Zahlreiche Tote bei Zugkollision in Spanien – erneut Zweifel an der Sicherheit der Bahn

Mindestens 39 Tote bei Toledo, 46 waren es im Januar bei Adamuz. Spaniens Bahnunglücke häufen sich. Der Verdacht mangelnder Wartung steht im Raum – und damit die Frage nach der Verantwortung der Regierung.

picture alliance / Juanma Jiménez/Europa Press via AP | Juanma Jiménez

Spanien wird erneut von einer schweren Eisenbahnkatastrophe erschüttert: Etliche Menschen sterben, zahlreiche werden verletzt. Bei Toledo kollidieren zwei Hochgeschwindigkeitszüge, Waggons stürzen eine Böschung hinab. Nach einer Serie schwerer Bahnunfälle gerät die Sicherheit des spanischen Schienennetzes erneut in den Fokus. Auch die Haushaltspolitik der sozialistischen Regierung wirft Fragen auf.

Am Mittwochmorgen um 8:54 Uhr sind auf Höhe des Bahnhofs Urda in der Provinz Toledo zwei Personenzüge zusammengestoßen. Nach ersten Angaben von dts kamen mindestens 39 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien wurde unterbrochen.

Nach ersten Informationen des spanischen Ministeriums für Verkehr und nachhaltige Mobilität soll ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug des staatlichen Bahnbetreibers Renfe auf einen Zug des privaten Anbieters Iryo aufgefahren sein. Zwei Waggons des Iryo-Zuges entgleisten und stürzten eine Böschung hinab. Die genaue Unfallursache ist bislang ungeklärt.

Die genaue Ursache der Kollision ist bislang ungeklärt. Doch: Es ist nicht die erste schwere Eisenbahnkatastrophe, die Spanien in jüngerer Zeit erschüttert.

46 Tote bei der Eisenbahnkatastrophe von Adamuz

Erst am 18. Januar 2026 ereignete sich bei Adamuz in der andalusischen Provinz Córdoba eines der schwersten Zugunglücke der jüngeren spanischen Geschichte. Ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug von Málaga nach Madrid entgleiste infolge eines Schienenbruchs an einer Schweißnaht. Die letzten Waggons ragten auf das Gegengleis und kollidierten mit einem entgegenkommenden Alvia-Zug der Renfe, der von Madrid nach Huelva unterwegs war.

46 Menschen starben, 152 wurden verletzt, darunter 29 schwer. Das Unglück warf grundlegende Fragen zum Zustand der spanischen Eisenbahninfrastruktur auf.

Nur wenige Tage später kam es in Katalonien nahe Barcelona zum nächsten tödlichen Bahnunfall: Eine umgestürzte Mauer brachte einen Regionalzug zum Entgleisen. Der Lokführer starb, mehrere Fahrgäste wurden verletzt.

Und nun Toledo. Wieder Tote, wieder Verletzte, wieder entgleiste Waggons. Die Frage drängt sich auf, wie sicher das spanische Eisenbahnnetz ist.

Schon 2013 starben 80 Menschen bei Santiago de Compostela

Auch die Katastrophe von Santiago de Compostela ist unvergessen. Dort entgleiste am 24. Juli 2013 ein Zug in einer Kurve. Er war mit rund 190 Kilometern pro Stunde unterwegs, obwohl an dieser Stelle lediglich 80 erlaubt waren. 80 Menschen starben, mehr als 140 wurden verletzt. Es war die schwerste Eisenbahnkatastrophe Spaniens seit Jahrzehnten.

Damals war überhöhte Geschwindigkeit die Ursache, bei Adamuz im Januar 2026 dagegen ein Schienenbruch. Die unterschiedlichen Ursachen lassen keinen pauschalen Schluss auf ein einheitliches technisches Versagen zu. Sie machen eine genaue Untersuchung jedes einzelnen Unglücks umso wichtiger.

Marode Infrastruktur und eine Regierung ohne Haushalt?

Im spanischen Eisenbahnsektor wird über einen aufgelaufenen Rückstand bei der Instandhaltung im Vergleich zum Bau neuer Strecken diskutiert. Damit stellt sich auch die Frage nach den politischen Prioritäten: Wurde genug in die Wartung des bestehenden Netzes investiert?

In den Blick gerät dabei die Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez. Die Koalition aus Sozialisten und Kommunisten verfügt über keine eigene parlamentarische Mehrheit und ist auf die Unterstützung weiterer Parteien angewiesen. Bislang ist es ihr nicht gelungen, einen neuen Staatshaushalt zu verabschieden.

Kritiker fragen deshalb, ob die Haushaltsblockade notwendige Wartungs- und Modernisierungsmaßnahmen beeinträchtigt haben könnte. Ein ursächlicher Zusammenhang mit den Eisenbahnunglücken ist bislang jedoch nicht nachgewiesen.

Eine Regierung kann politische Niederlagen erklären, Haushaltsverhandlungen vertagen und parlamentarische Mehrheiten suchen. Die Sicherheit eines Eisenbahnnetzes lässt sich dagegen nicht auf die lange Bank schieben.

Nach den Katastrophen von Adamuz und Katalonien steht Spanien nun erneut vor der Frage, warum auf seinen Schienen so viele Menschen ihr Leben verlieren. Die Angehörigen der Opfer haben Anspruch auf Antworten – und die Fahrgäste auf ein Eisenbahnsystem, dessen Sicherheit nicht zum politischen Glücksspiel wird.

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Kommentare ( 6 )

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jensberndt
18 Minuten her

Das unbeabsichtigte Einfahren in einen besetzten Gleisabschnitt sollte eigentlich in Zeiten von LZB bzw. ETCS unmöglich sein und zur Zwangsbremsung führen. Schauen wir mal, was die Analyse ergibt. Aber die auffällige Häufung von derart schweren Eisenbahnunfällen sollte zu Denken geben. Ein Mentalitätsproblem?

Peter Gramm
1 Stunde her

Tragisch. Die Infrastruktur verfällt. Wie bei uns auch. Hauptsache man leistet sich Königshäuser und bei uns eine politische Oberklasse die sich in ihren Protzbauten gemütlich einrichtet, inklusive Strandkorb. Diese Kaste benutzt die Untertanen nur noch um ihren eigenen Wohlstand zu sichern. Koste es was es wolle.

struwwel
1 Stunde her

Man kann hier wie in vielen, viel zu vielen anderen Fällen, nur noch von Verkommenheit sprechen. Ein Begriff, ein Zustand, der wie Mehltau nicht nur dieses Land überzieht, er ist symptomatisch für den Kontinent. Es darf nicht ausgesprochen werden, aber es steckt nichts weniger dahinter als Absicht.

Last edited 1 Stunde her by struwwel
Michaelis
1 Stunde her

Ich habe eh nie verstanden, wie sich Menschen sogar des Nachts über Gleise brettern lassen können und dabei auch noch „Schlaf“ finden.

Und was Spanien betrifft – dort entwickelt sich die Nutzung der Bahn allmählich zu einer Art Selbstmordkommando, ich jedenfalls werde mich dort niemals in einen Zug setzen.

Aber alles wumpe – glaubt man der linksgrünen Propaganda, soll Bahnfahren ja so unvergleichlich umweltfreundlich, nachhaltig und preiswert sein. Den Teufel findet man danach nur auf Flughäfen und auf Autobahnen.

Haba Orwell
1 Stunde her

Zumindest verweigert Spanien die 5% BIP für Rüstung, dafür aber muss vermutlich besonders viel für exzessive Migration ausgegeben werden. Das Geld könnte man in Infrastruktur investieren.

Last edited 1 Stunde her by Haba Orwell
Peter Gramm
35 Minuten her
Antworten an  Haba Orwell

vergessen Sie bitte nicht das nuzlose Königshaus und deren royalen Mitesser. Eine aus der Zeit gefallene Institution die nichts bringt, nur kiostet. Wie viele andere royalen Einrichtungen europaweit auch.