Trump droht Iran vor weiteren Angriffen auf friedliche Protestler

Im Iran gehen wieder Tausende auf die Straße gegen das islamistische Mullah-Regime. Das Regime antwortet mit Schüssen, Toten und der alten Leier von „ausländischer Steuerung“. US-Präsident Trump richtet sich nun mit einer unmissverständlichen Ansage an die Mullahs in Teheran.

picture alliance / Newscom | Samuel Corum

Im Iran wiederholt sich das immer gleiche Muster: Die Währung bricht ein, die Preise explodieren, das Regime zieht den Gürtel nicht bei sich selbst, sondern bei den Bürgern enger. Wenn dann Menschen demonstrieren, ist das in einer normalen Ordnung ein Weckruf. In der Islamischen Republik ist es ein Feindakt. Sicherheitskräfte gehen mit Gewalt vor, es gibt Tote, und die Verantwortlichen verstecken sich hinter ihren Uniformen und Titeln.

Die aktuellen Proteste dauern seit Tagen an. Auslöser ist der rasante Verfall des Rial, inzwischen steht ein Dollar bei etwa 1,4 Millionen Rial. Wer seinen Lohn, seine Ersparnisse, sein Leben in dieser Währung hält, sieht zu, wie alles, was er aufgebaut hat, in Zeitraffer entwertet wird. Seit Jahren werden immer wieder aufbrandende Proteste gegen das diktatorische Mullah-Regime blutig niedergeschlagen. Um immer wieder zahlreicher und kraftvoller zurückzukehren.

Jetzt tritt Donald Trump auf den Plan. Während regierungsnahe Medien in Westeuropa seit vielen Tagen schweigen und sich Deutschland, Frankreich und Großbritannien feige wegducken, erklärt Trump auf seiner Plattform Truth Social, dass die USA eingreifen werden, falls der Iran „friedliche Demonstranten gewaltsam töte“. Die Amerikaner seien „bereit und könnten loslegen“.

Teheran reagiert erwartbar. Ali Larijani, ein Schwergewicht des Systems, behauptet, die Proteste seien von USA und Israel angeheizt. Beweise braucht er dafür nicht. Seit Jahren dient diese Erzählung als Standardformel, mit der man jede innere Revolte zur ausländischen Verschwörung erklärt. Wenn ein Volk genug hat, wird es nach Lesart der Mullahs als ferngesteuert und ebenfalls zum Feind erklärt. Ein Muster, das einem in Zügen irgendwie bekannt vorkommt. So entledigt man sich der eigenen Verantwortung.

In Wahrheit ist die Lage glasklar: Die Menschen demonstrieren, weil ihnen das Regime religiös-politisch wie wirtschaftlich die Luft abschnürt. Wer gegen Inflation, Korruption und religiöse Gängelung aufbegehrt, wird zur Zielscheibe. Die Schüsse kommen aus iranischen Gewehren, die Schlagstöcke aus iranischen Händen, die Haftbefehle aus iranischen Behörden. Das lässt sich nicht in Washington oder Jerusalem umlenken. Es ist ein innerer Bruch zwischen Herrschenden und Beherrschten.

Die USA haben im Juni 25 iranische Nuklearanlagen bombardiert, der Iran griff die Al-Udeid-Luftwaffenbasis in Katar an. Auf diesem Hintergrund schlägt jedes Wort lauter. Genau deshalb ist der Hinweis, dass ein US-Präsident Konsequenzen für ein Blutbad an Demonstranten ankündigt, kein Skandal, sondern eine der wenigen klaren roten Linien, die Teheran überhaupt noch zu hören bekommt.

https://twitter.com/ISefati/status/2006863097282392374

Das Regime versucht, diesen Spieß rhetorisch umzudrehen. Larijani warnt vor „Chaos in der gesamten Region“ und der „Zerstörung amerikanischer Interessen“. Die Botschaft nach innen lautet: Wer protestiert, riskiert nicht nur sein eigenes Leben, sondern einen großen Krieg, den natürlich die „Verbrecher im Ausland“ ausgelöst hätten. So macht die Führung aus ihrer eigenen Gewalt ein angeblich verantwortungsvolles Sicherheitsmanagement.

Parallel dazu gibt sich die zivile Regierung unter Masoud Pezeshkian dialogbereit. Man wolle mit Demonstranten sprechen, heißt es, doch der Präsident gesteht, kaum Handlungsmöglichkeiten zu haben. Das übersetzt sich schlicht: Die eigentliche Macht liegt beim Sicherheits- und Klerikerapparat. Er entscheidet, wie hart geschossen wird, wen man einsperrt, wenn man aufhängt, wie weit man geht. Reformrhetorik an der Oberfläche, eiserne Faust darunter.

Die Atomfrage fügt sich als zweite Bühne ein. Teheran erklärt, man habe die Urananreicherung ausgesetzt, um Gesprächsbereitschaft zu signalisieren und Sanktionen zu lockern. Gespräche bleiben aus. Stattdessen bleiben Drohungen, Warnungen und Manöver. Für die Iraner, die auf den Straßen um ein Minimum an Würde kämpfen, sind das entfernte Kulissen. Ihr Alltag entscheidet sich an der Frage, ob sie demonstrieren dürfen, ohne als Zielscheibe zu enden.

Vor diesem Hintergrund offenbart sich der moralische Kern des aktuellen Duells. Auf der einen Seite ein mörderisches Regime, das absolut bereit ist, auf die eigene Bevölkerung zu schießen, junge Demonstranten in Showprozessen als Einschüchterung an andere zu erhängen, um sich an der Macht zu halten. Auf der anderen Seite der US-Präsident, der unmissverständlich sagt, dass ein weiteres gewaltsames Vorgehen gegen die Demonstranten nicht folgenlos bleiben wird. Aus den europäischen Großmoralmächten Deutschland, Frankreich und UK hört man übrigens weniger als Grillenzirpen.

Wer in dieser Konstellation so tut, als sei Donald Trump das Hauptproblem, verwechselt Ursache und Reaktion. Die Ursache ist ein System, das auf Einschüchterung, religiöser Bevormundung und wirtschaftlicher Verwüstung basiert. Die Reaktion sind Bürger, die trotzdem auf die Straße gehen – und eine amerikanische Politik, die anerkennt, dass hier eine rote Linie verläuft. Dass ausgerechnet diese Klarheit in westlichen Debatten oft zum Skandal erklärt wird, sagt mehr über unsere Diskurslage aus als über den Nahen Osten.

Die Menschen im Iran müssen erneut erleben, dass den Mächtigen Menschenleben weniger wert sind als der Machterhalt. Sie erleben aber auch, dass nicht alle im Westen bereit sind, dieses Spiel aus Rücksicht auf „Stabilität“ und das linke Romantisieren des politischen Islams höflich zu begleiten. In einer Welt, in der europäische Regierungen mit betretenem Schweigen reagieren, ist ein unmissverständlicher Warnruf aus Washington vielleicht nicht elegant, aber für die Regime viel unangenehmer als die nächste diplomatische Besorgnisformel.

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Kommentare ( 18 )

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Ruediger
10 Minuten her

Völkerrecht, UN, Nichteimischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten – das wären doch mal Stichworte über die man sich unterhalten könnte…

Peter Pascht
10 Minuten her

„Die aktuellen Proteste dauern seit Tagen an. Auslöser ist der rasante Verfall des Rial, inzwischen steht ein Dollar bei etwa 1,4 Millionen Rial. Wer seinen Lohn, seine Ersparnisse, sein Leben in dieser Währung hält, sieht zu, wie alles, was er aufgebaut hat“ ? In der deutschen Hyperinflation 1923 kostet ein Laib Brot 6 Milliarden Reichsmark, an einem Tag, am nächsten Tag waren es schon wieder mehr. Der Arbeitslohn wurde täglich ausbezahlt und die Menschen liefen sofort nach Auszahlung noch während der Arbeistzeit zum Bäcker, damit ihre Kinder was zu essen hatten, denn am Tagesende waren es schon wieder mehr als… Mehr

Peter Pascht
21 Minuten her

Der Weltpolizist Donald Trump, dem nur jenes rassisch minderwertige Land, die Ukraine, seiner „Großartigkeit“ „Ehre“ nicht verdient.
Der Mann gehört in eine geschlossene Anstalt zur psychiatrischen Behandlung, zusammen mit Putin, Xi und Kim und noch viele weiter Geisteskranke die ganze Länder regieren dürfen. Auch für die Angela einen Platz reservieren.

wegmitdenaltparteien
31 Minuten her

Die Ursache für den Verfall der Demokratie in EU-Europa ist ein System, das auf Einschüchterung, politischerer Bevormundung und wirtschaftlicher Verwüstung basiert, organisiert durch die kriminelle Vereinigung der linksgrünwoken Altparteien. 

Dieter Rose
36 Minuten her

…so wird es bei uns auch bald aussehen…

Last edited 35 Minuten her by Dieter Rose
Mermaid
37 Minuten her

Und wie sieht es bei uns aus? Trump ist böse, Putin ist böse, der Tommy ist böse und der Franzmann sowieso.
Aber es sind deutsche Haftbefehle von deutschen Gerichten, denen wir nur meist pakistanische Bademäntel entgegenzusetzen haben.
Mit anderen Worten, bei uns passiert im Grunde ähnliches und die von den Machthabern bespielte Klaviatur ist die selbe.
Ich bin Donald Trump sehr dankbar für sein Engagement; ich hoffe, es finden sich hier auch ein paar Leute, die das erkennen und nicht nur beiläufig nicken.

Thomas
38 Minuten her

Wenn es gelingt sie Mullahs zu stürzen sind die unisono Voraussagen der Alternativen Youtuber wie The Duran, Scott Ritter, Judge Napolitano, Col. McDouglas usw. das „Israel is finished“ allesamt falsch.
Zu Zeiten des Schahs waren die iranisch israelischen Beziehungen hervorragend.
Wenn das wieder so kommt ist die Zukunft Israels ein grosses Stück gesicherter.
Ich habe deren Einschätzung, anti Israel, pro „Palästina“ auch nie geteilt.

Urbanus
45 Minuten her

Frei nach Tom Oliver Regenauer: „Auf ein Land mit Bodenschätzen, wird sehr gerne unsere Demokratie abgeworfen“. Sehr beliebt als Einstieg ist eine: Farbrevolution.

Last edited 39 Minuten her by Urbanus
Alfonso Linguino
45 Minuten her

..etwas einseitig die Darstellung in diesem Artikel. tkp.at ist bei diesen Themen sachlicher und nicht so voreilig bei der Schuldzuweisung
Für Interessierte hier:
https://tkp.at/2026/01/02/demonstrationen-im-iran-mullahs-fliehen/

Klaus D
48 Minuten her

Trump….wenn er sich in was einmischt geht es nur um eins = geld. Welchen vorteil hätte den er und oder die USA wenn im Iran das volk die herrschaft übernimmt?

Kraichgau
40 Minuten her
Antworten an  Klaus D

die Ölreserven für die US-Konzerne,was sonst?

bfwied
21 Minuten her
Antworten an  Klaus D

Denken Sie nicht, dass die Beseitigung von Waffen wie die Atombombe oder chemische/biologische Massenvernichtungswaffen ungleich wichtiger ist als Geld oder Öl, das es in etlichen anderen Weltgegenden zuhauf gibt? Immer dieselbe Leier: USA zählen nur Dollars etc. Ist doch albern. Die Iraner haben die Nase voll von den Mullahs und dem Zwangskrosett Islam, sie haben die Nase voll von dem immer gleichen Kriegsgeschrei gegen den „bösen“ Westen. Nur die dt. Linksgrünen fühlen mit den Mullahs, weshalb die Fehlbesetzung im Berliner Schloss nichts Besseres wusste, als den Mullahs zum Jahrestag des Siegs/Gründung herzlichst zu gratulieren. Kein anderer tat das, nur die… Mehr

Ruediger
9 Minuten her
Antworten an  Klaus D

Trump sei auch Schuld an der Klimakatastrophe – hat mir ein Freund erzählt.