In Israel feiern die Menschen Purim: Die schöne und kluge Esther rettete einst ihr Volk vor einem Genozid, indem sie den König von Persien bezirzte. Mit gelassener Wachsamkeit versuchen die Menschen, sich ein Stück Normalität zu erhalten.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Paulina Patimer
Die Anfrage eines nichtjüdischen Freundes aus Bayern, wie es uns denn so gehe mitten im Krieg in Israel, war der Anlass, ihm aktuell zu berichten. Die Nachricht erreichte mich im Supermarkt, wo ich vor dem Kaffee-Regal die bevorzugte italienische Sorte meines Sohnes suchte und fand. Aus den Augenwinkeln beobachtete ich die Fleisch- und Wursttheke, wo sich ohne jede Hektik eine längere Schlange bildete. Aber nicht wegen eines vermuteten Mangels. Keiner drängte, denn die Auswahl auch an frischem Käse und ofenwarmen Baguettes ist reichhaltig.
Die meisten haben ihr Smartphone in der Hand, denn jeden Moment könnte ein Alarm mit der Aufforderung wieder aufleuchten, den nächsten Schutzraum aufzusuchen. Aktuell ist zu lesen: Israel hat in den letzten 24 Stunden 600 Bomben auf Teheran abgeworfen.
Apropos Teheran: Israel feiert in diesen Tagen Purim. Ein Fest, das daran erinnert, dass vor 2500 Jahren ein König in Persien, Ahasveros, auf Rat seines Ministers, Haman, das jüdische Volk – wieder einmal – ausrotten wollte. Der Grund war ziemlich schwerwiegend. Der Hof-Jude Mordechai hat sich geweigert vor dem König niederzuknien. Aber dann kam eine schöne jüdische Frau ins Spiel. Ihr Name: Esther.
Der König war hin und weg von der Ausstrahlung des jungen Geschöpfes. Sie bezirzte ihn, wurde Königin und das Volk der Juden war gerettet. Haman landete am Galgen und Mordechai hat alles aufgeschrieben. Deshalb stehen heute, am „14. Adar 5786“, an der Kasse im Supermarkt irgendwo in Israel als Königin Esther kostümierte Frauen neben Männern, die als persische Könige verkleidet sind und zahlen per Paypal ihre Einkäufe. So schaut Fasching in Israel aus, erfährt der nichtjüdische Freund in Bayern.
Der ist sich ziemlich sicher, dass die WhatsApp-Fotos, die ihn vom Supermarkt in Israel erreichen, KI-generiert sind. Ich biete ihm an, ihn telefonisch mit einem Schwarzhutträger zu verbinden, der am Eingang des Supermarkts dafür wirbt, im bombensicheren Untergeschoß des naheliegenden Rathauses, das „Buch Esther“ laut vorzutragen, dabei zu singen und „auf das Leben“ ein oder mehrere Gläser Wein zu trinken. Durchsage im Supermarkt: heute im Sonderangebot ‚frische Salate‘.
Während ich an den gut sortierten Kühltruhen vorbei flaniere, meldet das Smartphone: der israelische TA25-Börsenwert: plus 4,61 Prozent, der TA125 plus 4,75Prozent. Wohlgemerkt: Wachstum gegenüber dem Vortag.
An der Supermarktkasse steht vor mir ein Mann mit seinem gutgefüllten Einkaufskorb und lacht in sich hinein: Was ist denn in Zeiten wie diesen so lustig? Er zeigt mir sein Smartphone, wo in einer social-media-Nachricht zu lesen ist: Frankreich hat Israel von der bevorstehenden Paris Air Show ausgeladen. Die Air Show in Frankreichs Hauptstadt ist nichts anderes als ein Großmarkt für Waffen. Eine Branche, in der Israel einiges anzubieten hat. Jetzt hat Israel zum Ausgleich Frankreich nach Teheran eingeladen, Waffen „Made in Israel“ – live – zu erleben.
Die Verbindung zu meinem nichtjüdischen Freund ist längst ohne eine Verabschiedung unterbrochen.

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Klare Worte:
https://youtu.be/GhHwTxh96W0?si=C1jkF1YOzW3nv8-F
(zweiter Versuch, mal sehen, ob Tichy diesen Kommentar wieder sang und klanglos unter den Tisch fallen lässt, oder erst postet, wenn der Artikel veraltet ist)
Israel befindet sich seit über 70 Jahren nicht wirklich im Frieden. Die Menschen haben sich mit einem Leben arrangiert, dass nie fernab von kriegerischer Gewalt war. Und gerade jetzt wird das den Menschen jenseits von Politik und Medien bewusst. Sie erleben Raketeneinschläge die ihnen kein Schreiberling einordnen muss. Wenn ich dann aber solche Sätze lese: „Aus den Augenwinkeln beobachtete ich die Fleisch- und Wursttheke, …“ oder „Während ich an den gut sortierten Kühltruhen vorbei flaniere,…“ , dann lese ich ein Marketing-Fail. Es erinnert auch an die Omis, die in den 60er/70er Jahren aus dem Westen in den Osten Deutschlands zurück… Mehr
Danke für diesen Bericht. Er bestätigt mir vollends meine Einschätzung über Israel und die Israeliten.
Israel ist das was ich unter einer wehrhaften Demokratie verstehe. Ein Volk mit einem gesunden Patriotismus und einer Einigkeit wenn ums „Ganze“ geht. Natürlich gibt´s ein paar grünlinke Spinner, aber die gewinnen in Israel nie die Oberhand. Auch der Umgang mit dem Islam ist bemerkenswert. Israel weiß wie man dem Islam begegnen muss, mit Härte und keinem Zurückweichen, keinen Zentimeter. Das Einzige was bei den Muslimen größer ist als der Hass auf Israelis, ist die Angst vor ihnen.
20% der Israelis sind Moslems. Sie leben besser und sicherer als irgendwo anders in Nahost. Sie leisten Militärdienst. Sie sind gleichberechtigte Bürger.
Exiled Iranian Prince Reza Pahlavi: „There are only two nations on this planet that can claim they have a biblical relationship with one another. One is Israel, one is Iran.“ https://x.com/Osint613/status/2022735913403478111
Hat der schon mal was von Ägypten gehört? Solches Gesülze macht bloß vollends unglaubwürdig.
Purim hat eine über karnevalsähnliche Belustigung hinausgehende tiefe spirituelle Bedeutung im Judentum. Es ist vermutlich auch kein Zufall, dass der Beginn des Angriffs auf den Iran am „Schabbat des Gedenkens“, dem Schabbat vor Purim begonnen wurde. Das jüdische Gedenken an den (historisch so nicht gesicherten) Angriff der Perser auf Anordnung von Haman (einem angeblich direkten Nachkommen von Amalek, dem Enkel Esaus) auf die Israeliten ist in bestimmten religiösen Kreisen Israels (zum Beispiel dem Kreis um Netanjahu) mit einem unbedingten Rachegebot gegenüber denen verbunden, die als „Amalek“ und damit als irrationale, existentielle, hasserfüllte Bedrohung empfunden werden. „Amalek“ steht für die ewige,… Mehr
Sehr interessant, aber man braucht wohl kaum die Mythologie bemühen, um den Angriff Israels auf das Mullah-Regime zu verstehen. Dieses hat sich seit jeher die Vernichtung Israels auf die Fahnen geschrieben.
> Mit gelassener Wachsamkeit versuchen die Menschen, sich ein Stück Normalität zu erhalten.
Wenn man gerade Mädchenschulen und Weltkulturerbe (Golestanpalast – Wikipedia) bombardiert, kann man nicht zulassen, dass derartige Betätigung sich anormal anfühlt.
Vierter Kriegstag in Israel ….
Ist ja nicht so, dass Iran Israel angegriffen hat und der Krieg scheint sich ja für manche auch schon zu lohnen. Dann ist ja alles fein, oder?
Schön, wenn da jemand den Humor nicht verliert. Oder ist das wirklich ernst?
Wie viele Esthers habt ihr denn, die ihr mit den Pahlavis verheiraten könnt? 😉
Und hat Frankreich die Einladung angenommen?
P.S.: Die KI ist mittlerweile extrem gut, was generierte Bilder betrifft… *lach*
Ja, hier in Deutschland lachen wir uns auch gerade schlapp. Brent +7%, Gas +25% und die nächste Welle Massenmigration vor Augen. Wer solche Freunde hat, braucht wirklich keine Feinde mehr.
Auch dems in den USA kommen zu anderen Einschätzungen. Wir hier werden noch in 100e saure Äpfel beißen müssen, die uns schon lange vor die Tür gelegt sind: @SenFettermanPA : You can put out tweets and statements to support peace, but to actually create real peace, you have to do these kinds of actions… and that’s why I support this. https://x.com/RapidResponse47/status/2027788135204061506 . @SenFettermanPA : I’m tired of seeing people on social media saying, „we can never allow Iran to acquire a nuclear bomb“ … Well, if you’re not willing to do anything about it, then it must just be empty words…… Mehr