsident JD Vance zum Leiter eines verstärkten Kampfes gegen den Steuerbetrug. Vance kündigte die Bildung einer ressortübergreifenden Taskforce an, um Missbrauchsfälle aufzudecken und öffentliche Mittel effizienter einzusetzen.

Trumps Rede war damit mehr als eine Bilanz – sie war die erneute Kampfansage an seine politischen Gegner. Trumps Anhänger sagen, die Democrats seien bei seiner Rede zur Lage der Nation im Kongress in seine Falle gelaufen.

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