Was die CDU-Führung zum Rücktritt des WerteUnion-Sprechers sagt

Der Rücktritt von Ralf Höcker als Sprecher der WerteUnion und sein Austritt aus der CDU hatten für Aufsehen gesorgt - zumal er diesen Schritt mit Drohungen gegen ihn begründet hatte. Umso erstaunlicher die Reaktion aus den CDU-Zentralen in Düsseldorf und Berlin.

Morris MacMatzen/AFP/Getty Images

Als Pressesprecher einer Partei oder politischen Institution verwendet man einen großen Teil seiner Arbeitskraft auf die Produktion von Floskeln. Da lässt man zum Beispiel oft einen Minister oder anderen Politiker „tief betroffen“ oder „besorgt“ sein oder nimmt „mit großem Bedauern“ irgendetwas zur Kenntnis. Sehr oft ist man auch von „tiefer Dankbarkeit erfüllt“. 

"konzertierte Verleumdung"
"Ich beuge mich dem Druck" - Sprecher der WerteUnion tritt zurück
Mit einer dementsprechend floskelhaften Antwort wäre also eigentlich wohl zu rechnen gewesen nach dem Rücktritt von Ralf Höcker als Sprecher der WerteUnion und seinem Ausscheiden aus der CDU, der er viele Jahre lang angehört hatte. Die Nachricht hatte immerhin in der vergangenen Woche nicht nur in Köln, wo Höcker als prominenter Medienanwalt arbeitet, und in Nordrhein-Westfalen, sondern bundesweit für Aufsehen gesorgt. Zumal die Umstände des Rückzugs ins Privatleben erstaunlich waren. In einem Facebook-Post hatte er dieses unter anderem mit folgenden Worten begründet: „Mir wurde vor zwei Stunden auf denkbar krasse Weise klar gemacht, dass ich mein politisches Engagement sofort beenden muss wenn ich keine ,Konsequenzen‘ befürchten will“. In seinem Post schreibt er auch von einer „konzertierten Verleumdungs- und Beleidigungsaktion.“

Da von Seiten seiner Partei keine Reaktionen kamen, hat TE nachgefragt in den CDU-Zentralen in Düsseldorf und Berlin: wie man den Rückzug von Ralf Höcker bewerte, ob es Versuche gebe, ihn umzustimmen, und ob der Landes- bzw. Bundesvorstand besorgt sei, dass ein exponiertes Mitglied der eigenen Partei offenbar wegen Drohungen sein politisches Engagement für die CDU beendet.  

Es hätte einem fleißigen Pressereferenten sicher nicht viel Mühe bereitet, zwei oder drei floskelhafte Sätze zu drechseln und sie schließlich nach Abnicken aus dem Chefbüro zurückzusenden. Zum Beispiel so etwas: „Wir danken Ralf Höcker für seine langjährige Mitgliedschaft und sein ehrenamtliches Engagement in der CDU. Hass und Gewalt oder die Drohung mit Gewalt sind absolut inakzeptabel. Wir setzen uns dafür ein, dass die Menschen in diesem Land sich ohne persönliche Nachteile politisch engagieren können.“

Aber diese Arbeit musste sich kein Referent machen. Denn noch keine Stunde nach Absenden der Anfrage kommt vom Pressesprecher der Bundes-CDU eine Mail zurück: „Danke für Ihre Mail. Dazu können wir leider nichts sagen.“ Und ein paar Minuten später antwortet auch die Pressesprecherin der NRW-CDU: „Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich muss Ihnen jedoch absagen.“

Ralf Höcker ist seiner Partei also nicht einmal eine Floskel wert, sondern schlicht „nichts“. Was soll man dazu noch sagen? Nichts.  

Anzeige
Unterstützung
oder

Kommentare ( 141 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

141 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Hannibal Murkle
9 Monate her
Gruenauerin
9 Monate her

Wem wundert es. Die WU wurde doch schon als Krebsgeschwür betrachtet, welches man rausschneiden müsse. Nun ist eben einer weg von denen. Gut so, wird die linke Blockpartei CDU sagen. Nun müssen wir es noch hinbekommen, dass der Rest rausgeekelt wird, werden sie weiterhin sagen. Meine Frage an die WU: Stehvermögen ist nur solange gut, wie man irgendwie gelitten ist, den Mut, das Rückgrat und die Chance hat, die CDU aus dem linken Block herauslösen zu können. Wenn das nicht geht, sollte man seiner Wege ziehen. Ich persönlich habe noch nie erlebt, dass man von Innen heraus, etwas ändern kann,… Mehr

Felix-Schmidt
9 Monate her

Nur Merz hätte eine Chance die Union wieder in die richtige Richtung zu steuern. Es ist aber extrem unwahrscheinlich, dass er dies tun darf. Die linksextremen Kräfte in der ehemals konservativen Union sind dafür viel zu stark.
Sollte so ein Weichspüler wie Laschet Kanzlerkandidat werden, landet die Union bei unter 25% als Kellner unter Annabert….

Gerro Medicus
9 Monate her

Aus meiner Sicht gibt es für diese Reaktion nur zwei Deutungsmöglichkeiten: A) Es ist der Partei egal, wie mit den ihren umgesprungen wird, umso mehr, als es einen betrifft, der sich ohnehin im Widerspruch zur herrschenden Parteidoktrin befindet. Und da man ahnt oder weiß, dass es die eigenen inoffiziellen Hilfstruppen waren, die dies getan haben, will man diese auch nicht vergrätzen, indem man drastisch Kritik übt, was ja für Demokraten eigentlich selbstverständlich wäre. Man braucht sie schließlich noch als gewaltbereite Schlägertruppe, um die Große Transformation gegen die Bürger durchzusetzen! B) Es ist nackte ANGST! Angst, das Falsche zu sagen und… Mehr

Alexis de Tocqueville
9 Monate her

Was soll Höcker der CDU schon wert sein? Sie könnten die Oma eines CDUlers zusammenschlagen, und dieser würde nur die Achsdeln zucken: Oma ist ne Umweltsau.
Jeder Kleinkriminelle mit ein bisschen Mut und Ganovenehre ist tausendmal mehr wert als all die politisch correcten Feiglinge in der CDU zusammen.

DELO
9 Monate her

Nun ja, Herr Knauss, kann man so sehen, muß man aber nicht. Tatsächlich ist der Umstand des Rücktritts von Höcker ein so starkes Ding, daß da sicherlich im Hintergrund viele Fragen vorerst zu klären sind. Auch ich hätte keine vorschnelle Antwort oder gar Floskel herausgegeben. Die Angelegenheit muß gründlichst untersucht werden, ob nicht gewisse rote Horten schon in Teilen die Macht übernommen haben. Ich glaube auch nicht, daß da viel an die Öffentlichkeit gerät.

Alexis de Tocqueville
9 Monate her
Antworten an  DELO

Ach, das muss noch untersucht werden?
Na dann, ich geh jetzt mal untersuchen ob der Himmel noch oben ist.

Alexander Schilling
9 Monate her

„Zersetzung“ ist der zugehörige Begriff im Stasi-Sprech (für bewegte Bilder auf DuRöhre kugeln!) — und da selbst das in Bezug auf die causa Höcker (und Kemmerich) Spekulation bleiben muss, ist zu sehen, wie perfekt es funktioniert!

Die Bundeswehr eine Zielscheibe nicht nur des Spotts, der Grenzschutz abgezogen oder zum Putzen der Ferngläser verdonnert, die Polizei zur Deeskalation in Handschellen, die Justiz finanziell und personell minderbemittelt, der Verfasssungsschutz enthauptet und der Bundesnachrichtendienst als Bundesabhördienst bloßgestellt — was ist da aus der Union zu hören, im „besten Deutschland aller Zeiten“? — NICHTS!

giesemann
9 Monate her

Wäre ich CDU, so täte ich mich hinein steigern in Höcke – Höcker – AfD.

Monika Medel
9 Monate her

Inzwischen wütet die CDU gegen alles was einmal zu ihrem Kern gehört hat. Sicher, da gibt es Lockungen, Tricks und wohl auch Drohungen und Erpressungen. Und Friede und vor allem Liz. Trotzdem – diese eigentlich unbedeutende Frau aus der Uckermark hat eine Macht über die Mehrheit der Mitglieder und auch der Nochwähler. Macht über die Hirne und die Seelen. Dabei kommt sie im Gegensatz zu früheren politischen wie religiösen Verführern völlig unspektakulär und alltagsgrau daher. Nach dem Rücktritt Höckers und seiner Begründung hätte ich doch mit mindestens etwas Unruhe gerechnet. Aber nein, willfährig und kaltherzig geht man darüber hinweg, plappert… Mehr

Sonny
9 Monate her

Viele Kommentatoren und auch der Verfasser dieses Artikels gehen anscheinend davon aus, dass die Drohungen (aussschließlich) von außen kamen.
Davon bin ich überhaupt nicht überzeugt, insbesondere, da die Bedauernsfloskeln fehlen.
Wer da was in Auftrag gegeben hat, muss schon ziemlich mächtig sein, um einen Anwalt in exponierter Stellung so dermaßen in die Knie zu zwingen und der sich sogar weigert, nähere Auskünfte darüber zu geben. Das sind eindeutige Indizien auf das „eigene Haus“.
Wir alle sollten schon mal Demutsgesten einüben, für demnächst. Niemand in Deutschland, der sich offen gegen die Linksdiktatur zu wehren versucht, ist mehr sicher.