Türkei: An die Wand gefahren

Sollte Deutschland den Türken helfen? Ja. Das sollte Deutschland. Weil es ein Gebot ist, die von Erdogan verführten Menschen nicht in die von ihm verursachte Katastrophe laufen zu lassen.

© Chris McGrath/Getty Images

Er markiert den starken Mann. Er schaltet jegliche Opposition aus. Er will Deutschland zu einer Art türkischen Teilrepublik machen. Er düpiert die EU. Er führt Krieg gegen die Kurden im eigenen Land. Er macht in Syrien auf Hegemonialherrscher. Nun steht er bettelnd beim deutschen Finanzminister im Vorzimmer und jammert nach Hilfe.

Recep Tayyip Erdogan hat seine Türkei an die Wand gefahren. Eine Türkei, deren einfache Bürger der islamische Lautsprecher aus den Armenvierteln Istanbuls damit bezauberte, dass er ihnen eine große türkische Nation vorgaukelte, eine Fast-Schon-Weltmacht mit den Ansprüchen der USA oder Russlands. Nebenbei schaufelte seine Familie Geld auf die hohe Kante, wird sein Sohn Bilal in Italien steckbrieflich gesucht.
Doch wie so viele Despoten hat auch Erdogan, der mit seinem herbeigeputschten Staatsstreich die totale Machtübernahme einleitete, von Ökonomie keine Ahnung.

Der Aufschwung seines Landes, maßgeblich vorbreitet von seinen demokratischen Vorgängern, basierte darauf, dass die Billigheimer aus Europa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zum All-Inclusive an die Mittelmeerküsten fuhren. Mit seinem Krieg gegen die Kurden und der Kehrtwende in Sachen Islamischer Staat hat er den Terror nun endgültig ins eigene Land geholt. Halfen die Anschläge auf Kurden, deren eigentliche Verursacher von vielen in den Kreisen des türkischen Geheimdienstes vermutet werden, anfangs noch, das Volk hinter dem Führer zu einen, schlägt die absehbare Konsequenz nun erbarmungslos zurück. Dem Möchtegern-Sultan geht das Geld aus, weil niemand mehr im Terrorland urlauben möchte und die Investoren verschreckt ihr Kapital abziehen.

Also steht er nun bei der ach so reichen Bundesrepublik im Vorzimmer. Die dummen Deutschen sollen es richten. Sie, die von Erdogan als „Terroristenfreunde“ beschimpft werden. Denen er via DITIB seine Islamisierungs-Imame ins Land geschickt hat. Sie, die sich ständig beschimpfen lassen müssen, die Türken unfair zu behandeln – und die dennoch blauäugig zulassen, dass Erdogan und seine Clique in Deutschland Wahlkampf gegen die Demokratie und den Westen veranstalten.

Sollte Deutschland den Türken helfen? Sollte Deutschland wie vor gut einhundert Jahren dem „kranken Mann am Bosporus“ wieder auf die Beine helfen?

Ja. Das sollte Deutschland. Weil es ein Gebot ist, die von Erdogan verführten Menschen nicht in die von ihm verursachte Katastrophe laufen zu lassen.

Aber – und dieses Aber kann nicht dick genug unterstrichen werden – diese Hilfe muss an Bedingungen geknüpft werden, die zwingend zu erfüllen sind.

Die wichtigsten dieser Bedingungen:

  1. Sofortige Freilassung aller politischen Häftlinge und Rückführung der aus politischen Gründen rechtsstaatswidrig entlassenen Menschen in ihre Jobs in Verwaltung, Militär und Bildung. Für die wenigen, denen tatsächlich eine konkrete Teilnahme am angeblichen Putsch nachgewiesen werden kann, sind rechtstaatliche Verfahren unter internationaler Aufsicht durchzuführen.
  2. Sofortige Beendigung des Krieges gegen die Kurden im eigenen Land und Wiedereinsetzung der gewählten Volksvertreter. Staatliche Wiederaufbauprogramme in den zerstörten Städten der Osttürkei mit dem Anrecht der Vertriebenen, dort in ihrer Heimat wieder unbehelligt leben zu können.
  3. Absetzung des Referendums zur Inthronisation eines Staatspräsidenten mit diktatorischen Vollmachten. Beibehaltung eines parlamentarischen Regierungssystems – und sofortige Wiedereinsetzung aller aus dem Parlament entfernten, demokratisch gewählten Abgeordneten.
  4. Wiederzulassung einer freien und unabhängigen Presse. Beendigung der Blockade sozialer Netzwerke.
  5. Sofortige Friedensverhandlungen mit der PKK, um den unseligen Konflikt im Osten der Türkei zu beenden. Die PKK hat in der Vergangenheit deutlich gemacht: Sie will keine Abtrennung vom türkischen Staat, wenn die Rechte der Kurden als gleichberechtigte, sich autonom verwaltende Staatsbürger anerkannt werden. Auf dieser Grundlage kann ein dauerhafter Frieden entstehen.
  6. Beendigung der türkischen Intervention in Syrien und Unterstellung aller türkischen Militäraktionen unter die Oberhoheit der westlichen Anti-IS-Allianz. Erdogans geplanter Krieg gegen die freien Kurden in Syrien hat zu unterbleiben.
  7. Aussetzung der gewünschten Visafreiheit zur Einreise in die EU, bis das Land zu seiner demokratischen Tradition zurückgefunden hat.
  8. Rückrufung aller nach Deutschland entsandten Imame. Ein Ende der schleichenden Islamisierung Deutschlands. Schluss mit der Einflussnahme der türkischen Religionsbehörde über von ihr geführte Vereine und Verbände.
  9. Garantie der Rechte religiöser und ethnischer Minderheiten in der Türkei. Schluss mit der willkürlichen Enteignung deren Eigentums.
  10. Definitiver Verzicht auf alle Territorialansprüche gegenüber den Nachbarn der EU.

Wird Erdogan dem zustimmen können? Ja, er könnte.

Aber er wird nicht wollen. Also wird Deutschland mit der Unterstützung warten müssen, bis er will.

Irgendwann wird er wollen. Weil er wollen werden muss, soll ihn nicht sein eigenes Volk zu Teufel jagen.

Bis dahin darf Deutschland dem Möchtegern-Despoten nicht um ein Jota entgegen kommen. Weil es sich andernfalls der Beihilfe zur gegen das eigene Volk gerichteten Politik des kleinen Diktators schuldig macht.

Das ist Deutschland nicht nur den Menschen in der Türkei, sondern auch den Türkei-stämmigen in Deutschland schuldig, die immer noch der Schimäre eines großtürkischen Reichs hinterherlaufen, die Erdogan ihnen wie einen selbstzerstörerischen Gedankenvirus ins Hirn gepflanzt hat.

Wer Hilfe will, hat die Bedingungen der Helfenden zu akzeptieren. Nichts anderes.

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Kommentare

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  • Wolleus

    Es geht nicht um die Türkei, es geht um die Türken in D. Insbesondere diejenigen, welche denken hier eine Nebentürkei aufmachen zu können. Hier gilt jedoch das GG und sicher können diese dann hier die Todesstrafe fordern. Sie zeigen aber damit ganz eindeutig, daß sie sich nicht auf dem Fundament dieser Gesellschaft und des Staates Deutschland bewegen. Deshalb hat jeder Moslem, der sich für den orientalischen Islam entscheidet – und nicht für den europäischen – nichts in Deutschland verloren, sondern dem halte ich das: „Moslem go home!“ entgegen. Denn der orientalische Islam ist keine Religion, sondern eine faschistische, mörderische Ideologie. Das wollen wir in Europa seit dem 2. WK nicht mehr.

  • Bernd

    Vielleicht nur eine „Verschwöungstheorie“: Ich kann mir gut vorstellen, dass der Flüchtlingsdeal mit Erdogan nur deshalb zustande gekommen ist, weil man
    1) einen Zugang zu Erdogan haben wollte, über Merkel, da Erdogan mit Putin liebäugelt(e).
    2) um dann gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“: das alte UN-Abkommen durch Merkel umsetzen zu lassen, nämlich möglichst viele Menschen aus dem arabisch-persischen Kulturkreisen nach Europa umzusiedeln (Nationalstaaten sollen sich auflösen).

    Ich kann mir vorstellen, man hätte mit der türkischen Regierung auch einen anderen Deal aushandeln können, zusammen mit der US-Regierung (!). Nämlich die Flüchtlingslager vorort auszubauen und dort Geld zu investieren.
    Der Westen wollte das nicht, vorort helfen! Globalpolitik der Globalisten. Und jetzt sind wir wieder bei Soros, EU, Juncker, Schäuble und Timmermans.

  • Bernd

    Da habe ich andere Informationen. Zumindest an der Stelle soviel: meiner Meinung nach hat Russland mit Putin einen sehr cleveren Präsidenten, der zum Wohle der russischen Nationalökonomie angetreten ist und diesen Kampf erfolgreich führt. Der Westen beißt sich an Putin die Zähne aus und viele Menschen im Westen wissen nun (durch das Internet) dass der Westen, vornehmlich die US-Regierung, sich zu einem viel aggressiverer Hegemon entwickelt hat, als es Russland offensichtlch jemals war.

  • Bernd

    Vielleicht werden es auch Afrikaner sein, die dieses heutige Deutschland „abschaffen“. Denn Frau Merkel will ja, zusammen mit Herrn Soros, mehr Wirtschaftsmigranten aus Afrika aufnehmen (ist nachzulesen). Der Familiennachzug der Syrer kommt erst nach der Bundestagswahl!

    Was ist daran menschenverachtend? Ich hänge an der deutschen Kultur (!) und an diesem Land, wenn das alles nun in unvorstellbar kurzer Zeit – durch Merkel – verändert wird, wie könnte ich das gut finden?

    Ich kenne persönlich ein paar Türken und Iraner, (nette Menschen), den Rest der Nichtdeutschen, die ich kenne, sind Italiener und Griechen.

    Deutschland war auch schon vor der Merkel-Flüchtlings-Invasion multikulturell – aber besonders gut hat das hier nicht nicht funktioniert (lt. Merkel). Offenbar sind dieselben Politiker, wenn es um die Umsetzung von Integration geht, besser im theoretisieren, als in der Praxis, Stichwort: Parallelgesellschaften! Und da liegt in anderen Ländern auch vieles im Argen.