Die westdeutsche Brandmauer-Elite zieht nach Sachsen-Anhalt, um den Wählern zu erklären, was sie gefälligst zu wählen haben. Politiker, Prominente und Antifa-Aktivisten inszenieren Demokratie als betreutes Verfahren und behandeln den Osten dabei wie politisches Kolonialgebiet. Selten klafften Selbst- und Fremdwahrnehmung weiter auseinander.
picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert
Wie Kolonialherren benehmen sich Polit- und sogenannte Kultur-Prominenz und ihre Antifa-Fußtruppen aus dem Westen, die in Scharen nach Sachsen-Anhalt strömen, damit die dummen Untertanen dort bloß nicht auf den noch dümmeren und vor allem undankbaren Gedanken kommen, falsch zu wählen. In Bitterfeld errichtete die Antifa sogar ein Camp. Wo kommen wir denn da in unserer Demokratie hin, wenn jeder wählen dürfte, was er will.
Wofür haben die im Osten denn eine Friedliche Revolution gemacht, wenn nicht, um auf die Damen und Herren und Queeren aus dem Westen zu hören? Statt Erich Honecker Robert Habeck.
Geschmeichelt fühlen sich auch humorlose Komiker, die Kabarett mit verdruckster Spießerspaßigkeit verwechseln, wie eben Kerkeling oder Hallervorden. Didi Hallervorden, der Wahlkampf mit Sven Schulze macht, verprellt durch immer geschmacklosere Clips gerade seine letzten Fans und zerstört seinen Nachruhm gründlich. In schlechter deutscher Tradition bezeichnet er Kandidaten der AfD als „Schädlinge“. Erinnert sich Hallervorden daran, was mit Schädlingen, mit Volksschädlingen im Dritten Reich und im Stalinismus geschah? Die einzige lustige, oder soll man sagen komische Stelle in den Äußerungen von Hallervorden war, als er über „Intelligenz“ sprach.
Weil das nicht gelang, marschierten überfallartig Brandmauer-Politiker und Brandmauer-Kulturschaffende nach Magdeburg, Quedlinburg und Halle, damit die SED-Linke dort demnächst mithilfe der CDU die Macht übernimmt. Denn wer CDU wählt, das hat Sven Schulze immer wieder ungewollt deutlich gemacht, wählt SED-Linke und ihr grünes Anhängsel. Eine Landesministerin Sziborra-Seydlitz stellt sicherlich eine weitere Verarmung des Landes in der Krise dar. Jedenfalls hat Sziborra-Seydlitz bereits verkündet: Migranten „machen unser Land so großartig, wie es ist“. Nicht, um Merkel zu zitieren, nicht die schon länger in Sachsen-Anhalt Lebenden „machen unser Land so großartig, wie es ist“, sondern die kürzlich Dazugekommenen, nicht die Deutschen, sondern die Migranten. Wie großartig das geschieht, kann man jeden Tag in Magdeburg am Kriminalitäts-Hotspot Hasselbachplatz beobachten und bestaunen.
Und dass Grüne alles kaputt bekommen, hat nicht nur Habeck, der auch in Sachsen-Anhalt war, sondern haben auch Kretschmann und Özdemir in Baden-Württemberg bewiesen. Man kennt historisch die Grammatik der Verschwörungstheorien, die Özdemir wie immer holzhammerartig benutzt, wenn er schwurbelt: „Es geht darum, ob Sachsen-Anhalt weiterhin souverän ist, ob hier entschieden wird, was hier passiert oder ob man sich künftig die Genehmigung von Herrn Putin, von Herrn Trump, von Herrn Xi oder von Herrn Erdogan einholen muss.“ Es wäre ja schon ein Fortschritt, wenn Özdemir irgendwie, wenn es auch durch Losen ist, sich entscheidet, ob die Genehmigungen von Herrn Putin oder von Herrn Trump oder von Herrn Xi oder von Herrn Erdogan, vielleicht auch von den Mullahs oder den Marsmännchen, vom Zentrum Liberale Moderne oder von der Heinrich-Böll-Stiftung oder gleich vom Verfassungsschutz des Landes Niedersachsen einzuholen sind.
Und wen holt die CDU als Unterstützer nach Sachsen-Anhalt? Nicht den Kanzler, den versteckt die CDU lieber, schottet ihn vor Bürgern ab. Klar, der Sauerländer, der in Sachsen-Anhalt eher als eine Art Kolonialherr wirkt, kostet wertvolle Prozente. Den CDA-Chef Radtke, der in Sachsen-Anhalt eher an Otto Nuschkle und an Gerald Götting erinnert und dem Spötter vorschlagen könnte, das C durch das K zu ersetzen, statt christlich kommunistisch, zumindest durch G wie grün, würde auch eher der AfD als der CDU nutzen. So versucht es Radtke bei seinen Gesinnungsfreunden beim Brandmauer-Sender ZDF: „In dem Moment, wo wir mit dieser Partei zusammenarbeiten, sie in Verantwortung bringen, ist die CDU kaputt.“ Mit dieser Partei meint Blockfreund Radtke die AfD. Nach Radtkes Aussage kann man nun auch das Wort kaputt steigern, denn wenn die CDU nicht „mit dieser Partei“ zusammengeht, sondern mit den SED-Linken, dann ist sie noch kaputter. Man darf also gespannt sein, wenn die Wahlergebnisse vorliegen, wie sich die Landes-CDU verhalten wird. In den letzten Tagen tourt der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller aus Dessau durch Sachsen-Anhalt. Endlich mal ein Anhaltiner aus der Berliner Prominenz, der zudem Fraktionsvize der CDU-Bundestagsfraktion ist. Müller jedenfalls macht Wahlkampf gegen die SED-Linke, schließt kategorisch aus, dass die Landes-CDU mit der SED-Linken in auch nur irgendeiner Art kooperiert, was sie in der Vergangenheit allerdings schon getan hat.
Aber so viel ist sicher, dass die CDU im Osten, auch in Thüringen mit dem Dr. a. D. als Ministerpräsidenten, dem Compagnon der eigentlich Linken Wolf und dem ewig zum eigenen Machterhalt taktierenden Kretschmer am Ende ist. Sie wird in Ostdeutschland nicht mehr gebraucht – und auch in Westdeutschland als Brandmauer-Partei nicht mehr. Vor den Wahlen am Sonntag fürchtet sich das Brandmauerkombinat, selbst die WELT veröffentlicht fast im Stundentakt belehrende Artikel.








Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein