Wein aus Mallorca – aber “made in Germany”

Noch sind Trauben von der germanisierten spanischen Insel eine Nische, aber Deutsche wollen das ändern.

Christina Schallock lacht verschmitzt, wenn man sie fragt, ob ihr kleines Weingut bei Pollença rentabel ist. Die 70jährige wirft ihr blondes Haar zurück und setzt die schicke Sonnenbrille ab: “Ich decke Kosten”, sagt sie schnell. Ihre Idee war es nie, mit dem Weinanbau reich zu werden: “Ich habe mein ganzes Leben lang sehr gerne Wein getrunken und hatte dann 2001 die unglaubliche Lust, selber welchen herzustellen”. Sie folgt einem Trend, der immer mehr Ausländer und vor allem Deutsche fasziniert. Viele haben keine Ahnung von dem Geschäft und werden deswegen auch von einigen Mallorquinern als reiche Spinner abgetan. Aber einige weninge wie Schallock haben sich Respekt unter den Einheimischen verschafft.

Insgesamt gibt es 90 Weingüter auf Mallorca, aber nur rund 20 Prozent sind nach Meinung des Experten und Vertriebs-Spezialisten Jaime Sancho 100% nachhaltig organisiert. So spritzt Schallock die Trauben zwar nicht und wässert sie noch nicht einmal, aber sie hat auch keines der gängigen Zertifikate für bio-dynamischen oder ökologischen Anbau wie „Demeter“: „Der administrative Aufwand ist für mich zu groβ. Dafür verfüge ich über die neuste Kellertechnik und mache direkt alles bei mir auf der Bodega“. Weil die Trauben der Insel kompliziert sind und sehr viel Erfahrung im Metier verlangen, bestehen die meisten „ausländischen“ Weine auf Mallorca, wie auch die von Schallock, hauptsächlich aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Chardonnay und Sauvignon Blanc. Am besten verkauft sich Rosé und Weisswein, weil den vor allem die Touristen mögen. Sie sind die Hauptkunden dieser ausländischen Bodegas. Schallock macht aber auch einen sehr guten Rotwein in Holzfässern, die sie jedes Jahr auswechselt.

Winzer aus Leidenschaft, nicht aus Tradition

Die Münchnerin unterscheidet sich von vielen anderen Weingütern, wo Deutsche mitmischen, weil sie alles aus einer Hand anbietet, „mis en bouteille au Chateau“ wie es im französischen bezeichnet wird. Rund 20.000 Flaschen bringt die Deutsche im Jahr auf den Markt. Die oft kleinen Produktionen und die fehlende Infrastruktur machen den mallorquinischen Wein relativ teuer wie Sancho findet: “Das Preis-Leistungsverhältnis ist verbesserungsfähig”. Bei Schallock kostet die Flasche Rot-, Rosé oder Weisswein im Direktverkauf zum Beispiel zwischen 24 und 40 Euro. „Für die Mallorquiner ist das zu teuer“, weiβ Schallock. Wie viele andere Winzer, presst sie auch Olivenöl, das sie für stolze 33 Euro die Flasche verkauft – ein sehr exklusiver Luxus.

Die Deutschen landen wie Schallock beim Weinanbau, wenn sie schon lange nach Mallorca kommen, das notwendige Kleingeld haben und sich entscheiden, auf der Insel ihren Lebensabend zu verbringen, dabei aber die Hände nicht in den Schoß legen wollen. Schallock wollte eigentlich Homöopathie studieren, arbeitete dann aber bei ihrem damaligen Ehemann in der Baufirma mit und wurde später für den damaligen Pro7-Chef Georg Kofler Chefin eines Golfplatzes auf Mallorca. Von den Kontakten zehrt sie noch heute. Sie kann sich heute ein Leben ohne Wein und Natur nicht mehr vorstellen: „Da manche den roten als eine Heilpflanze sehen, schließt sich der Kreis wieder“, witzelt sie über ihren auβergewöhnlichen beruflichen Werdegang. Weil die Winzerin nicht rechthaberisch und verschwenderisch auftritt, hat sie bei vielen Inseleinwohnern ein Stein im Brett. Denn nicht nur ihre vier Mitarbeiter, darunter ein erfahrener Kellerer sind mallorquinisch, sonder auch der Name ihres Weines und Gutes, „Bodegas Xaloc“. Xaloc, Schallock ausgesprochen, heißt der sanfte Südost-Wind auf Mallorca.

Eingekauftes Know How

Nur wenige ausländische Winzer haben wie Schallock bei 0 angefangen und packen jeden Tag selber mit an. Da hatten es andere Weingüter “made in Germany” vielleicht am Anfang einfacher, weil sie ein Team einkauften und nur den Wein anbauen, aber nicht keltern und abfüllen. Dazu gehört der ehemalige deutsche Top-Manager Klaus Heinemann, der in einer Kooperative mit seinen mallorquinischen Finca-Nachbarn Joan Buades, Javier Garau Olivenöl und Wein herstellt. Unter dem Label GHB, die Anfangsbuchstaben der drei Eigentümer, wollen sie verschiedene Weine auf den Markt bringen. Den Rosé Clos D’Almudaina Rosado gibt es schon. Zur Seite steht ihnen mit Carlos Feliu ein erfahrener mallorquinischer Kellerer.

Heinemann, der auch Yachten und Appartments auf der Insel vermietet, hat 2011 sein Landgut bei Montuïri 2011 erworben: „Mir war direkt klar, um ein solches Anwesen zu halten, mussten wir landwirtschaftlich aktiv werden“. Derzeit produziert er noch in kleinen Mengen, “aber unser Ansatz ist, hier kein Geld zu verschleudern, sondern zügig den Break-even zu erreichen“. Ohne die nachbarschaftliche Hilfe ginge es in diesem Fall nicht. Gekeltert und abgefüllt wird an einem anderen Ort: “Wer einen modernen Kelterungsprozess sucht, der braucht hochtechnologische Maschinen, die in ihrer Anschaffung so teuer sind, dass das Risiko geteilt werden muss”, sagt der 67jährige, der sich mit Zahlen bestens auskennt.

Mallorcas Weinwirtschaft wird zum Frauenbusiness

Das Geschäft mit dem mallorquinischen Wein funktioniert sowieso nur wegen des enormen touristischen Erfolgs der Insel und der Balearen insgesamt, die jährlich rund 14 Millionen ausländische Urlauber empfangen. Ein groβer Teil der ausländischen Produktion wird durch Mund-zu-Mund-Propaganda verkauft. Bei Weinproben auf dem Gut wie im Fall von Xaloc sowie auf Yachten, in Restaurants und in Hotels sind gute und exklusive lokale Weine mit einer Geschichte immer mehr gefragt. Wein-Tourismus wird zu einer neuen Einnahmequelle der Insel, wo die Deutschen auch mitmischen wollen.

Es kommt ein neuer interessanter Faktor hinzu: Der bisherige Erfolg ist vor allem der weiblichen Expertise zu verdanken. „Viele Enologen und Winzerinnen sind Frauen nicht nur bei Xaloc, sondern auch bei Can Majoral (Mireia Oliver), Ribas (Araceli Cervera Ribas), Miquel Oliver (María Oliver), Mesquida Mora (Bàrbara Mesquida) oder Vins Nadal (Esperanza Nadal)“, sagt Sancho. Das Wein-Geschäft sei eigentlich sehr hart, aber die Frauen verstünden es immer besser. Das hätten auch schon groβe spanische Weingüter wie Torres, Murrieta, Vega Sicilia oder Cune bewiesen. Auch der deutsche Naturmedizin-Unternehmer Michael Popp setzt auf seiner mallorqunischen Bodega Castell Miquel auf Frauen. Seine Enologin ist Núria Tudurí. Sie arbeitet mit modernster Kellertechnik und einem hauseigenen Labor.

Wein aus Mallorca ist noch ein Nischenprodukt

Einer der gröβten Investments in Sachen mallorquinischen Wein hat Peter Eisenmann getätigt, der mit Lackierkabinen für die Autoindustrie sein Vermögen aufbaute. Der Deutsche investierte nicht nur in Wein, sondern auch in Pferde. Auf seiner Finca „Es Fangar“ züchtet er Hannoveraner. Aus einem Anwesen in desolatem Zustand machte er in 20 Jahren einen landwirtschaftlichen Betrieb, der ebenfalls wie Heinemanns Finca komplett ökologisch funktioniert. Sein Es-Fangar-Wein zählt zu einem der besten der Insel. Sancho beeindrucken zwar Leute wie Eisenmann, die ohne aus dem Winzergeschäft zu kommen, Millionen von Euro in das Abenteuer eines eigenen Weins investieren, aber er warnt Nachahmer: „Die klimatischen Verhältnisse sind auf Mallorca nicht optimal“.

Wer viel Umsatz mache und neue Technologien einsetzen kann, welche diese Risiko-Faktoren kontrollieren, habe eine bessere Startposition, weiss Rafael Álvarez, der sich mit Sonden und Sensoren genau auf diesen Bereich spezialisiert hat und auch mit Faszination beobachtet, wie stark sich die Deutschen im mallorquinischen Wein engagiren. Starke Winde und Regengüsse könnten jedoch die Ernte eines Jahres in wenigen Wochen verderben. Der Boden ist auch nicht ideal. Schallock, die keine Bewässerungssystem benutzt, hat bereits zwei Jahrgänge dadurch verloren. Aufgrund ihres geringen Umsatzes kann sie sich eine Technologie wie die von Álvarez nicht leisten. Die traditionsreiche Bodega von José Luis Ferrer dagegen, die bereits seit 1931 in dem Geschäft tätig ist und ihr Handwerk, auch mit Trauben der Inseln, von der Pike auf gelernt hat, kontrolliert die Risiken mit neuen Technologien und gilt auch deswegen als Referenz bei mallorqunischen Weinen. Schallock gibt sich zufrieden mit dem, was sie hat. Aber ihre Zukunft ist unsicher: „Keiner meiner Kinder will das Gut übernehmen. Ich werde es irgendwann verkaufen müssen“. Stolz ist sie trotzdem, dass ihr eingedeutschter mallorquinischer Wein inzwischen viele internationale Preise absahnt: „Nach vielen schlaflosen Nächten läuft der Laden endlich“.

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Kommentare ( 7 )

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Schön, dass Sie sich mit diesem erfreulichen und interessanten Thema beschäftigen, sehr geehrte Frau Müller. Gerade heute, wo riesige Mengen von weltweit angebauten, qualitativ nur mäßigen Weinen, die Preise drücken, haben es Winzer*innen, die aus Leidenschaft Topqualitäten anbauen, nicht so leicht, wenn sie nicht in den einschlägigen Weinführern genannt werden. Auch hier in Deutschland ist die Konkurrenz riesengroß. Daher ist bei uns das Preis/Leistungsverhältnis besonders gut. Der badische Spätburgunder von allerfeinster Güte ist geradezu günstig im Vergleich zu den ähnlich guten Qualitäten des Spätburgunders aus dem Burgund. Auch mein Mann und ich waren von den mallorquinischen Weinen begeistert und haben… Mehr

Zitat Müller: „Die 70jährige wirft ihr blondes Haar zurück und setzt die schicke Sonnenbrille ab: “Ich decke Kosten”, sagt sie schnell……………….“
Und schon kann man sich die weitere Lektüre esparen.

Da sollte man mal drüber nachdenken, ob man nicht irgendwo einen Edelballermann aufmachen kann, um den Eimer Sangria für einen Fünfhundert anzubieten. Wenn Putzfrauen und Komasäufer jetzt schon 40 Ocken für eine Flasche ausgeben, dann ist das definitiv die richtige Geschäftsidee. Jetzt muss ich nur noch ein paar Investoren auftreiben, aber wenn ich denen 5 % Rendite verspreche, kriegen die jetzt schon feuchte Augen, und das Geld ist kein Problem. Man muss einfach mal was Verrücktes machen, wie Edelballermann, oder Kohleausstieg.

Muss Werbung nicht als solche gekennzeichnet werden?

Ein Artikel über die Probleme und Erfolge von Unternehmen ist keine Werbung.

ok, ein buddel roter für 40€,ein liter olivenöl für 33€….und dazu das scharmige Münchner Flair der Wohlbetuchten….
wer sich diesen Artikel auf dieser Seite ausgedacht hat,bedient alle Clichees, die man mit alternativen deutschen Medien bedienen mag…
fehlt nur noch die „gated community“,um sich vom lokalen „plebs'“ abzusondern

Beim Suchen nach „Demeter“ fand ich das:

„[…]Wenn man etwa Quarz, Kiesel oder Feldspat in ein Kuhhorn stopfe und einen Winter lang einen „dreiviertel bis eineinhalb Meter tief“ vergrabe, sei danach „eine ungeheure Kraft darinnen an Astralischem und an Ätherischem“. Wenn man den Horninhalt im Frühjahr eine Stunde lang in einem halben Eimer Wasser verrühre erhalte man mit einem stecknadelgroßen Stückchen davon, das man in einen Eimer Wasser gibt, ein verspritzbares Pflanzenmittel.[…]“ (Wikipedia)

Neben anderem unsäglichen, das ich hier nicht zitiere.

Ob man dann so ein „Zertifikat“ braucht resp. will, muss jeder selbst entscheiden.