Blackbox KW 42 – Merkel lädt zu Buletten, Kürbissuppe und Blechkuchen

Die Kanzlerin winkt huldvoll vom Balkon, aber noch ist unklar: Bleibt Horst? Wird Göring-Eckardt Ministerin? Warum bieten Buchmacher keine Wetten auf Jamaika an?

Wir warten gespannt auf Nachrichten aus dem ehemaligen Reichstagspräsidentenpalais am Friedrich-Ebert-Platz in Berlin. Die ersten Bilder vom Balkon des erhabenen Gebäudes waren vielversprechend. Merkel winkte fast schon ein wenig überschwänglich in die Fotokameras, die anderen grinsten hoffnungsfroh und Katrin Göring-Eckardt machte Faxen. Apropos Göring. Mit Namen treibt man nur in Grenzen Scherze. Aber weiß das die Kahane-Stiftung? Und wissen das die Algorithmen-Bediener?

Erst einmal müssen Sachfragen geklärt werden. Wer zahlt für das superschnelle Internet? Jetzt, wo Wolfgang „der auf dem Geldsack sitzt“ Schäuble auf einen rein repräsentativen Posten abgeschoben wurde, dürfte die Einigung schneller gehen. Trotzdem, eine Regierungsbildung ist kein Zuckerschlecken, das sieht man schon an der Speisekarte. Von wegen Kalbsbäckchen in Pfeffersauce für Peter Altmaier, oder Algen-Kaviar für Cem Özdemir. „Buletten, Kürbissuppe und Blechkuchen“ müssen als Grundlage für die Verhandlungen reichen.

Gelbe und Grüne freuen sich trotzdem wie die Schnitzel auf die neuen Posten. Einziges Problem: Noch ringen sie um die richtigen Worte, das Unvereinbare ansprechend und wählerschonend zu verpacken. Auf ganzer Linie gescheitert ist da bereits Pirouetten-Horst, der seinen Wählern weismachen will, eine Obergrenze bei offenen Grenzen, die dann auch noch dynamisch der jeweiligen Zuwanderung angepasst wird, sei tatsächlich eine Obergrenze.

♦ Noch wissen die wenigsten, dass in Bayern dunkle Wolken aufziehen, denn die Hofberichterstatter senden und schreiben lieber über einen „gesichtswahrenden Kompromiss“ als über den Beschluss des „kommunalpolitischen Verbandes der CSU“, der „mit überwältigenden Mehrheit“ die „Obergrenze Null“ für alle „aus einem sicheren Drittstaat einreisenden Nicht-EU-Ausländer“ fordert.

♦ Auch von den taufrischen Umfrage-Daten – „CSU verliert absolute Mehrheit, AfD bei 13 Prozent / 41% für Söder als Ministerpräsident, 40% für Horst“ – sollen Leser und Zuschauer möglichst verschont werden. Sonst kämen CSU-Mitglieder noch auf komische Gedanken wegen des vom Horst verschobenen Parteitags. Dabei leiten Horst rein christliche Motive, er will lediglich „den besondere Umständen der Weihnachtszeit gerecht zu werden“. Vergelt‘s Gott!

♦ Es ist schon ein wenig befremdlich, wie schnell auch das Haus Bertelsmann (Stern, Spiegel, RTL) die noch vor Wochen gefeierte ehemalige Volkspartei SPD links liegen lässt! „Nur acht Prozent der Bürger trauen den (Spezialdemokraten) zu, mit den Problemen in Deutschland am besten fertig zu werden“, melden die Bertelsmänner. SPD-Goldstück Schulz lag wohl doch richtig, in die Opposition zu gehen. Jetzt plant er eine „Neuaufstellung“ der Partei, inklusive „Dialogveranstaltungen mit der Parteibasis“. Noch erfolgversprechender allerdings wäre es, wenn die Parteibasis eine Neuaufstellung der Führung plante.

♦ Wie oft hörten wir den Satz „Wenn Wahlen etwas bewirken würden, wären sie längst verboten“? Nun müssen auch die Nörgler zugeben, dass „Hau den Lukas“ (ersetzen Sie den wahlweise durch Horst, Angela, Tillich, etc.) nicht nur auf der Kirmes Spaß macht. Bing! Bing! Tillich tritt zurück. Bing! „Wir haben gar nicht so viel weniger Stimmen geholt, als bei der letzten Niedersachsen-Wahl“ (Merkel). „119 weniger“ (der niedersächsische CDU-Spitzenkandidat). Bing! Bing! Manuela Schwesig fordert, kriminelle Asylbewerber sofort abzuschieben (hahaha). Bing! Bing! Bing! CDU-Minister von Sachsen-Anhalt erklärte die Tagesschau für „überflüssig“ (hahahaha).

♦ Mit der lustigsten Überschrift der Woche – „SPD-Frau greift hart gegen Clans durch“ – lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf das einzige Irrenhaus der Welt, in dem die Insassen die Leitung übernommen haben: die Stadt Berlin. 74.500 Strafverfahren – vom Ladendiebstahl bis zur Körperverletzung – eingestellt. Ein Oberstaatsanwalt stellt sachlich fest, in Berlin ist der Rechtsstaat kaputt. Nur der Rechtsstaat? In Berlin leben mehr Obdachlose (20.000), als die Stadt Füssen Einwohner hat. Selbst der Fußballverein Hertha ist so verzweifelt, dass die Spieler vor dem Spiel den Herrgott auf Knien um Hilfe anflehen.

♦ In Köln haben sie wenigstens den Woelki mit seinem direkten Draht zum Herrn! Dort rät die Caritas, Bettlern „im Zweifel lieber Geld zu geben. Ein belegtes Brötchen und ein Kaffee sind zwar nett gemeint, aber sie helfen nicht“. Bei der abendlichen Abrechnung durch die Chefs der Bettel-Clans?

♦ Wer schult eigentlich unsere mit 8 Milliarden zwangsernährten TV-Schaffenden in kultursensiblem Verhalten in unseren bunten Zeiten? Da drehen sie mit als Nutten aufgebrezelten Schauspielerinnen eine ihrer meinungsbereichernden TV-Serien ausgerechnet am Kölner Ebertplatz und machen damit frisch Integrierte so scharf, dass der halbe Meter Abstand (Kölner Verkehrsregel) in Gefahr gerät! Statt den Dialog zu suchen, suchten die ZDFler lieber das Weite. Wie hieß die Serie, wollen Sie wissen? „Heldt“. Mit „dt“. Hieße sie „Held“ wäre die Angelegenheit noch peinlicher gewesen.

♦ Alle „demokratischen“ Parteien suchen derzeit nach Rechtspopulisten in ihren Reihen, um den Begriff „Heimat“ gegen die einzige „nicht-demokratische“ Partei im Bundestag zu verteidigen. Gemach, gemach, ihr heimatlosen Gesellen! Wir zitieren die unnachahmlichen Worten unseres verehrten Frank-Walter Floskelmeier: „Heimat gibt es auch im Plural!“ In der Tat, der Duden kennt tatsächlich „Heimaten“, und Frank-Walter aus seiner Jugend noch die Neue Heimat.

♦ Eine islamische Religionslehrerin würde statt eines muslimischen Feiertags (Vorschlag von der Misere) lieber einen „Tag der Einwanderung“ feiern. Den feiern wir doch jeden Tag!

♦ Wieder verdanken wir es der SPD, dass die wichtigen Themen unserer Zeit angesprochen werden. Ein Theologe und Ex-Botschafter hatte zu Sawsan Chebli gesagt, er hätte nicht gedacht, dass sie „so jung und so schön“ sei. Chebli fühlte sich darob sexistisch gemobbt. Manuela Schwesig rief Männer sogleich „zum Kampf gegen Altherrenwitze“ auf. So gerne wir für die Damenwelt in die Schlacht ziehen würden, Manu: Wir verstehen die Pointe nicht. Hätte der Theologe das zu Claudia oder Andrea gesagt, dann wäre es ein Altherrenwitz, oder nicht?

♦ Ein paar Tage zu früh für Halloween tauchen schon die ersten Polit-Zombies auf. Die Bellizisten Joseph M. Fischer (Kosovo) und George W. Bush (Irak) geistern als Weltverbesserungs-Spießgesellen durch die Medien.

♦ Steckt ein V-Mann hinter den Anschlägen vom Anis Amri? Wir kennen die Geheimdienstarbeit ja nur aus dem Kino. Aber „Deutsch-Türke, etwas übergewichtig, Amts-Kürzel VP01“ und das Ergebnis der Arbeit des Agenten klingt eher nach Kabarett als nach James Bond.

♦ Nun zur Wirtschaft. Nach massiven Stromausfällen sollen in Australien die Förderungen für alternative Energien wegfallen. Wir hier haben keine Probleme mit dem Strom. Bei uns kommt der im Notfall aus den AKWs in Belgien, Frankreich, etc.

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Kommentare ( 17 )

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Warum?

Dafür steht jetzt öfters in der Presse
“ der Tatverdächtige ist ein …. jähriger Deutscher“ .
Schon aufgefallen?

„…, dass ein „Deutscher“ in München wahllos mit dem Messer Passanten angegriffen hatte?“
Da hier die Identität (es schien nicht mal sicher, dass der Verdächtige auch tatsächlich der Täter war) angegeben wird, muss man sich fragen, ob hier eine Art von Diskriminierung vorliegt.

8. Islam ist eine friedliche Religion und keine totalitäre Ideologie, die zu Gewalt und Weltherrschaft aufruft..

Der Ex-Botschafter wusste als Diplomat genau, wie man eine dumme Nuss als solche tituliert und stilvoll beleidigt: „jung und schön“ Und nur deshalb war die Chebli so sauer, weil das (neben ihrer palästinensischen Herkuft) so ziemlich ihre einzigen Verdinste sind, wegen derer sie Staatssekretärin wurde. Sie wurde öffentlich gedemütigt und schwang deshalb die Feminismus- und Rassismus-Keule…

Aufführung und Abschluss der Koalitionsverhandlungen zur grössten Koalition aller Zeiten, dargestellt von der Schauspieltruppe des Hospizes zu Berlin, angeführt von der Marquisette de Merkel unter Anleitung und Steuerung der grün-roten Staatsbeamtenschaft.

Wieder mal ein 1a-Beitrag, Herr Paetow. Danke.

stimmt schon, die SPD kümmert sich jetzt um die dringensden Probleme im Land, zumindest die Frauen der SPD:
„Eine typische Sexismus-Erfahrung ist, dass Frauen nicht ernst genommen
werden. Ich habe in meinem Leben unglaublich oft gehört: Die kann das
nicht. Oder: Sie ist noch nicht so weit“, sagte Nahles der „Bild am
Sonntag“ https://www.welt.de/politik/deutschland/article169903144/Ich-kenne-nichts-Vergleichbares-bei-Maennern.html
„Bei Übergriffen wie Hand aufs Knie legen, sollten wir juristisch schärfer werden“, fordert Barley. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-10/metoo-sexismus-katarina-barley-andrea-nahles
Die SPD konkurriert jetzt mit den Grünen um die Position als „Nannypartei“. Selbstbewusste Frauen sollten sich aber dagegen auflehnen.

Genial wie immer!

Lieber Herr Paetow, der Start in den Sonntag ist dank Ihrer Rückschau ein guter. Allerdings, das Lachen bleibt stets im halse stecken. Beispiel: das von Ihnen so bezeichnete „einzige Irrenhaus der Welt, in dem die Insassen die Leitung übernommen haben: die Stadt Berlin“ ist meines Erachtens nur ein Test auf beschränktem Territorium. Sollte das politische Establishment mit den Testergebnissen einigermaßen einverstanden sein – und das ist bei dem grünen Teil des zu befürchtenden Regierungsbündnisses zu befürchten – so wird der Versuch „Berlin“ auf ganz Deutschland ausgeweitet. Dass wir bereits in einem solchen Irrenhaus leben, dafür ist Ihre Kolumne ein beredter… Mehr
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