Der Wettbewerbsexperte Justus Haucap erläutert in der Neuen Zürcher Zeitung, inwieweit die Angst vor den Internet-Giganten Google, Amazon und Facebook begründet ist.
Ach ja, das täglich fortgeschriebene Medienkrisenspektakel ist schon amüsant und kippt immer wieder ins tragische Fach. Amüsant ist, wie sich der SPIEGEL selbst zerlegt. Das selbsternannte „Sturmgeschütz der Demokratie“ (Rudi Augstein) kartätscht die eigenen Reihen nieder. Das kann man sich in Ruhe anschauen. Echte Sorge bereitet die FAZ: Wenigstens eine gute Zeitung braucht das Land. Das ist eine nationale Notwendigkeit. Mittlerweile entsteht hier am Ende des Beitrags in kürzester Zeit ein Archiv über den Niedergang des gedruckten Wortes. (Zuletzt 25.9.2014)
Gong! Noch wird der Alltag der meisten Deutschen durch das Sendeschema von ARD und ZDF bestimmt: Der Abend beginnt mit dem Gong der Tagesschau, so, wie früher die Kirchenglocken den Tag bestimmt haben. Streng reguliert wie ein Tag im Knast.
DingDong! Auch die Privaten wie RTL und Pro7/Sat 1 haben sich diesem Ritual der großen Hamburger Glocke unterworfen.
Jetzt will es einer ändern - Reed Hastings, Gründer und Chef von Netflix. Er inszeniert Fernsehen neu - zu jeder gewünschten Zeit kommen Spielfilme per Internet, ganz ohne Sendeschema. Und überall - jedenfalls auf jedem Bildschirm, ob klein, ob groß, nur mit dem Internet muss er verbunden sein. „Abhängigkeiten auflösen“ will Hastings. Unterhaltung überall und zu jeder Zeit. Freiheit vom TV-Knast?
Schade. Kevin Spacey, zweifacher Oscarpreisträger, Produzent und Hauptdarsteller in der epischen Politik-Brutal-Serie "House of Cards" auf Netflix, fehlt heute in der Komischen Oper Berlin - dabei ist das die offizielle Invasionsfeier des Videostreaming-Dienstes in Deutschland.
Was sind die Lehren aus den jüngsten drei Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen? Ein kleines Parteien-Psychogramm nach einer spannenden Wahlnacht.
Da ist zunächst:
Die Verkümmer-Partei
Die SPD ist der klare Verlierer, auch wenn sie in Brandenburg noch einmal den Ministerpräsidenten stellen kann. Aber gerade noch 12 Prozent der Stimmen in Thüringen, unsichtbar in Sachsen und Bayern - sie ist in immer mehr Bundesländern auf dem Weg zu einer Verliererpartei. Den schrecklichen 20-Prozent-Turm, in dem sie sich eingesperrt fühlt, verlässt sie. Aber leider in Richtung zehn Prozent. Dazu hat beigetragen, dass sie sich einfach nicht so richtig von der Linken abgrenzen mag. In Thüringer hat sie mit der SED-Nachfolgepartei geflirtet und wurde bitter bestraft.
Nach den Wahltipps:
Gratulation an die Teilnehmer für ihre Ergebnisse. Denn:
ARD-Prognose um 18.00 - bestätigt unsere Wahlwette. SPD verliert in Thüringen, wo sie hinter der Linken herrennt; CDU legt zu, in beiden Ländern. AfD erstaunlich stark. Linke verliert in Brandenburg ihren Mythos als Retter des Ostens, FDP raus, Grüne schwach. Rot-Grün geht also gar nicht; das konservative Lager gewinnt.
Ich danke allen Teilnehmern.
Angesichts verheerender Stimmenergebnisse macht sich bei vielen in der SPD Unzufriedenheit über den Kurs der Partei breit. Selbst Parteichef Sigmar Gabriel versucht, vom linken Wirtschaftskurs wegzuführen. Denn offensichtlich war es falsch, die Politik sehr einseitig nur an Umverteilung, Notlagen und Prekariat auszurichten. Gleichzeitig wiederholt die Europäische Zentralbank (EZB) die Fehler der Wirtschaftspolitik und den Bundeskanzlern Willy Brandt und Helmuth Schmidt, in dem sie europaweit die Aufnahme immer noch höherer Staatsschulden erleichtert.
Der Horror hat einen Namen: Sachsen. Bei den Landtagswahlen in Sachsen am 31. August gab es mehr Nicht-Wähler als Wähler, und zwar ziemlich genau 100.000. Eine gewaltige Zahl. 1,7 Millionen Wahlberechtigte blieben zu Hause, nur 1,6 Millionen machten ihr Kreuz. Die Partei der Nichtwähler ist mit 51,5 % der Stimmen die führende Partei. Wird sich der Trend bei den Landtagswahl morgen in Brandenburg und Thüringen wiederholen? Schon jetzt ist klar: Die Angst vor dem Nicht-Wähler und den Proteststimmen nimmt panische Züge an.
Morgen ab 18.00 Hier: Meinung und Analysen zur Landtagswahl
Und: ab 16.00 Beginn der Wahlwette. Per Kommentar oder Twitter - wer am nächsten am amtlichen Endergbnis dran ist und meine 16-Uhr-Prognose schlägt, gewinnt eine Flasche Champagner.
Viele in der großen Koalition fühlen sich heute als Enkel des „Vaters“ der sozialen Marktwirtschaft – eine Wahlverwandtschaft mit Schieflage, denn Erhard war ein Advokat der Eigenverantwortung. Wie hätte nun Ludwig Erhard die Arbeit der Großen Koalition bewertet?
Fleißig ist sie schon, die große Koalition. In Rekordzeit bringt sie im Namen der sozialen Gerechtigkeit ein Großprojekt nach dem nächsten auf den Weg. Sie hat das Mütter- und Frühverrentungsgesetz verabschiedet, Mindestlöhne eingeführt, die Reform des Energiereformgesetzes reformiert, und im Herbst soll die Mietpreisbremse folgen. Widerstand gegen diese die Regeln der Marktwirtschaft außer Kraft setzenden Maßnahmen regt sich im Bundestag kaum – die ohnehin schwachbrüstige Opposition will ja auch nichts Grundsätzlich anderes, sondern mehr von demselben: höhere Mindestlöhne, höhere Renten für mehr Begünstigte, rüderes Vorgehen gegen Hauseigentümer.
Spotlight Interview zum Thema „The Future of Online Video“ mit Anke…
"Bayern kann es auch alleine" - dieses "Plädoyer für einen eigenen Staat" ist drei Jahre alt und plötzlich sehr aktuell, seit es durchaus möglich ist, dass sich die Schotten nach 302 Jahren aus Großbritannien verabschieden.
Autor ist Wilfried Scharnagl, ein ebenso erfahrenes, kluges wie raffiniertes Urviech der Politik; einer der Männer, die einst hinter Franz-Josef Strauß standen. Er rechnet vor, dass Bayern mit über 12 Millionen Einwohnern in der Wirtschaftskraft der EU auf Platz 10 rangieren würde. Also gutes Mittelfeld. Zu klein jedenfalls wäre Bayern nicht.
Medien-Einblick: Wieviel Bildschirme hat eigentlich eine Fernseh-Topmanagerin wie Anke Schäferkordt, Herrin über die europäische RTL-Familie, zu Hause?
Auf der dmexco zählte Schäferkordt auf: zwei Fernseher, zwei Tablets, Smartphones, Kindle, was von Amazon… Es geht noch mehr - mit AppleWatch kommt der Fernseher am Handgelenk. Und überall läuft: Alles, was das Internet so bietet und auch mal Fernsehen. Mehr oder weniger häufig. Das ändert den Markt: Fernsehen ist, was auf dem Fernseher eher noch aus Versehen läuft. Die Bildschirme verfallen dem Internet; das digitale TV frisst das lineare TV. Heute der aktualisierte Beitrag mit einigen Resonanzen, und das Interview mit Frau Schäferkordt kann man nun hier ansehen:
Das hat es bislang noch nicht gegeben: Die feinen Pinkel des Transportgewerbes, die Lufthansa-Piloten, machen gemeinsame Sache mit dem irdischen Prekariat der Lokführer und streiken gemeinsam. Und in ebendiese Tage fällt das Verbot der halbprivaten, erschwinglichen Taxi-Dienste per Internet. Das ist eine Art systematischer Zufall: Ein Land gerät in den Würgegriff von Kartellen, die ihre Macht zu Lasten der Konsumenten ausnützen.
Die Europäische Zentralbank EZB senkt den Leitzins auf 0,05 Prozent - das ist ein neues historisches Tief, das den sensationellen Tiefstand vom Juni mit 0,15 Prozent noch einmal unterbietet. Und: Die Banken, die ihre flüssigen Mittel bei der EZB hinterlegen, müssen dafür noch höhere Strafzinsen zahlen - nunmehr 0,2 Prozent statt bisher 0,1. Damit setzt die EZB ihre falsche Politik fort, das aber entschieden.
Schlimmer noch: Frankreichs Reformbereitschaft ist weiter angeschlagen - auch wegen der Liebeshändel des Präsidenten: Europa krankt nicht an zu hohen Zinsen, sondern an der Tollheit seines politischen Personals.
Journalistische Bewertungen von Menschen und Meinungen waren bislang ein Gottesurteil: Ausgesprochen von einer höheren, überirdischen Weisheit. Unwiderrufliche Urteile, gegen die es keinen Anwalt, keine Berufung und schon gar keine Revision gibt, so Publizistik-Professor Hans Kepplinger in seinem Buch "Die Mechanismen der Skandalisierung". Die Gründe liegen nicht in der tatsächlichen überirdischen Weisheit von Journalisten begründet, sondern einfach darin, dass Journalisten den Zugang zu Massenmedien besitzen. „Gatekeeper“, nannte Marshall McLuhan sie daher.
Die CSU-Maut für Österreicher auf deutschen Straßen wird wohl nicht kommen - zu kompliziert, nach Abzug der Erhebungskosten bleiben nur 500 Millionen. Zu viel Ärger in NRW, wo sich Belgier und Niederländer gegen die Maut wehren.
Das ist die gute Nachricht. Aber es gibt eine schlechte Nachricht:
Ich bin ja ziemlich froh, dass ich mich mit Ende der winterlichen Sommerzeit doch wieder nach Deutschland zurück trauen kann. Denn: die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat Mitte August nun endlich das seit eineinhalb Jahren laufende Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung gegen meine Kollegin Melanie Bergermann und mich eingestellt.
„Warum eigentlich sollte man ein System ändern, von dem man doch genau weiß, dass es nicht funktioniert?“ Nur noch Spott und Galgenhumor hat die französische Tageszeitung „Le Figaro“ für die Regierungsarbeit von Präsident Francois Hollande übrig. Das war vor zwei Wochen.
Mittlerweile tagten Präsident Hollande und sein Regierungschef Manuel Valls in einer Klausurtagung im Urlaubsort Fort de Brégancon und flugs: trat die Regierung zurück und soll heute, Dienstag neu gebildet werden. Das klingt nach Aktion. Aber wer Frankreich kennt, weiß, dass es nach einem Muster regiert wird, das eigentlich aus Wien bekannt ist: Es muß etwas geschehen, damit sich nichts ändert. Denn selbst wenn jetzt einige Köpfe rollen - zu blockiert ist die Grande Nation.
Wenn Medien sich streiten, staunt die Öffentlichkeit. Denn die Branche der Veröffentlicher hängt jede ihrer Nichtigkeiten hoch, höher, am höchsten.
Die größte Show mit kleinstem Inhalt bietet in diesen Tagen das Magazin DER SPIEGEL, unbestritten eine der besten Zeitschriften. Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe und Chefredakteur Wolfgang Büchner auf der einen, die Redaktion auf der anderen Seite, streiten sich bis auf's Messer um die Frage: Dürfen Ressortleiter der Zeitschrift auch die inhaltsgleichen Ressorts auf Online leiten und umgekehrt? Der Chefredakteur will diese Verzahnung, Print kämpft dagegen. Ist das wirklich wichtig?
In diesen Tagen schwappt eine Aktion, die in den USA ihren Anfang genommen hat, über den großen Teich zu uns herüber, und diesmal leider wörtlich.
Die "Ice Bucket Challenge" soll auf die bisher leider unheilbare Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, aufmerksam machen. Im wesentlichen geht es darum, sich einen Kübel kaltes Wasser über den Kopf zu schwappen und drei weitere Personen zu berufen, es gleich zu tun oder 100 US-Dollar für die Erforschung der Krankheit an die ALS Association zu spenden.





















