Rechte jubeln, Linke toben: EU-Parlament verabschiedet neue Abschieberegeln

Im EU-Parlament wurde die neue Rückführungsrichtlinie beschlossen, mit den Stimmen der rechts stehenden Fraktionen und der EVP. Während die Rechte den Durchbruch für mehr Abschiebungen feiert, verfällt die woke Linke in Schnappatmung gegen demokratische Mehrheiten. Fraglich bleibt der Nutzen. Denn nun sind die nationalen Regierungen dran.

Screenshot via X / Charlie Weimers

Mit diesen Bildern ist die Brandmauer im EU-Parlament im ideellen Sinne endgültig Geschichte geworden. Allerdings könnte es sich zugleich um eine Episode handeln, der weitere anders geartete Episoden folgen. Beschlossen ist nun jedenfalls eine Rückführungsrichtlinie, die eine deutlich schärfere Handschrift trägt als andere EU-Regeln. Eröffnet wird so die Möglichkeit von Rückführungszentren, die außerhalb der EU liegen, etwa in Albanien oder Ruanda, wo einzelne Staaten schon Abmachungen haben oder vorbereiten.

Daneben gibt es strengere Regeln im Inneren, etwa wenn ein Abschiebungsbescheid ergangen ist. Danach sollen nun Sanktionen bis hin zur Inhaftierung möglich sein. Die neue Abschiebehaft darf bis zu zwei Jahre dauern und kann am Ende noch einmal verlängert werden. Auch die polizeilichen Möglichkeiten rund um Abschiebungen wurden erweitert. So will man wegkommen von der enttäuschenden 25-Prozent-Rate, mit der Abschiebungen in der EU bislang lediglich umgesetzt werden.

Der AfD-Abgeordnete Tomasz Froelich https://x.com/TomaszFroelich/status/2067267652301570452?s=20 freut sich über schnellere Rückführungen, über die Zentren in Drittstaaten, lebenslange Einreiseverbote für kriminelle Gefährder und mehr freiwillige Rückkehren neben „Zwang bei Bedarf“. Die EU-Rechte sieht die Abstimmung weithin als Erfolg für ihre Remigrationsagenda, wobei dieses Wort immer wieder verschieden ausgelegt wird. Im Kern dreht es sich um den Vollzug von Ausreisebescheiden, also die Vermeidung des illegalen Aufenthalts. Ob all das glücken wird? Das hängt offenbar auch von der Umsetzung in den einzelnen Staaten ab. Die AfD-Vertreterin im Innenausschuss Mary Khan https://x.com/Mary_Khan94/status/2037109850090381494 schrieb auf X: „Jetzt geht es darum, Rückführungszentren, lebenslange Einreiseverbote und medizinische Altersfeststellungen in Europa politisch durchzusetzen.“

Seit wann ist Rechtstreue gleich Rassismus?

Im EU-Parlament wurde die Annahme der neuen Richtlinie von der einen Seite des Hauses beklatscht und bejubelt. Klar ist, wer das war: vor allem die Fraktionen rechts der EVP. Denn die neue Rückführungsrichtlinie ist vor allem ihr Erfolg: Die Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR), die Patrioten für Europa (PfE) und das Europa der souveränen Nationen (ESN), zu dem auch die AfD gehört, haben an dieser Stelle mit der irgendwie noch Mitte-rechts gelagerten Europäischen Volkspartei gestimmt. Und so kam es, dass Manfred Weber die Glückwünsche für die erreichte Mehrheit unter fröhlichen Chören entgegennahm. „Send them back“, „Schickt sie zurück“, scholl es durch den Straßburger Bau.

Und das fanden einige entsetzlich. Die deutsche Grüne Terry Reintke fand den Slogan „rassistisch aufgeladen“ – was man so nicht sagen kann. Seit wann ist Rechtstreue gleich Rassismus? Es gab verzweifelte „Anträge zur Tagesordnung“, die keine waren – vielmehr Brandreden gegen ein EU-Parlament, das eigentlich „besser“ sei, so der Vertreter einer deutschen Kleinlinkspartei. Die schwedische Abgeordnete Abir Al-Sahlani (Renew) hatte sich angeblich „nie unsicherer in diesem Parlament gefühlt“ als in diesem Moment.

Das ist eine äußerst verstörende Aussage. Soeben hatte eine EU-Institution ein Regelwerk angenommen, das die Durchsetzung von nationalem Recht in allen Mitgliedsländern begünstigen soll, da streute die migrantisch gelesene Abgeordnete schon ihren Protest gegen das Votum ein. Die Demokratie gilt nicht immer gleich viel in diesen Kreisen. Die Linken taten mit allen Kräften so, als ob das Recht, das im Grundsatz schon vorher bestand, Unrecht sei. Das ist wohl das Aufschlussreichste, was man an diesem politischen Tag im Leben Europas erleben konnte.

Die politische Linke stellt sich gegen die Demokratie

Ob es nicht eine etwas voreilige Freude eines Teils der Abgeordneten war? Das ist möglich. Denn die Umsetzung könnte sich erneut als zäh erweisen, wie sich beim Thema der Rückkehrzentren schon zeigt: Innenminister Dobrindt will zwar bis zum Jahresende eine Abmachung schließen, aber die Umsetzung werde dann noch dauern. Warum, versteht man nicht. Denn dazu sind Abkommen ja da: Damit man sie anwendet.

Vermutlich wird es im Nachgang wieder um rechtliche Regeln gehen. Die politische Linke – wokisiert bis zum Letzten und den Interessen einfacher Wähler abhold – wird den Klageweg bis zum Äußersten beschreiten, um diese parlamentarische Niederlage auszuwetzen. Das große Paradoxon des Tages ist daher, dass die Vorkämpfer von „Unsere Demokratie“ heute gegen die Demokratie waren, weil sie von parteilichem Jubel begleitet wurde, während die vorgeblichen „Feinde der Demokratie“ eine demokratische Mehrheit gebaut haben, mit der sie aus ihrer Sicht etwas zum Wohle der Bürger beschlossen haben. Das ist ein historischer Paradigmenwechsel, der ruhig noch etwas anhalten dürfte.

Das Scharnier ist derzeit noch die EVP, die sich dank dem Versprechen einer entschiedeneren Migrationspolitik in einigen Ländern noch halten kann. Insofern wird auch die Zukunft der nationalen EVP-Gliederungen – wie der CDU/CSU in Deutschland – davon abhängen, ob reale Schritte auf den schönen Beschluss folgen werden oder es bei Sonntagsreden und Wählertäuschung bleibt.

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 58 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

58 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Deutsche
1 Monat her

Gar nichts wird sich ändern. Wieder einmal „ein so tun als ob“ um den Widerstand auszuhebeln.
LÄUFT DOCH SCHON SEIT JAHRZEHNTEN SO.
Bis wir offiziell pleite sind. Dann wird sich das Problem nach ein paar Millionen Toten „von selbst lösen“.

AlNamrood
1 Monat her
Antworten an  Deutsche

Selbst wenn die Politik wollte, mit einer handvoll Abschiebungen pro Flug, was auch noch endlos kostet oder abgebrochen wird wenn der Abzuschiebende sich wehrt, erreichen wir gar nichts.

joly
29 Tage her
Antworten an  AlNamrood

letztendlich hilft nur Härte, denn so lange wir diese Typen im Bürgergeld schlaraffenähnlich verhätscheln, wird keiner aufstehen und freiwillig gehen. Inzwischen hat auch noch das europ. Gericht ja Bett, Brot und Seife als menschenunwürdig bezeichnet und verboten. Kulturelle Teilnahme und Smartphone ist mit einem Taschengeld das absolute Minimum. Wobei ich befürchte, dass die kulturelle Teilnahme neben dem Messereinsatz auch die Vergewaltigung der heimischen Bevölkerung sein wird.

Michael W.
29 Tage her
Antworten an  joly

Pakistan weiß, wie es geht. Da sind 100000 Afghanen binnen 4 Wochen von alleine verschwunden. Rechnet man hoch: 1,2 Mio. pro Jahr! In Pakistan gibt es allerdings auch keine Grünen, Linken und sonstige Spinner und auch keine entsprechende Justiz. Wenn die Regierung „Raus hier“ sagt, kommt kein Richter auf die Idee, dem zu widersprechen. Da sich die Richter auch nie trauten, dem Kaiser oder Hitler zu widersprechen, ist klar, dass das Verhalten der Richter heute von der Regierung gewünscht wird.

ceterum censeo
29 Tage her
Antworten an  Deutsche

Bis wir offiziell pleite sind? Sind wir schon. Nur sagt das noch keiner offiziell. Warum sonst sind Bestrebungen am Werk, an die Billionen-Ersparnisse der Bürger zu gelangen? Der Islam-und Ukrainemob will schließlich bezahlt sein…

Rainer Schweitzer
29 Tage her

Vielleicht sollte man statt der ausreisepflichtigen Ausländer lieber die linke Einheitspartei CDUSPDGrüneLinke abschieben? Irgend ein Misthaufen würde sich auf dieser Welt doch sicher finden lassen, wo sie sich wohlfühlen könnten. Naja, entsorgen würde auch schon helfen. Da aber niemand es tut, müssen wir uns weiterhin in Geduld üben und zuschauen, wie sie selbst es tun.

joly
29 Tage her
Antworten an  Rainer Schweitzer

Wie hieß es so schön in meiner Kindheit:
Wartewarte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir – mit dem kleinen Hacke-Beilchen und macht Leberwurst aus dir“ 
Das ist heute alt – aber ich sehe schon die neue RAF-Methode des Bürgertums:
Warte nur noch ein Weilchen, dann erwischen wir dich mit der Drohne in deiner Staatskarosse

Mathias Rudek
29 Tage her

Wenn sämtliche Netzwerke sogenannter (N)GO ihre staatliche Alimentierung verlieren, dann ist Schicht im Schacht. Ich wünschte mir hier eine konsequente, bürgerlich-konservative und knallharte Phalanx. Diese unfähigen, aufgeblasenen links-grüne Politik-Darsteller haben keine konkrete Migrationserfahrung in ihrem persönlichen Umfeld, daß sollen gefälligst die Bürger ertragen – ungefragt. Ich hoffe, daß diese totalitären Geister im grünen Gewand jetzt ganz harten Zeiten entgegengehen.

Wilhelm Roepke
29 Tage her

Ich würde das nicht unterschätzen. Die EVP hätte das nie mitgemacht, wenn sie nicht von rechts massiv unter Druck gesetzt werden würde. Wird ihr natürlich langfristig auch nichts helfen, sondern ihren Abstieg nur verzögern, weil Schlafschafe einfach ihre Zeit brauchen, aber es ist ein Anfang, alleine schon wegen der Symbolik.

Rainer Schweitzer
29 Tage her

„Denn die Umsetzung könnte sich erneut als zäh erweisen,…“

Die Umsetzung soll national erfolgen. In Deutschland also gar nicht oder nur in homöopathischen Dosen. Denn Abschiebungen sind Ländersache. Überall dort, wo der antifaschistische Schutzwall, die (Brand-) Mauer der sozialistischen Blockpartei CDU/CSUSPDGrüneLinke steht, wird sie verhindert werden. Das jedenfalls ist die Erfahrung der letzten 10 Jahre.

Rainer Schweitzer
29 Tage her

„Die schwedische Abgeordnete Abir Al-Sahlani…“

………
Und sie ist für uneingeschränkte Migration in die EU…

na sowas
29 Tage her
Antworten an  Rainer Schweitzer

Klar, die ganze Verwandtschaft muss untergebracht werden. Aufdringlich um jeden Preis

Sonny
29 Tage her

Eigentlich wäre es noch einfacher:
Man schafft die soziale Hängematte für Migranten ab und die Justiz setzt endlich wirkliche Grenzen und Folgen bei kriminellen Verstößen. Viele gehen dann von ganz alleine und der Rest wird zwangsweise ausgeflogen.
Kein Geld mehr für Abgreifer des Sozialstaates. Und auch kein Kindergeld.

MWScherer
29 Tage her
Antworten an  Sonny

Sehe ich auch so! LEIDER gibt es ein neuestes Urteil des EuGH, wonach Migranten, selbst wenn sie ausreisepflichtig sind, so „versorgt“ werden müssen, wie sein dem betreffenden europäischen Staat „üblich“ ist! Da in D eine aussergewöhnliche hohe „Versorgung“ installiert ist, ergo keine Chance! Es bliebe nur der bewusste nationale Verstoß gegen diese EuGH- Entscheidung, was möglich wäre , NUR: leider NICHT mit der aktuellen Regierung!

joly
29 Tage her
Antworten an  Sonny

Genau so gut können wir auf einen neuen Gott oder Führer warten. Solange as EU – Gericht für deren erweiterte Menschenwürde ist, läuft da gar nichts.

Last edited 29 Tage her by joly
na sowas
29 Tage her
Antworten an  Sonny

Genau die Dinge, die die AFD, schon lange fordert.

Juergen P. Schneider
29 Tage her

In irren Zeiten braucht die Vernunft halt etwas länger, bis sie zum Tragen kommt. Ob sie sich in Deutschland am Ende wirklich durchsetzt, steht dennoch in Frage. Die so genannten europäischen Lösungen waren ja bislang immer nur das Alibi für nationales Nichtstun. Vor allem in Deutschland war und ist die dumme Ausrede von den angestrebten europäischen Lösungen immer noch in Mode. Es wird bei uns entweder ein Ende der suizidalen Migrationspolitik kommen, oder der gesellschaftliche Frieden ist endgültig dahin.

Mausi
29 Tage her

Zunächst ermöglicht es einzelnen Staaten abzuschieben. Vermutlich ein Entgegenkommen an die Staaten, die mit ungehemmter Zureise nicht einverstanden sind. D wird m. E. diese Regel soweit wie möglich nicht anwenden. Dafür hat D andere Ziele, für die es EU Regeln 110% erfüllt.
Diese Regelung gilt, bis ein Staat sie anwendet, dagegen geklagt wird und der Gerichtshof der EU die Regel kippt.

Last edited 29 Tage her by Mausi
DDRforever
1 Monat her

Der Slogan ist schon geil „Send them back“. Einfach super.

Deutscher
29 Tage her
Antworten an  DDRforever

„…and let them return again easily through open borders“, heißt er vollständig.

joly
29 Tage her
Antworten an  DDRforever

“ and never let them back“

imapact
1 Monat her

„Die schwedische Abgeordnete Abir Al-Sahlani „… Klingt typisch schwedisch. Könnte genauso gut eine Vertreterin der deutschen Linken sein.
Natürlich wird in Deutschland, abgesehen von ein paar symbolischen Gesten, nichts davon umgesetzt werden. Der von Konservativen irrigerweise als einer der ihren angesehene Dobrindt mauert bereits. Union eben. Die Erfüllungsgehilfen der Linken.

joly
29 Tage her
Antworten an  imapact

Dies gilt nur bis zur nächsten Wahl. Dann ist Schluss mit lustig.