Europa verliert nicht nur Grenzen, sondern sein Gedächtnis. Während deutsche Politiker die eigene Geschichte vor allem als Last behandeln und kulturelle Unterschiede einebnen, erinnert Marco Rubio in Athen an etwas, das hier fast schon als anstößig gilt: Eine Zivilisation kann nur bestehen, wenn sie weiß, woher sie kommt – und bereit ist, dieses Erbe zu verteidigen.
picture alliance / Mark Schiefelbein/Pool AP via AP | Mark Schiefelbein
Gebildete Politiker in Deutschland? Da fällt mir keiner ein. Höchstens Franz-Josef Strauß, aber der ist tot. Oder Viktor Orbán, von dem sich die Ungarn dummerweise getrennt haben. Oder Boris Johnson, der zwar, ohne zu schummeln, aus der Ilias rezitieren kann und die europäische Kultur verteidigt, aber politisch scheiterte.
Deutsche Politiker? Fehlanzeige. Sie sind mehrheitlich nicht gebildet. Sie scheinen unter „Europa“ die Europäische Union zu verstehen, ein bürokratisches Monster, das dabei ist, Europa zu fressen und höchstens negative Gefühle weckt, indem es sich permanent einmischt.
Ich erinnere mich gut an die einstige Begeisterung für offene Grenzen in Europa. Das mochte gut sein für den Warenverkehr. Doch jetzt fehlte dem Reisenden das Faszinierende des Grenzübertritts: Hinter der Grenze begann die meist freundliche Fremde, das Andere mit seiner fremden Sprache, den andersartigen Münzen, mit seinen nationalen Spleens und Besonderheiten. Ich erinnere mich gut an eine Diskussion mit einem Schriftsteller, der mich des gefährlichen Nationalismus bezichtigte, weil ich von „Nationalcharakter“ sprach. Der Literat dürfte sich in EU-Europa besonders wohlfühlen, nicht zuletzt, weil es nationale Besonderheiten nicht nur ignoriert, sondern plattmacht, wo es eben geht. Besonders leidenschaftlich unterstützt von bundesdeutschen Politikern, die bei Deutschland offenbar ausschließlich an Nazideutschland zu denken scheinen und am liebsten „Ausländer, lasst mich mit diesem Deutschland nicht allein“ skandieren, laut oder leise.
Nun, ihr Wunsch ist längst in Erfüllung gegangen: Was die Reproduktionsrate betrifft, liegen insbesondere die angelockten Einwanderer nach Deutschland und deren Nachkommen vorn.
Auch der Anteil von Weißhäutigen an der Bevölkerung nimmt ab, was woke Werber und viele ihrer Kunden offenbar so begeistert, dass sie an allen Ecken und Enden Schwarze auftreten lassen, die ja von den Weißen einst „kolonialisiert“ und ausgebeutet worden seien – von den „Weißen“ und nicht etwa von ihresgleichen und arabischen Sklavenhändlern.
Multikulti-Fans stört das nicht weiter, im Gegenteil: Weiß und Weiße sollen zum Verschwinden gebracht werden. Was ist daran „divers“? Und läge es nicht eher nahe, sich und jene Riesen, auf deren Schultern wir sitzen, zu verteidigen?
Marco Rubios Rede ist vom Gedanken getragen, „… dass wir das Erbe großer Helden besitzen und dass wir stolz – dass wir zutiefst stolz – auf unsere Herkunft sein sollten. Wir sollten staunen über das, was unsere Vorfahren aus dieser Landschaft geschaffen haben. Die Geschichte unserer Zivilisation ist die großartigste Geschichte, die die Menschheit je gekannt hat. Und sie begann hier, mit den ersten Männern und Frauen des Westens. Von ihnen – von ihnen – können wir die Tugenden, den Mut und die Kraft wiederentdecken, um den Gefahren zu begegnen, denen wir in unserer Zeit gegenüberstehen.“
Nun, man weiß natürlich nicht, welche Redenschreiber der amerikanische Außenminister Marco Rubio beschäftigt, die ihm womöglich bei seiner geschichtsgesättigten Rede vor der Akropolis geholfen haben. Doch auch über solche verfügen wir in Deutschland nicht, wo sogar der Außenminister wahrheitswidrig behauptet, es seien die türkischen Einwanderer gewesen, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut und ein Wirtschaftswunder bewirkt hätten.
Nicht nur in Deutschland sind Politiker mittlerweile begeistert dabei, uns von unserer Geschichte abzukoppeln, zu entfremden, statt ihr mit Stolz zu begegnen. Warum öffnet Europa sich ohne Not derart weit für fremde Kulturen, die zu Europa und seiner Geschichte nicht passen?



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