Österreich: Medienaufsicht rügt ORF wegen Gaza-Doku – Vorwurf objektivitätswidriger Hamas-Schlagseite

Die österreichische Medienaufsicht rügt den ORF für seine Gaza-Doku und bescheinigt dem Sender einen Verstoß gegen das Objektivitätsgebot. Der Befund ist schwerwiegend: verzerrte Fakten, Hamas-Nähe und irreführende Übersetzungen.

picture alliance / HELMUT FOHRINGER / APA

Nun ist es amtlich, was Kritiker dem ORF seit Jahren vorhalten. Österreichs Staatsrundfunk ist von der Medienaufsicht KommAustria wegen seiner Berichterstattung über den Gaza-Krieg gerügt worden. In einer Entscheidung, die bereits im Februar getroffen und Ende März veröffentlicht wurde, kam die Behörde zu dem Schluss, der ORF habe mit seiner selbst produzierten Dokumentation „Krieg in Gaza – Hölle auf Erden“ das gesetzliche Objektivitätsgebot verletzt. Das ist kein kleiner Schönheitsfehler im Sendebetrieb. Das ist eine offizielle Ohrfeige für einen gebührenfinanzierten Apparat, der Jahr für Jahr mehr als 700 Millionen Euro aus einer verpflichtenden Haushaltsabgabe einsammelt.

Ausgelöst hatte das Verfahren die Israelitische Kultusgemeinde Wien, die im Oktober 2024 Beschwerde gegen den ORF einlegte, also einen Monat nach der Ausstrahlung der Dokumentation im Weltjournal. Der Film warb mit einer „kompromisslosen Perspektive palästinensischer Journalisten und Ärzte“. Gezeigt wurden vor allem blutige Kinder, Leichen und ein angeblicher israelischer Angriff auf einen Flüchtlingstreck. Daneben standen O-Töne israelischer Politiker, die zur Zerstörung Gazas aufriefen. Die IKG nannte das Werk die bisher skandalöseste Propagandaproduktion über Israel und Gaza und warf dem ORF vor, längst widerlegte Hamas-Propaganda verbreitet zu haben. Auch viele Zuschauer kritisierten die Sendung als einseitig und anti-israelisch.

Nach fast eineinhalb Jahren Beratungen hat die Medienaufsicht diese Kritik nun in zentralen Punkten bestätigt. Und zwar nicht vage, nicht im Ton einer akademischen Randnotiz, sondern in drei ganz konkreten Feststellungen. Erstens habe der ORF die Gazaner „Journalistin“ Hind Khoudary als neutrale Erzählerin präsentiert, obwohl ihre offene Unterstützung für die Hamas und ihre Leugnung des Existenzrechts Israels verschwiegen wurden. Wer so etwas ausblendet und die Figur trotzdem als glaubwürdige Führerin durch den Stoff inszeniert, betreibt eben keine Aufklärung, sondern gelenkte Wahrnehmung.

Zweitens stellte die Dokumentation laut KommAustria unbelegte Behauptungen darüber auf, Israel habe einen Flüchtlingstreck in Gaza angegriffen, ohne zugleich Hinweise zu präsentieren, die gegen diese Darstellung sprachen. Auch das ist aufschlussreich. Denn hier geht es nicht um eine Nuance, sondern um den Kern journalistischer Redlichkeit. Wer einen so schweren Vorwurf in den Raum stellt und entlastende oder gegenläufige Hinweise einfach draußen hält, will sein Publikum nicht informieren, sondern in eine Richtung schieben.

Drittens beanstandete die Medienaufsicht die Übersetzung arabischer Aussagen. Das Wort „Yahud“, also Jude, sei mit „Israeli“ übersetzt worden. Damit könnte der antisemitische Charakter der Äußerungen verfälscht worden sein. Auch das ist kein technischer Flüchtigkeitsfehler, wie man ihn großzügig wegwinken könnte. Es ist genau jene Art von sprachlicher Glättung, mit der aus offenem Judenhass ein politisch neutraler klingender Nationalitätenkonflikt gemacht wird.

KommAustria beließ es deshalb nicht bei einer bloßen Missfallenskundgebung. Der ORF wurde angewiesen, eine Erklärung zu den Tatsachenfehlern auszustrahlen, und zwar sowohl im linearen Fernsehen als auch auf seiner Streaming-Plattform. Das ist besonders bitter für einen Sender, der sich gern als moralische Oberinstanz des öffentlichen Diskurses inszeniert. Wer andere ständig belehrt, aber bei einem derart heiklen Thema selbst amtlich wegen mangelnder Objektivität gerügt wird, hat vor allem ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Noch ist die Entscheidung nicht rechtskräftig. Sowohl der ORF als auch die Israelitische Kultusgemeinde haben Berufung eingelegt. Nun muss das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Ein Sprecher der Regulierungsbehörde erklärte, man habe die Entscheidung wegen des großen öffentlichen Interesses veröffentlicht. Der ORF selbst ließ über seinen Sprecher Michael Krause lediglich ausrichten, man habe Berufung eingelegt und werde sich zu einem laufenden Verfahren nicht weiter äußern. Die IKG antwortete Brussels Signal bis zum Veröffentlichungszeitpunkt nicht.

Der Fall trifft den ORF jedoch nicht aus heiterem Himmel. Dem Sender wird seit Jahren eine ideologische Schlagseite in der Nahost-Berichterstattung vorgeworfen. Der Publizist Thomas Eppinger brachte die Wirkung der Entscheidung auf den Punkt, als er sagte, nun sei praktisch amtlich, was in den Weltjournal-Berichten des ORF über den Nahen Osten seit Jahren offensichtlich gewesen sei: eine anti-israelische Schlagseite. Nicht ein einzelner Ausrutscher steht hier im Raum, sondern der konkrete Verdacht auf ein über Jahre gewachsenes redaktionelles antisemitisches Milieu.

In dieses Bild passt auch die Personalie Karim El-Gawhary. Der langjährige Nahost-Korrespondent des ORF stand wiederholt wegen als voreingenommen kritisierter Berichte in der Kritik. Im Dezember 2025 zog der ORF schließlich die Reißleine und verlängerte seinen Korrespondentenvertrag nicht. Dass der Demoskop und Medienkommentator Bernhard Heinzlmaier El-Gawhary nun vorwirft, den österreichischen Staatsfunk zu einer Bastion des Antizionismus und der Feindschaft gegenüber Israel gemacht zu haben, ist polemisch formuliert, verweist aber auf einen Vorwurf, der im öffentlichen Raum längst fest verankert ist.

Ein von Millionen Bürgern zwangsfinanzierter Staatssender sendet eine Gaza-Dokumentation, die laut Medienaufsicht Tatsachen verzerrt, eine Hamas-nahe Erzählerin als neutral tarnt, schwere Vorwürfe gegen Israel unbelegt stehen lässt und antisemitische Begriffe sprachlich entschärft. Danach muss erst eine jüdische Gemeinde Beschwerde einlegen, damit der Apparat überhaupt offiziell korrigiert wird. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist der Offenbarungseid eines öffentlich-rechtlichen Systems, das seine politische Schlagseite längst nicht mehr kontrolliert, sondern nur noch verwaltet.

Was in Österreich jetzt beanstandet wird, wäre auch in Deutschland für ARD, ZDF und Deutsche Welle längst fällig. Die antiisraelische Schlagseite ist dort kein Betriebsunfall und kein Ausrutscher seit dem 7. Oktober, sondern ein über Jahre gewachsenes israelhassendes propagandistisches Redaktionsmilieu. Beim ZDF flog Ende 2025 auf, dass ein Tontechniker einer externen Produktionsfirma im Gazastreifen, mit dem der Sender gearbeitet hatte und der bei einem israelischen Angriff im Oktober getötet wurde, Mitglied der Hamas war. Erst nach dem Auffliegen beendete das ZDF die Zusammenarbeit und kündigte schärfere Kontrollen an. Schon dieser Vorgang zeigt, wie tief das Wegsehen in weiten Teilen des Apparats reichen, wenn die eigene Meinung so exzellent bestätigt wird. Wo man sich von Hamas-Leuten zuarbeiten lässt und das angeblich erst hinterher auffällt, liegt das Problem nicht an der Peripherie, sondern im System selbst. Auch bei der Berichterstattung von ARD und ZDF fiel binnen kurzer Zeit immer wieder auf, wie gerne sich die Redaktionen beider Häuser mit PR-Material aus dem Einflussbereich der Hamas bespielen ließen. Wer solches Material übernimmt und dem Zuschauer die Herkunft verschleiert, berichtet nicht frei, sondern verarbeitet das Bildprogramm einer Terrorherrschaft.

Und während in Österreich wenigstens noch eine Medienaufsicht einschreitet, läuft in Deutschland das Gegenteil. Figuren dieser Schlagseite werden nicht auseinandergenommen, sondern ausgezeichnet. Gerade der Fall Sophie von der Tann zeigt das in aller Härte. In der Jüdischen Allgemeinen wurde die Ehrung der ARD-Korrespondentin mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis als „grundfalsch“ und „aberwitzig“ bezeichnet; kritisiert wurden unter anderem Vorwürfe, sie habe sich nach dem 7. Oktober schwer damit getan, die Hamas klar als Terrororganisation zu benennen, ihre Berichterstattung bedient antiisraelische oder antisemitische Narrative. Weitere jüdische Organisationen und Stimmen attestierten ihr Einseitigkeit, Aktivismus und die systematische Darstellung Israels als Aggressor. Trotzdem erhielt sie den Preis, und Anfang 2026 wurde sie zusätzlich noch für den Grimme-Preis nominiert — ausdrücklich für ihre „hochpräzise und menschennahe Berichterstattung über Israel und die palästinensischen Gebiete“. Deutlicher kann ein Apparat seine eigenen nicht einmal mehr schlecht versteckten Israel- und Judenhass kaum adeln. Statt Korrektur folgt Selbstprämierung. Statt Aufarbeitung folgt Schulterklopfen im geschlossenen System.

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Kommentare ( 15 )

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Sonny
1 Tag her

Schade, dass es in Deutschland keine solche, echte Aufsicht gibt.

Haba Orwell
1 Tag her

> schwere Vorwürfe gegen Israel unbelegt stehen lässt Es gibt so viele belegte Vorwürfe – >>>schauen wir mal (11:00)<<<: > „… Während die USA im Iran antike Stätten, Pharmafabriken, Apotheken, Krankenhäuser usw. bombardiert, zerstört Israel im Libanon religiöse Stätten, diesmal christliche. … Im Dorf Shama im Südlibanon hat die israelische Armee das Mausoleum von Simon Petrus, einem Apostel Christi, in Schutt und Asche gelegt. … Zweitausend Jahre Geschichte, in einem einzigen Augenblick ausgelöscht. … Wer selbst keine Geschichte hat, scheint neidisch auf die eines Gegners zu sein. … Eine andere Mitteilung erklärt, dass die IDF christliche Dörfer im Libanon warnte, keine Muslime… Mehr

schwarzseher
1 Tag her

An Redaktion. Da trotz der offensichtlichen Verbrechen Israels an den Palestinensern seit 1948 meine und andere kritische Kommentare nicht freigeschaltet werden, verabschiede ich mich hiermit endgültig von TE. Bleibt nur noch Al Jazeera für Informationen. Und Tschüß.

fluffy_bird
1 Tag her

Vielleicht eine kleine Korrektur des Artikels: die Deutsche Welle wird aus Steuermitteln und nicht über den Rundfunkbeitrag/GEZ Gebühr bezahlt. Die Deutsche Welle hat explizit den Auftrag, deutsche Interessen (also Interessen der deutschen Regierung) im Ausland und für das Ausland zu verbreiten. Sie unterscheidet sich deshalb sowohl in der Finanzierung als auch in ihrem Auftrag vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Sonny
1 Tag her
Antworten an  fluffy_bird

Das macht die Sache nicht besser.
Es bestätigt nur, dass die Politik mit drin steckt in dieser Allgemeinheitsverdummung und dem Gedränge zum Israel-Bashing.

fluffy_bird
18 Stunden her
Antworten an  Sonny

Nein, natürlich nicht. Besser macht es die Sache auf keinen Fall. Da hast du vollkommen recht.

Wilhelm Roepke
1 Tag her

Höchste Zeit, die Finanzierung dieses Propagandasenders legal beenden zu dürfen.

Schwabenwilli
1 Tag her

Was ich nie verstehen werde, wie können Linke Araber/Moslems so unterwürfig hoffieren obwohl diese in großen Teilen den Westen mit all seinen Werten ablehnen, Christen offen hassen.
Dafür werden die Juden aber gehasst obwohl diese ihnen absolut nichts getan haben.

In späteren Zeiten werden Gehirnforscher sich damit beschäftigen müssen.

Haba Orwell
1 Tag her

> Der Publizist Thomas Eppinger brachte die Wirkung der Entscheidung auf den Punkt, als er sagte, nun sei praktisch amtlich, was in den Weltjournal-Berichten des ORF über den Nahen Osten seit Jahren offensichtlich gewesen sei: eine anti-israelische Schlagseite.

Oder umgekehrt – die Obrigkeit in Österreich bekommt eine Schlagseite pro USrael? Als ob in einem Land Westeuropas dortige Medienaufsicht wirklich objektiv wäre.

Haba Orwell
1 Tag her
Antworten an  Haba Orwell

In Ostasien darf Israel kritisch gesehen werden: >>>“Israels Atombombe ist die Bedrohung, deren Name nicht ausgesprochen werden darf – uncut-news.ch„<<< – aus „Asia Times“ > „… Solange Israel nicht gezwungen wird, Dimona für Inspektoren zu öffnen und dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten, wird der Nahe Osten weiterhin Geisel einer Doppelmoral in Nuklearfragen bleiben … Inmitten von Wirtschaftssanktionen, Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und präventiven Militärschlägen, die die zivile und militärische Infrastruktur des Iran verwüstet haben, herrscht ohrenbetäubendes Schweigen über das greifbarste Arsenal an Massenvernichtungswaffen im Nahen Osten: Israels Atomwaffenarsenal. … In Wirklichkeit wird die Sicherheitsarchitektur der Region nicht durch eine nukleare Kapazität bedroht, die… Mehr

Herbert K.
2 Tage her

Dass dies überhaupt alles geschehen kann in Buntland, ist die alleinige Schuld des völlig degenerierten und bis zum Exzess verblödeten Michel. Der Michel wählt regelmäßig und zuverlässig die Kartellparteien, deswegen geht Buntland den Bach runter.

Haba Orwell
1 Tag her
Antworten an  Herbert K.

Besonders verblödet ist, die Epstein-Koalition zu bejubeln, in der eine kleine Siedlerkolonie halb Nahost erobern möchte, während die Amis die gesamte Energie des Planeten erobern wollen (was sogar TE in einem Artikel zugab). Wahnwitzige Vorhaben, die jenseits USraels sich niemand wünschen kann.

Madame Blume
2 Tage her

Hallo TE. Heute ist Karfreitag. Der höchste Feiertag des Christentums, unserer Kultur. Schade, dass ihr genau wie die anderen Medien heute so überhaupt keine Ruhe einkehren lasst und es mit Krieg, Negativität & Co. auch heute und vermutlich auch die restlichen Ostertage weiterlaufen lassen werdet.

Muss das sein?! Wie wäre es denn gerade heute einmal mit Ruhe und Besinnung?

Last edited 2 Tage her by Madame Blume
fluffy_bird
1 Tag her
Antworten an  Madame Blume

Tichys Einblick ist ein Nachrichten Medium. Zumindest in aller erster Linie. Du willst doch jetzt nicht ernsthaft fordern, dass an einem Feiertag es keine aktuellen Nachrichten oder auch Einordnungen dazu geben darf, oder?

Ich habe aber einen ganz anderen und sehr praktischen Vorschlag: es ist vollkommen gut und richtig insbesondere den Karfreitag in einer besonderen Art und Weise zu feiern. Das kann man zum Beispiel tun, indem man diese Seiten hier nicht aufruft. Sehr einfach. Sehr schnell. Sehr wirksam. Wie wär’s denn einmal damit?

Sonny
1 Tag her
Antworten an  Madame Blume

Dann sind Sie hier aber – zumindest an einem 3. April – völlig falsch gelandet. Ich empfehle irgendein Bibelportal oder einfach mal die Abstinenz vom Internet für Ihre gewünschte Abkehr von aktuellen Nachrichten.