Transrapid: Kosten für geplanten Rückbau der Versuchsanlage im Emsland explodieren

In der Antwort auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Maximilian Kneller musste die Bundesregierung zugeben, dass der Transrapid-Abbau in Lathen rund 30 Millionen Euro mehr kostet als zunächst veranschlagt. Andere Länder wie China betreiben die deutsche Technologie längst erfolgreich, während Deutschland seine eigene Erfindung aktiv zerstört – und dabei Steuergelder verschwendet.

picture alliance/dpa | Friso Gentsch
Blick auf einen Abschnitt der Transrapidstrecke vom stillgelegten Testgelände

Der Standort Deutschland legt unter der schwarz-roten Bundesregierung keinen Wert mehr auf die technologische Errungenschaft der Magnetschnellbahn im Fernverkehr. Die Koalition plant den Rückbau der Versuchsanlage im Emsland bei Lathen.

Zuerst sollte der Abbau des Transrapid laut Angaben des Bundesverkehrsministeriums, Tichys Einblick berichtete, rund 39 Millionen Euro kosten. Jetzt muss das CDU-geführte Ressort zugeben, dass die Kosten explodieren: Der Rückbau der Teststrecke wird 30 Millionen Euro teurer und steigt nun auf 69 Millionen Euro.

Das hat der Technologieexperte der AfD-Bundestagsfraktion Maximilian Kneller durch eine Anfrage an die Bundesregierung jetzt aufgedeckt.

Kneller hatte gefragt: „Geht die Bundesregierung davon aus, dass der Rückbau der Transrapid- Versuchsanlage Emsland Kosten in Höhe von 39,3 Mio. EURO verursacht, wie in einem Gutachten aus dem Jahr 2011 veranschlagt, bzw. von welchem Kostenumfang geht sie derzeit aus?“

Im vergangenen Jahr nannte die Bundesregierung zunächst noch die Summe von rund 40 Millionen Euro für den Abbau in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion vom 2. September 2025. Nach Ansicht des Bundesverkehrsministeriums sollte zudem „der Rückbau der Transrapid-Versuchsanlage Emsland (TVE) 2034 abgeschlossen sein“.

Jetzt musste der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums Ulrich Lange (CSU) in seiner Antwort vom 2. April auf die Frage Nr. 0439/März, die Tichys Einblick exklusiv vorliegt, zugeben:

„Unter Zugrundelegung der ursprünglich im Jahr 2011 gutachterlich ermittelten Kosten für den Rückbau der Transrapid-Versuchsanlage Emsland und der zwischenzeitlichen Entwicklung der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Preisindizes für Bauleistungen im Ingenieurbau (Tiefbau) von 2011 bis 2025 geht die Bundesregierung derzeit von einem Kostenumfang von rund 69 Mio. Euro aus.“

Kneller will jedoch den Kampf um den Erhalt der Zukunftstechnologie nicht aufgeben. „Statt die 32 Kilometer lange Versuchsanlage in Lathen als technisches Denkmal, als touristische Attraktion und als lebendiges Forschungs- und Testlabor für die Mobilität von morgen zu erhalten, plant die schwarz-rote Bundesregierung den vollständigen Rückbau bis 2034 für fast 70 Millionen Euro“, kritisiert der AfD-Bundestagsabgeordnete aus Bielefeld (NRW) im Gespräch mit Tichys Einblick die Pläne der schwarz-roten Koalition.

Kneller zeigt sich über die aus seiner Sicht technologiefeindlichen wie unwirtschaftlichen Abbaupläne der Bundesregierung entrüstet: „Es ist ein Offenbarungseid sondergleichen: Die Kosten für den Abriss der weltweit einzigartigen Transrapid-Teststrecke im Emsland sind von ursprünglich 39 Millionen Euro auf jetzt 69 Millionen Euro explodiert. Das ist fast eine Verdopplung!“

Doch wahrscheinlich wird die jetzige Kostenschätzung des Bundesverkehrsministeriums angesichts der rasant steigenden Preise und Energiekosten noch viel teurer – siehe Stuttgart 21. Vielleicht statt rund 70 Millionen womöglich 80 oder 90? Eine Kostenvoraussage kann heute jedenfalls keiner garantieren.

Deswegen kritisiert Technologieexperte Kneller: Statt diese deutsche Ingenieurskunst zu bewahren, verbrenne der Bund hier Steuergelder, um ein Stück Zukunftstechnologie dem Erdboden gleichzumachen. „Das ist nicht nur eine unglaubliche Verschwendung von Steuergeld. Das ist ein kultur- und wirtschaftspolitischer Skandal.“

Deutscher Transrapid ist seit 35 Jahren einsatzbereit

Dabei ist der Transrapid seit 1991 einsatzbereit: Made in Germany, 500 Stundenkilometer, nahezu lautlos, energieeffizient und weitgehend störungsfrei. Andere Länder wie China betreiben die deutsche Technologie längst erfolgreich, während Deutschland seine eigene Erfindung aktiv zerstört – ein weiterer Beweis für das inzwischen schlechte Hightech-Image vom einstigen Land der Ingenieure in der Welt. Kernkraftwerke und moderne Diesel- oder Ottomotoren und vieles mehr sollen deutsche Ingenieure im Zuge des Ökologiediktats hier auch schon nicht mehr entwickeln.

Der Transrapidabbau zeige den ideologischen Technologiepessimismus dieser Regierung, urteilt Kneller im Gespräch mit Tichys Einblick. „Alte Schienen werden mit zweistelligen Milliardenbeträgen subventioniert, während deutsche Spitzeninnovationen wie der Transrapid kaputt gemacht werden.“ Mit den jetzt 69 Millionen Euro hätte man die Strecke nicht nur erhalten, sondern sogar modernisieren und für Pilotprojekte nutzen können. In einer strukturschwachen Region wie dem Emsland wäre das ein echter Wirtschaftsmotor.

Der 32-jährige Bundestagsabgeordnete aus Bielefeld bekennt sich offen zu seiner Technologienbegeisterung. Schließlich war er selbst mehrfach in Lathen vor Ort. „Es ist schlimm zu sehen, wie Deutschland seine eigene Hochtechnologie begräbt“, beklagt Kneller. Als Transrapid-Befürworter werde er aber nicht ruhen und sich „mit voller Kraft für Made-in-Germany-Technologie“ einsetzen: „Der Abriss muss gestoppt und endlich der Mut aufgebracht werden, deutsche Ingenieurskunst wieder groß zu machen. Der Transrapid gehört nicht auf den Schrottplatz, er gehört auf seine Magnetschiene!“

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Kommentare ( 31 )

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Ulric Viebahn
3 Stunden her

Ingenieurgefühl: Ob der Transrapid jemals eine Killer-Technik war? Er schmeckte schon 1985 nach einem Lobbyisten-Projekt. Nur nicht so unverschämt verlogen wie das elektrische Lufttaxi. Ist denn allgemein bekannt, wieviel Kupfer im Fahrweg eingebaut werden muß? Was das kostet? Was das wiegt? Kann der Energieverbrauch deutlich niedriger als bei Rad-Schiene sein?Kann man eine Transrapid-Strecke schön in eine hessische Hügellandschaft einfügen? (Obwohl: Gemessen an den Mühlen der Windbarone ist alles schön.)

Wilhelm Roepke
4 Stunden her

Transrapid wäre schön, aber ich wäre schon froh, wenn wir verhindern, dass die Brücken wie in Dresden einstürzen.

Contra Merkl
4 Stunden her

Ist doch klar das der Rückbau immer teurer wird. Heute muss auf der Baustelle alles penibel getrennt werden. Da wird der Beton mit Baggern vom Baustahl abgemeißelt und mit Steinbrechern zu Schotter verarbeitet. Auch andere Rohstoffe wie die in Kunstharz gegossenen Linearstatoren, Kupferspulen und Kabel müssen isoliert werden was alles viel kleinteilige Arbeit ist und die Bagger und Steinbrüche viel Diesel brauchen. Dann noch der Abtransport und diverse Erdarbeiten, LKW Maut und jede Menge Behörden mit denen man sich auch noch beschäftigen muss. Früher hätte man das in Abschnitten einfach gesprengt und in einen stillgelegten Steinbruch in der Nähe abgekippt… Mehr

Fatmah
5 Stunden her

man hätte auf der Trasse ja auch „Unterkünfte für Geflüchtete“ bauen können, das ist das Einzige das im einstigen Land von „Wetten dass“ und „Lindenstraße“ überhaupt noch floriert, neben Barbershops und Spätis.

Lucius de Geer
5 Stunden her

So ein Quark – eine reine Nischentechologie (30,5 km Anwendung in China) und typisch deutsches Over-Engineering völlig am Markt vorbei. Anstatt das enorme Highspeed-Potenzial der Schiene (siehe Frankreich und Italien) wirkauszuschöpfen und den Regionalverkehr zu automatisieren, weinen irgendwelche Träumerle diesem Hirngespinst der 70er Jahr hinterher. Fehlt nur noch, den Wankelmotor wiederauferstehen zu lassen. Bei europaweiter Ausschreibung wäre der Rückbau für einen Bruchteil machbar. Im inzwischen hochkorropten D’land ufern solche Staatsaufträge nicht zufällig immer mehr aus.

ohne Worte123
5 Stunden her

Ich habe vor längerer Zeit gelesen, dass die damaligen Hersteller Siemens und Thyssen Krupp unter der Hand vereinbart haben, dass der Transrapid in Deutschland niemals in einen kommerziellen Betrieb gehen kann, weil dann Rückzahlungen der staatlichen Subventionen fällig werden, für die natürlich niemals Rückstellungen gebildet wurden. Für den Export der Technologie galt das wohl nicht. Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt, wundern würde mich eine solche Sabotage allerdings nicht. Vielleicht wurden deshalb die Münchener Pilotstrecke und die Verbindung Hamburg-Berlin nie realisiert?

Ohanse
6 Stunden her

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie begeistert ich in den 80ern als Jugendlicher von dem Konzept war. Internet gab es noch nicht, und so zapfte ich sämtliche Publikationen an, derer ich irgendwie habhaft werden konnte. Leider hatte das Projekt pünktlich zur Einsatzreife keine Priorität mehr, weil zunächst Helmut Kohls Versprechen von den blühenden Landschaften im Osten eingelöst werden sollte. Das endgültige Aus im Jahre 2011 folgte dann unter Angela Merkel. So gab es kein neues System und die Bahn ließ man weiter vergammeln. Seitdem ist es nicht besser geworden. Der Schwung ist weg.

Sam99
6 Stunden her

Währenddessen in China, oder auch in Japan:
https://www.youtube.com/shorts/0Xgzq66H6so?feature=share

PulsarOperator
6 Stunden her

Man muss bei TE immer was ausgraben. Hauptsache negativ. Dass die Abrisskosten typisch deutsch explodieren, geschenkt. Aber: Der Transrapid war von vorherein ein totes Pferd. Ich weiß nicht, was daran so toll sein soll, unser dichtbesiedeltes Land mit Doppelstelzentrassen zu überziehen, nur, um noch schneller von Berlin nach Hamburg zu kommen, oder damit gemäß Stoiber der Münchner Hauptbahnhof in 10 Minuten draußen in Erding am Flughafen sein kann. Wer gegen die Verspargelung unserer Landschaft mit Windrädern ist, kann eigentlich nicht für aufgestelzte Transrapid-Trassen sein. Es mussten ja erst die Franzosen mit ihrem TGV vormachen, dass man auch mit der konventionellen… Mehr

Last edited 6 Stunden her by PulsarOperator
EURO fighter
6 Stunden her

Herrn Knellers Engagement ist wirklich aller Ehren wert. Aber es wird Deutschlands Abstieg zum 4.-Welt-Land nicht aufhalten können, leider