Der Fall Maaßen – schräger geht es kaum

Die öffentliche Kampagne gegen Hans-Georg Maaßen ist nicht nur grotesk. CDU-Chef Friedrich Merz dürfte im Kampf gegen Maaßen das Gegenteil von dem erreichen, was er sich wünscht.

IMAGO / Sven Ellger
Hans-Georg Maaßen

Die Kampagne gegen den ehemaligen Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen nimmt groteske Züge an. Im Videoformat der Welt verhören ihn zwei Frauen, die nicht nur ihre Absichten, sondern auch ihre Ahnungslosigkeit offen ausstellen. Im Focus trennt sich Jan Fleischhauer von einem „guten Bekannten“, mit dem er sich einst offenbar immer mal getroffen hat. „Er hängt komischen Ideen an und lässt sich mit komischen Leuten ein“, findet Fleischhauer mittlerweile. Komisch? Meint er Maaßens niederrheinischen Humor?

Nein: Der einst Geschätzte sei „schräg“, verbreite „Quark“, sei auf einer „Reise an den Rand des politischen Spektrums“, habe gar einen „Knall“. Großmütig konzediert er immerhin, dass auch „Knallköpfe“ ein Recht hätten, in der Partei zu bleiben. Klar: Auch Kolumnisten dürfen Knallköpfe sein.

Nun, das ist die Wortwahl eines, der sonst gern Stil einfordert. Dabei hätte Fleischhauer bloß eine andere Geschichte im eigenen Blatt lesen müssen, um zu wissen, gegen welchen schrägen Quark anderer Maaßen argumentiert.

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Warum das wichtig ist, was ein Focus-Kolumnist von sich gibt? Weil es so gut passt in die Debattenunkultur hierzulande. Und weil Fleischhauer die tatsächliche Pointe des „Falls Maaßen“ ignoriert, der kürzlich mit 95 Prozent der Stimmen zum Chef der WerteUnion gewählt wurde, einer Gruppe, die sich die alte konservative und bürgerliche CDU zurückwünscht – anstelle eines Merkelnostalgievereins, der sich auf die Koalition mit den Grünen vorbereitet. Ein leise lächelnder Maaßen, der die Aufforderung, die CDU zu verlassen, und ein entsprechendes Ultimatum souverän ignoriert.

Fleischhauer folgert küchenpsychologisch, Maaßen wolle offenbar „die Reputation nicht verlieren, die mit einer Mitgliedschaft in der CDU einhergeht. Deshalb klammert er sich an sein Parteibuch. Es ist das Letzte, das ihn mit der Welt, aus der er kommt, verbindet.“

Da liegt der Hase in der Marinade und wundert sich: Wer hält denn die Mitgliedschaft in der CDU, die sich dem grünen und woken Zeitgeist anbiedert, heute noch für reputierlich? Und macht nicht der Zuspruch, den Maaßen nicht nur in der WerteUnion erhält, überdeutlich, dass es die Merzel-CDU ist, die sich aus der Welt, aus der sie kommt, verabschiedet hat? 

Die geradezu hysterische Reaktion der CDU zeigt vielmehr, dass man dort keineswegs geneigt ist, Hans-Georg Maaßen zu unterschätzen. Ein Parteiausschlussverfahren ist nicht aussichtsreich. Ebenso wenig, alle CDU-Mitglieder, die zugleich in der WerteUnion sind, rauszuschmeißen. Dazu müsste man wissen, wer dort unter seinesgleichen ist. Weiß man aber nicht. 

Da mittlerweile auch Vollmitglied in der WerteUnion werden kann, der weder der CDU noch einer anderen Partei angehört, eignet sich die WerteUnion als feiner fieser Stachel. So macht Machtkampf Spaß.

Stephans Spitzen:
Sollen Insekten statt Rinder und Schweine sterben?
Die CDU unter Friedrich Merz steht von zwei Seiten unter wachsendem Druck. Solange sie die AfD ausgrenzt, gibt es vor allem zwei Machtoptionen: Schwarzrot oder Rotgrün. Viele ihrer Wähler (und Nichtwähler) dürften aber mittlerweile die Grünen für weit gefährlicher halten als die AfD. Erst recht im Osten Deutschlands. Friedrich Merz dürfte im Kampf gegen Maaßen das Gegenteil von dem erreichen, was er sich wünscht.

Was sich viele andere wünschen: einen klaren Schnitt. Den Abschied von der fatalen Politik Angela Merkels. Und ein Ende der jetzigen Koalition. 


Das neue Buch von Cora Stephan, „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft“ ist am 8. Februar bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

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Kommentare ( 62 )

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62 Comments
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H. Priess
1 Jahr her

Bei Merz weiß man wenigstens woran man ist, der steht für BlackRock also der Weltfinanz, der Atlantikbrücke also den Amis. Mir fällt absolut nichts positives zu dem Mann ein. Bei Maassen bin ich mir nicht sicher, eher weder Fisch noch Fleisch. Wofür die Werte Union nun wirklich steht habe ich auch noch nicht herausfinden können und ich lese viel über Politik und der CDU. Auf alle Fälle steht die auch nicht für die CDU bevor sie die große Transformation zur halblinksgrünen Politik in Angriff nahm und mit Merkels Hilfe erfolgreich abschloß. Das Dilemma verstehe ich ja, wenn da jemand an… Mehr

Schiffskoch
1 Jahr her

Ich habe mir den Fleischauer mal auf Focus durchgelesen. Seine beiden „Belege“, dass Maasen ein Verrückter sein muss sind: Die Behauptung von M., geheime Finanzeliten würden die Welt regieren und die Amis Deutschland in den Krieg treiben und der angebliche Plan des Bevölkerungsaustausches. Der Bevölkerungsaustausch findet statt, ich würde Herrn Fleischauer gerne mal in eine Kita einer beliebigen deutschen Großstadt einladen und er kann ihn „live“ miterleben. Aber Halt, Fleischauer reibt sich ja offenbar nur an dem „Plan“, denn seiner Ansicht nach sei Habeck ja „viel zu einfältig dazu“. Korinthenkackerei halt. In diesem Punkt präsentiert sich also eher Fleischhauer als… Mehr

Siggi
1 Jahr her

Herr Dr. Maassen wird in der deutschen Politik noch eine entscheidende Rolle spielen. Sobald sich der Einheitsbrei selbst vernichtet hat und unser Land völlig überschuldet am Boden liegt, werden Politiker wie er gebraucht. Es wird dann schwer werden, glaubwürdige Personen zu finden, die all den Wahnsinn korrigieren können. Wir haben eine Mammutsaufgabe vor uns.

Tesla
1 Jahr her

Alles richtig. Mehr noch: Solange die CDU nicht bereit ist, sich von ihrem Merkel-Ballast zu lösen und sich weiterhin den Grünen anbiedert, halte ich die CDU im Grunde genommen für mindestens genauso gefährlich wie die Grünen selbst. Weil die CDU ihren Wählern etwas vorgaukelt zu sein, was sie längst nicht mehr ist – nämlich eine bürgerliche Partei – und stattdessen damit den grünen Machterhalt garantiert und zementiert, nur um selber mitregieren zu dürfen. Den Grünen ist es schließlich egal, wer unter ihnen Kanzler ist – und das sogar unabhängig davon, ob die Grünen selbst Regierungspartei sind oder nicht. Die Grünen… Mehr

Schlaubauer
1 Jahr her

Frau Stephan woher wissen sie, was Merz will? Seit Merkel scheint es doch die Aufgabe der €DU-Vorsitzenden zu sein, die Partei kaputt zu machen. Macht Merz etwas anderes? Sollte er nicht wissen was er tut? Nur mit der €DU kann es einen politischen Richtungswechsel im Land geben. Daher gilt die einfach Formel: €DU kaputt = Deutschland kaputt. Und es wird doch immer offensichtlich, das Merz doch nur bei Blackrock geparkt wurde, um ein scheinbar glaubhaften Merkelnachfolger zu präsentieren.

Babylon
1 Jahr her

Maaßen macht strategisch alles richtig, was man von einem Spitzenbeamten, der einmal eine derartige hohe Position, wie die des Chefs des Verfassungsschutzes, innegehabt hat, auch erwarten kann. Er bleibt in der CDU und zwingt Merz, ein langes Verfahren in Gang zu setzen, während welchem Zeitraum die babylonische Gefangenschaft der CDU in Hinblick auf zusammengeschrumpfte Koalitionsoptionen, nur noch rot oder grün, immer deutlicher in den Focus rückt. Merz wird zunehmend in eine schräge Lage kommen und sein Getue , er wäre geeignet die CDU wieder zu alter Größe zu führen, als bloßes Gerede ohne Substanz entlarven. Merz war nie innerhalb der… Mehr

Peter Gramm
1 Jahr her

die zum überwiegenden Teil bildungsschwache und berufslose Negativauslese in Berlin hat sich auf Herrn Dr. Maaßen eingeschossen. Sie werden damit aber keinen Erfolg haben, da sie das Land ruinieren. Ihr Intellekt läßt es aber nicht zu, dies zu erkennen.

PetWet49
1 Jahr her

CDU-Merkelrismus haben wir nach 16 Jahren genug gehabt! Die Anbiederung von Merz an die Grünen lassen erahnen, was Deutschland unter Schwarz/Grün zu erwarten hat. Die CDU hat ganz offensichtlich vergessen, dass Merkel die letzten Wahlen krachend verloren hat und nur wegen der Koalitionsmöglichkeiten regieren konnte. Programmatisch sich einen jetzt schon gescheiterten Grünendiktat zu unterwerfen um da weiterzumachen woran die Ampelregierung scheitern wird, ist selbstmörderisch und macht die CDU obsolet. Die Grünen mit ihren infantilen Inkompetenten Personal ist das letzte was Deutschland braucht um zukunftsfähig zu sein. Herr Maaßen und die Werte-Union wissen das.

Malte
1 Jahr her

Maaßen hat mit seiner wahrheitsgemäßen Äußerung, es habe keine Hetzjagden gegeben, Merkel die Decke weggezogen und sie mehr oder weniger direkt (gleichwohl zutreffend) der Lüge bezichtigt. Dafür hat er seinen Posten verloren und ist durch einen Hampelmann mit merkwürdigem Verfassungsverständnis ersetzt worden. Und die CDU will Maaßen ausschließen? Nicht etwa die überführte und selbstherrlich agierende Merkel? Die CDU war immer schon Karriereverein. Ich bin dort – trotz diverser Anfragen des hiesigen Ortsvereins – nie eingetreten, weil mich als Heiden immer das „C“ gestört hat. Was soll ich von Muslimen, was von Menschen ohne Konfession halten, die Mitglied dieser Partei sind?… Mehr

Klaus D
1 Jahr her

Was ich bei so gebildeten menschen nicht verstehe ist das sie mehr an sich als an die partei denken. Herr Maaßen schadet „seiner“ CDU massiv obwohl er massiv von dem system profitiert was die CDU geschaffen (mit geschaffen) hat. Als konservativer ist der vorzeitige ruhestand ein graus denn da bekommt wer geld vom staat wie herr Maaßen ja auch fürs nichts tun.

StefanZ
1 Jahr her
Antworten an  Klaus D

Gebildete Menschen sind keine Herdentiere. Frau Merkel hat dieser Partei extren geschadet, dies ist statistisch einwandfrei belegt und sie ist hauptverantwortlich dafür, dass die AFD überhaupt existiert. Herr Merz, ehemals der angeblich innerparteilich größte Gegner der Politik von Frau Merkel, führt diese Politik nun unverdrossen weiter und schleimt sich an die Merkelianer und noch schlimmer bei den Grünen ein. Dieses Theater um Herrn Maaßen ist völlig unnötig und nur ein Schauprozess für den zukünftigen Lieblings-Koalitionspartner. Wie tief kann man eigentlich noch sinken? Wahrscheinlich werden von Adenauer über Kohl bis Strauß bald alle posthum aus der Partei ausgeschlossen. Herr Merz, bläst… Mehr

Klaus D
1 Jahr her
Antworten an  StefanZ

„Gebildete Menschen sind keine Herdentiere“ das stimmt sie laufen dem geld hinterher wie eben auch herr Maaßen. Warum hat er denn weiter mitgemacht und ist in der CDU geblieben. Warum kassiert er heute als schwer konservativer geld vom staat fürs nichts tun ab. Und die AfD hat keine chance und auch jede andere konservative partei denn die MITTE sprich die masse der gebildeten wird weiter die politik der MITTE wählen denn da profitieren sie am meisten von.

Rene 1962
1 Jahr her
Antworten an  Klaus D

„denn die MITTE sprich die masse der gebildeten wird weiter die politik der MITTE wählen „
Das ist nicht die politische Mitte!

StefanZ
1 Jahr her
Antworten an  Klaus D

Herr Maaßen bekommt doch kein Geld von der CDU. Was soll der Unsinn? Ob er in der CDU bleibt oder nicht spielt da keine Rolle.