Im Orbit spielt sich eine ökonomische Revolution ab. Elon Musks SpaceX steht kurz davor, den Nachweis zu erbringen, dass privatwirtschaftliche Raumfahrt die staatliche Konkurrenz technologisch und kostenbezogen um Längen schlägt. SpaceX dürfte die Regeln der Staatswirtschaft völlig neu schreiben.
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Ein Bonmot vorab: Wenn der Staat kalkuliert, wird Raumfahrt zum Milliardengrab. Rechnen die Unternehmer, entwickelt sich eine Industrie. Am 28. September hat Elon Musks SpaceX mit Starship erstmals 26 Starlink-V3-Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Technisch ist das ein Meilenstein. Ökonomisch aber ist es noch interessanter. Denn die eigentliche Revolution spielt sich nicht am Himmel ab, sondern auf dem Boden der Tatsachen: bei den Kosten einer Rakete. Diese befinden sich durch interne Innovationsprozesse im Sinkflug, während die Firma durch spektakuläre Raketenstarts und Landungen Schlagzeilen macht.
Der Kostendruck auf SpaceX ist immens, und die Firma liefert Konkretes. Im Vergleich zu den Kosten der NASA lässt sich der unternehmerische Prozess schnell nachvollziehen: Die Produktionskosten einer SLS-Rakete der NASA werden auf mindestens 2,5 Milliarden Dollar beziffert. Das System ist für Nutzlasten von mehr als 100 Tonnen in den niedrigen Erdorbit ausgelegt. Europas Ariane 6 kann in ihrer leistungsfähigsten Konfiguration rund 21,6 Tonnen transportieren.
Der jüngste Flug hat die vollständige technische Reife des Systems allerdings noch nicht bewiesen. Ein Triebwerksproblem verkürzte die Mission. Die vollständige Wiederverwendung beider Raketenstufen – der entscheidende Schlüssel zur Kostenrechnung – muss sich erst im regulären Betrieb bewähren. Aber genau hier liegt bereits die ökonomische Bedeutung des Projekts: Ein privates Unternehmen verfolgt eine Architektur, die eine völlig andere Kostenordnung überhaupt denkbar macht. Wiederverwendung statt Wegwerfproduktion. Serienfertigung statt Einzelanfertigung. Schnelle Entwicklungszyklen statt jahrelanger Abstimmung. Fehler als Information statt Fehler als Anlass für die nächste Ausschusssitzung und für immer weitere Subventionszahlungen. Der substanzielle Unterschied zwischen Markt und Staatswirtschaft liegt in der Anreizstruktur.
Staatliche Bürokratie verwaltet Budgets. Unternehmer müssen mit realer Knappheit umgehen, Kapitalgeber von ihren Projekten überzeugen, Kunden gewinnen und im Wettbewerb kontinuierlich ihre Produkte verbessern und Kosten senken. Scheitert das Projekt, verliert der Unternehmer Geld. Scheitert ein Bürokrat, zahlt der Steuerzahler. Gelingt aber eine Innovation in der Privatwirtschaft, winkt der große Profit. Das richtige Anreizsystem zur Lenkung knapper Ressourcen entscheidet über die Prosperität einer Gesellschaft.
Dabei ist der Markt keineswegs stets ein System unfehlbarer Unternehmer oder gar transparenter Prozesse. Alles geschieht dezentral in hochkomplexen Entscheidungsstrukturen, für den Zentralplaner unmöglich nachvollziehbar. Unternehmer machen Fehler, investieren in falsche Technologien und gehen pleite. Auch dies ist die Regel. Allerdings liegt gerade hier der entscheidende Vorteil: Der Markt besitzt eine Selbstreinigungsfunktion, während Staatswirtschaft Subventionitis, Dauerinterventionen, Günstlingswirtschaft und höchste Korruption erzeugt. Ein Kapitalgrab entsteht.
Das Beispiel der Raumfahrt bricht mit alten Lehren und zeigt, dass die Privatwirtschaft der Staatswirtschaft zu jeder Zeit und in nahezu sämtlichen Aspekten des ökonomischen Lebens überlegen ist. Entsteht eine Marge, wird sie von Unternehmern und Investoren attackiert. Der Zauber der Marktwirtschaft entfaltet sich, ein Innovationsprozess setzt ein, der den Verbrauchern letzten Endes niedrigere Preise und notwendigerweise bessere Qualität beschert.
Geht es um die Bereitstellung öffentlicher Güter, gilt dasselbe: Natürliche Monopole, lange Zeit der letzte Rückzugsraum der Proponenten der Staatswirtschaft, existieren im Grunde gar nicht. Auch sie könnten durch Marktöffnung, Liberalisierung und privates Kapital geknackt werden.
Am Beispiel von SpaceX zeigt sich, dass die Antwort auf eine entscheidende Frage gegeben werden muss: Wie können im demokratischen Prozess die wichtigen Fragen der nationalen Sicherheit mit der Fähigkeit der Marktwirtschaft kombiniert werden, zu besseren und effizienteren Ergebnissen zu kommen, die gleichzeitig unter Kontrolle des nationalen Staates bleiben?
Es kann keine Lösung sein, einen Prozess mithilfe der Marktwirtschaft, mit Privateigentum und Wettbewerb anzustoßen, um später eine Verstaatlichung vorzunehmen und das Errungene vergammeln zu lassen.
Was wir allerdings beobachten können, ist eine Wende zu einer Art neuem Hamiltonismus: Zölle sind wieder en vogue, Teile der Privatwirtschaft arbeiten in einem marktwirtschaftlichen Rahmen unter der Ägide nationalstaatlicher Doktrinen und Anleitung.
Möglicherweise löst eine Rückkehr zu nationaler Souveränität die Frage zum Nutzen der Bevölkerung in demokratischen Regimen auf.





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