Blackbox KW 51 – Bleierne Zeit

Terroranschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: 13 Tote, 50 Verletzte. Wie fast üblich in solchen Fällen lässt der Täter seine Papiere am Tatort sowie bald darauf sein Leben. Täterprofil und Politversagen im Hintergrund der Tat: aber wir kennen unsere Pappenheimer ...

Nach Brüssel, Paris und Nizza nun also auch Berlin. Oder mit den Worten der Kanzlerin: Menschen, die sich auf Weihnachten freuten, „sie sind nicht mehr unter uns.“

Die Tat? Tagesschau-Chef Kai Gniffke ist wohl bei Kai Pflaume eingenickt, beim ZDF saßen sie gebannt vor einem Filmchen über den Gotthard-Tunnel und glaubten bis zum Schluss an einen Unfall – jedenfalls funkten die Gebührenmilliardäre eine gute Stunde nach dem Terroranschlag in der Hauptstadt erst mal gar nichts über die Tat. Vielleicht konnten sie aber auch alle den Blick nicht von CNN wenden, wo schnell und professionell über das Attentat berichtet wurde.

Kurz zusammengefasst: Ein LKW rauscht ungebremst in eine Menschenmenge, im Fahrerhaus ein erschossener Pole, der Attentäter entkommt. Die Polizei verhaftet zunächst den Falschen, einen Pakistani, sucht später einen Tunesier – Polizei bekannt, vorbestraft, nicht abgeschoben – der seine Papiere und sein Handy zur Fahndungsunterstützung im Cockpit liegen gelassen hatte.

Die Kanzlerin mochte sich zunächst gar nicht vorstellen, dass der Mörder ein „Flüchtling“ sein könnte, die Tat solle aber in jedem Fall bestraft werden, „so hart es unsere Gesetze verlangen.“ Tage später wurde der Gesuchte in Mailand erschossen.

„Auch wenn der Tatverdächtige tot ist, die rechtsstaatliche Aufarbeitung endet nicht“, versprach Heiko Maas, was immer er damit nun meinen mag. Und Thomas, die Maiziere, verwies auf einen schon länger vorliegenden Gesetzentwurf zur Abschiebehaft von ausreisepflichtigen Gefährdern. „Darüber hinaus“ behalte er sich weitere Vorschläge vor, um „Deutschland sicherer zu machen.“ Womit er wahrscheinlich flächendeckende Straßenpoller zum nächsten Weihnachtsfest gemeint haben dürfte.

„Aber“, macht der Innenminister unmissverständlich klar, „wir werden mit dem Terror leben müssen.“ Viele fragen sich allerdings, ob sie ab September 2017 auch mit der Innenminister-Misere leben müssen.

Wir wollen die Pannen, die irrlichternden Politkommentare und die Prozessionen gegen „Rechts“ gar nicht erst alle aufzählen – das glaubt einem eh kein Mensch. Nur so viel: Abschließend bekam das Staatsvolk von der Führerin ein dickes Lob: „Ich bin in den letzten Tagen sehr stolz gewesen, wie besonnen die Menschen auf diese Situation reagiert haben.“ Was hat sie gedacht? Dass Horden von Neonazis und Werwölfen mordbrennend durchs Land marodieren? Wahrscheinlich hat sie zu viel Regierungs-Fake-News gelesen.

♦ Wir wollen nicht darauf herumreiten, dass der BND ausgerechnet vor dem Berlin-Attentäter gewarnt worden war, dass des Jägers Jägersleut‘ aus dem Homeland NRW ihre Such-Aktionen nach dem in NRW Registrierten „wegen Schreibfehlern“ mit deutlicher Verspätung durchführen mussten. Auch nicht darauf, dass Hamburgs grüner Justizsenator die Internet-Fahndung einen halben Tag lang verhinderte, damit die keine Hate Speech auslöst.

♦ Wir müssen allerdings schon die Frage stellen, warum die Polizistinnen auf dem Kölner Weihnachtsmarkt Maschinenpistolen ohne Munition trugen!? Dem Pazifisten in uns ist es ja durchaus recht, wenn nicht geschossen wird, aber der Feminist in uns ist schon sauer, dass die Mädels so ein Platzpatronen-Phallus-Symbol umgehängt haben, ohne dass die etwas damit anzufangen wüssten!

♦ Beim Waffenfund im Düsseldorfer Maghreb-Viertel dürfte es sich hingegen um einsatzbereites Kriegsmaterial aller Art gehandelt haben. Neun Verdächtige wurden schnell wieder freigelassen, schließlich ist Weihnachten, das Fest der Liebe.

♦ Wäre das Leben nicht wirklich schöner, wenn alle die, die nicht Opfer von Anschlägen, Morden und Vergewaltigungen werden, erst gar nichts von solchen Taten erführen? Kai Pflaume statt Anis Amri? Gotthard-Tunnel statt Berlin, Breitscheid-Platz? Verkehrsunfall statt Terroranschlag? Dieses große Ziel der „Volks“-Zufriedenheit wollen unsere auserwählten Repräsentanten nun zu allererst in Angriff nehmen. Der treue Thomas will dazu eine Abwehreinrichtung gegen „Desinformationskampagnen“ aufbauen, das durchaus den Namen Wahrheitsministerium verdient. So könnten unverpixelte Terroristenfotos genauso wie Kritik an der Kanzlerin im Wahljahr verhindert werden. Aber ist der treue Thomas da der richtige Mann? Oder der heikle Heiko? Sollte man nicht besser Spezialisten holen? Aus China, Russland oder Saudi-Arabien?

♦ Wer hätte gedacht, dass wir hier noch einmal Gerhard Schröder gerne zitieren würden? Der letzte Populist der Sozialdemokraten von Format fordert von seiner Partei, sich „mehr um Industriearbeitsplätze zu kümmern. Das ist die Aufgabe der Politik, gerade in einem Land wie Deutschland.“ Klingt wie Je suis Trump, meldet besorgt die FAZ.

♦ Kampfdrohne Ursula strandete wegen eines Computer-Schadens in Nigeria, dann trudelte sie irgendwann doch noch zur kleinen Weihnachtsfeier bei unseren vergessenen Soldaten am Hindukusch ein. Schöne Bescherung.

♦ Es grüßen frisch vermählt: Marcus und Frauke von der AfD. Zusammen bringen es die zwei schon bald auf neun Kinder. Ist das in Zeiten wie diesen Fatalismus oder darf man das Optimismus nennen?

♦ Haben Sie Gaucks letzte Weihnachtsansprache verpasst? Mist, wir auch!

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