Modschtaba Chamenei auf einer Intensivstation in Teheran. Die vier, die faktisch regieren, IRGC-Veteranen, verfeindete Kommandeure der Revolutionsgarden der Generation Irak. Wer ist der Iran der Westmedien?
Screenshot X / Shanaka Anslem Perera
US-Marines enterten und beschlagnahmten am 19. April das iranische Frachtschiff M/V Touska. CENTCOM fing das iranisch-flaggte Schiff (Teil der sanktionierten Islamic Republic of Iran Shipping Lines – IRISL) im nördlichen Arabischen Meer ab. Das Schiff lief mit 17 Knoten Richtung Bandar Abbas (Iran) und versuchte, die US-Blockadezu durchbrechen. Sicherheitsquellen (zitiert von Reuters) schätzen, die Touska hatte Dual-Use-Güter an Bord. Das Schiff kam von einer Asien-Reise (u. a. Häfen in China und Malaysia) und hatte schon früher solche Güter transportiert.
Offiziell gibt es noch keine detaillierte Liste der Ladung – die Inspektion läuft. Trump schrieb auf Truth Social, die Truppen würden gerade „sehen, was an Bord ist“. Die IRISL steht seit 2019 unter US-Sanktionen, weil sie Teile für Irans Raketenprogramm transportiert haben soll. Die Aktion ist Teil der US-Seeblockade iranischer Häfen, die nach gescheiterten Verhandlungen verhängt wurde. Die USA wollen darüber hinaus verdächtige Schiffe weltweit kontrollieren und „Konterbande“ (auch Dual-Use-Güter) beschlagnahmen. Das IRGC-Regime in Tehearan sprach von „bewaffneter Piraterie“ und „offener Aggression“ und begründete keine sofortige Gegenaktion mit Familien an Bord der Besatzung.
Verhandeln mit wem?
Viele fragen, verhandeln Washington und Iran in Islamabad? Von Vorbereitungen, die auf Hochtouren laufen, ist die Rede, erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und so weitere. Verhandelt wird aktuell nicht. Die nächsten Stunden und Tage gelten als entscheidend, ob die zweite Runde tatsächlich zustande kommt. Dabei fällt bei allen unter den Tisch, mit wem Amerika da eigentlich verhandeln kann. West-Medien sprechen vom Iran so, als gäbe es dort EINE Regierung. – IRGC-Vahidi sagt, Verhandlungen kämen nicht infrage. Aber wer weiß, wer in Teheran was als nächstes sagt.
Shanaka Anslem Perera erklärt in seinem fachkundigen Text auf 𝕏. Die Islamische Republik Iran befinde sich nicht in einer theokratischen Krise. In keinem Kampf zwischen Pragmatikern und Hardlinern. Der Sohn des toten Obersten Führers liege im Koma auf einer Intensivstation in Teheran. Die vier Männer, die das Land faktisch regierten, seien eine Art Veteranentreffen des Iran-Irak-Krieges der 1980er-Jahre – allesamt Kommandeure der Revolutionsgarden derselben Generation. Alle Westler Kommentatoren sähen die Situation aus dem falschen Blickwinkel. Der Bezugspunkt sei nicht Teheran 2009, sondern Moskau 1924.
Vier IRGC-Veteranen bekriegen sich regierend
Die verborgene Struktur: Vahidi befehligte die Quds-Einheit 1988 bis 1997, Ghalibaf Khatam al-Anbiya und danach die Luft- und Raumfahrtstreitkräfte des IRGC 1996 bis 2000. Zolghadr, nun Sekretär des Sicherheitsrates, war von 1997 bis 2005 Vize-Oberbefehlshaber des IRGC. Mohsen Rezaei, nun Militärberater des Obersten Führers, war von 1981 bis 1997 Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden. Vier Männer. Eine Institution.
Laut Iran International vom 20. April habe der Sprecher des iranischen Parlaments Ghalibaf den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates Saeed Jalili und den Abgeordneten Amirhossein Sabeti intern als „extremistische Milizen, die den Iran zerstören wollen“ bezeichnet. Vahidi sich in derselben Woche über Außenminister Araghchis Erklärung hinweggesetzt, die Grenze zu Hormuz sei geöffnet, indem er Tanker beschießen ließ. Das Staatsfernsehen nannte Araghchi einen Idioten. Vahidi versuchte, Zolghadr in die Islamabad-Delegation einzuschleusen. Die Delegation verließ Islamabad am 11. April.
Diese Vier IRGCler seien weder die Grüne Bewegung von 2009 noch die Nachfolge von 1979. Sondern die postrevolutionäre Veteranenkohorte, die nach dem Tod des Gründungsideologen die Macht übernimmt. Moskau nach Lenins Schlaganfall 1924. Peking nach Maos Tod 1976. Jahrzehntelange Kampfgenossen beglichen unter dem Deckmantel der ideologischen Nachfolge persönliche Rechnungen. Im Rahmen der marxistischen und maoistischen Doktrin der private Krieg 1917 und 1935. Iran im April 2026 folge diesem Drehbuch. Im Rahmen der Velayat-e Faqih (der obersten Instanz) der private Krieg von 1988.
Eine Rückkehr Mojtabas mit unabhängiger Führung über die Gruppe oder eine Absetzung Vahidis durch Ghalibaf mit Deckung der Expertenversammlung, sagt Perera, ließe die Angelegenheit zum gewöhnliche Fraktionsstreit verkommen. Andernfalls glichen alle US-Verhandlungen vor dem Ablauf des Waffenstillstands am 22. April Verhandlungen mit vier Veteranen des IRGC aus den 1980ern, die älter sind als die meisten in ihrem Land, und nun ihren alten Groll austragen. Mit Pragmatiker versus Hardliner habe das nichts zu tun.
„If the US-Israeli war in Iran is a failure, what would success look like? – Wäre der US-Israel-Krieg im Iran ein Fehlschlag, wie sähe dann ein Erfolg aus? Europe’s narrative of defeat says more about its fixation on Trump than the reality on the ground.“ – Europas Niederlagen-Narrativ sagt mehr über seine Trump-Fixierung aus als über die Realität.“ Fragt Matthew Karnitschnig auf Euractiv rhetorisch und erteilt der Woken Westlichen Gemeinde, der ein Scheitern von Trump wichtiger ist als buchstäblich alles andere auf der Welt, eine gepflegte Abreibung erster Klasse.
Folge man den Berichten über den Iran-Krieg, käme man zum Schluss, die US-israelische Operation wäre ein gigantisches Fiasko – eine Mischung aus Gallipoli, Vietnam und Irak. „Das ist ein Fehler, den frühere Präsidenten im Irak und in Vietnam begangen haben“, habe ein BBC-Moderator im Gespräch mit John Simpson, der über Ü-80 grauen Eminenz des Senders, gemutmaßt. „Besonders in Vietnam“, habe Simpson gesagt. „In Vietnam hat sich die Annahme durchgesetzt, dass Millionen Tonnen Bomben die Menschen einfach zur Kapitulation zwingen. Nun, ich habe es mit eigenen Augen gesehen. So funktioniert es nicht.“
Hätten diese törichten Amerikaner und ihr größenwahnsinniger Präsident doch nur daran gedacht, spottet Karnitschnig, Simpson zu konsultieren, der es einen Monat nach Beginn der Luftangriffe schaffte, den Iran-Krieg mit dem 20-jährigen Bodenkrieg der USA in Vietnam zu verwechseln.
Um nicht nachzustehen, habe der Economist kürzlich auf seinem Titelblatt verkündet: „Vorteil Iran“. Was für ein Vorteil!? Fragt Karnitschnig und dreht den Spieß um.
Die Geschichte mit umgekehrten Vorzeichen
Stellen Sie sich nur einmal vor, Iran hätte es geschafft, Donald Trump am ersten Kriegstag auszuschalten – und in den darauffolgenden Tagen die Chefs von CIA und FBI, den Generalstabschef und die Oberbefehlshaber aller Teilstreitkräfte, zugleich die US-Marine versenkt und die Luftwaffe zerstört, was zu Massendesertionen geführt hätte. Nehmen wir weiter an, die Iraner hätten zudem den Großteil des US-Arsenals an ballistischen Raketen, Produktionsstätten und den größten Teil des amerikanischen Atomwaffenarsenals zerstört. Und bedenken Sie, dass die Iraner nach Tausenden von Einsätzen zur Erreichung dieser Ziele lediglich 13 Soldaten und einige wenige Flugzeuge verloren hätten.
Man könne mit Sicherheit davon ausgehen, jene Kommentatoren, die behaupten, Iran habe die Oberhand, wären in diesem alternativen Szenario nicht so optimistisch hinsichtlich der amerikanischen Erfolgsaussichten. Tatsächlich würden dieselben Leute, die Iran noch vor einem Monat nicht einmal auf einer Karte finden konnten, mit ziemlicher Sicherheit den Untergang des „Großen Satans“ vorhersagen (und zweifellos feiern).
Westliche Zeitung: „Krieg mache Iran zu einer Weltmacht“
Karnitschnig: Ja, werden Sie sagen, aber was ist mit der Straße von Hormuz? Irans Erfolg bei der Abriegelung der Meerenge für den Tankerverkehr beweist doch die zentrale These der Kommentatoren, dass Iran zum Sieg nur überleben muss, oder nicht? Ein verführerisches Argument. So verführerisch, dass eine angesehene New Yorker Zeitung diese Woche einen Meinungsbeitrag brachte, in dem argumentiert wurde, die Mullahs würden nicht nur gewinnen, sondern der „Krieg mache Iran zu einer Weltmacht“. Angesichts der Tatsache, dass der Iran weder die Kontrolle über seinen Luftraum besitzt, geschweige denn die vielen Leichen auf dem Schlachtfeld identifizieren kann, entspringt die Vorstellung, das Regime stehe kurz davor, zur Weltmacht aufzusteigen, eher der Fantasie als der Realität.
Es steht außer Frage, dass die gewaltsame Öffnung der Straße von Hormuz komplex wäre, aber zweifelt ernsthaft jemand an der Fähigkeit des US-Militärs, dies zu bewerkstelligen? Man sollte nicht vergessen, dass die iranische Wirtschaft bereits vor Kriegsbeginn am Rande des Zusammenbruchs war. Entzöge man dem Iran durch die Einnahme der Insel Charg oder eine Seeblockade das Öl, wäre der wirtschaftliche Zusammenbruch nur eine Frage der Zeit.
Warum also haben so viele vermeintlich seriöse Menschen in Europa und darüber hinaus die Behauptung geglaubt, der Iran habe die USA in der Hand? Weil ihr Hass auf Trump so tief sitzt, dass sie es glauben wollen.
Europa ist eine Katastrophe
Wie sonst lässt sich erklären, dass Europa nicht feiert, dass die USA die Last übernommen haben, die iranische Nuklearbedrohung ein für alle Mal zu beseitigen? Anders als die USA befindet sich Europa bereits in Reichweite iranischer ballistischer Raketen. Glaubt irgendjemand ernsthaft, ein russlandfreundlicher, atomar bewaffneter Iran hätte seinen Einfluss auf die Straße von Hormus nicht genutzt, um Europa unter Druck zu setzen?
Anstatt den USA die Überflugrechte zu verweigern und Washington daran zu hindern, seine europäischen Stützpunkte für den Krieg zu nutzen, hätten Spanien, Großbritannien und andere alles in ihrer Macht Stehende tun müssen, um die US-israelische Operation zum Erfolg zu führen.
Nein, nicht um die NATO zu „retten“, sondern aus dem einfachen Grund, Europa würde am meisten von einem entmachteten Iran profitieren. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Irans Öl und Gas wieder sanktionsfrei nach Europa fließen könnten, eine Welt, in der europäische Unternehmen wieder in einem friedlichen Iran, einem Land mit 90 Millionen Einwohnern, das dringend Investitionen benötigt, Geschäfte machen könnten. Es wäre ein Segen – für beide Seiten.
Oder besser gesagt: Es hätte ein Segen sein können. Getreu diesem Muster hielt sich Europa heraus, überzeugt davon, dass Trump verrückt sei. Nun, inmitten eines brüchigen, dysfunktionalen Waffenstillstands sind die europäischen Staats- und Regierungschefs verärgert darüber, dass Trump nicht mehr amerikanische Leben riskiert hat, um die Straße von Hormus zu öffnen.
In Europa herrscht die allgemeine Auffassung vor, dass Trumps Regimewechsel nach einem Monat nicht gelungen ist und die Benzinpreise auf ein Niveau gestiegen sind, das man seit 2022 nicht mehr gesehen hat, und dass das ganze Unterfangen (wie von Anfang an vorhergesagt!) eine Katastrophe historischen Ausmaßes ist.
Zumindest in einem Punkt haben sie Recht: Es ist eine Katastrophe – nur nicht aus den Gründen, die Europa vermutet.
Trump selbst erklärte eben: „Die Blockade war ein voller Erfolg. Vor zwei Tagen hieß es noch, wir würden die Meerenge öffnen. Ich sagte: Nein, wir werden die Meerenge erst öffnen, wenn wir eine endgültige Vereinbarung haben … Wir kontrollieren die Meerenge vollständig, nur damit Sie das verstehen.“

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> Mit wem von den in Teheran Verfeindeten können die US verhandeln?
Die Frage müsste man genau umgekehrt stellen – kann der Iran noch mit dem USrael verhandeln?
Mittlerweile sehen drei westeuropäische Länder Israel sehr kritisch: https://anti-spiegel.ru/2026/drei-eu-laender-fordern-die-eu-auf-ueber-die-aussetzung-des-assoziierungsabkommens-mit-israel-zu-sprechen/
> „… Irland, Spanien und Slowenien haben die EU aufgefordert, die Aussetzung des Assoziierungsabkommens mit Israel zu erörtern, gab der irische Außenminister José Manuel Albarez bei seiner Ankunft zu einem Treffen der EU-Außenminister bekannt. …“
Vielleicht droht Slowenien noch mit dem Abbruch der Beziehungen zu den USA. Da werden Trump aber die Knie schlottern.
Ab von dem allen: die Gerichtsbarkeit im Sinne der Scharia scheint aber noch zu funktionieren: The Islamic regime in Iran is preparing to execute eight women political prisoners for „waging war against Allah“ Eight female political prisoners are now set to be executed by hanging within the next few days. Their names are as follows: Bita Hemmati Ghazal Ghalandari Golnaz Naraghi Venus Hossein Nejad Panah Movahedi Ensieh Nejati Mahboubeh Shabani Diana Taher Abadi Two of them are teenagers. They were all sentenced to death for „waging war against Allah“ for participating in the January anti-regime protests. https://x.com/visegrad24/status/2046603235801104564 . „In iranischen Gefängnissen… Mehr
Verhandeln wollen bislang nur die USA, was man durchaus als Schwäche ansehen kann. Der Iran lehnt bislang eine zweite Verhandlungsrunde mit den USA ab. Am Mittwoch läuft die zweiwöchige Waffenruhe im Irankrieg aus. Trump nennt immer wieder Verhandlungsabsichten und droht dem Iran. Der Iran soll mit der Pistole am Kopf mit den Aggressoren verhandeln. Der Iran sollte jede Verhandlungen ablehnen und ab Mittwoch sämtliche erreichbar US-Schiffe im Nahen Osten versenken und weiter alle Militärbasen der USA zerstören. Nur diese Sprache verstehen die beiden Aggressoren. Verhandlungen und Verträge sind mit solchen Staaten absolut nutzlos. Man sieht es schon daran, das die… Mehr
Ich sehe es als Schwäche, dass der Iran nicht erscheinen will. Oder kann. . @November Man: Sie wissen, welche militärischen Ressourcen der Iran für die von Ihnen vorgeschlagenen Maßnahmen noch zur Verfügung hat? . Und stimmt: Friedensverträge mit einem islamischen Staat sind nutzlos – weil im Islam mit „Ungläubigen“ nur Waffenstillstandsabkommen möglich sind. Frieden ist aus deren Sicht erst mit der Eroberung der gesamten Erde für die Umma erreicht – und vorher wird der Islam nicht ruhen. . „Der arabisch-islamische Rechtsbegriff Hudna,arabischهدنة, DMGhudna, heißt so viel wie Waffenstillstand. Im islamischen Recht (Scharia) ist eine Hudna die einzige Form friedlicher Koexistenz… Mehr