Der Super-GAU: Offenbar Daten nach Angriff auf Berliner Landesnetz veröffentlicht

Cyberkriminalität boomt, Unternehmen sehen sich zunehmend bedroht. Nun traf es wohl die Berliner Verwaltung. Hacker veröffentlichen offensichtlich jetzt, nach Ablauf ihres Ultimatums, rund 1,4 Millionen Daten.

picture alliance / ZUMAPRESS.com | Connie Zhou

Berlin wollte sich nicht erpressen lassen. Nun haben die Erpresser ihre Drohung, die Daten zu veröffentlichen, anscheinend wahr gemacht. Nach dem Hackerangriff auf das Berliner Landesnetz soll die Gruppe Rhysida nach Informationen des rbb rund 1,4 Millionen Daten in mehreren Paketen im Darknet zum Herunterladen bereitgestellt haben. Das zuvor gesetzte Ultimatum war am Freitag abgelaufen.

„Viel Vergnügen, Datenjäger“, schrieb die Hackergruppe am Freitagnachmittag auf ihrer Seite im Darknet. Der dort veröffentlichte Link produzierte zunächst eine Fehlermeldung, inzwischen sind nach Informationen des rbb zahlreiche Ordner zu sehen.

Was genau darin steckt, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach den bisherigen Angaben sollen sich unter den veröffentlichten Dokumenten Arbeitszeugnisse, Ausschreibungen, Beurteilungen von Mitarbeitern und Personalakten befinden. Auch der „Tagesspiegel“ berichtete darüber. Überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Ebenso offen ist, ob Rhysida tatsächlich die gesamte Datenmenge veröffentlicht hat, die bei dem Angriff Anfang August gestohlen worden sein soll. Experten hatten zuvor davor gewarnt, dass die Hacker sensible Daten verkaufen könnten.

Zwei Millionen Euro oder die Daten werden veröffentlicht

Die Daten waren Mitte August bei einem Angriff auf das Berliner Landesnetz erbeutet worden – jenes Netzwerk also, über das die Berliner Verwaltung arbeitet. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bestätigte in der vergangenen Woche, dass Berlin nach dem Datendiebstahl erpresst werde.
Die Forderung war durchaus konkret: 30 Bitcoin wollten die Erpresser nach Angaben der Senatskanzlei haben. Das entsprach rund zwei Millionen Euro.

Der Berliner Senat erklärte mehrfach, nicht zahlen zu wollen. Damit war allerdings auch klar, welches Risiko Berlin einging. Senatssprecherin Christine Richter hatte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bereits angekündigt, womit zu rechnen sei: „Es muss davon ausgegangen werden, dass die Daten im Anschluss weiterveräußert oder ganz oder in Teilen veröffentlicht werden.“ Genau dieser Fall ist nun offenbar eingetreten.

Keine Erkenntnisse über Verbindungen nach Russland

Nach Kenntnis des Senats handelt es sich bei den Angreifern um eine hochprofessionelle Gruppierung. Sie wird mit verschiedenen Cyberattacken auf Ziele in Nord- und Südeuropa, Deutschland und den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren in Verbindung gebracht.

Eine Verbindung der Hacker nach Russland ist nach dem bisherigen Erkenntnisstand allerdings nicht belegt. Nach Angaben des Senats liegen keine Erkenntnisse über Verbindungen nach Russland oder gar zum russischen Staat vor. Ausgeschlossen werden könnten solche Verbindungen allerdings ebenfalls nicht.
Damit steht zunächst nur fest: Die Täter verlangten 30 Bitcoin, Berlin zahlte nicht, das Ultimatum lief ab – und nun stehen nach rbb-Informationen rund 1,4 Millionen Daten in mehreren Paketen im Darknet zum Download bereit.

Was sich tatsächlich alles darunter befindet und ob damit sämtliche gestohlenen Daten veröffentlicht wurden, ist noch ungeklärt.

Das Geschäft mit gestohlenen Daten boomt. Das Geschäft sei, so Fachleute, äußerst dynamisch. Die Wachstumsraten seien zweistellig. 2014 waren 300 Gruppierungen bekannt. Allein im ersten Quartal 2025 sind 25 dazugekommen.

  • Schaden für deutsche Unternehmen im Jahr 2024 durch Cyberangriffe: 266,6 Milliarden Euro
  • Inzwischen sehen sich zwei Drittel der Unternehmen durch Cyberattacken in ihrer Existenz bedroht (65 Prozent).
  • 82 Prozent aller Unternehmen erwarten einen weiteren Anstieg der Cyberattacken innerhalb der nächsten zwölf Monate.
  • 59 Prozent aller Unternehmen berichten von einem Anstieg der Cyberangriffe seit Beginn des Krieges in der Ukraine.
  • 66 Prozent der Unternehmen wurden in den letzten zwölf Monaten von Ransomware attackiert.
  • Dunkelziffer bei Cyberangriffen: 91,5 Prozent.
  • Mit anderen Worten: Die Wahrscheinlichkeit, Ziel einer Erpressung zu werden, ist sehr hoch. Die auf Cyberkriminalität spezialisierte LVW-Versicherung geht von einer Wahrscheinlichkeit von 1:4 aus. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit eines Lottogewinns liegt bei 1:140 Millionen, die eines Blitzschlags bei 1:250.000 und die eines Wohnungseinbruchs bei 1:354.

Berlin scheint nicht im Lotto gewonnen zu haben.

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Kommentare ( 42 )

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GWR
1 Monat her

Und bei diesen Unfähigen in der IT will Berlin jetzt die ganzen Vermieter verpflichten ihre Daten bei einer Berliner Datenbank einzugeben.
Ich würde mich weigern mit der Begründung, dass die Berliner Verwaltung unfähig ist die Daten zu schützen.

Privat
1 Monat her

Bei dem komischen Tennisspieler Wegner von der CDU ist alles möglich

Michaelis
1 Monat her

Wie ich auf irgendeinem Schmierenkanal gelesen habe, weiß man auch schon wieder, wer’s war: Putins Russland selbstverständlich!!

Fatmah
1 Monat her

Der oberschlaue Berliner Tennisspieler wollte mal wieder schlauer sein als alle Anderen.

Teiresias
1 Monat her

Bargeldabschaffung, CBDCs, Digital ID mit Personalausweis, Führerschein, „Impfpass“ et c. –
Alles basiert auf IT-Sicherheit und Ausfallsicherheit des Stromnetzes.
Und sie werden das durchziehen.
Ich will hier weg!

Dieter
1 Monat her
Antworten an  Teiresias

aber nicht mit einem modernen Auto, das kann man , zu ihrer Sicherheit natürlich, schlicht von extern stillegen.

Zum alten Fritz
1 Monat her

Der Fall zeigt doch nur wie gering das fachliche Niveau im generellen und Sicherheit im Bereich Informatik im Besonderen in Deutschland ist. Es wäre interessant sich die reale Qualifikation von oben nach unten anzuschauen.
Für abgesaugte Daten Geld zu bezahlen wäre Quatsch, die Sauger würden die Daten ja nicht löschen. Eine Auswertung der Daten ist doch viel zu interessant.
Fakt ist der Parteienfilz ist nicht nur ein politisches Elend sondern auch ein Sicherheitsrisiko!

AndreasA
1 Monat her

Hier ist die fachliche Qualifikation der gleichen Führungselite zu besichtigen, die auch den digitalen Euro einführen will. Genau aus diesem Grund bin ich für die Zukunft recht optimistisch gestimmt.

olympos
1 Monat her

Die Russen Paranoia der „Deutschen“ ist abartig.

Wilhelm Roepke
1 Monat her

Mit ein bisschen Glück sind die V-Leute des Verfassungsschutzes in der Berliner AFD jetzt auch öffentlich, womit der Demokratie doch noch ein Gefallen getan werden könnte.

Verzeihtnix
1 Monat her

Warum sollte sich auch Russland für Arbeitszeugnise oder Beurteilungen von Berliner Beamten interessieren. Jeder weiß doch, was man von denen zu halten hat.