Deutsche Soldaten: Kurztrip nach Grönland und ein Symbolik-Gipfel

Mit einer Präsenz-Show reagieren europäische NATO-Länder auf Trumps Grönland-Gelüste. Gemeinsam Flagge zeigen soll den USA vermitteln: So nicht! Bemerkenswert daran ist, dass Europa handelt, und das sogar so schnell. Allerdings hat die Zusammenkunft der europäischen Uniformträger rein symbolischen Charakter. Von Wolfgang Osinski

picture alliance/dpa | Julia Wäschenbach

Die Europäer bieten ihrem großen Beschützer USA, ohne den die Abschreckungsfähigkeit der NATO ihren Schrecken verlöre, die Stirn, was nicht ohne Risiko ist.

Was Donald Trump davon hält, kann man an seinen Äußerungen auf dem Kanal Truth Social ablesen, wo er nach dem ergebnislos verlaufenen Gespräch mit Dänemarks und Grönlands Außenministern bekräftigt: Die USA brauche Grönland, alles andere sei inakzeptabel. Aufgabe der NATO sei es, den Weg dazu zu unterstützen. Mit Grönland in US-Hand wäre die NATO stärker.

Gestern Abend landeten zwei dänische Militärmaschinen mit dänischen und französischen Soldaten, heute kommen 13 deutsche Soldaten dazu, die jedoch schon am Sonntag wieder den Rückflug antreten. Soldaten aus Schweden, den Niederlanden und Norwegen haben gleichfalls angekündigt einzufliegen und auch Kanada sendete entsprechende Signale.

Die Verteidigungspartner der USA wollen nur mal kurz ihre Pflöcke einrammen und, von den Dänen mal abgesehen, in wenigen Tagen wieder ins Flugzeug steigen. Um der internationalen Zusammenkunft ein wenig Gewicht zu verleihen, legten die Europäer dafür noch einen Übungsnamen fest: „Operation Arctic Endurance“ (arktische Nachhaltigkeit).

Die militärisch völlig unbedeutende, aber symbolisch hoch aufgeladene Machtdemonstration ist darauf angelegt, Donald Trump zu trotzen. Die NATO zofft sich und das Bündnisklima dürfte dadurch deutlich abkühlen.

Vorstellbares Ergebnis des Symbolik-Gipfels der Militärs wäre ein Beschluss, künftig mit Kontingenten auf Grönland zu rotieren, um durch Präsenz den Beistand für Dänemark und Grönland zu untermauern. Viel Symbolik, wenig Substanz – aber durchaus Sprengkraft für das NATO-Bündnis.

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