Alarmsysteme gehackt: Millionen Menschen in Angst vor Nuklearangriff

Eine Stunde lang mussten Millionen Menschen in der Ukraine das Schlimmste befürchten – einen Nuklearangriff mit dem wohl sicheren Tod: Hacker manipulierten das Alarmsystem. Wenig später wurde auch Russlands Warnsystem attackiert.

Die Alarmmeldungen auf den Handys der Ukrainer. Screenshot X
Die Alarmmeldungen auf den Handys der Ukrainer.

Die offiziellen Alarm-Apps in der Ukraine und in Russland wurden in der Nacht auf heute nahezu gleichzeitig von Cyberkriminellen angegriffen: Falsche Warnungen vor Nuklear- und Chemiewaffenangriffen verbreiteten sich in beiden Ländern und lösten bei Millionen Menschen kurzzeitig Panik aus. Behörden beider Seiten bestätigten die Hacks, sie betonten aber, dass keine reale Gefahr bestand und die primären Warnsysteme (Sirenen, Lautsprecher, SMS, Rundfunk) weitgehend intakt blieben, berichtet dazu Reuters.

In der Ukraine begann der Hacker-Angriff um 22.47 Uhr Ortszeit: Nutzer der offiziell unterstützten App „Повітряна тривога“ (Air Alert), die vom Ministerium für Digitale Transformation gemeinsam mit Ajax Systems entwickelt wurde, erhielten falsche Push-Nachrichten. Eine lautete auf Ukrainisch: „Strahlungswarnung. Strahlungsgefahr in Kiew erklärt. Gehen Sie nicht nach draußen!“ Weitere Alarme warnten vor chemischen Angriffen und Straßenkämpfen in Kiew. Besonders aufsehenerregend war eine Nachricht auf Russisch: „Привет! По всей Украине сейчас будет ядерная тревога. Не волнуйтесь, летит Орешник!“ („Hallo! Gleich wird in der ganzen Ukraine ein Nuklearalarm ausgelöst. Keine Sorge, die Oreschnik ist unterwegs.“). Oreschnik ist eine der russische Mittelstreckenrakete, die im Endanflug hypersonisch mehr als 12.000 km/h schnell ist.

Die ukrainische Luftwaffe reagierte auf Telegram: „Es ist wahrscheinlich, dass die App ‚Air Alert‘ vom Feind kompromittiert wurde. Es gibt keine Strahlungsgefahr! Bitte bleiben Sie ruhig und folgen Sie unseren Updates auf unserem Kanal.“ Das Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation und die Organisation SPRAVDI schrieben die Attacke Russland zu.

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Regional-Gouverneure, darunter Svitlana Onyschtschuk (Ivano-Frankiwsk) und Natalia Sabolotna (Winnyzja), warnten laut kyivindependent auch vor Phishing-Links und sie forderten dazu auf, Ruhe zu bewahren. Die Staatliche Notfalldienststelle teilte dann wenig später mit, dass das landesweite Warnsystem wieder normal funktionierte und Bürger sich an die Informationen der lokalen Behörden halten sollten. Die App wurde vorübergehend deaktiviert und setzte ihre Funktionen erst schrittweise wieder ein.

Auch Warnsystem Russlands gehackt

Nur Stunden später, um 2.45 Uhr am heutigen Montag, traf ein ähnlicher Angriff Russland: Das Ministerium für Notfallsituationen (MTschS) meldete eine massive Cyberattacke auf seine mobile App und einige regionale Kanäle. Nutzer in mehreren Regionen – darunter Moskau, Nischni Nowgorod, Tjumen, Tula, Tscheljabinsk, Belgorod, St. Petersburg und andere – erhielten falsche Nachrichten über den angeblichen Start von Nuklear-Gefechtsköpfen auf Trägern vom Typ „P1-SUN“ gegen alle Regionen Russlands.

In den Alarmmeldungen wurde dazu aufegefordert, Lebensmittel für drei Wochen zu horten und sich in Kellern zu verstecken, einige Versionen enthielten auch vulgäre Formulierungen. Das MTschS erklärte: „Das mobile Anwendungsprogramm des MTschS Russlands wurde einer massiven Cyberattacke ausgesetzt, wodurch es Angreifern gelang, falsche Informationen an die Bevölkerung zu senden. Derzeit werden Arbeiten zur Beseitigung der Schwachstelle und zur Wiederherstellung der normalen Funktion durchgeführt.“ Die Behörde betonte, dass die eigentliche Bevölkerungswarnung (Sirenen, SMS, TV und Radio) nicht gestört und die App nur ein ergänzender Dienst sei.

Ukrainische Quellen, darunter UNN, berichteten, dass die pro-ukrainische Partisanenbewegung ATESch die Verantwortung für den Hackerangriff in Russland übernommen habe. Unabhängige Bestätigungen blieben bisher aus, die Behörden in Russland nannten bisher keine Täter. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Ende einer lokalen Feuerpause in der Region Cherson (Oleschky) fiel jedenfalls auf.

Mit dieser neuen Art der psychologischen Kriegsführung konnten in der Nacht auf heute Millionen Zivilisten in Todesangst versetzt werden.

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Kommentare ( 1 )

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Haba Orwell
1 Stunde her

> Ukrainische Quellen, darunter UNN, berichteten, dass die pro-ukrainische Partisanenbewegung ATESch die Verantwortung für den Hackerangriff in Russland übernommen habe.

Und davor haben die im Banderastan geübt? Es sind offensichtlich die gleichen Täter – nur wer?