NATO-Aktivität in Grönland: Erste Reaktion Moskaus

Es sind zwar nur 13 Bundeswehr-Soldaten mit einigen Kameraden aus anderen NATO-Ländern auf Grönland eingetroffen, doch der Kreml wertet dies als „Provokation“: Moskau reagiert nun erstmals auf die jüngsten Trüppchenentsendungen mehrerer europäischer NATO-Staaten in die Arktis.

picture alliance/dpa | Julia Wäschenbach

Die verstärkte Präsenz westlicher Truppen auf der autonomen dänischen Insel Grönland bleibt von Russland nicht unkommentiert: Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, warnte gestern in einer Pressekonferenz davor, russische Interessen in der Polarregion – vor allem im Bereich der Sicherheit – zu ignorieren.

Solche Versuche würden „nicht ohne Antwort bleiben“ und „sehr weitreichende Folgen“ haben, sagte Sacharowa laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS und anderer Berichte.

Der Grund für den russischen Zorn liegt in der aktuellen Debatte um die strategische Bedeutung Grönlands: US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Wochen wiederholt betont, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die weltgrößte Insel übernehmen müssten, um sie vor Bedrohungen durch Russland und China zu schützen.

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Trump argumentiert, Grönland sei unzureichend gesichert und es bestehe die Gefahr, dass Russland oder China die Insel „übernehmen“ könnten, falls die USA nicht handelten. Er sprach von russischen und chinesischen Kriegsschiffen und U-Booten in der Region – Behauptungen, die von dänischen Vertretern als übertrieben oder unbelegt zurückgewiesen wurden.

Wie berichtet, haben mehrere europäische NATO-Staaten – darunter Dänemark selbst, Frankreich, Deutschland, Norwegen, Schweden, Finnland und Großbritannien – in den vergangenen Tagen mit der Entsendung kleinerer militärischer Kontingente nach Grönland begonnen. Ziel sei, die Verteidigungsfähigkeiten in der Arktis zu stärken und gemeinsame Übungen durchzuführen.

Dänemark kündigte eine Ausweitung seiner militärischen Präsenz in und um Grönland an, in enger Abstimmung mit NATO-Partnern. Diese Maßnahmen werden offiziell als Reaktion auf die geopolitischen Spannungen und die Notwendigkeit einer kollektiven Sicherheitsvorsorge dargestellt. Warum Dänemark das nicht vor Trumps Initiativen getan hat, blieb unbeantwortet.

Aus russischer Sicht handelt es sich dabei jedoch um eine gezielte Militarisierung der Region. Sacharowa bezeichnete die europäischen Initiativen als „nächste Provokation der westlichen Länder“, die versuchten, ihre eigene Ordnung auch in der Arktis durchzusetzen. Die NATO-Staaten würden damit eine Eskalation fördern und die Sicherheit Russlands als eines der wichtigsten Anrainerstaaten des Arktischen Ozeans gefährden.

Russland verfügt über die mit Abstand längste Küstenlinie zum Polarmeer und betrachtet die Arktis traditionell als zentrale Interessensphäre für wirtschaftliche, ressourcenbezogene und militärische Belange.

Russischer Botschafter warnt vor Aufrüstung in der Arktis

Auch der russische Botschafter in Dänemark, Wladimir Barbin, kritisierte die aktuellen NATO-Aktivitäten rund um Grönland: Er warf der NATO vor, unter dem Vorwand einer russischen oder chinesischen Bedrohung die Arktis massiv aufzurüsten. Weder Russland noch China hätten je Ansprüche auf Grönland erhoben, betonte Barbin. Stattdessen nutzten NATO-Staaten – einschließlich Dänemarks – das Narrativ einer äußeren Gefahr, um eine konfrontative Politik zu betreiben. Durch die Einbeziehung der NATO in arktische Angelegenheiten fördere Dänemark Spannungen und setze auf Konfrontation statt auf breite internationale Kooperation. Barbin forderte, dass alle Fragen der Arktis im Rahmen des Völkerrechts und durch Dialog gelöst werden sollten, um eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Die russische Reaktion bestätigt die Brisanz der Entsendung selbst geringer Truppenteile in die Arktis – gleichzeitig dürfte der NATO-interne Konflikt um Grönland Moskau nicht ganz ungelegen kommen. Die russische Kritik kommt allerdings auch Trumps Position zupass.

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