Der Nahostexperte Fabrice Balanche widerspricht der Bundesregierung, die eine Verbesserung der Sicherheitslage von Minderheiten in Syrien festgestellt haben will – trotz wiederkehrender Massaker und Greueltaten. Er warnt vor weiteren Flüchtlings- und Einwanderungswellen aus Syrien, den damit einhergehenden Sicherheitsrisiken und Sozialbetrug.
picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Bereits kurz nach dem Besuch Ursula von der Leyens in Damaskus Anfang Januar 2026 wird der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa in der kommenden Woche in Berlin erwartet. In den letzten Monaten traf al-Scharaa mit einer ganzen Reihe westlicher Staats- und Regierungschefs zusammen, während sich die Situation religiöser und ethnischer Minderheiten in Syrien weiter verschlechtert – erst Anfang des Jahres hatten Kämpfe zwischen kurdischen Milizen und islamistischen Regierungstruppen zu einer Fluchtwelle aus Aleppo, einer der größten Städte des Landes, geführt.
Der Nahost-Experte Fabrice Balanche, Beirat der Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI), sieht in der vom Westen offenbar angestrebten Stabilisierung keine Verbesserung der Sicherheitslage für Minderheiten. Er prognostiziert für die Zukunft Syriens eine autoritäre islamische Republik, die massiv gegen die Minderheiten vorgehen werde. Insbesondere Alawiten, Drusen und Kurden stünden im Visier. Die Vertreibung der Christen werde zwar nicht direkt vorangetrieben, jedoch von Damaskus toleriert.
Die Zahl der Todesopfer unter den Alawiten, die im März 2025 Massakern zum Opfer fielen, beziffert Balanche auf über 5.000 – deutlich mehr als die von offizieller Stelle bestätigten 1.400 Opfer. Balanche nennt auch Repressionen wie Verschleppung und Zwangsheirat und macht darauf aufmerksam, dass etwa der Anteil von Christen an der Gesamtbevölkerung von fünf auf ein Prozent gesunken sei. Auch Drusen und Kurden würden verfolgt, wobei sich diese Bevölkerungsgruppen teils zur Wehr setzten.
Al-Scharaa: Nach wie vor Islamist
Der Syrien-Experte warnt davor, den islamistischen Charakter des neuen Regimes in Damaskus zu verharmlosen. Eine Abkehr vom Dschihadismus erkenne er bei al-Scharaa nicht. Der Gründer der al-Nusra-Front habe zwar Berichten zufolge 2016 offiziell mit al-Qaida gebrochen, seine Männer trügen jedoch weiterhin das al-Qaida-Logo. Dies habe Balanche bei seinen Reisen nach Syrien selbst beobachten können.
Er attestiert dem Dschihadisten, der unter dem Kampfnamen al-Dscholani operierte, kluges politisches Taktieren: Al-Scharaa habe vermieden, ins Visier des Westens zu geraten, als dieser den Islamischen Staat bekämpfte: „Er gewann sogar an Glaubwürdigkeit als potenzielle Alternative zu Baschar al-Assad, zunächst in den Augen der Türkei, die ihn während des Krieges beschützte, und dann in den Augen des Westens. Es handelt sich jedoch zweifellos um ein islamistisches Regime, das die Minderheiten des Landes auslöschen und die Scharia einführen will. Derzeit befindet es sich in einer versöhnlichen Phase gegenüber dem Westen und spielt seine Zwangsmaßnahmen herunter. Das wird jedoch nicht von Dauer sein. Wir haben bereits die Massaker an Alawiten und Drusen erlebt, und nun sind die Kurden das Ziel“, so Balanche weiter.
Balanche sieht keine Indizien für eine Abkehr vom Dschihadismus.
Dementsprechend warnt er die deutsche Regierung mit klaren Worten: Al-Scharaas Versprechen seien unglaubwürdig. Finanzielle Unterstützung würde weder syrische Flüchtlinge zur Rückkehr bewegen noch Deutschland Einfluss verschaffen. Stattdessen drohten neue Migrationswellen durch ethnische Säuberungen.
Sicherheitsrisiko durch syrische Migranten
Er weist darauf hin, dass in Deutschland derzeit mehr als eine Million Syrer leben, von denen viele die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben. Im Zuge dessen könne sich die syrische Bevölkerung in Deutschland aufgrund von Familienzusammenführungen und einem gut etablierten Migrationsnetzwerk in kurzer Zeit verdoppeln oder verdreifachen, sollte es in Syrien zu einem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs kommen.
Dabei handele es sich nicht um Einwanderung, die sich an deutschen Interessen orientiere. „Vielmehr ist es eine chaotische Situation, die zu zahlreichen Sicherheitsproblemen wie Terroranschlägen, Antisemitismus und alltäglicher Unhöflichkeit sowie Sozialbetrug führt.“ Letzteres veranschaulicht Balanche an einem Beispiel aus eigener Anschauung. Er kenne selbst einen seit 2015 in Deutschland ansässigen Syrer, der mehrmals im Jahr nach Syrien zurückkehre, aber jeweils über Grenzübergänge einreise, an denen sein Reisepass nicht abgestempelt würde. In Syrien habe er eine Zweitfrau und Kinder, die mit deutschen Familienleistungen unterstützt würden. Balanche attestiert dem deutschen Staat Naivität, was derlei betrügerische Ausnutzung des deutschen Sozialsystems betrifft.
Dennoch haben bisher nur Oppositionsparteien den Besuch al-Scharaas kritisiert. Der AfD-Politiker Markus Frohnmaier erklärte, Merz mache sich unglaubwürdig – al-Scharaa müsse sich als Islamist mit dschihadistischer Vergangenheit erst als neuer Stabilitätsanker beweisen. Cem Özdemir thematisierte die Situation in Aleppo.
Die Bundesregierung hingegen betrachtet al-Scharaa als „zentralen Ansprechpartner“, um „Syrerinnen und Syrer auf dem Weg zu Frieden und Stabilität zu unterstützen.“ Sie verweist auf Zusicherungen auf Damaskus und behauptet, eine Verbesserung der menschenrechtlichen Lage erkennen zu können.
Dies widerspricht den Erfahrungen und Analysen von Nahostexperten wie Fabrice Balanche und Menschenrechtsorganisationen wie Christian Solidarity International oder Open Doors diametral.




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Links und Islam gesellt sich halt gern. Siegen wird am Ende die Partei – nein, nicht diejenigen, die das „Völkerrechte“ einhalten – die mehr „militärische“ Macht hat. Und da das in der EU kleine Terroreinheiten sind, die zu jeder Gewalttat bereit sind, wird es der Islam sein. Er hat m. E. das größere Gewaltpotential.
Wir glauben, weil der eiserne Vorhang gefallen ist, ist die Bedrohung durch den Sozialismus vorbei. Dabei übersehen wir, dass der Sozialismus sich modernisiert hat und sich jetzt unsereDemokratie nennt. Herrn Putin boykottieren wir, aber den demokratischen Sozialismus, den streben unserePolitiker an.
Irgendwie paßt in dieser politischen Dystopie nichts mehr zusammen, denn da werden Terroristen bei uns eingeladen um eine gemeinsame Zukunft zu gestalten, während man im inneren den politischen Gegner über Verbote zur Strecke bringen will und zu allem bereit ist diesen zu beseitigen, während man nach außen eine völlig unverständlich Politik betreibt, die widersprüchlicher nicht sein kann und keine klare Linie zu erkennen ist. Wenn dann auch noch ein Ministerpräsident von Zensur faselt um sogar die Meinung zu unterbinden dürfte das nicht gerade vertrauensfördernd sein und so fahren sie in ihren Ansichten direkt an die Wand und erreichen garnichts außer… Mehr
Danke für den treffenden Kommentar! Während dieser seltsame Husumer, wann immer er mit Amtskollegen aus westlichen Demokratien zusammentrifft, verlegen dasteht wie ‚Pik-Sieben im Schneegestöber‘, eilt er diesem finsteren Gesellen freudestrahlend entgegen wie einem langjährig vermissten ‚Best Buddy‘! ‚Unnatürliche politische Verbindungen‘ – wie Sie es nennen – ist wahrscheinlich ein Schlüsselbegriff: Nur kommt man dabei mit dem, was man ‚Gesunden Menschenverstand‘ nennt, zu keinem tiefen Verständnis dieser eigenartigen ‚Seelenverwandtschaften‘, die einem, wenn man nur lange genug drüber nachsinnt, das Blut in den Adern gefrieren lassen…
Warum geht es? Deutschland hat über zwei Millionen überwiegend männliche junge Syrer einwandern lassen. Sie haben, anders als erhofft, nicht die demographischen Probleme der geburtenarmen Deutschen gelöst, helfen aber kräftiig mit, die Staatsfinanzen zu ruinieren, weil sie meist nicht arbeiten. Deutschland müsste sie also allesamt wieder zurückschicken. Das aber können die linksliberalen Herrscher in Deutschland nicht zulassen, denn dann fielen ihre üblichen Begründungslinien für die Massenansiedlung von Muslimen in sich zusammen samt der Behauptung, der Isalm bereichere und sei eine Friedensreligion. Für die Syrer gilt: Die wollen nicht EINEN ihrer abgewanderten Söhne und wenigen Töchter zurück haben. Denn erstens hat… Mehr
Mir platzen die Trommelfelle vom lauten Klatschen von Al-Sharaa und seinen Kumpels auf ihre jeweiligen Oberschenkel. Vielleicht sollte mal wer den selbsternannten „Wertewestlern“ TAQIYA erklären.
Wir Deutschen tragen keinerlei Verantwortung für fremde Länder wie Syrien, das sich offenbar anschickt, bestimmte Menschengruppen auszurotten, die wir dementsprechend mitnichten aufnehmen müssen, das allerdings Balanche suggeriert, wenn er über „[…] neue Migrationswellen […]“ aus Syrien schwadroniert; dass jedoch die alliierte Nichtregierungsorganisation BRD (https://www.youtube.com/watch?v=UPJu7t5E9Mg), in Balanches Augen der „[…] deutsche Staat […]“, unter anderem im Zuge des sogenannten „Hooten-Plans“, vorsätzliche Ersetzung der Deutschen durch Migranten, weiterhin Syrern sogenanntes „Asyl“ gewähren wird, führt das eingangs erwähnte Faktum keinesfalls ad absurdum, sondern verdeutlicht lediglich, dass das Deutsche Volke und die alliierte Nichtregierungsorganisation BRD keineswegs kongruent sind!
So wird es auch mit dem Iran laufen. Hinterher wird man merken, dass wieder nur die einen gegen die anderen Fundamentalen gekämpft haben.
Dachte die deutsche Politik , ist geleitet durch humanistische Werte.
Fabrice Balanche hat in allem recht, was er sagt. Der syrische Schlächter wird vielleicht ein Dutzend Schwerverbrecher zurücknehmen, ansonsten aber dafür sorgen, dass noch mehr Syrer nach Deutschland kommen. Nicht die säkularen Syrer, die Christen oder Aleviten. Sondern die Islamisten, die hier schon die Massaker gefeiert haben. Diese Syrer bzw. ihre Nachkommen werden es auch sein, die in Deutschland den Dschihad und das Kalifat ausrufen und alle „Ungläubigen“ abschlachten werden. Deshalb ist es ja so albern, wenn mal wieder einer vom „Wertewesten“ schreibt und das ernsthaft meint. Der Wertewesten, das ist der, der den säkularen syrischen Präsidenten gestürzt und den… Mehr
So ist es. Bevor die Moslems nicht selbst merken, wer ihr schlimmster Feind ist, solange kann der Westen Männchen machen, Handstand, mit den Ohren wackeln, das bringt alles nichts. Ohne Aufklärung wäre der Westen auch nichts Besseres als Moslem, so aber hat man den *Druiden, Priestern etc. die Zähne gezogen, Halleluja. *dem ältesten Beruf der Welt – denn das sind sicher nicht die Hürchen. Fazit: „Der“ Westen ist sicher an vielem schuld, aber nicht an jedem Blödsinn der anderen. Diese westzentrierte Hybris sollten sich der mal abschminken. So wahr ihm Gott, der Herr Zebaoth helfe. Laisser faire, laisser aller – aber bleibt mir vom… Mehr