Europäische Union: Systemische Korruption zernagt die Glaubwürdigkeit

Korruption und Veruntreuung öffentlicher Mittel auf EU-Ebene erreichen neue Rekordstände – so berichtet die Europäische Staatsanwaltschaft in ihrem Jahresbericht. Überraschen sollte das niemanden.

picture alliance / Anadolu | Dursun Aydemir

Dem kaiserlichen Generalissimus Albrecht von Wallenstein wurde das Bonmot in den Mund gelegt: „Der Krieg ernährt den Krieg.“ Während des Dreißigjährigen Kriegs stand dieser Satz für ein Prinzip von erbarmungsloser Konsequenz. Gemeint ist damit, dass sich ein Heer in einem andauernden Konflikt aus den eroberten Gebieten selbst versorgt – durch Kontributionen, Plünderungen und Zwangsabgaben der Bevölkerung. Auf diese Weise rollt sich die Zerstörung gleichsam wie ein Perpetuum mobile durch die Zeit, bis der Acker abgeerntet ist.

Einem Zyniker fällt es wohl leicht, eine Brücke von Wallenstein zur Europäischen Kommission in Brüssel zu schlagen. Der bürokratische Moloch, der seine Greifarme wie ein Hyperstaat über das nationale Wesen ausgestreckt hat, nährt sich, indem er Verordnungen, Pflichtabgaben, Zölle, Protektionismus und Klimaregulierungen immer tiefer in den gesellschaftlichen Nährboden treibt – wie ein Wurzelwerk, das dem produktiven Teil der europäischen Gesellschaft stetig Energie entzieht.

Dem Aufbau des bürokratischen Hyperstaates folgten unvermeidlich dessen eigene Bastarde auf dem Fuß. Eine bürokratische Elite entwickelte sich: nicht gewählte Repräsentanten eines neuen Machtkorpus – wir nennen sie Kommissare – formen inzwischen eine Art Pseudoaristokratie. Innerhalb ihres bürokratischen Machtkörpers gedeihen parasitäres Verhalten, Ämtertausch wie die Simonie zur Hochzeit des Heiligen Stuhls, Vetternwirtschaft und eine Korruption, die stets das Verfallssymptom einer langsam, aber sicher niederbrechenden Staatsethik ist.

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) bestätigte in ihrem Bericht diese gefährliche Beobachtung und meldete für das vergangene Jahr einen neuen Rekord bei der Veruntreuung von EU-Geldern. Über 3.600 laufende Verfahren registrierte die Behörde und warnte in ihrem Bericht vor einer „kriminellen Industrie“, die in EU-Europa entstanden sei.

Die seit 2021 aktive EPPO ist eine bemerkenswerte Einrichtung. Während politische Kräfte innerhalb der EU die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit mit Zensurdruck regulativ verengen, soll diese Einheit das Finanzgebaren Brüssels transparent und unabhängig prüfen.

Gegründet wurde die EPPO im Jahr 2017 durch den Rat der Europäischen Union. Im Jahr 2021 nahm sie ihre Tätigkeit auf. Seither wird sie von einem Europäischen Staatsanwalt sowie einem Kollegium nationaler Staatsanwälte kontrolliert und beaufsichtigt. Finanziert wird sie aus dem Haushalt der Europäischen Union.

Einen wahren Showdown mit Brüssel erlebten die EPPO-Beamten im Februar bei einer Razzia von Räumen der EU-Kommission. Im Zentrum steht der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten bei einem Immobiliendeal aus dem Jahr 2024. Seinerzeit veräußerte die Kommission 23 Gebäude im Brüsseler Europaviertel für einen Betrag von 900 Millionen Euro an die belgische staatliche Investmentgesellschaft SFPIM. Ziel des Verkaufs war es, die Bürofläche bis 2030 um 25 Prozent zu reduzieren und das Viertel zu einem grüneren, attraktiveren Stadtteil zu modernisieren.

Staatsakteure agieren untereinander auf eine Weise, die Korruption geradezu begünstigt, zumal in Brüssel, wo die Intransparenz wie ein verwilderter Garten gedeiht.

Trotz der Beteuerungen, den Verkauf ordnungsgemäß nach EU-Finanzvorschriften ausgeschrieben und durchgeführt zu haben, suchte die belgische Polizei unter Leitung der Europäischen Staatsanwaltschaft nach Beweismitteln für mögliche Verstöße gegen Ausschreibungsregeln, Korruption und Vetternwirtschaft. Der Deal soll trotz öffentlicher Ausschreibung fragwürdige Begünstigungen aufgewiesen haben.

Der Vorgang ist schwebend; wir werden uns bis auf Weiteres auf dessen Ausgang gedulden müssen.

Was die EPPO immer wieder beklagt, ist die wachsende Zahl von Betrugsfällen im Subventionsbereich. Im gigantischen Subventionsapparat der EU – insbesondere im Agrarsektor – stoßen die Beamten immer wieder auf Fälle von Zoll- und Steuerbetrug, auf Korruption sowie auf versuchte politische Einflussnahme.

Es ist davon auszugehen, dass angesichts der Gigantomanie des europäischen Subventions- und Regulierungsapparates die besagten 3.600 Klagen oder Anzeigen der Europäischen Staatsanwaltschaft lediglich die Spitze des Eisbergs darstellen. Dort, wo ein bürokratischer Apparat derart kafkaeske Strukturen entwickeln kann und ohne hinreichende parlamentarische und öffentliche Kontrolle gleichsam im Klandestinen fungiert, vorangetrieben mit einem ideologisch-etatistischen V8-Turbo, ist Korruption die logische Konsequenz. Brüssel kultiviert Parasitismus und persönliche Abhängigkeiten.

In Brüssel und in den Filialhauptstädten der EU ist ein System entstanden, in dem sich herangezüchtete Korruption und Vetternwirtschaft mit einer ethisch fragwürdigen Mitnahmementalität sowie Trittbrettfahrertum zu einer wertezerstörenden Melange amalgamiert haben.

Trotz  Erfahrungen mit den sozialistischen Ideen im 20. Jahrhundert drängen die Europäer abermals mehrheitlich zentralistischen Konzepten und antilibertären Idealen entgegen. Sie lassen diesen Prozess geschehen, beinahe ohne Gegenwehr.

Das Erstaunliche an dieser Entwicklung ist, dass eine Institution wie die EPPO überhaupt existiert. Die Frage ist, wie lange noch und unter welchen Bedingungen dieses Organ operieren darf, schließlich wirkt es als erheblicher Störfaktor im System.

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Kommentare ( 8 )

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Ho.mann
23 Minuten her

Europäische Union: Bereits belegbare Korruption, die jede Glaubwürdigkeit des Führungspersonals untergräbt (UvdL lässt grüßen), gibt bereits zweifelsfrei Aufschluss darüber, wie sehr der undemokratische Moloch, der nur noch seinen totalitären Machtanspruch festigen will, einem „Europa der Vaterländer“ und somit der freiheitlichen Grundordnung im Wege steht.

Axel Fachtan
37 Minuten her

Die EU ist überflüssig wie ein Kropf. Sie ist unendlich schädlich. Sie stiftet täglich größere Schäden für Deutschland und die Deutschen. Sie muss dringend zurückgebaut werden. Sie ist ein unfassbarer höllischer Dreckshaufen. — Deutschland und Europa brauchen die EFTA und sonst nichts. Freihandel ja, freie Beweglichkeit ja, einheitliche Normen für Waren, Dienstleistungen und Zölle. Das geht mit 10 Prozent des bisherigen Personals und mit 10 Prozent der bisherigen Kosten. 90 Prozent der Kosten sind verschwendet. 90 Prozent des korrupten Personals sind überflüssig. Afuera ! Her mit der Kettensäge! Sägt von der Leyen und Manfred Weber die Stühle weg. Schluss mit… Mehr

Marcel Seiler
37 Minuten her

Die zunehmende Korruption der EU ist kein Zufall und auch kein individuelles Versagen. Die EU ist eine praktisch unkontrollierte Behörde. Jede unkontrollierte Behörde, so idealistisch sie angefangen haben mag, wird mit der Zeit eigennütziger, korrupter, selbstbezogener. Das ist Naturgesetz.

Deswegen nützt es nichts, immer mal wieder einzelne Personen hinauszuwerfen. Es braucht tiefere Reformen.

Übrigens beobachtet man diesen Hang zur Korruption an vielen Stellen: Die UNO, ARD & ZDF und auch die deutschen Parlamente und Parteien – sie alle sind im Laufe der Jahrzehnte eigennütziger und korrupter geworden. (Siehe dazu auch das letzte Video von Prof. Riek: ausgezeichnet.)

Last edited 34 Minuten her by Marcel Seiler
hansgunther
47 Minuten her

Aktuelles aus dem Bundestag. Kurzmeldung aus dem Bundestag: 02.03.2026 Inneres — Antrag — hib 144/2026 Grüne wollen Förderung von „vielfältigem muslimischen Leben“ Berlin: (hib/STO) „Vielfältiges muslimisches Leben in Deutschland fördern“ lautet der Titel eines Antrags der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (21/4291). Darin fordert die Fraktion die Bundesregierung auf, eine Experten-Kommission einzusetzen, die einen „nationalen Aktionsplan für die staatlich-religiöse Zusammenarbeit mit muslimischen Gemeinden erarbeitet“.Auch soll die Bundesregierung nach dem Willen der Fraktion die Deutsche Islamkonferenz finanziell ausreichend und langfristig ausstatten, eine aktualisierte Studie zu „Muslimischem Leben in Deutschland“ in Auftrag geben und weitere Forschung auch zu Islamfeindlichkeit fördern. Zudem wird die… Mehr

Klaus D
56 Minuten her

Korruption und Veruntreuung öffentlicher Mittel auf EU-Ebene erreichen neue Rekordstände…..kein wunder denn die lobbyisten stehen schlange und da bestimmt die nachfrage den preis. Da können 10 millionen in schwarzen koffern das 10 fache an gewinn bringen vorallem wenn man subventionen abgreifen kann. Das ganze system ist so was von aufgebläht das es ein leichtes ist dieses zu betrügen. Das fängt schon bei den ganzen subventionen vor ort an wo lobbyisten (unternehmen) gelder abgreifen. Wenn ich schon was von „EU förderung“ lese gehenmir die nackenhaare hoch. Was da alles für ein blödsinn gefördert wird und wer dabei abkassiert – irre. Goggle… Mehr

Peter Gramm
58 Minuten her

habe gerade bei Stefan Weber gehört dass bei der Doktorarbeit von Frau v.d.L.auch vieles „sehr wissenschaftlich“ war. Die Doktoritis oder Titelmania grassiert im Politikbetrieb. Da muß man sich über die Zustände im EU Stadel nicht mehr wundern.

Deutsche
1 Stunde her

Politik heißt scheinbar heute: 100 % fürstliche Selbstbedienung und Ausbeutung der ausgelieferten Untertanen.
Die EU sollte das Beste werden und es wurde etwas Nahe dem Schlimmsten. Versteckt hinter gutmenschelnden Getue. Also reine Heuchelei und PR.

Kraichgau
1 Stunde her

Wer einen Verwaltungsbeamten „Kommissar“ nennt (ja,defakto sind das „Beamte“ des Regierungsapparats genannt EU-Rat),hat ganz tief in die blutrote Geschichte der UDSSR gegriffen,denn dort gab es die letzten „Kommissare“.
Wundert auch nicht weiter,denn einer der einflussreichsten Vordenker der heutigen EU war ein italienischer Kommunist.